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Teil 7: Blitz & Donner

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Discografie (Originalalben und ausgewählte Compilations):
Thin Lizzy
"Thin Lizzy", April 1971
New Day
"New Day", August 1971 (EP)
Shades Of A Blue Orphanage
"Shades Of A Blue Orphanage", März 1972
A Tribute To Deep Purple
FUNKY JUNCTION, "A Tribute To Deep Purple", Januar 1973
Vagabonds Of The Western World
"Vagabonds Of The Western World", September 1973
Night Life
"Night Life", Oktober 1974
Fighting
"Fighting", August 1975
Jailbreak
"Jailbreak", März 1976
Remembering Part 1
"Remembering Part 1", August 1976 (Compilation)
Johnny The Fox
"Johnny The Fox", Oktober 1976
Bad Reputation
"Bad Reputation", September 1977
Live And Dangerous
"Live And Dangerous", Juni 1978
Live And Dangerous Video
"Live And Dangerous", 1978 (Video)
Black Rose
"Black Rose", April 1979
The Boys Are Back In Town Video
"The Boys Are Back In Town", 1979 (Video)
The Continuing Saga Of The Ageing Orphans
"The Continuing Saga Of The Ageing Orphans", September 1979 (Compilation)
Chinatown
Philip Lynott, "Solo In Soho", April 1980
Chinatown
"Chinatown", September 1980
The Adventures Of Thin Lizzy
"The Adventures Of Thin Lizzy", März 1981 (Compilation)
Killers Live
"Killers Live", Mai 1981 (EP)
Renegade
"Renegade", November 1981
Rockers
"Rockers", Dezember 1981 (Compilation)
Chinatown
Philip Lynott, "The Philip Lynott Album", Oktober 1982
Thunder And Lightning
"Thunder And Lightning", März 1983
Life Live
"Life Live", November 1983
Whisky In The Jar EP
"Whisky In The Jar / The Rocker / Sarah / Black Boys On The Corner [Ltd. Edition 12"]", August 1986 (EP)
Dedication
"Dedication - The Very Best Of", März 1991 (Compilation)
BBC Radio One Live In Concert
"BBC Radio One Live In Concert", November 1992
The Peel Sessions
"The Peel Sessions", Oktober 1994 (Compilation)
One Night Only
"One Night Only", Juli 2000
Vagabonds Kings Warriors Angels
"Vagabonds Kings Warriors Angels", Januar 2002 (Compilation, 4-CD Box)
Rock Masters
"Rock Masters", 2004 (DVD)
Thin Lizzy At Rockpalast
"Thin Lizzy At Rockpalast", April 2004 (DVD)
Thunder And Lightning Tour
"Thunder And Lightning Tour", 2005 (DVD)
Greatest Hits
"Greatest Hits", August 2005 (DVD)

Mit dem anbrechenden Jahr 1982 brachen auch verstärkt Drogenprobleme über die Band herein. Mit "Renegade" schnell wieder aus den Charts verschwunden und auf der Bühne zumindest phasenweise von allen guten Geistern verlassen, stockte der LIZZY-Motor nicht nur, er drohte regelrecht abzuwürgen.
Die schwelenden personellen Schwierigkeiten entwickelten sich in Richtung Eskalation. Snowy White schien nicht nur vom Bühnenoutfit her überhaupt nicht zur Band zu passen. Phil Lynott bekam zudem offensichtlich seine persönlichen Probleme kaum unter Kontrolle. Knapp zwei Jahre verheiratet und Vater von inzwischen zwei Kindern, versuchte er noch zu retten was von seiner Reputation und seiner Position in der Welt des Rock übrig geblieben war. Bedingt durch die chaotischen Zustände der vergangenen Jahre sah Lynott sich zunehmend irgendwelcher Inspirationen beraubt und flüchtete verstärkt in eine nebulöse Drogenwelt. Dass sein langjähriger Weggefährte Scott Gorham sich verstärkt mit dem Thema Heroin befasste, erschwerte die Lage zusehends.
Geradezu deprimierend auf die Musiker musste die Feststellung wirken, nicht länger vor den besonders in Großbritannien gewohnt großen Menschenmassen aufzutreten. Die Gruppe schien ganz offensichtlich nicht den von ihr angepeilten Größenstatus erreichen zu können. In diesem Gedankenrahmen begann das neue Jahr mit einem weiteren Tour-Fahrplan. Die schiere Power von THIN LIZZY schien allmählich zu schwinden.

Es lief bereits am Anfang schlecht. Die Absage mehrere britischer Gigs wurde offiziell als "Pannen während der Tour" heruntergespielt. Hinter Scott Gorhams angeblichen Erschöpfungszuständen wurde ein ernstzunehmender Drogenmissbrauch vermutet.
Die Europa-Tour im Frühjahr 1982 stand ebenfalls unter keinem guten Stern. Während einer Konzertreise durch Portugal traf man die Entscheidung, den Gitarristen zwecks Erholung zurück nach London zu schicken und bestritt die restlichen drei Shows nur noch als Quartett. In Dänemark sollte es Drummer Brian Downey erwischen. Der wurde in einem Nachtclub in eine Schlägerei verwickelt und dabei so schwer am Auge verletzt, dass er zwecks Behandlung nach England zurückkehren musste. Als Ersatz verpflichteten THIN LIZZY kurzfristig Mark Nauseef, der die Band bereits auf der "Live And Dangerous"-Tour 1978 begleitet hatte.
Mit LIZZY ging es abwärts. Beispielhaft die spätere Aussage Nauseefs, in der er sich zum damaligen Zustand der Band äußerte. Nach seinem Eindruck verfügten THIN LIZZY 1978 über eine beeindruckende Lightshow sowie einer beachtlichen Arsenal von Pyrotechnik, während die 82er Tour in diesen Belangen merklich sparsamer ausgestattet war. Bei seinem ersten Einsatz sprangen Phil Lynott und Gary Moore noch wie verrückt vom Podest des Drummers zurück auf den Bühnenboden, doch plötzlich war Gary fort und Snowy erschien auf der Bildfläche. Die einstige Präsentation, vergleichbar mit einem Blitzeinschlag, hatte spürbar an Intensität verloren. Nauseef führte das auf die Weiterentwicklung der Gruppe zurück und betonte ausdrücklich, von White einen durchaus positiven Eindruck gewonnen zu haben.
Die Besetzung mit dem immer noch als "neuen" Gitarristen bezeichneten Snowy White kam nicht wie erhofft an. Die Fans vermissten eine gewisse Extrovertiertheit wie bei Brian Robertson oder Gary Moore. Für die meisten dürfte allerdings der seelische Zustand Whites unbekannt gewesen sein, der immer mehr unter dem Durcheinander im Bandlager zu leiden hatte. Snowy wurde zunehmend frustrierter. Seine Aussage "Wenn ich morgens aus meinem Hotelzimmer kam, traf Phil gerade von seinen nächtlichen Ausflügen ein. Im Studio tauchte er erst spät abends auf und war dann so high, dass er die ganze Nacht durcharbeiten wollte" lässt die ganze Angelegenheit in einem anderen Licht erscheinen.
Die letzten beiden Daten der Frühjahrstour 1982 fanden im Londoner Dominion Theater statt. Beide Auftritte wurde zwecks einer späteren Video-Veröffentlichung gefilmt. Sogar ein eventueller Kinofilm stand in der Planung. Die Verfassung der Band ergab als Resultat ein Songmaterial, welches dem früheren Standard LIZZYs in keinster Weise entsprach. Eine Sichtung des Filmmaterials führte zu dem Ergebnis, dass den Aufnahmen das "gewisse Etwas" fehlte. Snowy White hangelte sich durch die beiden Gigs, während Scott Gorham zwecks Erwecken von Publikumsreaktionen hier und da ein Bein in die Luft warf. Eine notwendige soundtechnische Überarbeitung der Liveaufnahmen hätte unnötige Zeitverschwendung bedeutet, denn ganz offensichtlich zeigten die Filmaufnahmen eine Band, die weit von ihrer Bestform entfernt blieb, und ein Publikum, dessen Interesse zunehmend zu schwinden schien.
("Ist der Hardrock tot?" Unter diesem Titel veröffentlichte eine deutsche Musikzeitschrift im Verlauf des Jahres 1982 einen Artikel, in dem u.a. auch THIN LIZZY Erwähnung fanden. Die damalige Hard'n'Heavy-Szene wurde infolge von nicht ausverkauften Konzerten in Frage gestellt. Im Falle LIZZY war von knapp 2.000 Konzertbesuchern die Rede. Dass auch eine Band wie IRON MAIDEN mit ihrem damaligen Mega-Album "The Number Of The Beast" keineswegs einen Garanten für ausverkaufte bundesdeutsche Hallen bildete - Besucher heutiger Gigs würden sich das in Anbetracht überteuerter und ausverkaufter Shows manches Mal wünschen - lässt die Sache für THIN LIZZY wieder positiver aussehen.)

