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Fotos: Norbert Neugebauer
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So you want to be a rock'n'roll star?
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Gitarre mit Stones-Autogrammen
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Plek-Computer
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Im Shop
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"So you want to be a rock'n'roll star?
Then listen now to what I say
Just get an electric guitar
Then take some time
And learn how to play"
D e m Instrument des Rock eine Ausstellung zu widmen, war nach 50 Jahren R & R höchste Zeit. Auch für mich als "Nicht-Klampfer" Anlass, 300 km im Winter nach Berlin zu düsen und mir am 19.12.2004 die Sache im Deutschen Technikmuseum anzusehen. Gleich vornweg, ich war selten in einer Schau, die mir soviel Spaß gemacht hat und in der ich gern vier Stunden ohne einen Moment der Langeweile oder der Übersättigung zugebracht habe!
Annähernd die ganze Instrumentengeschichte der E-Gitarre mit Original-Exponaten, so aufbereitet, dass auch der nicht einschlägig vorgebildete Besucher damit etwas anfangen kann (mein Freund Jürgen, der unbedarfte Konsument mit gehobenen Musikgeschmack schlechthin: "Jetzt hab ich wirklich eine Ahnung, wie die Dinger funktionieren"). Selbst wenn Historie und Technik nicht so interessieren sollten, allein schon die mehr oder weniger edlen Teile so kompakt an einem Platz bestaunen und den passenden Sounds lauschen zu können, ist Pflichtprogramm für den ambitionierten Rockfan.
Doch beim andächtigen Bestaunen muss es nicht bleiben - im "Shop" und im "Labor" ist anfassen sogar ausdrücklich erwünscht! Dazu gibt's Filme rund um die Uhr, Workshops und bei Bedarf auch freundliche, fachkundige Auskünfte sowie Hilfe - that sucks!
Schon beim Aufgang in den ersten Stock des weitläufigen Baus, in dem die Schau stattfindet, kommt Feeling auf. "Purple Haze all in my brain" - der Soundtrack vom Jimi Hendrix-Auftritt in Woodstock, einer der drei nonstop laufenden Filme im "Arena Kino", wird auch nach draußen übertragen. Linker Hand dann eine Wand mit Konzertplakaten, bevor man beim Eintritt vom Personal einen Kopfhörer (zum Einstöpseln bei verschiedenen Ausstellungsvitrinen) in die Hand gedrückt bekommt.
Der Rundgang stellt die Entwicklung chronologisch dar. In der ersten Box sind die Ur-Instrumente, so genannte Hawaii- (=Lapsteel) Gitarren zu sehen. Darunter die "Frying Pan" von Rickenbacker, deren Bratpfannen-ähnlicher Körper komplett aus Alu gegossen ist. Verblüffend welche fast hypnotischen Sounds Gitarrist Hans Reffert aus Mannheim dem antiken Instrument entlockt, der auch die übrigen Demo-Bänder zu den Vitrinen-Exponaten bespielt hat.
Weiter geht's mit den mit einfachen Pickups bestückten Archtop-Gitarren, über die ersten Vollholz-Bretter der Marken Bigsby, Fender und Gibson mit ihren Entwicklungen, bis zu den Signature-, Experimentier- und Designermodellen. Aus dem Kopfhörer kommen dazu die bekannten Stücke, zum legendären Violinen-Bass natürlich eine BEATLES-Nummer. Dem ist auch ein Film aus der Höfner-Werkstatt gewidmet, der anschaulich zeigt, wie das markante Instrument vom einfachen Bandsägen-Zuschnitt bis zum Finish von Hand aus der Spraydüse entsteht. Schon interessant, geschickte deutsche Musikinstrumentenbauerhände fertigen ein eigentlich simples Handwerksstück, das Weltruhm mitbegründete. Und amüsant, dass nach dem braven Film-Sprecher Paul McCartney quasi als Behelfslösung zum Bass kam, "so wie beim Fußball auch einer notgedrungen ins Tor muss"...
Uschi Nerke (was war die Frau im scharfen Mini für eine Wucht!) moderiert derweil THE LORDS aus West-Berlin im noch schwarzweißen Beatclub, die sich die Leinwand mit den PUHDYS aus dem ostdeutschen Beatland teilen. Im Labor sind skelettierte Gitarren zu sehen, mit einfachen Aufbauten lässt sich die elektrisch verstärkte Tonerzeugung nachvollziehen. Im "Shop" hängen aufgereiht Dutzende von Gitarren, die via Miniamp und Kopfhörer auch ausprobiert werden können. Das Angebot wird reichlich genutzt, wobei die jungen Betreuer den Interessenten kompetent zur Seite stehen. Beim Anblick eines vielleicht Zehnjährigen mit Pudelmütze, der sich eine Metal-Axt hatte geben lassen, kommen mir die o.g. BYRDS-Songzeilen in den Sinn...
