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| The Promise - The Lost Sessions: Darkness On The Edge Of Town, Sony Music/Columbia Records, 2010 |
| Bruce Springsteen |
Vocals, Guitar |
| Stevie Van Zandt |
Guitar, Backing Vocals |
| Garry Tallent |
Bass |
| Max Weinberg |
Drums |
| Roy Bittan |
Piano |
| Clarence Clemons |
Saxophone, Percussion |
| Danny Federici |
Organ, Glockenspiel |
| Produziert von: Jon Landau & Bruce Springsteen |
Länge: 82 Min 40 Sek |
Medium: Do-CD |
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| CD 1: | |
| 1. Racing In The Street ('78) | 6. Because The Night |
| 2. Gotta Get That Feeling | 7. Wrong Side Of The Street |
| 3. Outside Looking In | 8. The Brokenhearted |
| 4. Someday (We'll Be Together) | 9. Rendezvous |
| 5. One Way Street | 10. Candy's Boy |
| CD 2: | |
| 1. Save My Love | 7. Talk To Me |
| 2. Ain't Good Enough For You | 8. The Little Things (My Baby Does) |
| 3. Fire | 9. Breakaway |
| 4. Spanish Eyes | 10. The Promise |
| 5. It's A Shame | 11. City Of Night |
| 6. Come On (Let's Go Tonight) | |
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The Boss is back. Und zwar geradewegs vorwärts in die Vergangenheit. Ich muss hier ja kein großes Rätselraten machen, denn die meisten dürften inzwischen mitbekommen haben, dass das Album "The Promise" gar kein neues Album ist. Im Grunde ist es eine Werkschau, die schon über 30 Jahre auf dem Buckel hat. Des Rätsels Lösung findet sich auf der Rückseite der CD: "The Lost Sessions: Darkness On The Edge Of Town". Dass die meisten Künstler mehr Lieder schreiben als auf eine CD passen ist bekannt. Was nicht draufpasst wird entweder als B-Seiten auf Singles verbraten, bei der zweiten und dritten Auflage als Bonus-Tracks verkauft oder aber weggeschmissen. Im Falle von Bruuuuuuuuuce ist das alles nicht der Fall. Der Working-Class-Musiker macht aus den Resten seines Meilensteins gleich eine Doppel-CD, die auch nicht nur annähernd als Müll angesehen werden kann.
"Born To Run" war geschrieben, der Durchbruch gegeben und mit "Darkness On The Edge Of Town" hatte Bruce bereits den Nachfolger eingespielt und wollte ihn auf die Menschheit loslassen. Den Glauben daran, dass das ein ganz großes Album werden sollte, hatte er. Deswegen kamen auch nur die besten Songs aufs Album. Der Rest wurde eingemottet und 32 Jahre später wieder an die Oberfläche befördert. Ich habe es gerade schon geschrieben, muss es aber noch mal wiederholen: Diese 21 Songs sind mitnichten Ausschussware. Es sind Songs, die ein absolut vollwertiges Album ergeben und ein Stück weit den Werdegang des eigentlichen Albums beschreiben. Wir treffen auf alte Livebekannte wie Because The Night und Fire, denen allerdings beiden in der Studioversion das Feuer fehlt, das sie auf der Bühne entfachen. Racing In The Street ist nun auch kein Unbekannter, nur diese Version weicht etwas ab von der, die es schlussendlich auf "Darkness" schaffte, sie klingt nicht ganz so traurig.
Wie nah The Boss heute noch an seinen Frühwerken ist, zeigt Gotta Get That Feeling. Das hätte durchaus auch heute noch Platz auf seinen Rundlingen gefunden. Outside Looking In ist Bruces Interpretation von Roy Orbison meets T. REX. Das ist schon irgendwie Glamour-Schlager und hätte wegen mir auch in der Versenkung bleiben können.
Someday scheint songtechnisch eher noch von "Born To Run" zu stammen, hingegen One Way Street den Weg eindeutig von der Dunkelheit am Rande der Stadt aufzeigt. Das ist diese Art von emotionalen Songs, wie sie auch nur Bruce Springsteen hinbekommt.