Hollywood Den Misserfolg der Single Hollywood im März '82 durfte sich neben der Band selber sicherlich auch ihr Label auf die Fahne schreiben. LIZZY erhielten längst nicht die dringend benötigte Unterstützung seitens ihrer Plattenfirma. Es gab kein Video zwecks Promotion von Hollywood, was im aufkommenden MTV-Zeitalter einen klaren Nachteil bedeutete. Zudem grenzte es bereits an einen kommerziellen Selbstmord, drei Monate nach Erscheinen eines in der Publikumsgunst durchgefallenen Album daraus eine relativ sperrige Single zu veröffentlichen.
Die Band THIN LIZZY hatte anschließend eine Pause bis zum Herbst des Jahres. Ab diesem Zeitpunkt waren ein größerer Festivalauftritt in Großbritannien und Vorbereitungen von Songmaterial für das kommende Album geplant.
Der Solist Phil Lynott allerdings legte keine Pause ein. Der ausgedehnte Zeitraum bis zu den nächsten Bandaktivitäten gab ihm Zeit, weitere Songs für sein zweites Solo-Album zu komponieren und eine Tour als Solist durch Irland vorzubereiten. Darren Wharton sollte ihn als einziger LIZZY-Musiker nicht nur begleiten, sondern zugleich auch als musikalischer Direktor fungieren.
Wie Lynott es ausdrückte, sollte die Tour ihn aktiv halten. Er liebte es, zu arbeiten. Er liebte es, live aufzutreten. Er war gespannt auf die neuen Begleitmusiker und hoffte, das irische Publikum würde seine "andere" Seite genau so wie die mit THIN LIZZY mögen. Außer einer überarbeiteten Version von Whiskey In The Jar und dem Titelsong der zu Unrecht von den Käufern weitgehend ignorierten "Renegade"-LP würde es hauptsächlich Songs aus den beiden Solo-Alben zu hören geben. Die Tour sollte ihm auch Zeit geben, den nötigen Abstand von THIN LIZZY zu bekommen, um die Gesamtsituation der Band zu überdenken. Der Druck, sich wie ein verrückter Rock'n'Roll-Star aufführen zu müssen, existierte nicht länger.
Es sollte sich herausstellen, dass jedes LIZZY-Mitglied inzwischen genug eigene Probleme hatte. Die Gruppe benötigte dringend eine längere Pause zwecks Aufladen der Batterien und Wiederauferweckung der alten Kreativität. Bereits im Verlauf der "Renegade"-Tour hatte Gorham seinen langjährigen Kollegen Lynott mehrfach zur Seite genommen und angedroht, die Band zu verlassen. Im Grunde ging es ihm darum, Phil davon zu überzeugen, dass man noch ein weiteres Album aufnehmen solle und anschließend eine letzte größere Tournee absolvierte, um die Gruppe danach endgültig zusammen für immer zu begraben.
Für Darren Wharton präsentierten sich diese Aussichten natürlich alles andere als glücklich. Dem relativen Newcomer gelang es zu keinem Zeitpunkt, so viel Einfluss auf das Songmaterial der Band nehmen zu können, um damit einen eigenen Stempel zu hinterlassen. In solch einer großen Gruppe ging er nahezu unter und blieb auch live im Hintergrund. Snowy White passte einfach nicht in die Band und stellte sich immer mehr als der falsche Mann für den Job als zweiter Gitarrist dar. Scott Gorham ging durch eine Reihe persönlicher Probleme und hatte zu diesem Zeitpunkt das Interesse an Liveauftritten verloren. Zudem schien er auch nicht sonderlich glücklich über die von Lynott angestrebte musikalische Veränderung zu sein. Sein Urteil über den Song Angel Of Death fiel nahezu vernichtend aus. Beobachtern blieb nicht unverborgen, dass die von ihm beigesteuerten Tracks stark an das glorreiche LIZZY-Material der Jahre 1976/77 erinnerten. Bedingt durch diese Umstände fiel ein Großteil der Verantwortung, gerade bei Konzerten THIN LIZZYs, auf Phil Lynott, der seinerseits damit zu kämpfen hatte, sein Drogenproblem unter Kontrolle zu bekommen.

Die irische Solo-Tour zeigte die softere Seite eines in der Öffentlichkeit als "harten Mann" bekannten Phil Lynott. Die Konzerte sollten des weiteren die Tauglichkeit von Songs beweisen, welche für den Release der zweiten LP ohne seine Stammband bestimmt waren. Der Track Sarah, einst auf dem "Black Rose"-Album als Widmung an seine Tochter gedacht, spiegelte nun in den Auftritten Lynotts auch dessen künstlerische Vielseitigkeit wider. Die Dates in Irland sollten als Experiment verstanden werden - alles war möglich. Außer Darren Wharton an den Keyboards begleiteten ihn mit Jerome Rimson (Bass), Robbie Brennan (Drums), Gus Isadore (Sologitarre) und Trevor Knight als zweiten zusätzlichen Keyboarder Musiker, die nichts mit der LIZZY-Welt zu tun hatten und Phil bestenfalls aus seiner Jugend in Dublin kannten. Lynott selber übernahm selbstverständlich den Gesang und wechselte zwischen Bass und sechssaitiger Rhythmusgitarre. Die Tournee verlief in einem äußerst relaxten Rahmen und ermöglichte ihm, seine mit LIZZY nicht umzusetzenden musikalischen Ideen hier auszuleben. Zudem schien Lynott seine Drogensucht in den Griff bekommen zu haben.
Together Im Juli 1982 wurde nach der Auswahl durch Phil die Single Together als Vorgeschmack auf den kommenden Solo-Release veröffentlicht. Während sich die Scheibe im United Kingdom nicht mal in den Charts platzieren konnte, erreichte sie in der irischen Heimat immerhin die Position 25. Nach außen hin unbeeindruckt von dem relativen Fehlschlag, steckte Lynott ein erhebliches Maß an Energie in seine solistischen Aktivitäten und kündigte für den Winter eine Tour durchs europäische Festland mit der gleichen Besetzung an.
Der LIZZY-Boss schien selbst durch seine Verpflichtungen als Solist nicht ausgelastet. Gab es einmal einen Freiraum, musste dieser schnell wieder durch weitere Betriebsamkeiten ausgefüllt werden. Mitte Juli des Jahres trat Phil während einer Jam-Session auf dem Punchestown Festival u.a. mit Rory Gallagher auf. Doch wie schon so oft in der Vergangenheit gab es Rückschläge zu verzeichnen. Das Hotel, welches Lynott mittlerweile gemeinsam mit seiner Mutter betrieb, brannte Ende Juli bis auf die Grundmauern nieder. Nicht nur der finanzielle Verlust schmerzte. Vielmehr die Tatsache, dass die Pläne zum Wiederaufbau sich als unrealisierbar erwiesen und das inzwischen sehr rentable Hotel für immer verloren war, sollten sowohl im Leben von Phils Mutter Philomena als auch in dessen Dasein zu einem niederschmetternden Erlebnis werden.
Zu dieser Zeit kamen Lynott erste Ideen zum Song Holy War, der später auf dem Album "Thunder And Lightning" landen sollte und wie schon Angel Of Death ("Renegade", 1981) die Thematiken des Nostradamus behandelte.

