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The Octopus

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The Octopus
The Octopus, AmpCorp / Soulfood, 2011
Sel Balamir Vocals, Guitar
Matt Brobin Drums
Neil Mahony Bass
Gäste:
Rose Kemp Vocals on The Sick Rose, Golden Ratio
Mike Vennart, Claire Lemmon, Denise Johnson Backing Vocals
Kemal L. Freaktide Voice of Satan
Charlie Barnes Piano
Tom Knott Trumoet
Länge:
CD 1: 58 Min 33 Sek
CD 2: 63 Min 11 Sek
Medium:
Do-CD
CD 1
1. The Runner5. The Octopus
2. Minion's Song6. Planet Of Insects
3. Interglacial Spell7. White Horses At Sea // Utopian Daydream
4. The Wave 8. Trading Dark Matter On The Stock Exchange
CD 2
1. The Sick Rose 5. Fall Of The Empire
2. Interstellar6. Bloodtest
3. The Emperor7. Oscar Night // Embryo
4. Golden Ratio8. Forever And More

In der guten alten Zeit, als man sich eine Platte pro … hm, tja, Monat oder so … leisten konnte, hatte alles, was man kaufte, natürlich automatisch Kultstatus. Musste ja, bei DM 22,-! Und so setzt man sich mit solchen Ohren vor den Plattenspieler und verinnerlichte, was sag' ich - saugte auf, was da aus den Lautsprechern kam. Und manchmal war das ziemlich rätselhaft - und das waren die guten Momente (wobei man davon ausging, dass grundsätzlich alles bis aufs kleinste i-Tüpfelchen durchdacht war …). Und eine dieser wunderbar rätselhaften Bands war ohne Zweifel PINK FLOYD. In guten Momenten, so wie etwa auf dem epischen Meddle wurde man in Welten entführt, die man nicht verstand, aber mit Kennermiene zu genießen wusste. Auch wenn man nicht wirklich jedes "Pling" und "Ping" verstand - es war einfach gut. Oder diese finsteren Jungs von BLACK SABBATH - das ging zwar in eine ganz andere Richtung, war aber mal mindestens so gewaltig, und dazu auch noch bedrohlich … und kein Pop! Bloß kein Pop!

AMPLIFIERs Neue hat diese Qualität - hinzu kommt aber auch noch diese nichts verratende Cover mit seinem ikonisierten Oktopus, ganz in schwarz … ws soll man davon halten. Und dieser Name - AMPLIFIER? "The Octopus"? Ganz wie in den alten Tagen einen Kennerblick auf die Tracklist (die einem damals nix verriet, und das heute auch nicht tut): Titel wie The Wave, The Octopus, Planet of Insects oder Interstellar lassen zumindest ahnen, dass das keine einfache Kost sein wird. Und dazu auch noch eine Doppel CD auf dem eigenen Label!

Nach dem Durchhören der zwei CDs schüttelt man den Kopf und fragt sich, was das denn nun war? WUUUCHTIG kommt in den Sinn, aber auch fragil, spacig versponnen, heavy rockig - und rätselhaft. Und - endlich mal wieder eine CD, die es zu entdecken gilt, die einem nicht gleich auf den ersten drei Takten alles gesagt hat und das dann nur bis zum Ende der CD wiederholt. Ja, das ist auch nett, je nach Stimmung, aber das hier ist bedeutsam - au weh, jetzt habe ich es gesagt - bedeutsam, Message! Böse Worte, so gar nicht rockig …. Schon auf CD 1 der Runner ist ein Stück Musik, das zum einen keinen Zweifel daran lässt, dass der Runner am Ende tot ist, dass sich aber auch behutsam steigert, beklemmende Atmosphäre erzeugt und eine Hinweis auf das gibt, was da noch kommt. Das unterliegende Model sind zumeist heavy Rhythmen auf einem - ja, ebene- wuchtige Fundamente aus Bass und Drums, zeitweilig auch Rhythm Guitar, auf dem dann Gesang und andere Spielchen stattfinden. Der Minion's Song ist eher sanft, sehr melodisch, zwischendrin mit wunderbarem Chor, der sich dann zum Ende hin steigert, orchestral unterlegt ist, die Keyboards fiepen dazwischen, das Tempo wird angezogen - und das Ganze fasert dann aus bis zum kakophonen Ende. Der Interglacial Spell ist wahrlich ein Zauberspruch, den Stab schwingen die heavy Riffs. The Wave bietet ein fast monotones Riffgebirge, mir eine Un-stimme verziert, die gegen diese Wucht nicht ankommt, und wieder springen die Keyboards ein und verzieren den Track zum mehr genießbaren hin, doch diese Stimme kämpft und käpft. Finsterer Bass im Titeltrack The Octopus, der Krake zieht einen in die Tiefe, aber das Wasser glänzt und funkelt - wo wird das enden? Herrlich versponnen. Alternativ Krach gibt es auch, etwa in - na ja, wo sonst - Planet Of The Insects. Das weiße Pferd übertreibt das heavy Monotonie Konzept bis hin zur Langweile, aber Trading Dark Matter On The Stock Exchange entschädigt in langsam dahinfließenden 11 Minuten dafür, bis hin zum spacigen Ende, dem Flug ins Unendliche.

CD 2 ist, bis auf Oscar Night/Embryonoch mehr auf der heavy/Monotonie/Riffmonster Seite - hier muss man Lust und Geduld mitbringen, sonst erschlägt einen das. Aber ob die Vertonung des Gedichts des schottischen Dichters William Blake The Sick Rose (was für ein Titel!), der auf Bassmonotonie aufgebaute Interstellar-Trip - das ist alles wirklich gut arrangiert, durchdacht und - sagte ich es schon - wunderbar rätselhaft.

Mit dieser CD SIND AMPLIFIER natürlich die neuen PINK FLOYD mit SABBATH Beigeschmack, die Art als PINK FLOYD noch wirklich PINK FLOYD war. Das ist intellektuell herausfordernden Rockmusik allererster Güte für alle, bei denen Rockmusik nicht nur grooven muss und dann ist schon gut! Prog meinetwegen, aber unzweifelhaft ein Meisterwerk wie es das so lange nicht mehr gegeben hat. Nicht bei Regen anhören!

Dietrich Gastrock, (Artikelliste), 24.03.2011


 
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