Wrong Side Of The Street und Brokenhearted fallen mir insgesamt zu smooth aus. Das rockt nicht so richtig und kann zumindest bei mir nicht zünden. Ganz anders da schon Rendezvous, das live sicherlich noch um einen Tacken zügiger über die Bühnenbretter geht. Candy's Boy kommt mit textlich sehr bekannt vor, allerdings nicht mit dieser Melodie. Das ist hier die Nummer für die ruhige Fahrt auf einem Highway im Sonnenuntergang, bei der man sich wünscht, dass das Hammond-Solo nie enden würde. Auf "Darkness" wurde daraus Candy's Room und ist eher was für eine Treckerfahrt durch den Wald von Nebraska. Damit ist dann auch die erste CD nach gut 42 Minuten beendet. Hm?!? Machen wir mal weiter.
CD 2 fängt mit Save My Love schon wesentlich schmissiger an, wobei der Song dann doch wieder zu früh aufhört. Der Einstieg von Ain't Good Enough For You ist eine von diesen Gute-Laune-Nummern, die man später beim Boss immer wieder findet. Spanish Eyes ist gar nicht so spanisch wie es klingt, hat dafür aber auch wieder alle Trademarks, die einen Springsteen-Song ausmachen. It's A Shame nimmt trotz des ruhigen Tempos etwas Druck auf, was wahrscheinlich daran liegt, dass hier mal wieder die E-Gitarre das Zepter übernimmt. Das sind die Nummern, die den großen Unterschied zwischen Bruce und seiner E STREET BAND im Vergleich mit der Kölschrockkapelle BAP ausmachen. Wolfgang Niedecken wird songschreiberisch immer im Schatten seines Idols stehen, alleine schon deswegen, weil bei den Kölnern ein langweiliger Song auch langweilig dargeboten wird, er beim Boss hingegen immer noch irgendwie Schmackes unter den Saiten hat.
[Endlich kennen wir den Unterschied zwischen Boss und BAP. Herzlichen Dank dafür. Red.]
Come On soll den geneigten Hörer wahrscheinlich mit seinen Countrygeigen langsam auf das Ende der zweiten CD einstimmen, Talk To Me entspringt voll und ganz der 70er-Jahre Gospel-Pop-Kiste. Wie hieß noch mal dieser Film mit den tanzenden Nonnen? Da hätte er auch gut reingepasst. The Little Things ist ganz nett, aber haut mich jetzt nicht vom Hocker und Breakaway ist mir eine Nummer zu traurig, passt damit aber bestens zum aktuellen Wetter. Trübe, grau, kalt - traurig. Dann kommt er endlich, der Titeltrack. The Promise schleppt sich zäh wie Kaugummi über die fast 6 Minuten, kann aber eine Spannung aufbauen, die einen nicht mehr loslässt. Ich hoffe, ich betreibe jetzt keine Ikonenfledderei, wenn ich sage, dass diese Nummer auch von dem mir sehr geschätzten Kollegen Billy Joel hätte sein können. Diese traurigen aber spannend aufgebauten Pianoballaden hat der Mann genauso gut drauf.
City Of Night kommt als Rausschmeißer daher und soll etwas über 7 Minuten lang sein. Aber nach guten 3 Minuten ist Feierabend. Also gibt es noch einen versteckten Track. Der schiebt sich nach 23 Sekunden wie Lava aus den Boxen. Keine Ahnung wie das Teil heißt, aber es ist der geruhsame Abschied in die Nacht.
Hm, braucht man diese verschollenen Stücke oder braucht man sie nicht? Das ist eine gute Frage. Wer den Boss verehrt und schätzt wird und kann hier getrost zugreifen. Wer Bruce Springsteen bisher nicht bewegend fand, wird es nach dem Hören dieser beiden CDs auch nicht tun. Wer aber das Gesamtwerk von Bruuuuuuuuuce verstehen möchte, kommt um diese 21 Stücke nicht umhin. Und außerdem sind Springsteen-Scheiben immer ein willkommener Gruß zum Weihnachtsfest. Von daher kann man mit "The Promise" fast nichts verkehrt machen, noch dazu, wo es in einer sehr schicken Aufmachung daherkommt.
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