Anfang August '82 spielten THIN LIZZY als Headliner auf dem drei Tage währenden Castlebar Festival. Der Gig sollte zum letzten der Gorham/White-Formation an der Gitarrenfront werden. Snowy hatte endgültig die Nase von Phils Unzuverlässigkeit und den nicht eingehaltenen Versprechungen voll. White fasste die Zeit mit der Band anschließend so zusammen, dass er von unterschiedlichen Wellenlängen, verschiedenen Lebensweisen und weit auseinanderliegenden Vorstellungen bezüglich der Nachtruhe sprach. Er sei halt nicht so ein harter Bursche wie seine Kollegen und tendiere eher zu ruhigeren Momenten.
Mit dem Weggang Whites machte sich wieder ein Albtraum breit, dem man bereits mehrfach in der Vergangenheit begegnet war. LIZZY standen im Begriff ein neues Album aufzunehmen, und hatten wie schon des öfteren mit einer Vakanz auf der Position des zweiten Gitarristen zu kämpfen. Dieses Mal, so entschied man, sollte jedoch nicht das Prozedere der "Bad Reputation"-Sessions (1977), bei denen Scott Gorham nahezu sämtlich Gitarren-Parts alleine einspielte, wiederholt werden. Ein neuer Gitarrist musste dringend her.
Doch damit nicht genug. LIZZYs langjähriger Co-Manager Chris O'Donnell entschied sich ebenfalls zum Fortgang. In einer Krisengesprächsrunde verkündete er seine Entscheidung mit der Begründung, dass nach seinem Eindruck die Band keine musikalische Weiterentwicklung oder Zielrichtung erkennen ließe.
Noch in dem gleichen Monat, in welchem Snowy White die Band verlassen hatte, besuchte Lynott seinen Kumpel und Produzenten Chris Tsangarides in den Dubliner Lombard Studios. Dieser arbeitete gerade mit einem jungen Gitarristen namens John Sykes an dessen Single Please Don't Leave Me. Der als äußerst dynamisch und talentiert geltende Sykes hatte noch Verpflichtungen gegenüber dem Label MCA aus seiner Zeit mit der NWOBHM-Band TYGERS OF PAN TANG offen, welche er Monate zuvor verlassen hatte. Sykes bat Lynott um dessen Mithilfe und letztlich spielten auch noch die LIZZY-Musiker Brian Downey (Drums) und Darren Wharton (Keyboards) auf Please Don't Leave Me mit. Die kurz darauf veröffentlichte Single wurde trotz beachtlicher TV-Werbung kein Hit.
Im Anschluss an die Sessions mit John Sykes wurde diesem der Job bei THIN LIZZY angeboten, welchen er ohne Zögern annahm. Nur wenig später sollten bereits die ersten Rehearsals für das geplante neue Album "Thunder And Lightning" in den Londoner Eel Pie Studios beginnen.
Der im Gegensatz zu Snowy White langmähnige John Sykes sollte frischen Wind in das Lager der müden LIZZY-Recken bringen. Am 27. Juli 1959 geboren und damit zehn Jahre jünger als Lynott, hatte John Teile seiner Jugend bei einem Onkel auf der spanischen Insel Ibiza verbracht. Tägliche Übungen auf der Gitarre und nach seiner Rückkehr ins heimatliche Großbritannien das Durchlaufen lokaler Bands im Raum Blackpool führten ihn schließlich zu den TYGERS OF PAN TANG, mit denen er die besonders in seiner Heimat vielbeachteten Alben "Spellbound" und "Crazy Nights" einspielte. Nach dem tragischen Tod seines Gitarristen Randy Rhoads hatte auch Ozzy Osbourne Interesse an den Diensten von Sykes bekundet.
Scott Gorham zeigte sich sofort begeistert. Für ihn kehrte mit der Person Sykes nicht nur das alte Hardrock-Feeling zurück, sondern ihn beeindruckte vor allem die Einstellung des "Neuen" und seine lustige Art. Und was natürlich das Wichtigste blieb ... mit John Sykes hatte die Band einen großartigen Gitarristen bekommen, welcher stilistisch viel besser als sein Vorgänger in das Schema der Gruppe zu passen schien.

Phil Lynotts geplantes zweites Solo-Album hatte bereits merkliche musikalische Veränderungen durchlaufen, als man mit der Mitteilung herauskam, der Titel würde sich ebenfalls von "Fantastic Attitudes" in das weniger aufregende "The Philip Lynott Album" ändern. Die nächste Solo-Single Old Town wartete bereits in der Pipeline und ein dazugehörendes Video stand in Planung.
Old Town Die Zeit zum Dreh fehlte wie bereits gewohnt natürlich wieder für die Arbeiten am kommenden LIZZY-Album, für welches es obendrein außer einigen Ideen bis dato kaum vernünftiges Songmaterial gab. Produzent Chris Tsangarides empfand 1.000 Pfund Sterling pro Tag für die Miete eines Studios als reine Geldverschwendung und riet Lynott, statt dessen doch lieber einen billigeren Übungsraum zu belegen, bis man endlich mit fertigen Songs die Aufnahmen beginnen könne. Phil erklärte sich einverstanden und zeigte sich verwundert darüber, dass niemals zuvor jemand ihm einen solchen Vorschlag unterbreitet hätte.
Der Videodreh zu Old Town dauerte zwei Tage und fiel im Vergleich zu den bisherigen Filmchen recht aufwendig aus. Trotz der großen Produktion fiel die Single durch. Sowohl in Großbritannien als auch in der Heimat hinterließ der sehr irisch klingende Song keinerlei Spuren in den Charts. Erstaunlicherweise wurde Old Town in den Niederlanden und in ganz Skandinavien zu einem großen Hit.
Lynott bekam zunehmend Probleme mit seiner Plattenfirma. Zur Zeit der Veröffentlichung von Old Town war das Album bereits drei Monate überfällig. Eine der letzten Arbeiten des Künstlers Jim Fitzpatrick war das Cover für den ursprünglich vorgesehenen Album-Titel "Fantastic Attitudes". Phils Label verweigerte jedoch die Genehmigung für eine Veröffentlichung in dieser Form, sowohl von der Musik als auch von der Covergestaltung her, und drohten das gesamte Projekt abzusagen. Schließlich gingen die Arbeiten weiter, doch jetzt sollte Fitzpatrick kein Geld mehr für die künstlerische Gestaltung erhalten. Lynotts langjähriger Freund erklärte noch Jahre später sein völliges Unverständnis darüber, wie die Plattenfirma eine seiner Meinung nach feinsten Arbeiten Phils so dermaßen schlecht vermarktete.

