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Im Sommer 1980 stand ich völlig fassungslos bei einem Open Air Festival in Bayern und starrte auf etwas bis dahin nicht gesehenes. Auf der Bühne tobten drei Gitarristen plus Bassist und Schlagzeuger und mittendrin stand einer, der das Publikum nicht freundlich zum mitklatschen animierte, sondern es mit seiner unglaublichen Stimme bedrohte: Have party or fuck off!
Es war mein erstes MOLLY HATCHET Konzert - die beste Southern-Boogie Band aller Zeiten. Und wild entschlossen stand am Bühnenrand Danny Joe Brown und shoutete sich die Seele aus dem Leib und uns dort unten eine Gänsehaut nach der anderen über den Rücken. Die riesige Bühne schien zu klein für ihn und diese großartige Band.
Danny Joe Brown war ein unglaublich charismatischer Sänger. Seine ungezügelte Bühnenpräsentation schien manchmal unkoordiniert und außer Kontrolle, aber mit einem Grinsen und einer fürchterlich klischeebehafteten Armbewegung holte er sich und die Band aus den verfahrensten Drei-Gitarren-Schlachten zurück in den typischen Vorwärts-Rock & Roll-Powerrhythmus, brüllte vielleicht noch ein "hell yeah" dazwischen und schwang seinen Mikrophonständer. Das aber so, daß die ersten Reihen die Gefahr über ihren Köpfen spürten.
Nur er selbst spürte die Gefahr nicht. Nicht, als ihn die Band wegen seiner Diabeteserkrankung - die vorgeschobene offizielle Erklärung - nach dem zweiten Album feuerte, nicht einmal, als die Band nach seinem Wiedereinstieg in den späten Achtzigern und frühen Neunzigern faktisch am Ende war und er grauenhafte Konzerte, voll mit wohl allen greifbaren ungesunden Mitteln, ablieferte. Vielleicht nicht einmal, als er 1995/96 seinen Platz endgültig räumen mußte, weil er zu krank war weiterhin zu singen, ganz geschwiegen von Bühnenauftritten. Rock & Roll or bust...
Danny Joe Brown war ein Tier. Ich habe ihn apathisch auf Koffern schlafen sehen, nachdem er einen Soundcheck ablieferte, der mit Musik nur wenig zu tun hatte. Zwei Stunden später zog er dem Publikum das Fell über die Ohren und dirigierte sein Orchester durch 90 Minuten Southern Rock, wie ich ihn danach viele Jahre nicht mehr hören durfte. Ich habe ihn auch gesehen, als er von einem nominell hoffnungslos unterlegenem Mittelklassesänger völlig wehrlos an die Wand geschrieen wurde. Mit hängenden Armen, leerem Blick und ohne Perspektive. Nur Tage später lieferte er dann Entertainment ab, das für die nächsten 100 Jahre als Lehrbeispiel dienen sollte.
Die ganze Verlogenheit der so genannten "Southern Rock Family" zeigte sich 1999, als es Danny Joe Brown so schlecht ging, daß Freunde für ihn ein Tribute-Konzert organisierten, um seine weitere ärztliche Versorgung irgendwie finanzieren zu können. Monatelange Streitigkeiten und regelrechte Kriege zwischen Musikern und Fans verurteilten das gut gemeinte Projekt musikalisch und finanziell zum Scheitern.
Ich weiß nicht, wie es Danny Joe Brown zuletzt ging. Dem Geschwätz der sich immer in den Vordergrund drängenden "best friends of..." darf man keinen Glauben schenken. Eines ist sicher: DJB hatte eine lange Leidenszeit.
Den unvergleichlichen Performer Danny Joe Brown haben wir schon lange verloren, am 10. März 2005 ist der Mensch Danny Joe Brown gestorben.
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