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Klaus-Dieter Schmöseke im Gespräch mit Tom Astor

Cowboys, Trucker und Musik

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Nach dem umjubelten Konzert des Kunthrie-Superstars Tom Astor, im Leine Einkaufszentrum in Laatzen, hatte unser Mitarbeiter Klaus-Dieter Schmöseke die Gelegenheit mit Tom ein intensives Gespräch zu führen...:

Home of Rock: Du warst ja beim 29. Internationalen Truckerfestival in Bunzlau. Wie war die Stimmung.

Tom Astor: Hey Man. Das war Country Feeling pur. Da denkst Du wirklich Du stehst in Reno auf der Bühne vor RIGHT AMERICAN TRUCKERS. Ich war begeistert. Die drei Abende waren immer ausverkauft. Wie haben ständig vor fast 50 Trucks gespielt. Der Gestank von Diesel und Schweiß turnt echt an.

HoR: Man nennt Dich ja den Kenny Rogers des Breisgau.

T.A.: Da fühle ich mich geschmeichelt. Kenny ist einer der Größten im Country-Bizz. Leider habe ich nicht seine Silbermähne.
Wenn ich nur an seine Duo-Acts mit Dolly denke. Geile Musik, gepaart mit geilen Titten. Oh yeah !!

HoR: Du bist z.Zt. auf Promotion-Tour mit Deiner neuen CD.

T.A.: Yippeh. Das ist echt Stress. Gestern waren wir im Leine Einkaufszentrum heute geht's in die Bad Gandersheimer Discountworld. Und überall triffst Du auf Cowboys wie Du und Ich.

HoR: Kürzlich habe ich gelesen, Du würdest Deinen Original Aldi Stetson auch im Bett nicht abnehmen.

T.A.: Echte Cowboys tun das nicht. Schau mal. John Wayne musste damals mit Kaiserschnitt geholt werden, weil der Hut nicht vorne durchgepasst hat.
Und er trug das Ding bis zu seinem seligen Ende. Und ich soll das Teil nur wegen eines Nickerchens abnehmen. Fuck it.

HoR: Wie gefällt Dir moderner NewCountry mit echten Gitarren und der richtigen Portion Rock?

T.A.: Vergiss es. Die rocken Dir die ganze Lagerfeuerromantik zunichte. Ganz fürchterlich finde ich solche unaufrichtigen Sachen wie Charlie Daniels, Toby Keith oder Restless Heart.
Dave Dudley würde sich im Grabe umdrehen, wäre er schon tot.
Die sollten sich mal die Sons of the Pioneers anhören. Das ist Country in Vollendung. Wandergitarre, Gesang und Shubiduwa. Mehr darf nicht sein.

HoR: Du schreibst ja sehr anspruchsvolle und zeitkritische Texte. Warum?

T.A.: Ich will mit meiner Musik auch eine Botschaft übermitteln. Aufrichtigkeit, Ehrlichkeit und Fleiß.
Die Spaßgesellschaft ist schon sehr verdorben. Es gibt doch nichts schöneres als im Schweiße seiner Arbeit meine Musik zu hören. Du stehst am Ende Deiner Kräfte vor irgendeinem Hochofen in Herne und hörst im Radio z.B. meinen Song: Hier riecht's nach Freiheit oder Ist das ein Leben, so hart und so schön von meinem Album "Hallo Freunde".
Das baut auf und gibt Dir unendliche Kraft. Glaub mir. Die IG Metall hat diverse Untersuchungen angestellt.

HoR: In Deinen Texten wimmelt es von starken Cowboys.
Das weibliche Geschlecht kommt bei Dir zu kurz - oder?

T.A.: Wer hat denn den Westen erschlossen? Die knallharten Jungs auf ihren Pferden und dem unbändigen Mut zu überleben! Nenn mir eine Frau, die den Westen erobert hat.

HoR: Calamity Jane.

T.A.: Ha. Das ist reine Erfindung der Bastei Lübbe Western-Reihe. Auch der Film war pure Fantasie. Ohne DEN COWBOY gäbe es heute keine Frauenbewegung in den USA. Das vergessen die Schlunzen dort.
Gleichberechtigung ist der Tod der Countrymusik wie ich sie sehe.
Stell Dir mal Alice Schwarzer mit Lederboots und Weste am Lagerfeuer vor. Dann wirkt Country Musik nicht mehr ehrlich.

HoR: Du scheust Dich ja nicht, provokante Themen in Deinen Songs unterzubringen.
Wie kam es zu Deiner Gegenwartskritik in Die Liebe hat es schwer im dichten Stadtverkehr aus dem Album "Die große Astor Story"?

T.A.: Ich setze mich seit Jahren für Minderheiten ein.
Trucker haben keine Lobby und sind tagtäglich den Folgen der seit Jahren katastrophalen Verkehrspolitik ausgesetzt. Unendliche Baustellen auf den Autobahnen, verkehrsberuhigte Zonen oder endlose Umleitungen sind der KOITUS INTERRUPTUS in den meisten Trucker-Partnerschaften.
Der Song ist eine moderne Umsetzung des Märchenliedes Es waren zwei Königskinder... in Es war ein Truckerpärchen, das hatte einander so lieb. Sie konnten zueinander nicht finden, weil die Umleitung im Nichts verlief.

HoR: In schöner Regelmäßigkeit erscheinen Deine Weihnachtsplatten zur Adventszeit.
Welche Beziehung hast Du zu diesem Fest?

T.A.: Weihnachten ist der Höhepunkte für die Trucker zum Jahresende. Hier können sich ihre geplagten Bandscheiben vom Highway-Stress erholen.
Auch im Wilden Westen war Weihnachten die schönste Zeit für die Cowboys. Nicht umsonst wurde Ihnen mit Es ist ein Ros entsprungen einer der bekanntesten Christmas-Songs gewidmet.
Ich überlege für die Zukunft, eine Oster-CD zu veröffentlichen. Zwei Songs habe ich mit Trucker, Staus und flotte Hasen und Cowboys mögen keine Weicheier schon fertig.

HoR: Tom Astor, das HoR bedankt sich für das Gespräch.

Klaus-Dieter Schmoeseke im Mai 2002
Mail an Klaus-Dieter Schmöseke

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