Der Monat September 1982 brachte die offizielle Bekanntgabe von John Sykes als neuen THIN LIZZY Gitarristen mit sich. Lange sollten die ersten gemeinsamen Arbeiten am geplanten nächsten Album der Gruppe jedoch nicht andauern, denn bereits Anfang Oktober reformierte Lynott seine Begleitband für weitere solistische Unternehmungen, zeitgleich mit der Veröffentlichung seiner zweiten LP ohne THIN LIZZY. Wie üblich gab es auch hier personelle Veränderungen zu vermelden. Geblieben waren Gitarrist Gus Isadore und Tieftöner Jerome Rimson, doch neuer Schlagzeuger war jetzt der LIZZY-Aushilfsdrummer Mark Nauseef und neben Darren Wharton bediente fortan Jimmy Bain die Tasteninstrumente.
(Bain hatte nach seinem Engagement als Bassist bei RAINBOW mittlerweile auch das Projekt WILD HORSES mit dem ex-THIN LIZZY Gitarrero Brian Robertson, wo er neben seinem Stamminstrument auch die Verantwortung für die Lead Vocals und zusätzliche Keyboards trug, wieder aufgelöst. 1983 sollte er wiederum als Bassist an der Seite von Ronnie James Dio deutlichen Anteil - auch als Songschreiber - am großen Erfolg von dessen Album "Holy Diver" haben.)
Die eigentliche Stärke Phil Lynotts war Rock'n'Roll auf einem Stadion-Level. Das neue Solomaterial unterschied sich stellenweise doch arg gravierend davon und stieß nicht auf die selbe Akzeptanz wie seine Songs mit LIZZY. Die Europa-Tour als Solist verlief im Vergleich zu den irischen Dates einige Monate zuvor wieder eher exzessiv. Lynott und seine Begleiter frönten neben dem Gesang auch reichlich Wein & Weib plus dem Genuss zusätzlicher illegaler Substanzen. Dass Phil dabei zusehends den Überblick verlor, bewies folgendes Ereignis. Nachdem Lynott in Kopenhagen zu spät zum Flugplatz kam und die Musiker deswegen ihre Maschine verpasst hatten, heuerte er eine kleine Privatmaschine für seine Begleitmusiker an und erzählte ihnen, aufgrund geschäftlicher Verpflichtungen später nachzureisen. Das Privatflugzeug kam wie bestellt, doch der Platz im Frachtraum reichte nicht für das gesamte Gepäck aus. Auf Gus Isadores Frage, was er nun mit seinen Sachen machen solle, antwortete ihm Phil lediglich, er würde sie in seine Obhut nehmen. In diesem Moment sah der Gitarrist sein Gepäck zum letzten Mal...
The Pilip Lynott Album "The Philip Lynott Album" entwickelte sich schon beinahe erwartungsgemäß zu einem kommerziellen Misserfolg. Als Hauptgrund wurde das organisatorische Chaos während der Entstehung der Scheibe genannt. Wären die Lynott zur Verfügung stehenden Musiker präziser angeleitet und das Album besser vorbereitet gewesen, hätte er möglicherweise auch eindrucksvolleres Songmaterial am Start gehabt.
Nach dem Desaster in den britischen Charts verzichtete Phil auf eine Tournee durch das UK; möglicherweise auch aus Furcht vor einem weiteren Rückschlag für THIN LIZZY. Im November '82 kehrte Lynott wieder ins LIZZY-Camp zurück, um das neue Album fertig zu stellen.

Im Gegensatz zu den Aufnahmen der vergangenen Jahre ging Phil jetzt wieder konzentrierter zur Sache. Jeden Tag, nachdem die Band ihre Passagen, egal ob Gitarren oder Drums, eingespielt hatte, blieb er jetzt danach im Studio, um an den passenden Gesangslinien zu feilen. Viele Texte entstanden erst in diesen Momenten und wurden immer wieder so lange umgeschrieben, bis Lynott zu dem Punkt kam an welchem er sie für nicht mehr verbesserungsfähig hielt.
Chris Tsangarides war besonders von der Leistung John Sykes angetan. Seiner Meinung nach umgab den blonden Gitarristen eine Art "VAN HALEN"-Aura. Genau das, was LIZZY dringend benötigten. Sykes trat der Band musikalisch in den Hintern und brachte sie durch sein emotionales Spiel wieder ans laufen, während sie in der Ära Snowy White zunehmend zu lahmen begann. Dabei glänzte John weniger durch kompositorische Großtaten als vielmehr durch Dynamik und einen Stil, der sich mit der Bezeichnung "Powerhouse" in Verbindung bringen ließ. Dieses Mal traf der Produzent zudem auf eine Gruppe, die im Vergleich zu den letzten Alben sehr gut vorbereitet schien. Tsangarides wurde regelrecht zu einem Fan LIZZYs und befand später, dass sie selbst an vergleichsweise schlechten Tagen noch immer eine großartige Band waren.
(Über die Aufnahmeorte zu "Thunder And Lightning" gibt es im Übrigen etwas unklare Angaben. LP- und CD-Cover geben unter "recorded & mixed at" die Orte "Lombard Dublin", "Power Plant London" und "Boathouse London" an, während die Biographie "THIN LIZZY" von Alan Byrne aufführt, die Basic-Recordings hätten in den "Eel Pie Studios" stattgefunden und die Overdubs wären einige Zeit später im "Power Plant" eingespielt worden. Andererseits bedankt die Gruppe sich im Booklet von "Thunder ..." bei einer gewissen Sally Hume, ihrerseits "Receptionist Eel Pie"...)
Mit dem Weihnachtsfest vor der Haustür und dem allgemeinen Gefühl, das kommende Album hätte das Zeug zum besten Werk seit "Black Rose" (1979), reformierte Lynott seine "Solo"-Band ein weiteres Mal für eine kleinere Reihe von Auftritten. Im Line-Up tauchte für Mark Nauseef jetzt mit Drummer Brian Downey ein weiteres LIZZY-Mitglied auf.

