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Sabotage, Technical Ecstasy & Never Say Die!

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Sabotage
Technical Ecstasy
Never Say Die!
Sabotage, Technical Ecstasy & Never Say Die!, Sanctuary Records, 2004 (1975, 1976 & 1978)
Ozzy Osbourne Vocals, Harmonica
Tony Iommi Guitars
Geezer Butler Bass
Bill Ward Drums, Vocals (It's Alright)
Gäste:
English Chamber Choir arr. by Will Malone Chor ("Sabotage"), Brass Arrangements ("Never Say Die!")
Gerald Woodruffe Keyboards ("Technical Ecstasy")
Mike Lewis Strings ("Technical Ectasy")
John Elstar Harmonica ("Never Say Die!")
Don Airey Keyboards ("Never Say Die!")
Produziert von: Black Sabbath & Mike Butcher ("Sabotage") Länge: 48 Min 17 Sek, 39 Min 58 Sek & 45 Min 41 Sek Medium: CD
"Sabotage":
1. Hole In The Sky5. Thrill Of It All
2. Don't Start (Too Late)6. Supertzar
3. Symptom Of The Universe7. Am I Going Insane (Radio)
4. Megalomania8. The Writ
"Technical Ecstasy":
1. Back Street Kids5. All Moving Parts (Stand Still)
2. You Won't Change Me6. Rock'N'Roll Doctor
3. It's Alright7. She's Gone
4. Gypsy8. Dirty Woman
"Never Say Die!":
1. Never Say Die6. Air Dance
2. Johnny Blade7. Over To You
3. Junior's Eyes8. Breakout
4. A Hard Road9. Swinging The Chain
5. Shock Wave

BLACK SABBATH war auch so eine Band, die von den Fans geliebt und von den Kritikern einfach mal ein wenig verteufelt wurde. Als dumpfsinnig, monoton, hysterisch, banal-satanistisch und Gott weiß was noch wurden sie abgetan.
So, damit hätten wir also geschickt den ganz oben und den ganz unten in den Eröffnungssatz eingebaut. Fakt ist, dass mir als 14, 15-jährigem das ganze Gedöns von wegen umgedrehter Kreuze etc. so was von völlig egal war. Ich mochte B.S. wegen ihrem kompromisslos brachialem Sound und ihrer Fähigkeit, das Wirtschaftswundervolk zu erschrecken.
Über das Heute dieser Band brauchen wir nicht reden. Iommi rifft sich nach wie vor durch die mittelgroßen Hallen und Ozzy ist bekanntlich zu einer mehr oder weniger bedauernswerten Lachnummer degeneriert. Schwamm drüber, wir sprechen von der Vergangenheit.

