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Loud Feathers

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Loud Feathers
Loud Feathers, Rootsy, 2012
Pontus Snibb Vocals & Guitars
Mats Rydstrom Bass
Niklas Matsson Drums
Gäste:
Conny Bloom Guitar
Mats Ronander Harmonica
Ralf Gyllenhammar Vocals
Produziert von: Conny Wall & PS3 Länge: 51 Min 58 Sek Medium: CD
1. Tag Along7. Love Letter
2. Mental Breakdown8. Chasing Down A Dream
3. Filler9. Suck Face
4. Hounds of Hell10. Full Of Yourself
5. Tiny Joe11. Saviour
6. So Crazy You Amaze Me

In drei Tagen kann man:
- eine Erkältung halbwegs auskurieren
- eine Wohnung entrümpeln und die Wände streichen
- zwei Bücher lesen
- mit dem Rad von München bis Wien fahren
- zusammen mit seinem besten Freund am Gardasee 20 Flaschen Rotwein trinken
- den zugehörigen Kater nicht töten
- dabei aber gut 40 Langspielplatten am Stück hören
- oder in ein Studio gehen und eine CD aufnehmen - wenn man Pontus Snibb heißt und ein vollkommen verrückter Rock'n'Roll-Maniac ist und dazu noch Freunde hat, die diesen Irrsinn mitmachen.

Pontus Snibb 3

Ein kleines Päuschen bei BONAFIDE hat genügt, um den guten Pontus so unruhig werden zu lassen, dass er umgehend sein drittes (?) Soloalbum einspielen musste. Gut, ein richtiges Soloalbum ist "Loud Feathers" eigentlich nicht, denn hinter seinen Namen hat der Mann mit der exorbitanten Stimme eine 3 gesetzt - entweder weil es das dritte Solowerk ist, oder weil die Session drei Tage gedauert hat, oder weil PONTUS SNIBB 3 ein Trio ist. Und was für eines. Der Bassist und der Schlagzeuger sind hauptberuflich bei BACKDRAFT beschäftigt, der Drummer ist überdies inzwischen auch bei BONAFIDE am Werk. Ja, und dann gehen diese drei langhaarigen Vögel in ein Stockholmer Studio und zünden mal eben so nebenbei eine Blues'n'Hardrock-Granate, die den Liebhaber solcher Töne aufs Knie sinken lässt.
Snibb hat es drauf, die ganz große Rock-Illusion beim Hörer zu erwecken. Ein leise brummender Röhrenverstärker im Hintergrund, Gitarre angestöpselt, das obligate Warmspiel-Minisolo, ein brünftiges "Allright" und dann Abfahrt in allerfeinster MONTROSE-Manier mit allem Drum und Dran, vom "hard hitting" Riffing zum Angebersolo mit Gänsehautgarantie und dann über ein Break hinein in den Gesangsorgasmus - klassischer und auch vorhersehbarer kann man Hard Rock kaum machen, aber eben auch kaum besser. Genau so hat diese Musik seit ihrer Erfindung funktioniert, so wird sie es auch in 100 Jahren noch tun: einfach deftig rein ins Hauptwahrnehmungszentrum des Rock & Roll, den medizinisch nicht nachweisbaren Gefühlsstrang Ohr-Herz-Bauch-Beine. Das Hirn wird meist dramatisch überbewertet, für Prog-Rocker mag es wichtig sein, beim Boogie, Blues und Rock'n'Roll ist es nur zuständig für die Ausschüttung von Glückshormonen - welche bei "Loud Feathers" massenhaft zur Verteilung anstehen.
Selbstverständlich kann man von einem 3-Tage-Projekt keine klangliche Brillanz wie bei PINK FLOYD verlangen, aber PS3 ist exakt gelungen, was bei BONAFIDE erst auf dem zweiten Album ansatzweise geklappt hat, nämlich die absolute Sound-Authentizität. Auf "Loud Feathers" ist exakt das zu hören, was die Herrschaften in der kurzen Zeit eingespielt haben, keine Gimmicks, kein Feinschliff, einfach nur verdammt guter Live-Rock.

Eine Band, die derartiges so überzeugend schafft, hat auch die entsprechenden Songs parat. Pontus Snibb hat seine eigenen Nummern mitgebracht, nur das angefunkte Groove-Teil Love Letter stammt von Conny Bloom (ELECTRIC BOYS), der hier auch seine Gitarre spendiert, was natürlich zu einem wunderbaren zweistimmigen Miteinander führt. Der zweite prominente Gast ist Mats Ronander, bei uns in Deutschland wenig bekannt als Chef von STOCKHOLM STONER, umso mehr als Tour-Gitarrist für ABBA in den späten 70ern. Der passionierte Blueser lässt bei Hounds Of Hell eine scharfe Harmonica ertönen.
Es adelt "Loud Feathers", dass nicht durchgehend Vollgas gegeben wird, zwischendurch ist eine Harmonie-Bombe wie So Crazy You Amaze Me im LIZZY-Style herrlich auflockernd und macht die ein, zwei langweiligeren Boller-Kompositionen vergessen. Das gilt auch für den eigentlich ganz handelsüblichen Blues Chasing Down A Dream, der aber so beseelt durch alle Klischees wandelt, dass ein Prachtstück daraus wird. Der Snibb singt aber auch wirklich wie der Teufel.
Die gesamte Blues-Herrlichkeit kommt am Ende beim jammigen Sechseinhalbminüter Saviour nochmals zur Geltung, davor hat man eine Dreiviertelstunde Good-Time-Rock'n'Roll der wundervollsten Sorte gehört. "Loud Feathers" ist eines jener kleinen Alben, das bei den wenigen noch aktiven Genre-Enthusiasten Kultstatus erlangen und ewige Wichtigkeit haben wird.
Man muss viele Muscheln öffnen um eine Perle zu finden, PONTUS SNIBB 3 ist eine ganze Perlenzucht.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 23.02.2012


 
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