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Bruce Springsteen

The Rising

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The Rising
The Rising, Sony Music/Columbia, 2002
Bruce Springsteen Lead Guitar, Vocals, Acoustic Guitar, Baritone Guitar, Harmonica
Roy Bittan Keyboards, Piano, Mellotron, Kurzweil, Pump Organ, Korg M1, Crumar
Clarence Clemons Saxophone, Background Vocals
Danny Federici B3 Organ, Vox Continental, Farfisa
Nils Lofgren Electric Guitar, Dobro, Slide Guitar, Banjo, Background Vocals
Patti Scialfa Vocals
Gary Tallent Bass
Steven Van Zandt Electric Guitar, Background Vocals, Mandolin
Max Weinberg Drums
Produziert von: Brendan O'Brian Länge: 72 Min 59 Sek Medium: CD
1. Lonesome Day9. Further On (Up The Road)
2. Into The Fire10. The Fuse
3. Waitin' On A Sunny Day11. Mary's Place
4. Nothing Man12. You're Missing
5. Countin' On A Miracle13. The Rising
6. Empty Sky14. Paradise
7. Worlds Apart15. My City Of Ruins
8. Let's Be Friends (Skin To Skin)

Fast sieben Jahre mussten seine Jünger auf den Nachfolger von "Tom Joad" warten, und fast 15 auf ein erneutes Studio-Album mit der E STREET BAND. Jetzt ist es endlich soweit! Allein der Anlass stimmt traurig: die Attentate auf das World Trade Center.
Auf seine typische Art setzt sich Springsteen mit diesem Drama auseinander. Er stellt sich keine theoretisch politischen Fragen, sondern stellt sich dem, was wirklich wichtig ist: Er versetzt sich in die Lage derer, die einen Menschen verloren haben - traurig, wütend und verzweifelt ratlos. Immer wieder taucht das Bild vom Kuss auf - vom Menschen, dessen Lippen man gestern noch auf den eigenen spürte - aber nicht resignierend, sondern letztlich mit dem Aufruf: "come on rise up!"

Gleich der Opener Lonesome Day bringt alles auf den Punkt:
Das Haus ist in Flammen
Die Schlange im Gras
Etwas Rache dann ist auch dies vorbei
Ich finde den Weg durch diesen einsamen Tag.

Musikalisch bewegt sich "The Rising" irgendwo zwischen "Lucky Town", "Tom Joad" und "The River". Und es rockt! Mehr, als man nach der Entwicklung der letzten Jahre annehmen durfte. Genau das Richtige, um die Aufbruchstimmung zu vermitteln.
Das erste akustische Highlight erleben wir in Into The Fire, einer Hommage an die ins Feuer gestürmten Helfer, und der Wunsch aus ihrer Kraft und ihrem Mut zu wachsen.
Etwas überrascht war ich von Waitin' On A sunny Day und Mary's Place. Beschwingte Songs, die an die Party-Rocker von "The River" erinnern – vielleicht ein Hauch melancholischer...
Ein weiteres Highlight: In Worlds Apart besingt Springsteen die tiefen Gräben der Kulturen. Dass die anfänglichen fernöstlichen Klänge nach der ersten Strophe von den amerikanischen Gitarren erschlagen werden, ist wohl mehr der Dramaturgie des Songs zuzuschreiben...

Jede Menge Lieder! Und nach etwa 57 überzeugenden Minuten - nein, da ist nicht Schluss - da erwartet einen erst noch das fulminante Schlusstrio: Um einen Rocker wie The Rising wiederzufinden, muss man schon ganz weit in Springsteens Diskographie zurückgehen.
Paradise ist mein Favorit dieses Albums. Atmosphärisch ganz im Stile von "Tom Joad" und spätestens wenn zur dritten Strophe der Klangteppich etwas breiter wird... Gänsehaut!
Im Closer My City Of Ruins schließlich macht Springsteen das, was vielleicht für viele, die ihre Angehörigen verloren haben, einzig Trost spendet: im Gospel-Stil betet er...
I pray for the strengh, Lord
I pray for the faith, Lord
I pray for your love, Lord
..um dann zum Ende all seinen Landsleuten zuzurufen: "Come on, rise up!"