BLACK SABBATH ist eine der Legenden, deren Platten wohl mit am öftesten wiederveröffentlicht wurden. Diesmal also die drei letzten Ergüsse mit Ozzy aus den Jahren 1975 bis '78. Am Sound wurde im Vergleich zum letzten Re-Release (1996) nichts mehr verbessert, es donnert schon so ganz gut. Bonustracks gibt es auch nicht, die kommen dann in zwei oder vier Jahren.
Das bedeutet, diese CDs sind nur für den, der entweder seine alten Vinyls oder die grottenschlechten CD-Erstveröffentlichungen ausmustern will, oder für die Kids, die Ozzy bei MTV sahen und überprüfen wollen, ob der alte Mann schon immer so gaga war. Oder für ein paar Menschen, die noch Lücken in ihrer Sammlung haben und davon soll es gar nicht so wenige geben, denn BLACK SABBATH waren ab 1975, spätestens 1976 mit "Technical Ecstasy" weit von ihrem Popularitätshöhepunkt entfernt.
Bis "Sabbath Bloody Sabbath" von 1973 war die Band fortwährend auf Mega-Tour und ähnlich wie andere damalige Superstars anschließend am Ende. Zwei Jahre später - ohne Umbesetzung (vgl. DEEP PURPLE oder URIAH HEEP) - und nach ihrer bis dato längsten Studiozeit erschien endlich "Sabotage". Die LED ZEPPELIN-Gymnasiastenfraktion zuckte nur mit den Schultern, die Vertreter der harten Birminghamer, ähm, Schwabinger Arbeiterschule zogen "Sabotage" "Physical Graffiti" eindeutig vor. Natürlich war Tony Iommi nicht binnen Monaten zu einem Gitarrengott wie Page mutiert und Ozzy krähte gleichförmig wie immer. Aber "Sabotage" war das bis dahin eindeutig abwechslungsreichste Werk, ähnlich wie "Physical Graffiti", und dennoch durchgehend heavy und bedrohlich rockend. Die Härte war den Zeppelinen da schon leicht abhanden gekommen.
Geschickt setze man mit Hole In The Sky einen klassischen Sabbath-Song an den Anfang. Neu und trotzdem sofort wiedererkannt. Doch spätestens bei Symptom Of The Universe wurden die Veränderungen im Songwriting deutlich. Akustische Gitarren neben dem Urgewalt-Bass von Geezer Butler, Heavy Rock und klassische Einwürfe. Trotzdem 100% BLACK SABBATH.
Heutige Metalbands würden Songs wie Megalomania deutlich paranoider und gewalttätiger darbringen. Für den damals jungen Fan war der Einstieg in die Nummer ein deutliches Zeichen von Borderlinesyndrom. Und Mami schaute besorgt nach ihrem Sprössling. Wie sich Megalomania dann allerdings in einen wunderbar harten Rocksong mit toller Gitarre und Totalklassikerriff auflöst und letztlich mit Synthesizer endet, ist ganz große Songwriterkunst. 2004 klingt einzig das von Ozzy hingeraunzte "fuck me" wirklich beängstigend. Das will doch niemand, oder? In meinen virtuellen Top 100 steht die Nummer allemal recht weit oben.
"Sabotage" ist insgesamt ein Ritt zwischen Doom und mittelschnellem Hard Rock. Seinerzeit waren sicher viele alte Fans leicht verstört, denn manches klang doch sehr nach "durchschnittlichem" Sound, so wie ihn die anderen auch machten. Doch man muss Riffmaster Iommi einfach höchstmöglich anerkennen, dass er es schaffte aus einem normalen Sabbath-Song wie Thrill Of It All beinahe nach Westcoast klingende Lässigkeit herauszuschütteln. Auch hier wieder Synthesizer und eines der besten Solos in über 35 Jahren Bandgeschichte.
Den künstlerischen Glanzpunkt schufen die Briten aber sicherlich mit Supertzar und dem darauf eingesetzten Chor. Auch wenn die Gitarrenlinie für Malmsteen-Fans vermutlich nach Kindergarten klingt: so muss sich Filmmusik für Boris Karloff anhören. Oder doch wie Am I Going Insane, bei dem der Irrsinn langsam daherschleicht? Egal, "Sabotage" ist ein Highlight der Rockgeschichte.