Einen Probenraum, bei dem die einzelnen Mitwirkenden im "Rohsound" aufgerufen werden können, gibt's auch. Hier finden sich in der Deko einfache Kaufhaus- und Selbstbauinstrumente.
Gitarrenbesitzer können mit einem "Plek"-Computer ihre guten Stücke vermessen und optimal einstellen lassen. Dazu wird die Klampfe eingespannt und dann in die Maschine verfrachtet, was bei einigen Eigentümern zunächst manche Sorgenfalte wirft. Wenn das Juwel dann wie nie zuvor brilliert oder neuen Turbosound produziert, strahlen die Gitarrero-Gesichter in vorweihnachtlichem Glanz! Aber auch bei ernsthafteren Problemen hilft ein "Gitarren-Doc" mit festen Sprechstunden.
In den zahlreichen Show-Cases reihen sich Vier-, Sechs-, Acht- und Zwölfsaiter, resonanzkörperlose, doppelhälsige, durchsichtige und ganzmetallene Instrumente aller Firmen und Zeiten aneinander, auch optisch sehr gut mit vielen Starfotos und zeitgenössischen Musik-Accessoires präsentiert.
Der Rundgang endet in der "Arena" mit einer kleinen Stage, auf der skurrile Gitarrenformen von Sammlerfreaks aus der ganzen Welt im Scheinwerferlicht stehen. Dahinter laufen abwechselnd die drei Hauptfilme. Wenn Jimis Finger in Großaufnahme über das Griffbrett flitzen und er mit seinen beschränkten Mitteln Soundorgien produziert, dann bekommen auch die Vai- oder Satriani-Eleven große Augen und Ohren.
Eher aus dokumentarischen, denn aus epochalen Gründen dürfte der Konzertmitschnitt von B.B. King mit Jeff Beck im Programm sein, der zwei weitere sehr unterschiedliche Gitarrenstile präsentiert (die nach meinem Empfinden aber überhaupt nicht zusammenpassen). LED ZEPPELINs legendärer Knebworth-Auftritt von 1979 stellt dagegen einen Meilenstein der Rockhistorie dar, bei dem meine Glückshormon-Ausschüttung nicht mehr zu bremsen ist. Im Focus Jimmy Page als weiterer Guitar Giant, der bis heute Generationen von Hardrockern beeinflusst.
Abgerundet wird die mit vielen typischen Details liebevoll arrangierte Ausstellung mit einer Fotogalerie, in der bis November Star-Aufnahmen von Linda McCartney aus der Serie "Sixties" zu sehen waren. Sie wurde abgelöst von der Schau "Roadworks" aus dem Tourneeleben, die auch von Macca's verstorbenen Frau stammt. Der konnte ich jedoch weder atmosphärischen, noch höheren künstlerischen Wert abgewinnen.
An meinem Besuchstag fand grad kein Workshop oder ergänzendes Konzert (z.B. im "Quasimodo") statt, das wäre das i-Tüpfelchen gewesen. Aber auch ohne war der Besuch ein einziger Genuss. Ich kann den HoR-Lesern nur raten, schaut euch die "Stromgitarren" noch an, wenn ihr dazu die Möglichkeit habt! Nach Berlin (und vorher Mannheim) ist definitiv Schluss, bis zum 9. Januar 2005 besteht die Gelegenheit. Die 6,50 Euro Eintritt sind eine lohnende Ausgabe. Bisher haben die Veranstalter 34.000 Besucher allein in Berlin gezählt. Gute Einblicke vorab und ergänzende Stories gibt ein Sonderheft von Gitarre & Bass für günstige 4,90 Euro. Weitere Infos unter www.stromgitarren.de.
Die Ausstellung hat mich so angemacht, dass ich jetzt auch nach einer älteren, günstigen E-Gitarre (nix aus dem Metal-Ständer) suche, die meine heimische Rockwelt bereichern soll. Wer so ein Teil, technischer Zustand egal, übrig hat, soll bitte an mich denken!
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