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Big Sandy And His Fly Rite Boys

Turntable Matinee

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Turntable Matinee
Turntable Matinee, Yep Roc Records, 2006
Big Sandy Vocals & Acoustic Guitar
Ashley Kingman Electric Guitar
Jimmy Roy Steel Guitar & Dobro
Jeff West Bass & Backing Vocals
Bobby Trimble Drums
Lee Jeffreiss Steel Guitar
Dave Kadison Saxophone
Ernie Vargas Piano
Produziert von: D.E. Hannigan Länge: 45 Min 40 Sek Medium: CD
1. Power Of The 458. The Ones You Say You Love
2. Love That Man9. You Don't Know Me At All
3. The Great State Of Misery10. Yes (I Feel Sorry For You)
4. Haunted Heels11. Lonesome Dollar
5. Ruby Jane12. Slippin' Away
6. Spanish Dagger13. I Know I've Loved You Before
7. Mad14. Power Of The 45 (Part 2)

Aha, wer wie meinereiner mit obskuren Countrymuckern on the road ist, bei dem landen die Scheiben, die keiner bearbeiten will, auf dem Tisch. Why not..., so bleibt mir sicherlich auch so manches erspart...
So, flugs das Päckchen aufgemacht, eine etwas schmucklose Promotion CD kommt mir entgegen plus Presseinfo... "Man sehn' die scheiße aus", entfährt es meiner Lebensabschnittsgefährtin, die mir über die Schulter linst. Nicht ganz zu unrecht, denn fünf nicht mehr ganz junge, ordentlich gewandete Bankangestellte lächeln mich vertretermäßig an...
Gut, auch Buddy Holly sah seinerzeit nicht aus wie ein Latin Lover, sondern eher wie ein singender Postbote..., heften wir das Pressefoto unter "authentisch 50's/60's" ab. O.K., und wenn man auf die HP von Big Sandy geht, so fühlt man sich doch zwischendurch mal heftigst gut ein halbes Jahrhundert zurückversetzt.

Also das Info weg, die Scheibe rein und... oha..., das ist Rock'n Roll und Rockabilly pur. Authentisch, nach vorne mit einem schönen dreckigen Gitarrensound. Power of the 45, der erste Track, kommt kräftig und macht Laune auf mehr. Gut, der Text wiederholt sich ein paar mal zu oft, aber die Ankündigung zu der ultimativen Rock'n Roll Party ("Turntable Matinee") kommt an und macht Lust auf mehr.
Leider erreichen die FLY RITE BOYS plus Boss BIG SANDY die Power der ersten  Nummer nicht mehr annähernd. Manches klingt angenehm, sowohl musikalisch als auch von Stimm-Timbre her, nach Buddy Holly; hier und da kommt zu der Standardbesetzung mal eine Pedal Steel, mal ein Saxophon dazu..., irgendwie hat man aber zumeist das Gefühl, dass jemand vergessen hat die Handbremse zu lösen. Zu viel Midtempo, zu viel Anfang Sechziger-Flair. Hm, das wäre zwischendurch prima, aber durchgehend?

Schade, denn eigentlich haben die Fünf alles, was das Rock'n Roll- und Rockabilly-Herz begehrt, zudem ist das Ganze handwerklich hervorragend gespielt und aufnahmetechnisch auf höchstem Niveau.
So plätschert das "Turntable Matinee" allerdings ein bißchen zu gemäßigt daher. Menschen, denen Danny Gattons Rockabilly- & Country-Licks und Jeff Becks Reminiszenz an Cliff Gallup zu heftig daherkommen, werden möglicherweise ihre Freude haben, mir persönlich fehlt ein wenig der Dreck. Gut - das muss man erst einmal besser machen. Schlecht sind die Jungs auf jeden Fall nicht. Fürs Auto kommts bestimmt ganz gut und es muss ja nicht immer rappeln wie bei Brian Setzer und den STRAY CATS.

12 Tracks später kommt nochmal die Reprise von Power of the 45, die Party ist vorbei und man denkt sich unweigerlich, warum die Jungs in der Zwischenzeit nicht mehr davon draufgepackt haben. Schade.
Fazit: Gute Produktion, gute Band. Wer auf gemäßigten, seinerzeit hitparadentauglichen R'n R und Artverwandtes steht - gut. Wer's lieber ein wenig heftiger mag - Finger weg.

Manfred Sauter, (Artikelliste), 25.07.2006

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