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Balance II

Balance II

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Balance II
Balance II, o.i.e. Records, 2005
Brian Moritz Guitar, Keyboards, Backing Vocals, Mando-Dulcimer
Vince Claps Lead & Backing Vocals
Dave LaRue Bass
Rod Morgenstein Drums
Rod Morgenstein Drums
Joel Kaplan Keyboards, Piano, Clavinet
Gäste:
Thom Griffin, Matt Haliminiak Backing Vocals
Tommy Denander Guitar (The Way You Do)
Stan Cotey Guitar (Miracles)
Produziert von: Brian Moritz Länge: 48 Min 13 Sek Medium: CD
1. How Many6. When I Fall Down
2. You Asked7. Carry Me Home
3. Reptilian Crawl8. Burn
4. When Love Comes9. Miracles
5. The Way We Do10. Let Us Pray

BALANCE II, hm, nie gehört. Und warum II? Vermutlich wegen den zig anderen Bands mit dem Namen BALANCE. Diese hier sind nicht zu verwechseln mit der Pop-Rock Band um Bob Kulick aus den Achtzigern. Allerdings nannte Vordenker Brian Moritz seine erste Inkarnation vor gut 10 Jahren auch nur BALANCE. Der nun vorliegende zweite Teil des Projekts entstand offenbar über einen längeren Zeitraum, die Songs tragen allesamt ein Copyright aus 2005. Aber egal, die Musik auf "Balance II" ist absolut zeitlos.
Bekanntester Name dürfte Rod Morgenstein sein. Seit 3 Jahrzehnten Vorzeige-Schlagzeuger mit Credits bei den (DIXIE) DREGS, Steve Morse, WINGER und vielen anderen. Aus etwa demselben Stall (plus u.a. G3 oder PLANET X) kommt Bassist Dave LaRue, während die anderen drei Herren inklusive Brian Moritz eher unbekanntere Kandidaten sind. Aber die Musik hat es gewaltig in sich.

Kleben wir mal das Label "Melodic Progressive Rock" drauf. Und kleiner geschrieben "Prog Blues". Progressiver Blues? Hähähä, paradox.
Nimm Let Us Pray und schweig, Ketzer! Die fünf Maestros plus einige Gäste machen mit "Balance II" einige Kreuzüberschritte, die man in dieser Form vermutlich tatsächlich nur von Bands wie den DIXIE DREGS kennt. Da gibt es keine Berührungsängste mit Pomp und Schmalz (aber Vorsicht, keinesfalls so pomadig wie z.B. TOTO das oft taten, eher wie STYX in erleuchteten Momenten), da wird kernig gerockt und virtuos gezockt, zwischen Pop und Funk gewechselt wie nix, elegisch von den Siebzigern geschwärmt und gleich zu Beginn ein gewaltiges Bass-Ausrufezeichen in How Many gesetzt. Und ja, zwischendurch tönt es auch mal nach beschwingter Westküste oder gar britischer Königinnentreue. Moritz hat den einen und anderen Ton von Brian May offenbar eingehend studiert.
Klingt in Summe äußerst anstrengend, ist es aber nicht und macht richtig Spaß. Wir haben es hier nicht mit schwerstverdaulicher Prog-Sauce zu tun, eher mit der bestens gewürzten Diät-Variante. Wer will heute schon noch dicke Kinder sehen?
Natürlich, wenn Werkschauen wie Reptilian Crawl über mehr als 5 Minuten heftigste Akrobatik vermitteln, muss der Hörer schon aufmerksam sein, um nicht den Faden zu verlieren. Unsere Leser sind bekanntlich allzeit aufnahmebereit und offen für spannende Klänge.
Auch für die orientalisch anmutenden Eröffnungsklänge von When Love Comes hoffentlich. Aber nix Ravi Shankar, gleich nach dem Intro wird ein Bierchen geöffnet und Moritz legt eine traumschöne Gitarre zu einer traumschönen Ballade aufs Parket. So viel Abwechslung und trotzdem kontinuierliche Anhörbarkeit bekommt man selten. YES!

Für den Rocker naturgemäß am begeisterndsten sind logischerweise die Fetzer. Gibt es auf der CD ausreichend und beispielsweise The Way We Do kommt in seiner shuffelnden Leichtgängigkeit beinahe wie die intelligente Ausgabe von FLEETWOOD MAC oder den EAGLES daher. Die Soli sind allerdings von einer ganz anderen Baustelle, da werden keine dünnen Bretter gebohrt. JO JO GUNNE erscheinen vor dem geistigen Ohr.
Vince Claps ist ein toller Sänger, zwar nicht als Shouter geeignet, dafür aber mit einer flexiblen und prächtigen Stimme gesegnet, Moritz gehört mit seinen spektakulären Einsätzen zu den Deluxe-Gitarristen und der Rest der Band ist ohnehin selbsterklärend. Sitzt, passt, wackelt nicht und hat Substanz.
Zwischendurch etwas folkiges, BALANCE ist wohl ein Synonym für Bodenständigkeit, Sekunden später ein Heavy-Riff, danach entspanntes jammen im Retro-Prog-Revier mit mächtigen Harmony-Vocals. Uih, da geht wirklich die Phantasie auf Reisen. Und wenn man die Texte im Booklet mitlesen will, bleibt man an den wundervollen Frauenbildern von Don Moritz hängen. Möglicherweise der Bruder des Chefs.

Eine tolle Platte einer hochbegabten Band, die Prog mit richtigem Rock verbindet. Wenn überhaupt, könnte man unter Umständen an der Produktion mäkeln, denn manche Parts klingen einfach nicht so, als ob sie live reproduzierbar wären und dementsprechend sehr sehr arbeitsintensiv am PC bearbeitet wurden. Bei solchen Musikern kann man sich allerdings leicht täuschen, am Ende knallen die uns ihr Werk tatsächlich auch auf der Bühne so vor den Latz. Ganz ohne Traum Theater.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 18.02.2007

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