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Higher Power

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Higher Power
Higher Power, Ruf Records, 2004
Bernard Allison Vocals, Electric & Acoustic Guitars
Ron Sutton Drums
Mike Vlahakis Hammond B-3, Wurlitzer, Rhodes Piano, Clavinet, Synthesizer, Strings
Jassen Wilber Bass
Bruce McCabe Piano (Stay With Me Tonight, It's A Man Down There & Stakes Have Gone Up)
Paul Diethelm Lead Guitar (Stakes Have Gone Up), Dobro (Ami)
Jellybean Johnson Lead Guitar (Next 2 U)
Brian Johnson Sugar Bag Shaker (Standing On The Edge Of Love, New Life I'm In & Into My Life)
Produziert von: Bernard Allison Länge: 58 Min 37 Sek Medium: CD
1. I've Learned My Lesson8. Woman Named Trouble
2. Raggedy And Dirty9. Time Flies By
3. Standing On The Edge Of Love10. Stakes Have Gone Up
4. Stay With Me Tonight11. Into My Life
5. Too Cool12. Next 2 U
6. It's A Man Down There13. Ami
7. New Life I'm In

Sag ich zum Epi "magst Du die neue Bernard Allison besprechen?", sagt der Epi "na ja, wenn sonst keiner mag", sag ich "bin auch nicht scharf drauf" und beende des Tages Hetz und Müh bei einem Glas sehr edlen Chianti Baroncini.
Was soll's, reiße ich halt die CD doch noch auf und höre beim abendlichen Zeitungslesen kurz rein. Und dann fliegt mir das Feuilleton plötzlich um die Ohren.
Ein Aha-Erlebnis wie zuletzt bei Robert Randolph und seiner FAMILY BAND. Und das, wo ich doch geruhsamen Feierabendblues mit leichtem Soul-Funk-Gezwitscher erwartet hatte. I've Learned My Lesson schreit der Mann und mir scheint das keine Lüge zu sein. Speziell an der Gitarre hat er ein paar Extraeinheiten eingelegt. "I've had some personal problems..." geht es weiter in dem Song und die hat er überwunden. Er ist jetzt ein Rocker und zwar einer der ersten Liga und noch dazu ein absolut authentischer. Heavy Funkrock mit Bluestouch und einem brettharten Drummer zu geschmeidiger Southern-Gitarre ohne Fender-Quietsch.

Von diesem Powerschock muss ich mich erst mal erholen und mit Song #3 kommt endlich eine Soul-Bluesballade mit Seicht-Appeal, so wie ich sie vom Sohn des großen Luther erwartet hatte. Vorurteile sind zum pflegen da, doch leider ist "Higher Power" nicht von der Pflegeversicherung gesponsort. Keine schmierigen Balladen mehr fürderhin, dafür Rock & Roll aus dem Bilderbuch. Ein Gitarrenbrett nach dem anderen, offene Akkorde mit grausam drohender MOLLY HATCHET im rauchverhangenen Hintergrund, zwischendurch ein tanzbarer Funk (Too Cool), eine immer vorwärtsdrängelnde Band... Bernard Allison ist in meiner Hall of Fame angekommen!

Dass er ein hervorragender Gitarrist ist, weiß man seit Jahren. Dass er aber abseits jeglicher Klischees rocken kann ist (mir) neu. Selbst ein simpler Shuffle wie It's A Man Down There hat noch ein paar Überraschungseffekte, und wenn es nur ein allerfeinstes Piano ist. Wo Bernard Boogie draufschreibt ist dann auch Boogie drin, grad so wie der junge Johnny Winter das meinte und Bernard bringt den Boogie unverletzt ins Jahr 2004. Selbst wenn's bluesiger wird, tut er mir nicht weh, dank Verzicht auf zu viel Stevie Ray V.-Gedudel - diese Schiene ist inzwischen endgültig zu Tode geschraddelt und Allison dankt für das New Life I'm In; ich sage Danke für seine neu gewonnene Inspiration. Puristen werden anders darüber denken, mir erscheint "Higher Power" wie ein Jungbrunnen, in den der nicht mal vierzigjährige Mann gefallen ist.

Man muss die Band erwähnen. Herausragend ist Drummer Ron Sutton. Der spielt ein hörbar reduziertes Kit, das betreibt er aber mit einem Swing und Groove, von dem Generationen Heavy Metal Drummer zehren könnten. Dazu rockt der Typ auf Teufel komm raus. Sein Meisterstück ist das oben erwähnte I've Learned My Lesson, im Zusammenspiel mit Bernards Gitarre lässt er später Stakes Have Gone Up zu einem unheilvollen Rocker wachsen und wenn es nicht gar so kracht, schiebt er mit seiner Power immer noch ganze Güterzüge vom Abstellgleis.
Hammond und andere Tasten bedient, wie in den letzten Jahren auch, Mike Vlahakis. Was für ein Kompliment könnte man einem Keyboarder machen, außer dem, dass er die Songs nicht ertränkt, sondern sich als perfekter Teamplayer erweist. Dazu kommen einige Gäste, unter anderem Jellybean Johnson (u.a. auf diversen Platten von Janet Jackson vertreten), der auf Next 2 U ein mörderisches Gitarrensolo hinterlässt.

Mit "Higher Power" hat das Edellabel Ruf Records eine meiner Platten des Jahres veröffentlicht. Sollte für jeden Rocker mit etwas Verständnis für Soul, Funk und Blues ein Pflichtkauf werden. Außerdem ist mit Ami eine traumschöne Akustikballade vertreten.
Große Klasse, diese Scheibe!

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 24.09.2004

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