Kurz vor Weihnachten 1982 gab es erste Ankündigungen für THIN LIZZYs erste und zugleich einzige Tour mit ihrem neuen Gitarristen John Sykes. Die Feiertage kamen und gingen, während dessen die Band in den Rehearsals für die anstehenden Konzerte steckte. Das neue Programm sollte die Fans davon überzeugen, dass LIZZY noch lange nicht zum alten Eisen zählten. In Rock-Kreisen wurde die Gruppe wieder zu einem Thema, doch man war skeptisch, ob sie erneut zur Form vergangener, glorreicher Tage zurückfinden würde. Hinter vorgehaltener Hand wurden schnell Spekulationen über erschreckend schwache Ticket-Vorverkäufe laut. Der letzte verbliebene Manager, Chris Morrison, setzte bereits früh im neuen Jahr '83 ein Meeting an, um über die Zukunft der Gruppe zu beratschlagen. Die Tour benötigte außer der Präsenz der neuen Person John Sykes einen weiteren Anreiz. Nahezu verzweifelte Maßnahmen zu Ankurbelung der Verkaufszahlen führten letztlich zu unglücklichen Konsequenzen. Um die schlechten Absätze zu verbessern, entschied man sich zur Verkündigung einer Abschiedstour. Statt die Gruppe aufgrund der neuen vielversprechenden Ansätze noch einmal vorsichtig aufzubauen, entschied man sich dafür, schnell noch einmal Kasse zu machen. Die Fans wurden quasi unter der Gürtellinie erwischt. Innerhalb von wenigen Tagen waren die englischen Konzerte zu Kursen vom fünf- bis sechsfachen des üblichen Ticketpreises ausverkauft. Morrison bekam soviel Arbeit, dass er aushilfsweise einen neuen Co-Manager einstellte. Dieser hatte auf dem europäischen Festland ausreichend damit zu tun, Zusatzkonzerte zu vereinbaren. Jeder schien THIN LIZZY noch einmal sehen zu wollen.
Das Finale wurde endgültig am 18. Januar 1983 eingeleitet, als die Ankündigung sich breit machte, LIZZY würden sowohl als Tour- wie auch als Studioband nicht länger weitermachen. Diverse Zeitungsartikel berichteten jedoch gleichzeitig, dass Lynott von dieser Entscheidung nicht gerade begeistert schien. Die Gruppe bildete über viele Jahre seines Lebens den Grundstein seiner Existenz. Nachdem ihre Auflösung feststand, löste sich auch vieles in Phils Leben sinnbildlich auf.
Der LIZZY-Boss gab während eines Interview zu bedenken, dass eine ganze Reihe von Leuten ein Auseinanderbrechen der Band vermeiden wollte, während die Mitglieder (*) der Gruppe dachten, man könne die Karriere in der bisherigen Form nicht weiter fortsetzen. Er (Lynott) selber hätte lange im sicheren Netz der Band gelebt und nicht beabsichtigt, sich auf den Lorbeeren vergangener Tage auszuruhen. Zu diesem Zeitpunkt (Anfang 1983) gab Phil an, nach dem geplanten Ende von THIN LIZZY ein wenig als Produzent tätig sein zu wollen und einige bereits zu Papier gebrachte Ideen für ein Buch weiter auszuarbeiten. Nachdem er es in den Jahren zuvor bereits zu drei literarischen Veröffentlichungen gebracht hatte, existierten in seinem Fundus mittlerweile wieder dreizehn Kurzgeschichten über das Musikbusiness, an welchen seitens Verlegerkreise laut Phil großes Interesse bestand.
(* Bereits kurze Zeit später durfte Klarheit darüber geherrscht haben, welche Mitglieder damit gemeint waren. John Sykes war mit großer Begeisterung in die Gruppe eingestiegen und Darren Wharton begann zunehmend, sich als Songschreiber innerhalb der Band zu etablieren. Neben dem völlig ausgelaugten Scott Gorham dürfte der als tourmüde geltende Brian Downey auf eine Auflösung hingearbeitet haben, um sich verstärkt seiner Familie widmen zu können. Da auch von Seiten des Managements ein schnelles Einverständnis zur Beendigung der LIZZY-Karriere kam, lässt sich die Vermutung aufstellen, Manager Chris Morrison habe damals wahrscheinlich ohne seinen kurz zuvor ausgestiegenen Kollegen Chris O'Donnell das Interesse verloren.)

Ihre erste Show in der neuen Besetzung gaben THIN LIZZY am 26. Januar '83 für ein sogenanntes Simultan-Konzert im Rahmen der BBC-Reihe "Sight and Sound in Concert", welches sowohl im Fernsehen als auch im Radio übertragen wurde. Es sollte das offizielle Debut von John Sykes werden, der in seiner Lederkluft den typischen Rock'n'Roller ablieferte und damit ein seit Jahren schmerzlich vermisstes Bestandteil der Band darstellte. Jeder innerhalb der LIZZY-Organisation erkannte dieses bereits im Verlauf des ersten Gigs. Die Gruppe setzte großes Vertrauen in das neue Songmaterial und präsentierte nach dem Start mit dem Klassiker Jailbreak ihren neuen Weg mit Tracks wie This Is The One, Holy War, Baby Please Don't Go oder dem unheimlichen The Sun Goes Down. Erst danach stampfte die inzwischen mächtig unter Dampf stehende Band durch das gewohnte "Live And Dangerous"-Programm und lieferte ein Hit-Feuerwerk mit Songs wie The Boys Are Back In Town oder Rosalie ab.
Was sich allerdings, verglichen mit den ruhmreichen Zeiten des ersten Live-Album, verändert hatte, war die physische Erscheinung Phil Lynotts. Gekleidet im selben Outfit wie auf dem Cover seiner zweiten Solo-LP, kamen seine aufgedunsenen Gesichtszüge vergleichsweise wie ein Schock herüber.
Cold Sweat Am 2. Februar '83, knapp eine Woche nach der Generalprobe in den Medien, wurde die eigentliche Tour zeitgleich mit Veröffentlichung der Single Cold Sweat gestartet. Die einzige gemeinsame Komposition von Lynott und Sykes, als einer der letzten Songs fürs kommende Album eingespielt, wurde etwas überraschend vorab als Anheizer ausgekoppelt. Für LIZZY-Verhältnisse fiel der Song relativ heavy aus und gelangte vielleicht auch deswegen nur bis zum Platz 27 der UK-Charts. Aufgrund einer Werbekampagne bekam die Band einen wichtigen Auftritt in der landesweiten TV-Sendung "Top of the Pops" zugesichert, den sie prompt wieder verlor, nachdem Phil mit einem Bühnenverantwortlichen in Streit geriet.