Dann ging es bergab. Verkaufstechnisch und auch von der Fan-Akzeptanz her war "Technical Ecstasy" ein Flop. Man tat der Band damit rückblickend etwas Unrecht, andererseits ging es Ende 1976 mit Punk los, die Firmen schielten allesamt auf das nächste ganz große Ding und vergaßen darüber ihre alten Erfolgsgaranten, entsprechend war die Promotion schwächer als zuvor und außerdem klang "Technical Ecstasy" einfach nicht mehr nach BLACK SABBATH. Das lag zum Teil an der dünnen Produktion (passt den Miami zu dieser Band?), aber auch an den Songs, die erstaunlich eingängig, um nicht zu sagen beliebig, ausfielen. Da half auch das futuristische Hipgnosis-Cover nichts.
War der Opener Back Street Kids wenigstens noch ein frischer Rocker, verschwand schon You Won't Change Me (sic) mit seiner Jon Lord-Hammond in völliger Belanglosigkeit.
Zeit seines (bewussten) Lebens schimpfte Ozzy auf diese Platte und das hatte auch Berechtigung. Wenn gar Bill Ward auf It's Alright wie ein verwirrtes Überbleibsel der BEATLES trällern darf, dann konnte etwas nicht stimmen. Dementsprechend saft- und kraftlos, nach hinten gemischt oder auch gelangweilt sang Osbourne über die gesamten 40 Minuten.
Die Band erlebte mit "Technical Ecstasy" ihr persönliches Keyboarder-Waterloo (ähnlich wie BLACKFOOT später mit Ken Hensley, dem Töter des Southern Rock). Was immer Iommi bei der Produktion erreichen wollte, es ging schief, denn in Zeiten aufkommender Dinosaurier-Hatz war die soundtechnische "Modernisierung" ein Griff in die völlig falsche Schublade. Es war nicht mehr B.S., aber eben auch nicht modern. Sehr gelungen sind ihm allerdings die Gitarrendoppelungen auf Dirty Woman, Sabbath mit zwei Gitarren klingt interessant.
Dennoch, trotz fehlender Spannung und ausbleibender Überraschungsmomente war "Technical Ecstasy" immer noch ein gutes Album. Mit dem kleinen Abstand von knapp 28 Jahren betrachtet, könnte man sagen, dass es eine tolle Platte ist. Und in Rock'N'Roll Doctor war sogar ein sagenhafter Shuffle vertreten. Das muss auch Mr. Osbourne Spaß gemacht haben, hier klingt er nach Shouter und nicht nach Drogenwrack, macht am Schluss sogar einen auf Plant, "uh yeah".
Wer das Ding damals nicht mochte, könnte ihm vielleicht jetzt noch einmal eine Chance geben. Wer es nie gekannt hat, wird eh begeistert sein.

Never say die! Noch während der "Technical Ecstasy"-Tour stieg Ozzy aus und wurde kurzzeitig vom ehemaligen SAVOY BROWN Sänger Dave Walker ersetzt. Das ging natürlich nicht, die Musikzeitungen überschlugen sich vor Freude über den Fehlgriff, und Ozzy war gleich wieder zurück.
Iommi hatte offenbar gelernt, für "Never Say Die!" wurden - zeitgenössisch gesehen - bessere Songs geschrieben, druckvoller produziert, in Kanada aufgenommen und die unpassend aufdringlichen Keyboards wieder ins Jenseits befördert. Don Airey liefert einen prägnanten aber gut erträglichen Beitrag ab.
Nicht alles war Gold, Johnny Blade zum Beispiel ist ein Langweiler erster Güte, aber mit dem grandiosen Titelsong und dem gut riffenden Junior's Eyes wäre beinahe ein Comeback gelungen. Wenn nicht die Zeit von BLACK SABBATH in dieser Form endgültig abgelaufen wäre. Bei der Tour zum Album (das bezeichnenderweise nicht pünktlich von der Plattenfirma veröffentlicht wurde) wurden B.S. von den Newcomern VAN HALEN von der Bühne geblasen und das schreibende Volk ergötzte sich am livehaftigen Abgesang einer Legende.
Auffallend ist, dass im Spätwerk der Urbesetzung immer ein Ausfall zu vermelden ist. Auf "Technical Ecstasy" war es Ozzy, hier lief Geezer Butler nie zur Bestform auf. Seltsam uninspiriertes Bassgedröhn, keine wilden Groovemonster wie noch auf "Sabotage". Dafür lieferte der immer unterbewertete Bill Ward einige tolle Drum- und Percussionleistungen. Kommerziell war dieses Album noch desaströser als der Vorgänger, der Oktober 1978 war von anderer Musik geprägt und wenn schon Hardrock, dann bitte von jungen Wilden wie eben VAN HALEN.
Wir saßen seinerzeit ziemlich ratlos vor diesem Vinyl und retrospektiv betrachtet geht es mir immer noch so, allerdings aus anderen Gründen. Saubere Rocker wie All Over mit seinem feinen Piano oder das von massiven Bläsern unterstütze Doom-Juwel Breakout entsprachen einfach nicht mehr dem Zeitgeist und dem Verständnis der Fans. Das Ende der Band war hiermit beschlossen.
Never say die! Zwei Jahre später war Ronnie James Dio als neuer Sänger an Bord und mit ihm entstand mit "Heaven And Hell" die wohl beste BLACK SABBATH-LP aller Zeiten. Die wurde aber grade nicht wiederveröffentlicht. Ein andermal also dann diese Geschichtsstunde.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 15.07.2004

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