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"What You Need" Pre-listening Session, 05.02.2005

Am 4. und 5. Februar luden die Heilbronner Nachwuchsmetaller THE PAST ALIVE ausgewählte Medienvertreter ins SCB Music Studio nach Bretzfeld, um einen Einblick in die Arbeit an ihrem zweiten Album "What You Need" zu geben, das im späten Frühjahr veröffentlicht werden soll.
Natürlich geht es einer Band in so einer Situation immer auch um ein Feedback für ihre Arbeit, die hoffentlich wohlwollende Reaktionen hervorruft.
Mit der Einschränkung, dass über Highend Studioequipment jede Aufnahme erst mal verdammt gut klingt, und dass es nicht gerade einfach ist, bei nur einem Hördurchgang sich ein fundiertes Urteil zu bilden, muss man dieser sympathischen Band jedoch attestieren, mit dem neuen Material einen großen Schritt gegenüber dem Debüt "The Deepest Inner" nach vorne gemacht zu haben.

THE PAST ALIVE stellen an sich den Anspruch, einfach Heavy Metal zu machen ohne sich dabei in einer Unterschublade festnageln zu lassen. Fakt ist, dass die gehörten elf Songs ein enorm breites stilistisches Spektrum abdecken, das von gehörigem Mut zeugt, birgt es doch schon die Gefahr, sich den Vorwurf der Konzeptlosigkeit von wenig toleranten Kritikern einzuhandeln.
Und, auch das sollte mir als Vorbemerkung gestattet sein, immer wieder klingen bei THE PAST ALIVE METALLICA durch. Einerseits sind die Jungs mit dieser Band groß aufgewachsen, andererseits hat Sänger Nik Gledic einfach eine ähnliche Stimme wie James Hetfield. Ja, und? Ralf Scheepers hat eine ähnliche Stimme wie ein guter Rob Halford und erlebt seit undenklicher Zeit mit seinen Bands den JUDAS PRIEST-Vergleich. Ich könnte mir für eine Band wesentlich unangenehmere Referenzen als METALLICA vorstellen, schließlich haben die in grauer Vorzeit auch mal verdammt gute Musik gemacht, und ich bin mir sicher, unzählige andere Bands wären unendlich froh einen Sänger wie Nik in ihren Reihen zu haben.

Jetzt aber hinein ins Vergnügen, in elf Songs, die in unterschiedlichen Mixzuständen vorlagen.
Lies ist ein typischer Opener, der mit einem zerbrechlich wirkenden, akustischen Gitarrenintro beginnt, wie man es von METALLICAs Battery oder Fight fire with fire her kennt. Erwartungsgemäß entwickelt sich der Song aber schnell zu einem heftigen Nackenbrecher bei dem der melodische Gesang den Kontrast zu den heftigen Riffs darstellt.

Eine interessante Basslinie dominiert den Anfang von Addicted, das ziemlich groovt. Die Phrasierung des Textes verfügt über eine mit Enter sandman vergleichbare Metrik und Gitarrenfreaks kommen bei einem melodischen und einem weiteren ziemlich abgedrehten Solopart voll auf ihre Kosten. Die Nummer könnte sich zu einem kleinen Hit für THE PAST ALIVE mausern.

Now or never: Eine originelle Nummer, die durch den vertrackten Rhythmus fast schon progressive Züge annimmt. Der einsetzende Gesang verbreitet eine irgendwie bedrohliche Atmosphäre. Nicht gerade eingängig aber trotzdem oder gerade deshalb irgendwie faszinierend.

No choice beginnt wie schon Lies mit einem akustischen Intro. Hier zeigen sich THE PAST ALIVE von einer neuen Seite und präsentieren eine kraftvolle und gleichermaßen emotionale Halbballade, die sich zum Ende hin immer mehr steigert. Nik singt hier etwas tiefer als gewöhnlich, womit es ihm gelingt den Hetfield-Schatten abzustreifen. Kommt wirklich gut!

The Past Alive Ein krasses Kontrastprogramm liefert die Band mit These solutions. Thrashiges Riffing trifft auf Mördergrooves und gipfelt in einem fast schon unverschämt eingängigen Refrain. Das Gitarrensolo wirkt etwas konstruiert und deplatziert. Die Nummer könnte vor allem live hervorragend funktionieren und erinnert etwas an ANNIHILATOR oder GRIP INC..