Thunder And Lightning Nachdem die LP "Thunder And Lightning" am 4. März 1983 erschienen war, kletterte sie unerwartet hoch in die britischen Album-Charts und schaffte es bis zur Nummer vier, was die höchste Position seit den Zeiten von "Black Rose" (1979) bedeutete. Die Platte hätte ein vielversprechender Neuanfang werden können. Der Titelsong, This Is The One oder die Single Cold Sweat zeigten die Rocker von ihrer härtesten Seite. "Thunder And Lightning" sollte mit zu den besten Studioprodukten in der wechselvollen Historie von THIN LIZZY gehören. Hier ging Vielseitigkeit einher mit Ideenreichtum, neuer Frische und der unschlagbaren Fähigkeit zur Schaffung anspruchsvoller und dynamischer Arrangements. Der Spielraum, welcher zwischen einer treibenden Hardrock-Nummer a la Cold Sweat oder einem überaus sensiblen Track wie The Sun Goes Down lag, bedeutete ein gewaltig breites musikalisches Spektrum, welches in dieser Form bei nur ganz wenigen Formationen des Hard'n'Heavy-Genres auszumachen war.
"Thunder And Lightning" erwies sich als Schritt in die richtige Richtung. Obwohl Phil Lynott und er sich nicht in der besten körperlichen Verfassung befanden, sprach Scott Gorham später von einem sehr guten Gefühl bei den Aufnahmen und einer Rückkehr zum Hardrock, nachdem man auf den letzten Alben softeren Momenten einen größeren Raum schenkte. John Sykes spielte die Mehrzahl der Soli, während Gorham wie schon zu den Zeiten mit Brian Robertson den idealen Mann an der zweiten Gitarre darstellte, der meistens Riffs und powervolle Akkorde beisteuerte und nur selten einmal die Leadgitarre übernahm. Sykes wiederum zeigte sich mehr als glücklich darüber, einer Gruppe wie THIN LIZZY angehören zu dürfen. Seine Tragik lag sicherlich darin, dass er nicht mehr ausreichend Zeit zur Verfügung hatte, um sich auch als Komponist besser in die Band mit einbringen zu können.
Lynott hatte seine Band in das vielleicht raueste Terrain ihrer Geschichte geführt. Obwohl deutlich in Richtung Heavy Metal tendierend, besaß die Platte auch ihre besinnlichen Momente. "Thunder And Lightning" war trotz der dominierenden Persönlichkeit Lynotts das Werk der kompletten Band.
Verglichen mit den beiden vorausgegangen Alben "Chinatown" (1980) und "Renegade" (1981) erlebte die neue Scheibe trotzdem gerade durch die Hinzunahme von John Sykes eine deutliche Qualitätssteigerung. Klang die Band zuvor so manches Mal zerfahren, so schien sie jetzt durch den jungen Ausnahmegitarristen eine Frischzellenkur verpasst bekommen zu haben.
Lediglich zwei Songs (The Holy War und Baby Please Don't Go) gingen auf das alleinige Konto Phils. Die zunehmenden songschreiberischen Fähigkeiten Darren Whartons traten unüberhörbar in den Vordergrund. An vier von neun Songs beteiligt, hatte er alte Hasen wie Scott Gorham oder Brian Downey übertroffen, die zu jeweils zwei Tracks etwas beisteuerten.
Thunder And Lightning, der Titelsong und Opener der Platte, zeigte einen rasenden Lynott, der stakkatoartig seine Vocals herausbellte und von der heftigen Gangart der Instrumente ein kaum vermutetes Tempo einschlug. This Is The One durfte unzweifelhaft als einer der letzten Klassiker LIZZYs bezeichnet werden. Groovender Heavyrock mit einer Gesangsleistung Phils, die anfangs ein wenig der Gewöhnung bedurfte. Die Vocals klangen auf den ersten Eindruck etwas verschwommen und drohten in einer Lawine von Overdubs zu verschwinden. Gerade dieser Umstand machte jedoch den Reiz eines völlig unterschätzten Klasse-Tracks aus. Das nebulöse, unheimliche The Sun Goes Down stand für etwas, was THIN LIZZY ebenso einzigartig und anders als die meisten Hardrock-Acts werden ließ. Der Sinn für sensible, gefühlvolle Momente blieb auch auf einem Album voller ansonsten harter Töne vorhanden. Die während des Songs reflektierte scheinbare Hilflosigkeit zielte mit großer Intensität auf die persönliche Situation Lynotts, sobald dieser sich außerhalb des Rampenlichts befand.
The Holy War besaß das Zeug zu einer großartigen Single, was jedoch offensichtlich seitens der Phonogram unbemerkt blieb. Ein machtvoller Track mit einem wütend klingenden und Moral predigenden Phil, der den voller Gitarrenharmonien steckenden Song sicherlich mit zum musikalisch Feinsten auf "Thunder And Lightning" zählen ließ.
Das bereits vorab als Single veröffentlichte Cold Sweat zeigte die Band von ihrer härtesten Seite und passte ausgezeichnet zur seinerzeit expandierenden Heavy Metal-Szene. Auf den Kutten vieler Headbanger konnte man einen Patch von THIN LIZZY einträchtig neben welchen von AC/DC, MOTÖRHEAD oder IRON MAIDEN finden. Cold Sweat dürfte auch nach heutigen Maßstäben locker als Power-Metal durchgehen und war auf dem Album eindeutig besser aufgehoben als bei dem Versuch, die Single-Charts zu knacken.
Someday She Is Going To Hit Back und Baby Please Don't Go ähnelten sich vom Tempo her. Mit einem selten erlebten Drive groovte sich die Gruppe nacheinander durch zwei Tracks, die unverdient unbeachtet gegenüber früherem Material blieben. Bemerkenswert bei Someday...: die starken Duelle zwischen Keyboards und Gitarren, bei denen Darren Wharton endlich einmal weiter in den Vordergrund trat. LIZZY wirkten auf diesem Teil der Platte wie ein Kraftwerk und feuerten zwei Kracher wie aus einem Guss ab.
Das gemeinsam von Phil Lynott und Scott Gorham geschriebene Bad Habits nahm ein wenig die Geschwindigkeit heraus und bestach durch seine leicht düsteren Gesangslinien. Der eingeschlagene Härtegrad wurde auch hier beibehalten und mündete beim letzten Song Heart Attack in einen treibenden melodischen Rocker. Wharton und Gorham zeichneten hier allein für die Musik verantwortlich, während Lynott wie gewohnt die Lyrics beisteuerte.

"Thunder And Lightning" fand besonders unter den jüngeren Fans des Heavy Metal viele Freunde und verschaffte diesen durch das Album einen ersten Zugang zu den früheren Werken der Gruppe. Von der jugendlichen Unbekümmertheit seines neuen Gitarristen profitierte besonders Phil Lynott, der hier ein letztes Mal eine Demonstration seines exzellenten Songwritings ablieferte. Noch einmal zeigte der LIZZY-Boss, dass er neben einem Näschen für eingängige Refrains und dem Gespür für Melodien mit Langzeitwirkung auch ein goldenes Händchen für die nötige Portion Härte bewies.
Ein Teil der Erstauflage von "Thunder And Lightning" beinhaltete eine Live-EP mit vier Songs. Mit Emerald, Killer On The Loose, The Boys Are Back In Town und Hollywood hatte man sowohl die "klassische" Phase mit Brian Robertson als auch die umstrittenen Alben der Ära Snowy White berücksichtigt.
Kurz nach Veröffentlichung der letzten THIN LIZZY Studio-LP erschien leider nur in England eine für Sammler bedeutende Maxi-Single mit dem Titel "Cold Sweat", auf der es neben dem Titelsong den Album-Track Bad Habits zu hören gab. Interessanter fiel dagegen die B-Seite aus, auf der es Live-Versionen von Angel Of Death und Don't Believe A Word mit Aufnahmen aus dem Londoner Hammersmith 1981 zu bestaunen gab.

