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Beggar's Bride

From The Wardrobe Of My Soul

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From The Wardrobe Of My Soul
From The Wardrobe Of My Soul, A-Minor Records, 2012
Holggy Begg Rhythm Guitars, Baritone Guitar, Mellotron, Ukulele, Backing & Lead Vocals
Michael Voss Lead Vocals, Bass, Lead Guitars
Don Airey Organ, Moog, Piano
Fritz Schneider Acoustic Guitars
Mark Schulman Drums
Molly Duncan Saxophone
Gary Barden Lead Vocals (Three Words)
Nicole Diem 2nd Lead Vocals (On Sundays & Backing Vocals
Sass Jordan 2nd Lead Vocals (My Heart In [Your] Hands)
Sophie Solena Backing Vocals
Rosa E. Haas Lyrics
Produziert von: Michael Voss & Holggy Begg Länge: 63 Min 18 Sek Medium: CD
1. Beggar's January13. Beggar's July
2. Rock'n Roll Star14. My Heart In (Your) Hands
3. Beggar's February15. Beggar's August
4. Money Talks16. Three Words
5. Beggar's March17. Beggar's September
6. Calling18. Lie To Me
7. Beggar's April19. Beggar's October
8. Racing Girl20. Oblivion
9. Beggar's May21. Beggar's November
10. Joey22. Come On, Hear Me
11. Beggar's June23. Beggar's December
12. On Sundays

Holggy Begg hat für sein seit 2005 bestehendes Band-Projekt BEGGAR'S BRIDE über vier Veröffentlichungen eine ganze Menge Kritik einstecken müssen. Langeweile und Seichtigkeit wurden des Bettlers Braut vorgeworfen, Belanglosigkeit und ein fehlendes musikalisches Konzept dazu. In der Tat war es so, dass auf den vorhergehenden CDs zu wenig Kante gezeigt wurde, BEGGAR'S PRIDE bewegte sich zu oft in all zu gefälligen Gefilden, es war schlicht zu unspektakulär, was Begg zusammen mit dem allgegenwärtigen Michael Voss bisher in immer hübscher Verpackung auf den Weg gebracht hat. Der fünfte Versuch heißt "From The Wardrobe Of My Soul" und markiert einen klaren Wendepunkt - weg vom "Ich will allen gefallen", hin zum "Rock'n'Roll ist ein Drecksgeschäft".

"From The Wardrobe Of My Soul" hat eine feiste Story, die natürlich klischeebeladen bis zum Anschlag ist, aber in Form und Inhalt immer wieder gerne genommen wird. In Kürze: Ein verkommener Rockstar steuert schnurstracks auf sein Verderben zu, benimmt sich wie sich ein dekadenter Rockstar nunmal benimmt und lässt auch sonst nichts Ungesundes aus. Kurz vor dem Nirwana kommt dann doch noch die späte Erleuchtung und aus dem verderbten Nichtsnutz wird ein spiritueller Gutmensch. Hach ja, ist das nicht schön.
Derlei Konzeptalben können fürchterlich in die Hose gehen, wenn die Musik so seifig wie die Geschichte ist. Zum großen Glück haben Begg und Voss diesen Fehler nicht begangen und stattdessen eine gut rockende Untermalung zum Märchen entworfen. Zusammengehalten wird das Konzept von den Intermezzi Beggar's January bis Beggar's December zwischen den elf eigentlichen Songs, so dass wirklich der Eindruck eines komplexen Erzählstrangs erweckt wird.
Natürlich ist "From The Wardrobe Of My Soul" geprägt von ganz viel Melodie, was mit Michael Voss als Hauptsänger und Gitarrist nicht anders zu erwarten ist, aber der MAD MAX aus Münster kann auch richtig abgründig und krank zu seiner harschen Gitarre singen. Da kommt ein kleiner Satz wie "So, what's the day today?" gar fürchterlich psychotisch daher und man sieht den kaputten Protagonisten Joey direkt in seiner geistigen Gummizelle herumirren.
Rechnet man die kompetente Unterstützung der bewährten Brautmusiker Don Airey, Molly Duncan (Sax), Fritz Schneider (akustische Gitarren) und Mark Schulman am Schlagzeug hinzu, hat man ein geschmackvolles und spannendes Album, dem ein paar Gäste wie Gary Barden und Sass Jordan zusätzliche Höhepunkte hinzufügen. Airey lässt die Orgel dampfen und verzichtet gänzlich auf egoistisches Füllmaterial, Molly Duncan (AVERAGE WHITE BAND) setzt scharfe Sax-Kontrapunkte und Barden gibt das leicht indianisch angehauchte Three Words beeindruckend intensiv und doch zurückhaltend. Für die nach wie vor bärenstark singende Sass Jordan wurde die Rolle als Voss' Duettpartnerin im nett an Sympathy For The Devil angelehnten My Heart In (Your) Hands geschaffen, prompt erinnern die beiden an die besseren Duette von Meat Loaf. Das alles ist verdammt gut gemachte Rockmusik, die immer mal wieder ein wenig aus der Historie zitiert, ohne als Plagiat von Alice Cooper, PINK FLOYD oder Power-Pop-Koryphäen wie BLONDIE peinlich aufzufallen.

Den Innovationspreis der internationalen Jungmusikerschar bekommt Holggy Begg für "From The Wardrobe Of My Soul" nicht, aber es ist ihm das mit Abstand beste BEGGAR'S BRIDE Album gelungen. Dafür und für das Durchhaltevermögen bei derbem Gegenwind gebührt ihm großer Respekt. Die Kritiker der früheren CDs dürfen neue - deutlich positivere - Urteile als bisher fällen, vorausgesetzt sie erwarten keinen krachenden Metal und freuen sich über ganz normalen Rock ohne Altersbeschränkung und Mindesthaltbarkeitsdatum.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 15.01.2012

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