Absolutely no doubt wirkt wie das fehlende Bindeglied zwischen Master of puppets und Sad but true. Beim Gitarrensound treffen Moderne und Tradition aufeinander. Eine komplexe Nummer, die vom prägnanten Refrain zusammengehalten wird, bei dem Schlagzeuger Suat die zweite Gesangsstimme übernimmt.

Bei den Proben zur Akustikshow mit VIRGIN STEELE entstand The edge of time (Part 1), der sanfteste Song den THE PAST ALIVE bisher geschrieben haben. Eine reinrassige, fast schon zerbrechlich wirkende Ballade mit einer schönen akustischen Gitarre und einer starken Gesangsleistung von Nik, der sich wieder in tieferen Tonlagen als gewohnt bewegt. Der Song verströmt eine Atmosphäre, die an The unforgiven erinnert und erhält zum Ende hin als Sahnehäubchen einen Hauch Bombast. Bei einer nahmhaften Band mit entsprechendem Support einer Plattenfirma wäre das ein todsicherer Singlehit und Anwärter für die Charts.

Obscurity präsentiert eine weitere neue Seite von THE PAST ALIVE. AMON AMARTH light jammen mit METALLICA im Progressivrausch. Jürgen übernimmt die Versvocals und überrascht mit seinem rauen Gesang, den man fast schon als Death Metal Growls bezeichnen kann. Das bietet einen schönen Kontrast zur Stimme von Nik, und gerade dieser Gegensatz macht das Stück besonders reizvoll.

The Past Alive Der Titelsong des Albums What you need beginnt mit einer interessanten Sprechpassage und verfällt dann in eine interessante Rhythmik. Schlagzeug, Gitarren und der bei diesem Stück eingesetzte Sprechgesang scheinen gegeneinander anzukämpfen und harmonieren doch miteinander. Ein orientalisch anmutendes Gitarrensolo rundet das Stück, das erneut an GRIP INC. erinnert, ab.

All of the night ist eine Spaßnummer, die aus einer feuchtfröhlichen Übungsraumsession entstanden ist, laut Aussage der Band ihr Schni, Schna, Schnappi. Wer genau hinhört erkennt, dass THE PAST ALIVE hier jede Menge Achtziger-Metal-Klischees diverser Bands und Songs zu einer durchaus gewollt klischeehaften Metal-Hymne verknüpft haben, die sich schon nach dem ersten Refrain problemlos voller Inbrunst mitgröhlen lässt. Da ist eine Menge IRON MAIDEN und JUDAS PRIEST drin (Remember: Rock you all around the world), aber auch Undergroundbands wie RUFFIANS oder MALICE schimmern durch. Macht einfach Spaß und dürfte Dank seiner Partytauglichkeit einen Stammplatz im Zugabenblock bei Konzerten sicher haben.

Den Abschluss bildet The edge of time (Part 2), ein großartiges Instrumental, das auf dem ersten Teil von The edge of time, der Ballade des Albums aufbaut. Ein ambitioniertes Epos, das sich nur schwer mit Worten beschreiben lässt. Melodische, melancholische Akustikparts wechseln mit mörderischen Groovepassagen, unzählige Breaks und Tempiweschel sind an der Tagesordnung und Streicher verleihen dem Finale einen bombastischen Anstrich. Natürlich denkt man dabei unweigerlich an The call of Khtulu oder Orion, was der Klasse des Stückes aber keinen Abbruch tut.

Liebend gerne hätte ich gleich ein Exemplar des Albums mit nach Hause genommen, doch noch steht der letzte Feinschliff aus. Außerdem suchen THE PAST ALIVE mit dem fertigen Produkt noch eine Plattenfirma, um mit kompetenter Unterstützung den Schritt aus dem Untergrund heraus in eine breitere Öffentlichkeit zu vollziehen. Das sollte mit den gehörten Songs in der Hinterhand kein Ding der Unmöglichkeit sein. Ich jedenfalls fiebere der offiziellen Veröffentlichung von "What You Need" entgegen.

Martin Schneider, (Impressum, Artikelliste), 17.02.2005

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