Nach "Thunder And Lightning" standen LIZZY aufgrund ihrer vertraglichen Situation noch mit einem Album bei der Phonogram in der Pflicht. Lynott kam nie so recht darüber hinweg, dass die Plattenfirma, so groß sie auch gewesen sein mochte, es nicht schaffte, eine THIN LIZZY-Single höher in die Hitparaden zu pushen als es zehn Jahre zuvor dem Decca-Label mit Whiskey In The Jar gelungen war.
Wie auch immer, der Deal mit Phonogram musste erfüllt werden und es entstand schnell die Idee zu einem zweiten Live-Album, gerade einmal fünf Jahre nach dem genialen "Live And Dangerous". Der Vorschlag, die Gitarristen sämtlicher Line-Ups noch einmal gemeinsam bei den Shows im Londoner Hammersmith Anfang März 1983 auftreten zu lassen, wurde mit Begeisterung aufgenommen. Eric Bell, inzwischen reichlich aus der Übung geraten, musste für die Gigs hart an sich arbeiten. Brian Robertson stand nach wie vor im Saft. Der exzentrische Axtschwinger hatte mittlerweile im Lager von MOTÖRHEAD seine Zelte aufgeschlagen und war für deren umstrittenes Album "Another Perfect Day" (veröffentlicht im Frühjahr 1983) mitverantwortlich. Gary Moore, der sich Jahre zuvor im Streit von Phil Lynott getrennt hatte, sprach jetzt erstmals wieder mit dem Mann, der stets so großen Wert auf seine Urteile als Gitarrist gelegt hatte. Lediglich Snowy White blieb dem Ganzen fern. Wahrscheinlich waren die Wunden seiner Trennung von der Band noch zu frisch.
Innerhalb von zwölf Jahren hatten THIN LIZZY mit wechselnden Gitarristen zwölf Studio-Alben eingespielt und galten bis kurz vor dem Erscheinen ihrer finalen LP "Thunder And Lightning" als kreativ ausgebrannt. Jetzt präsentierten sie sich auf ihrer Tour in einer erstaunlichen Verfassung. LIZZY spielten gemeinsam mit den britischen Prog-Rockern MAGNUM auf dem englischen Reading Festival, wo Lynott deren Keyboarder Mark Stanway kennen lernte. Flugs bot er diesem einen Job für eine Konzertreise durch Schweden an, welche Phil in der tourfreien Zeit der Monate Juli/August '83 zu unternehmen gedachte. Lynott verfiel zunehmend zurück in eine unergründliche Arbeitswut, anstatt seinen Verpflichtungen mit THIN LIZZY konzentrierter nachzukommen.
Beispielhaft für einen Rückfall in widersprüchliche Zeiten sollten die beiden letzten Konzerte am 9./10. April '83 in Dublin werden. Die erste der beiden Shows sollte ein wahrer Triumph für die Band werden. Band und Audienz schaukelten sich gegenseitig zu Höchstleistungen hoch und ließen den Auftritt zu einem unvergesslichen Auftritt werden. Am zweiten Tag tauchte Lynott bereits früh in der Halle auf, betrank sich und setzte das Saufgelage im Verlauf der Show fort, während die restliche Band sich daran zu erinnern versuchte, welchen Song sie als nächstes spielen sollte. Bedingt durch die Vorfälle in der irischen Hauptstadt zog eine gewisse Unruhe in die Gruppe ein. Die Tour wurde kurz darauf mit dem nächsten Abschnitt in Skandinavien fortgesetzt und man tourte im Verlauf des Monat April durch Kontinental-Europa.
Thunder And Lightning - Single Die nächste Single-Auskopplung von "Thunder And Lightning" sollte der furiose Titelsong werden. Nachdem die Scheibe am 7. Mai 1983 erstmals in den UK-Charts notiert wurde, verschwand sie bereits zwei Wochen später aus den Hitparaden. Wie bereits zuvor im Fall von Cold Sweat gab es abermals kein geeignetes Promo-Video. Hastig zusammengeschusterte Filmschnipsel aus den Dubliner Konzerten und einem weiteren in Belfast sorgten für einen billigen Touch und für keinerlei Verkaufsförderung. Die Filmaufnahmen fielen schlichtweg stümperhaft aus. Beispielsweise tauchte Phils Gesang in Passagen auf, in welchen er noch drei oder vier Meter vom Mikrophon entfernt stand.
Trotz eines erfolgreichen Albums verstanden es die Marketing-Verantwortlichen der Phonogram nicht, THIN LIZZY zu der so herbeigesehnten Hitsingle zu verhelfen. Dass die Plattenfirma keine Notwendigkeit in Investitionen bezüglich der von ihr abgeschriebenen Band sah, wurde bereits im Vorfeld der Veröffentlichung des letzten LIZZY-Studioalbums deutlich. Lynott schwebte ein Klappcover vor, dessen Gestaltung er ein letztes Mal Jim Fitzpatrick überlassen wollte, was die Phonogram schlichtweg ablehnte.
Die letzte Japan-Tour gestaltete sich ebenfalls eher unglücklich für die Band. Während ihr Spiel teilweise aufgesetzt und gestelzt wirkte, verhielt sich besonders Lynott ungeschickt im Umgang mit den japanischen Fans. Statt eine zumindest routinierte schnörkellose Rock-Show zu absolvieren, verwickelte er die im Lande Nippon anwesenden Zuschauer in viel zu lange (Wort-)Spielereien und nahm den Gigs so viel von ihrer Intensität. Müde aussehend und übergewichtig, vermutlich auch angeschlagen durch seinen ansteigenden Drogenkonsum, erhielt Lynott trotz alledem einen letzten Applaus seiner treuen japanischen Fans.
John Sykes durfte als vielleicht einziges Bandmitglied halbwegs zufrieden mit der Tour gewesen sein, hatte er doch bereits im Vorfeld der Konzertreise in Umfragen betreffend THIN LIZZY erstaunliche Resonanzen erzielen können.
Mit der Aussicht auf eine weitere Tournee durch Nordamerika schien die Gruppe sich zunehmend mit internen Unstimmigkeiten herumzuschlagen. Die Verkäufe von "Thunder And Lightning" innerhalb der USA gestalteten sich alles andere als spektakulär. Am 28. Mai 1983 reichte es gerade einmal zu einer Notierung auf der Position 159, um fünf Wochen darauf bereits wieder aus den US-Charts verschwunden zu sein. Die englische Erfolgsstory sollte sich auch in Irland nicht wiederholen. Nicht höher als bis zur Nummer 22 kommend, präsentierte sich die Lage trotz aller hinzugekommener Frische durch John Sykes so, dass THIN LIZZY längst nicht mehr die Macht waren, welche sie einst besonders auch in ihrer Heimat darstellten.
Phil Lynott hegte trotz des amerikanischen Misserfolges den Plan, es dort noch einmal mit aller Macht zu versuchen. Scott Gorham und Brian Downey hingegen zeigten keinerlei Interesse an einer Tour durch das Riesenland. Die letzte Konzertreise durch die USA lag drei Jahre zurück und die seitdem veröffentlichten Platten stießen auf dem nordamerikanischen Plattenmarkt auf immer weniger Interesse. Warum sich also noch einmal die Strapazen einer umfangreichen Tournee mit wenig Aussicht auf irgendwelche Erfolge antun? Lynotts Vorschlag zu einer letzten Australien-Reise lehnten die beiden mit Hinweis auf ihre angeschlagene Gesundheit ebenfalls ab.
Zu diesem Zeitpunkt wurde offensichtlich, dass Phil immer weniger mit der Entscheidung zur Auflösung von THIN LIZZY konform ging. Der Presse gegenüber äußernd, er könne sich durchaus vorstellen, längere Zeit in Territorien außerhalb von Europa zu verbringen, um in den letzten Jahren vernachlässigte Märkte mit einem starken Album und umfangreichen Tourneen zurückzugewinnen, fügte er anschließend hinzu, innerhalb der Band mit seinen Argumenten auf taube Ohren zu stoßen. Einige seiner Kollegen wären schlichtweg nicht interessiert.
Seltsamerweise gehörte Drummer Brian Downey kurz darauf während einer Schweden-Tour mit zu Lynotts Begleitgruppe. Scott Gorham und überraschend auch Darren Wharton legten eine Pause ein, während Phil als Solist zum letzten Mal durch das skandinavische Land reiste. John Sykes (Leadgitarre), MAGNUMs Keyboarder Mark Stanway und Doishe Nagle (Rhythmusgitarre) komplettierten ein Line-Up, welches unter dem Pseudonym THE THREE MUSKETEERS die schwedischen Gigs bestritt. Seinerzeit existierende Pläne Lynotts, gemeinsam mit Sykes, Stanway und Downey als Gruppe nach THIN LIZZY weiterzumachen, wurden durch dessen zunehmende Unkonzentriert- und Herrschsüchtigkeit zunichte gemacht. Phils langjähriger Weggefährte und Freund Brian Downey hielt die Situation nicht länger aus und bestätigte seinen Abschied nach dem Ende der noch ausstehenden Verpflichtungen.
The Sun Goes Down - Single Während die drei Musketiere am 6. August 1983 ihre vorletzte Show in Schweden bestritten, wurde mit The Sun Goes Down die letzte LIZZY-Single zu Lebzeiten Phil Lynotts veröffentlicht. Dessen Optimismus und Vertrauen in den Song wurde erneut bitter enttäuscht. Nach drei Wochen Aufenthalt in den Charts und einer Höchstnotierung in Form von Platz 52 war schon wieder Feierabend. Das Cover der Platte zeigte Lynott als Einzelperson und sollte somit ein Hinweise auf die Zukunft werden. Ein Promo-Video wurde erst gar nicht mehr herausgebracht. Die ursprüngliche Idee, aus Live-Filmaufnahmen ein Werbefilmchen zu basteln, wurde beim Absacken von The Sun Goes Down in die unteren sechziger Plätze der Hitparade verworfen.
Nach Phils Rückkehr aus Schweden sollten THIN LIZZY als Headliner auf dem traditionsreichen Reading Festival ihren Abschied von den englischen Konzertbühnen geben. Die Band legte einen ihrer besten Auftritte seit Jahren hin, während der Auftritt von der BBC mitgeschnitten wurde. Die Aufnahmen erschienen einige Jahre nach Lynotts Tod und bewahrten einen wertvollen Moment in der Karriere LIZZYs. Phil präsentierte sich noch einmal in blendender Verfassung und verließ erst nach einigen gefeierten Zugaben mit THIN LIZZY die Festivalbühne.
Einige Tage später flog die Band nach Deutschland, um dort im Rahmen der kurzen "Monsters of Rock"-Tour (gemeinsam mit WHITESNAKE, MOTÖRHEAD, SAXON und TWISTED SISTER) ihre allerletzten Live-Auftritte mit Phil Lynott am Steuerruder zu absolvieren. Auch diese Konzertreise sollte nicht ohne die obligatorischen Probleme und Zwischenfälle verlaufen. Vor der zweiten Show in Kaiserslautern hatten sich Scott Gorham und Brian Downey auf der Autobahn verfahren. Lynott hatte bereits in höchster Eile den MOTÖRHEAD-Drummer Philthy "Animal" Taylor und dessen neuen Kollegen Brian Robertson eingearbeitet, als die beiden verlorenen Söhne doch noch auf der Bildfläche erschienen und einen famosen vorletzten Gig mit THIN LIZZY hinlegten.
Das Ende kam am 4. September 1983 in Nürnberg, als die Band ihre Fans ein letztes Mal durch einen Gig führte, wie er seit dem zurückliegenden Januar schon beinahe zur Routine geworden war. Der anwesende ehemalige LIZZY-Gitarrist Brian Robertson zeigte sich, wie er später bekannte, "tief bewegt und froh darüber, dass THIN LIZZY mit so einer guten Leistung abtraten". Inoffiziell hieß es mehr und mehr, die Gruppe sei sowohl körperlich als auch kreativ ausgebrannt und benötige einen längeren Zeitraum, die leeren Batterien wieder aufzuladen, während andererseits wiederum vom Abschied die Rede blieb.
Konsequente Entscheidungen sehen bis heute anders aus. Besonders für Darren Wharton und John Sykes gestaltete sich die Situation unglücklich, schien sich doch gerade durch ihren Input die Lage THIN LIZZYs wieder hin zum Positiven zu wenden.

