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Der Rock'n'Roll und das Showbusiness leben heute nicht mehr von Werten, die ganze Dekaden überdauern. In diesem Geschäft wird heutzutage mit dem Augenblick und dem äußerlichen Schein Geld verdient, viel Geld. Da fallen in aller Regel all diejenigen durch, die ehrliches Handwerk und aufrichtige Gedanken ihr Credo nennen.
Doch es war auch schon mal anders. Davon zeugen Namen wie Elvis Presley, das Phänomen BEATLES oder eine Legende wie Bob Dylan. Bei diesen Namen bekomme ich heute noch Gänsehaut und die Assoziationen jagen durch meine Gefühlsnerven.
Heute wird Rod Stewart 65. Der Mann war anfangs kein Freund von künstlichen Posen und auch keiner, der einen langfristigen Lebensplan in Richtung Ruhm gehabt hätte. Dieser Typ hat sich einfach nur selbst verwirklicht und daraus Legenden entstehen lassen, ehe er dem Kommerz seine heimische Tür weit öffnete. Aber das ist eben auch Rock'n'Roll.
Ich gebe zu, dass ich mir nach "Atlantic Crossing" nie wieder eine Platte oder CD von ihm gekauft habe. Mit Do Ya Think I'm Sexy, Hot Legs oder Baby Jane konnte ich nichts mehr anfangen und mit seinen glitzernden Bühnenoutfits auch nicht. Mein Lebensmotto war auch nicht Forever Young und deshalb ließ ich Rod "The Mod" mit seinem Glitzer-Image von da an allein. Es wird ihn nicht interessiert haben und das beruht auf Gegenseitigkeit.
Aber dieser Typ mit der blonden Morgenmuffel-Mähne war auch einmal ein Synonym für ein Lebensgefühl, das identisch mit Rock'n'Roll ist. Jedenfalls für mich und einen Haufen anderer "Unverbesserlicher" hierzulande und weltweit.
Rod Stewart & Faces
Als Rod Stewart im Jahre 1969 den Derwisch Steve Marriott bei den SMALL FACES ersetzte und mit dem Neuzugang Ron Wood daraus nur noch die FACES wurden, hatten sich Musiker gefunden, die fortan Sex & Drugs & Rock'n'Roll in Reinkultur lebten. Dabei war es nicht von Bedeutung, ob es um die Vernichtung von Alkohol oder um das "Umräumen" von Hotelzimmern ging. Auch nicht ob man gerade vor Tausenden ein Konzert gab oder sich im Studio befand. Die FACES mit dem Sänger Rod Stewart waren böse, laut und dreckig, wie der Blues, den sie von der Bühne rotzten, so etwa bei "A Nod's As Good As Wink … To A Blind Horse" von 1971. Da hätten sich selbst die ROLLING STONES noch eine Scheibe Revoluzzerei abschneiden können. Erst vor Jahresfrist hatte ich das Glück, mir genau dieses historische Tondokument von Ian McLagan (Keyboards) signieren lassen zu können - "do ya think I'm happy?"
Wenige Jahre vor dieser Platte war Rod Stewart am Zustandekommen der legendären Langrille "Truth" von Jeff Beck, dem ehemaligen YARDBIRDS-Gitarristen, beteiligt. Hier veredelt er alte Folk-Songs wie Greenesleves und beeindruckt mit O'l Man River und immer wieder begeistert mich seine Version von Morning Dew. Dieses Album von 1968 ist noch heute der Hammer und ein Meilenstein der Rockgeschichte, an dem sich noch viele "Suppen-Stars" die Zähne ausbeißen und die Finger verrenken werden, vorausgesetzt, sie kennen das Teil überhaupt.
Nahezu zeitgleich startete Rod Stewart eine Solo-Karriere, deren Fortgang man noch heute registrieren kann, wenngleich sie mich schon lange nicht mehr interessiert, geschweige denn überzeugt.
Aber sein Solo-Start und die ersten LP-Veröffentlichungen sicherten ihm einen ewigen Ehrenplatz im Rock-Olymp. Schon sein LP-Erstling "An Old Raincoat Never Let You Down" von 1969 lässt aufhorchen und "Gasoline Alley" (1970) ist einfach nur ein Traum mit unverfälschtem erdigen Folk und kernigen Rocksongs. Gänzlich weg und alle war ich dann 1971 bei "Every Picture Tells A Story", als er Maggie May in den Äther röchelte und zärtlich Mandolin Wind hauchte. Das hatte Klasse und atmet bis heute den Hauch der Unsterblichkeit.
Den Höhepunkt erreichte er ein Jahr später mit "Never A Dull Moment" von 1972 mit dem Charterfolg You Wear It Well (Es steht dir gut). Gleichzeitig schaffte er mit diesem Album die Kehrtwende in Richtung Charts, die er folgerichtig 1975 mit "Atlantic Crossing" und dem Überhit Sailing eroberte. Von da an verlor ich seine Spur in der Bedeutungslosigkeit von Chartnotierungen und massenkompatibler Alltagskost. Rod Stewart hatte sich businessgerecht verjüngt und eine neue Zielgruppe für sich ausgemacht. Das ist auch eine Leistung, aber eben eine, die mir nicht wirklich Emotionen entlocken kann.
Allein für die Jahre von 1968 bis 1972, einschließlich dem Sampler "Sing It Again Rod" und seiner Version von Pinball Wizard aus "Tommy" von den WHO sollten wir ihm dankbar sein und uns an einen überragenden Rocker und Sänger erinnern. In diesen wenigen Jahren einer in Jahrzehnten zu zählenden Karriere gab er mehr, als andere es ihr Leben lang vor sich herträumen werden - Rock'n'Roll mit rauchigem Sound, Folk vom Feinsten und einer Stimme, die uns aufhorchen und erschauern lässt. Was kann man eigentlich mehr verlangen?
Der Mann wird mit dem 10. Januar 2010 sein 65. Lebensjahr vollenden und auf all die blöden Kommentare pfeifen, die man ihm andichten wird. Er wird sicher seinen Ruhm genießen und die Skandälchen, die man von ihm berichtet auch. Vielleicht wird er denken: "So what - never a dull moment". Allein schon für seine Geschichten von Maggie May und Mandolin Wind gönne ich ihm am heutigen Tag sein hämisches Grinsen, einen guten Schluck und (s)eine Blonde im Arm.
Nur gut, dass Rod "The Mod" nie Fußballer wurde. Besser das Ende einer Karriere als Rockstar in unseren Erinnerungen, als gar keine Erinnerung an einen, der mal ein durchschnittlicher Fußballer hätte werden wollen. Seine alten Songs erzählen noch immer die besseren Geschichten vom Leben.
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