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| Have Mercy!, Eigenvertrieb, 2004 |
| Horst Tolks |
Guitar, Vocals |
| Andy Brötzner |
Bass, Vocals |
| Fred Forrester |
Drums |
| Jimmy Carl Black |
Vocals (Indian Of The Group, Who Did You Love & Black Limousine) |
| Gäste: |
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| Armin Woods |
Organ |
| Pete Bruestle |
Drums (Shake, Homesick, Bad Boy & Just Got Paid) |
| Omnita & Claudia Cane |
Background Vocals |
| Produziert von: Horst Tolks & Bobby Altvater |
Länge: 39 Min 10 Sek |
Medium: CD |
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| 1. Muddy Water | 9. Just Got Paid |
| 2. Shake | 10. Jungle Of Chicks |
| 3. Long Way To Memphis | 11. Indian Of The Group (live) |
| 4. Homesick | 12. Who Did You Love (live) |
| 5. Bad Boy | 13. Black Limousine (live) |
| 6. Don't Believe A Word | 14. Hello Baby |
| 7. Funky Town | Hidden Track: |
| 8. Desert Night | 15. Racing Boogie |
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Wieder eine Band, die seit Ewigkeiten - 15 Jahre in diesem Fall - durch die Gegend tingelt und doch nie wirklich aus den sprichwörtlichen Cowboystiefeln kommt. BOOGIE STUFF aus dem bayrisch-österreichischen Grenzland beackern die Clubs Jahr für Jahr unverdrossen, aber für das Publikum blieben sie doch immer nur der kostengünstige Ersatz für die grade nicht auf Tour befindlichen Superstars aus Texas, Alabama, Tennessee und wahlweise Kentucky. Der typische Fall von "na ja, schaun wir uns halt mal wieder Boogie Stuff an, schlecht sind sie schließlich nicht und vielleicht spielen sie ja La Grange zum dritten Bier".
Ich hab die Band auch schon oft gesehen, mal mehr mal weniger betrunken, ohral beleidigt haben sie mich nie, bei den üblichen Coversongs bin ich meistens aufs Klo oder hab mir eine gedreht. Und auf Konserve, nun ja, so richtig gut oder schlecht war das irgendwie nie...
"Have Mercy!" ist wohl die dritte CD und irgendwie hatte ich schon bei den letzten zwei Auftritten dieser Kapelle den Eindruck, dass ein anderer Biss und mehr Power rüberkamen. Und in der Tat, jetzt knallt das und zwar richtig. Das mag zum Teil an der hervorragenden Produktion von Bobby Altvater liegen, aber auch an der Art und Weise wie hier gerockt, gebluest und geboogied wird und vor allem an der Qualität der Songs natürlich. Die sind nämlich allesamt in der Blues'n'Boogie-Oberliga daheim.
Apropos Oberliga. Die Verpackung dieser CD gehört da auch hin. Schaut super aus, dieser politisch grauenhaft unkorrekte 44er Colt mit Fühlfaktor auf dem Digipack. Und uns will die Industrie künftig CDs zum Vorzugspreis von 9 Euro mit ohne Cover verkaufen... als ob das Auge nicht mithören würde. Ich klau mir Musik schließlich auch nicht aus dem Internet.
Ganz mögen sich die Herren noch nicht auf ihre eigenen Kompositionen verlassen. Ein paar Cover haben sich eingeschlichen, darunter Homesick - inzwischen wirklich nicht mehr unbedingt nötig, das hat schon jeder gemacht, Just Got Paid von den Texanern - in einer tollen Version, die THIN LIZZY-Ballade Don't Believe A Word (sehr ok) und eine klasse Idee hatten sie bei Funky Town, dem albernen Discohit von ca. 1980 (LIPPS INC. hießen die Retortenkasper damals). Das rockt super in der 2004er Ausgabe.
Aber viel wichtiger sind die selbstverfassten und nicht so bekannten Coversongs auf "Have Mercy!". Bereits der Einstieg Muddy Water von GERONIMO BLACK (erinnert sich noch jemand an die Band um Jimmy Carl Black aus den frühen 70ern?) drückt mächtig den Bauch nach innen. Genau wie Shake von Jim Suhler (das ist der zweite Gitarrist bei den DESTROYERS von George Thorogood).
Dann zeigen BOOGIE STUFF allerdings ein anderes, mir bisher unbekanntes Gesicht. Long Way To Memphis, Bad Boy, Desert Night oder Jungle Of Chicks rocken nicht nur, die grooven auch! Mal von schicken Background Girls unterstützt (darunter die in München stadtbekannte Claudia Cane), mal Hammond betrieben, nie den Rock'n'Roll aus den Augen verlierend, immer straight, geht es dahin auf dem Highway. Melodischer Bluesrock und Boogie mit verstärktem Ohrwurmcharakter - grade so wie es dem jugendlichen Rezensenten gefällt. Das ist kompositorisch und auch technisch ein ganz neues Level der Band. Respekt!
Im Booklet steht "Watch out for hidden track Racing Boogie". Ahäm, "hidden track" heißt bekanntlich so viel wie "versteckt". Geheimnisse plaudert man doch nicht einfach so aus, und dass dabei schamlos in der STATUS QUO-Boogiekiste und anderen Ausfallschritt-Mottenfallen geklaut wird, geht niemanden etwas an.
Aber egal, weil vorher kommen noch drei Nummern mit dem oben bereits erwähnten Jimmy Carl Black. Der war nicht nur Chef von GERONIMO BLACK sondern auch Mitglied von Zappas MOTHERS OF INVENTION in den Sechzigern und Siebzigern. Legendär sind seine Worte ""Hi boys and girls, I'm Jimmy Carl Black and I'm the Indian of the group" auf der LP "We're Only In It For The Money" von '68. Später war er mit den GRANDMOTHERS sehr witzig unterwegs, heute bevorzugt unter dem Namen THE MUFFIN MEN. Der Mann ist irgendwas Mitte 60, hat einen Backkatalog wie nicht viele noch lebende Musiker und er widmet der kleinen Band BOOGIE STUFF aus Freilassing in seinen Linernotes die Schlussworte "Rock on dudes and don't forget to boogie!". Dem ist nichts hinzuzufügen, Mr. Black weiß wovon er spricht, schließlich ist er in El Paso/Texas geboren.
Dass die drei von ihm gesungenen Livetracks (darunter Indian Of The Group) allerfeinster Bluesrock sind, muss der klugschwätzende Rezensent nicht erwähnen.
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