Jetzt musste noch das offenstehende Live-Album zwecks Vertragserfüllung mit der Phonogram fertiggestellt werden. Nach der Heimkehr aus Deutschland begab sich Lynott mit dem Toningenieur Will Reid Dick (u.a. Aufnahmen mit SAXON) ins Studio, um die vorliegenden Bänder zu sichten und eine endgültige Fassung zu schaffen. Über die Qualität gingen die Meinungen wieder einmal erheblich auseinander. Drummer Brian Downey bezeichnete den Mix als "matschig", andererseits bezeichneten Teile der Presse das zweite Livealbum als exzellent und mindestens ebenso gut wie "Live And Dangerous". Der Titel "Liv(f)e", wobei die Buchstaben "v" und "f" übereinander geschrieben standen, war beileibe kein Druckfehler, sondern sollte den Lebensweg einer Band erzählen, welche ein nicht unerhebliches Stück Rockgeschichte geschrieben hatte.
Life Live Dass die Ende Oktober '83 veröffentlichte zweite Live-Doppel-LP von weiten Fankreisen ignoriert wurde und nie weiter als bis zum Platz 29 der UK-Charts kam, bleibt bis in die heutige Zeit unverständlich. Soundmäßig nicht so rasieresserscharf wie das legendäre Live-Debut fünf Jahre zuvor, klang "Liv(f)e" vor allem authentisch und bestach ebenfalls durch eine Gänsehautatmosphäre. Mit der Entscheidung, einen Schwerpunkt auf das auch live überzeugende Material von "Thunder And Lightning" zu legen, lag man goldrichtig. Das als schwach bezeichnete "Chinatown" (1980) war nur mit Killer On The Loose in einer mächtigen Version vertreten und die Wahl von Renegade, Hollywood sowie dem grandiosen Angel Of Death bewies im Nachhinein die Stärke einer sträflich untergegangenen LP ("Renegade", 1981). Waiting For An Alibi, Got To Give It Up und Black Rose vom superben '79er Output "Black Rose" standen einträchtig neben Klassikern wie Jailbreak, The Boys Are Back In Town oder Emerald. Are You Ready rockte nach wie vor und Don't Believe A Word überzeugte auch mit verändertem Arrangement. Der einst straighte Rocker hatte sich zum Gänsehaut erzeugendem Blues gewandelt, welcher zum Ende hin noch einmal durch einen pumpenden Bass und einem Klassesolo an Power zunimmt.
Letztlich kam Snowy White doch noch zu seinem Beitrag, denn bei der Aufnahme von Renegade zeichnete er für Lead- und Harmony-Guitar verantwortlich. Die Phongram hatte wieder etwas mehr ins Cover investiert und präsentierte auf den Innenseiten die Gruppe noch einmal auf diversen Photos, welche während der gesamten Karriere der Band entstanden waren. THIN LIZZY überzeugten dazu mit einer außergewöhnlichen Frische, so dass für Außenstehende die bandinternen Problematiken völlig außen vor und unbekannt blieben.
Das Line-Up mit dem "Neuen" John Sykes trat nach einem grandiosen Comeback auf dem zweiten Höhepunkt der Karriere von THIN LIZZY ab.

Thunder And Lightning "Thunder And Lightning", März 1983, Vertigo Records:
1. Thunder And Lightning
2. This Is The One
3. The Sun Goes Down
4. The Holy War
5. Cold Sweat
6. Someday She Is Going To Hit Back
7. Baby Please Don't Go
8. Bad Habits
9. Heart Attack

Phil Lynott: Vocals, Bass
Brian Downey: Drums
Scott Gorham: Guitar
John Sykes: Guitar
Darren Wharton: Keyboards
Produziert von: Thin Lizzy & Chris Tsangarides

Life_Live "Liv(f)e", Oktober 1983, Vertigo Records:
1. Thunder & Lightning
2. Waiting For An Alibi
3. Jailbreak
4. Baby Please Don't Go
5. Holy War
6. Renegade
7. Hollywood
8. Got To Give It Up
9. Angel Of Death
10. Are You Ready
11. Boys Are Back In Town
12. Cold Sweat
13. Don't Believe A Word
14. Killer On The Loose
15. Sun Goes Down
16. Emerald
17. Black Rose
18. Still In Love With You
19. The Rocker

Phil Lynott: Vocals, Bass
Brian Downey: Drums
Scott Gorham: Guitar
John Sykes: Guitar
Darren Wharton: Keyboards
Gäste:
Gary Moore: Guitar
Brian Robertson: Guitar
Eric Bell: Guitar
Snowy White: Guitar
Produziert von: Phil Lynott & Thin Lizzy

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Jürgen Ruland, (Artikelliste), 10.12.2006

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