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Steve Brockmann

Expected Errors

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Fencesound Music

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Expected Errors
Expected Errors, Fencesound Music, 2007
Steve Brockmann All compositions, all instruments, mixing & artwork
Produziert von: Steve Brockmann Länge: 51 Min 57 Sek Medium: CD
1. Safety Procedures7. Leaving Soberville
2. Fernwright's Lunchbox8. The Guest Of Ryder Ramirez
3. Not Necessarely Evil9. Fix Star
4. The Aspirant10. Without Remorse
5. Expected Errors11. Inventio Fortunatae
6. The Changeler

Die drei ständigen Fragezeichen bei Ein-Mann-Veranstaltungen: Warum macht der Typ das nicht mit einer Band? Warum muss uns noch ein Saitenartist mit seiner Egomanie beglücken? Warum kommt dabei immer nur Hochleistungssport und nie anhörbares Liedgut heraus?
Teil 1 ist schnell beantwortet. Steve Brockmann kommt aus Bredstedt in Nordfriesland. Da findest du mal ne fünfköpfige und vor allem hart rockende Band.
2. Davon abgesehen, dass unser Held keineswegs ein profilneurotischer Selbstdarsteller ist und durchaus über Jahre hinweg Erfahrung als Teamplayer hat, lautet die Antwort: Er kann es!
Und schlussendlich kann er es so gut, dass trotz fehlendem Gesang auf "Expected Errors" - was für ein Titel übrigens - tatsächlich 11 Songs zu finden sind. Lieder, keine Notenverbiegungen aus dem Zirkus.
Woran liegt es?

Gitarre, Hammond, Rhodes. Was braucht der Rocker mehr? Richtig, einen Schlagzeuger. Hat Brockmann nicht, also programmiert er sich einen. "Fauxpas!", schreit der Freund der dicken Kessel, doch, ein Wunder, das Getrommle hier klingt gar nicht nach Computer, im Gegenteil, vergleicht man mit z.B. den letzten Veröffentlichungen von WHITESNAKE, erscheint einem der japanische Freund auf dieser CD menschlich wie Charlie Watts. Ein klein wenig opulenter natürlich, dafür wartet man vergeblich auf die expected errors. Damit ist die CD schon mal ganz weit vorne in der (kurzen) Rangliste der "Guten Schallplatten ohne lebenden Schlagzeuger".
Und "Schall" ist direkt das nächste Stichwort. "E. E." tönt dermaßen angenehm, druckvoll und analog (= warm, erdig, natürlich), dass man es vielen vielen Tonmeistern als Referenzwerk ans Herz legen möchte, damit die zukünftig nicht jeder Band, egal ob Metal, Punk oder Prog, den gleichen Retortensound verpassen.
Man muss all die neuen Aufnahmetechnologien nicht mögen, wenn sie aber so zweckdienlich und sachkundig eingesetzt werden, erfüllen sie ihre Aufgabe zigfach besser als jedes Studio der ach so wundervollen Sixties & Söhne. Nur als Beispiel: Möchte jemand ernsthaft behaupten, dass die ersten drei Wunderwerke von LED ZEPPELIN auf den alten Vinyls jemals wirklich gut klangen? John Bonham ausdrücklich ausgenommen. Einziger Grund, warum man sich für "Expected Errors" das LP-Format zurückwünschen würde: Das schicke Coverbild wäre größer.
Was der nächste Themenpunkt ist. CD-Kauf ist auch visuelle Geschmackssache. Wer möchte schon ein Produkt mit einem debil grienenden Schnösel erwerben, wenn daneben ein spannendes Bild mit zu erkundenden Details steht. Das Thema UFO/Weltraum und Musik mag zwar schon auf geschätzten 5.000 Plattenhüllen durchgenommen worden sein, aber bei ansprechender Umsetzung geht es der Zielgruppe immer wieder ans Gemüt. Brockmann outet sich als Fan und macht Artwork für Fans. Die beiden Sonnenanbeter rechts unten sind garantiert Doris Day und Rock Hudson. Wie kommen die denn auf eine fliegende Untertasse?
Platz für Phantasie, Gedankenspiele und Grinsen also, und damit endlich zur Musik auf Steve Brockmanns neuer CD.

Der Chef selbst spricht von Hardrock, Metal und progressiven Tönen. Mag alles sein, aber nach zwei Wochen Dauerhören bleibt maßgeblich hängen, dass auf dieser Scheibe neben allen technischen Fertigkeiten vor allem die Melodien wie Urwaldfarne wuchern. Natürlich ist es Hard Rock, natürlich sind progressive Klänge zu vermelden, jedoch niemals im grenzwertigen Bereich all der wildgewordenen Fusion-Frickler seit beispielsweise DREAM THEATER.
In unserem Forum schrieb kürzlich ein Leser, dass DEEP PURPLEs Lazy progressiver Rock wäre. Man kann darin problemlos auch einfach einen deftigen Rock'n'Roll-Jam sehen. Entsprechend kann man in Brockmanns Werk auch viel hineininterpretieren, für schlichte Gemüter wird es einfach nur gute Musik darstellen.
Wer weiß, dass Steve Brockmann neben PURPLE auch Bands wie COLD CHISEL, BLUE ÖYSTER CULT, LAKE und MAGNUM zu seinen persönlichen Favoriten zählt, wird die zu hörende Musik auf "Expected Errors" besser verstehen. Es wird zwar keine Sekunde abgekupfert, aber der Geist all dieser Größen springt unablässig umher wie ein headbangender Pumuckl.
Wir lernen, dass Steve Brockmann kein ganz junger Haudrauf mehr sein kann, was auch richtig ist, denn er macht seit zigundachtzig Jahren Musik und hat eine verblüffende Ähnlichkeit mit Ted Nugent, ist aber unvergleichlich intelligenter. Und mit ihm seine Musik.

Würden RUSH jemals so straight rocken, würden DEEP PURPLE heute noch so spannende Songs schreiben, würden B.Ö.C. noch weitere Meisterwerke wie "Spectres" oder das 98er "Heaven Forbid" produzieren (believe it or not), Steve Brockmann hätte ein Problem, denn dann wäre er nicht mehr einzigartig. Tun die alle aber nicht, also steht Steve alleine da und hat eine phänomenale CD gemacht.
Song-Empfehlungen gibt es nicht, denn die muss sich jeder Hörer selbst erarbeiten. Arbeit kann wahnsinnig viel Spaß machen. Obwohl, der Titelsong oder Safety Procedures oder Fernwright's Lunchbox oder Not Necessarely Evil oder Without Remorse wären schon Anspieltipps. Die anderen 6 aber auch. Hahaha, das ist des arroganten Schreibers Wissensvorsprung. Holt ihn ein!

Nachtrag: Der größte Satz des der CD beiliegenden Infos ist: "Garantiert Arpeggio-frei." Nein, auf "Expected Errors" gibt es keine Sechzehntel-Amokläufe, dafür grandiose Soli und etliche Gänsehautmomente. Doch wo bleiben die Fehler? Etikettenschwindel!

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 27.05.2007

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