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Live At Montreux 2005

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Live At Montreux 2005
Live At Montreux 2005, Eagle Vision, 2006
Alice Cooper Lead Vocals
Ryan Roxie Guitar, Backing Vocals
Damon Johnson Guitar, Keyboards, Backing Vocals
Chuck Garric Bass, Backing Vocals
Eric Singer Drums, Backing Vocals
Calico Cooper Dancer
Länge: ca. 93 Min (DVD) & 66 Min 13 Sek (CD) Medium: DVD & CD
1. Department Of Youth15. Gimme
2. No More Mr. Nice Guy16. Feed My Frankenstein
3. Dirty Diamonds17. Welcome To My Nightmare
4. Billion Dollar Babies18. The Awakening (DVD only)
5. Be My Lover19. Steven (DVD only)
6. Lost In America20. Only Women Bleed (DVD only)
7. I Never Cry21. Ballad Of Dwight Fry (DVD only)
8. Woman Of Mass Destruction22. Killer (DVD only)
9. I'm Eighteen23. I Love The Dead (DVD only)
10. Between High School & Old School24. School's Out
11. What Do You Want From Me25. Poison
12. Is It My Body26. Wish I Were Born In Beverly Hills
13. Go To Hell (DVD only)27. Under My Wheels
14. The Black Widow (DVD only)

So, dann gibt's jetzt also auch eine Montreux-DVD vom alten Jazzer Vincent Damon Furnier. Und wenn man die guten eineinhalb Stunden durch hat, weiß man, warum der olle Coop im letzten Winter nur das "Vorprogramm" von DEEP PURPLE bestreiten durfte. Er spielt nunmal eine geschmeidige Liga unter den Speed Kings. Iss so, macht aber nichts, weil's in der zweiten Reihe auch noch ganz gemütlich ist.

Widerspricht jemand, wenn hier gleich steht, dass seine letzten Studioplatten allesamt öde waren? Trotzdem haben seine Konzertreisen nach wie vor Charme, auch wenn die Opulenz in Punkto Bühnenausstattung immer mehr abnimmt. Für einen astreinen Kinderfasching ist Alice Cooper auch 2006 bzw. 2005 beim Montreux Jazz Festival noch gut. Diese DVD belegt es einwandfrei. Wenigstens musikalisch und soundtechnisch, die Bildführung ist vielleicht einen Tick zu überfrachtet. Andererseits passiert bei einem Coop-Gig natürlich eine Menge und man will ja nichts verpassen.
Ganze 27 Songs ballert die ewige Geisterbahnfigur in der kurzen Zeit ins Publikum, allerdings einige gekürzt bzw. in eine Art Medley gepackt. Nun ja, sonst wär's ein Stündchen mehr geworden und wer weiß, ob das die Pumpe noch aushält. Zeitige Bettruhe ist in diesem Alter wichtig.
So kommt man in den Genuss einer recht angenehmen Setlist, natürlich weitgehend retro ausgerichtet und nur dezent mit modernerem Stoff angereichert. Passt schon, außer vielleicht, dass Elected, Hey Stoopid und ein paar andere Hits fehlen. Dafür gibt's mal wieder Wish I Were Born In Beverly Hills vom unterbewerteten 78er-Entzugs-Album "From The Inside" oder das noch ältere Be My Lover ("Killer", 1971).
Hoch anrechnen muss man dem Meister, dass er heutzutage so gut nicht singen kann wie eigentlich nie vorher in seiner Karriere. Der Umstieg von Whiskey auf Earl Grey und die viele frische Luft beim Golf hat sich bezahlt gemacht. Ansonsten gibt's den altbekannten Rumpelrock mitsamt der im Grunde jederzeit austauschbaren Poser-Heavyrockband - die aber nichtsdestotrotz agil und kompetent werkelt. Vor allem Eric Singer klingt mit seinen Pauken wie der personifizierte Bamberger Fenstersturz von 1815. Aber auch das muss so sein, wer Symphoniker hören will, muss woanders hin.
Macht Spaß, die Gassenhauer alle paar Jahre wieder zu hören (und sehen), auch wenn Musik von Alice Cooper natürlich nie besonders sensibel war oder sein wird.

Sylvester Stallone war auch nie sensibel, dafür ist Meister Cooper der eindeutig bessere Schauspieler und Komödiant. Er fuchtelt mit allem was ihm in die Hand gedrückt herum (solang man ihn nicht ins Zwangsjäckchen steckt), persifliert sämtliche Hollywood-Billigtricks mit noch billigeren Rock & Roll-Effektchen, stolziert umher wie der gealterte Frank N. Furter aus der Rocky Horror Picture Show, bringt einen mit Department Of Youth unweigerlich zum Lachen und überzeugt einmal mehr als blitzgescheiter Erkenner amerikanischer Wahrheiten in Lost In America. Alice Cooper ist einfach seit Jahr und Tag sympathischer Trash, von dem die allermeisten zeitgenössischen Trash-Fernseh- und Musikmacher bis an ihr Lebensende lernen könnten, ohne ihn je zu erreichen.
Eine Kritik sei erlaubt. Wo man vor Jahrzehnten bei A.C. noch echte Dekadenz erleben durfte, ist die Chose heute natürlich kalkulierter Familienspaß, ohne jeden Ruch von Sex oder gar Drugs. Es sei dem Oldie gegönnt, bekanntlich hätten ihn gewisse ungesunde Dinge schon vor langer Zeit ins Grab bringen können. Auch wenn der Frankenstein heutzutage eher makrobiotisch gefüttert wird, gut satt wird er immer noch und die Albträume begrüßt man dann deutlich entspannter.

Gut zwei Drittel der Show gibt's als direkt beigelegte CD. Netter Service, der zum Standard werden sollte.
Um den Kreis zu schließen: Kinderfasching vs. große Hardrockkunst endet zwangsläufig mit Alice Cooper im Vorprogramm. Oder unter der Guillotine. Long live Alice Cooper.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 15.07.2006

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