Fazit:
Meine persönliche Note: Neun von zehn möglichen Ohren! "The Rising" ist das beste Springsteen-Album seit "Tunnel Of Love" - und wer mit dem damaligen Schmuse-Kurs weniger anfangen konnte, wird wahrscheinlich noch weiter in seiner Historie zurückgreifen müssen... Es strotzt vor Kraft und Gefühl! Es ist die Symbiose aus dem lustvollen aber grundlosen Gerocke auf "Lucky Town", den genial depressiven Gänsehaut-Songs auf "Tom Joad" und einem Anlass, der dieses Album zu etwas wirklich Wichtigem macht.
"The Rising" ist der amerikanische Emotions-Seismograph, der das unerträgliche Attentat u.a. auf die Türme von New York würdig in der Musik-Welt dokumentiert. Und man ist geneigt zu fragen: Wer, außer Springsteen, hätte dies tun sollen?!
Schön, werden alle langjährigen Springsteen-Fans sagen, dass dieser Meilenstein mit der E Street Band gesetzt wurde. Und alle, die seit langem am "Boss-Image" nagen, werden sich wohl wieder ein paar Jahre gedulden müssen - er ist es: DER BOSS!

Andreas Futschik, (Artikelliste), 04.08.2002

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The Boss is back! Naja, so umwerfend spektakulär ist diese Nachricht auch wieder nicht. Richtig weg war er erstens nie und zweitens ist die Reunion mit der E STREET BAND ja auch schon Schnee vom letzten Jahr.

"The first studio album with the E Street Band since 'Born In The U.S.A.'" verkündet der Sticker auf der CD-Hülle. Soll natürlich Erwartungen wecken und Hoffnungen schüren.
Was aber kann man vom Boss anno 2002 erwarten? Ist er überhaupt noch relevant?
Oder ist die "Magie" eigentlich schon seit "Nebraska" (1980) verflogen?
Bezog sich I'm On Fire (auf "Born In The U.S.A.") eigentlich auf die Vergangenheit und nicht auf das was noch kommen sollte?

Hier muss ich einfügen: Seine ersten fünf Alben sind für mich allesamt Klassiker. Von vorne bis hinten! Punkt.
Gut, da gab's dann auch noch die tolle "Live 1975 - 1985"-Box, aber danach war das letzte was mich richtig ansprach die Single Murder Incorporated.

Aber zur aktuellen Scheibe:
Herr Springsteen ist natürlich älter geworden (wie die Bilder im Booklet nur zu deutlich zeigen) und somit nicht mehr der zornige, junge Mann der "Born To Run" ist. Das spiegelt sich auch in seiner Musik wieder. Kann man ja gelten lassen. Dass er in zu vielen Songs immer noch über seine Liebe zu Patti Scialfa Süßholz raspelt, ist allerdings schon etwas nervig. (Zur Sicherheit liegt ein zweites Booklet mit deutschen Texten bei!)
Ab ca. der Hälfte der Spielzeit werden die Texte aber besser. Lonesome Day ist ein Midtempo-Rock, der durchaus auch auf "Born In The U.S.A." Platz gefunden hätte. Gehört zu den besseren Songs auf dieser CD.
Ruhiger geht's schon bei Into The Fire zu. Die eingesetzte Violine hat er wohl bei John Mellencamp abgeschaut. Geht grad noch so.
Auch der Anfang von Wating On a Sunny Day klingt sehr nach Mellencamp. Der hätte aber wohl mehr aus diesem Song gemacht. Plätschert etwas im Midtempo dahin. Wenig Gitarren. Der typische Springsteen-Tonartwechsel im Mittelteil, aber nichts berauschendes. Wird im Konzert wohl die Feuerzeuge entzünden.
Nothing Man hat so 'nen I'm On Fire-Touch, ohne dessen Stimmung zu erreichen. Auch hier wird das Klassenziel verfehlt.
Kurzer, ruhiger Anfang und dann bringen die E-Gitarren Countin' On A Miracle in Schwung. Ein ganz guter radiotauglicher Springsteen-Rocksong. Das Streicher-Intermezzo wär nicht nötig gewesen aber immerhin geht's recht flott zu.
Empty Sky ist wieder eine Ballade... Dafür bräuchte er die E STREET BAND wohl nicht. Erinnert mich etwas an Streets Of Philadelphia. Trotz der Mundharmonika ziemlich lahm.
Für Worlds Apart hat er sich ein paar Asiaten/Afrikaner (?) ins Studio geladen, um ein paar unnütze Ethno-Spielereien einzubringen. Der Song ist eigentlich nicht schlecht - da hätten nur ein paar Sachen werden gestrichen müssen (u.a. der alberne Lalala-Gesang). Hat ein paar raue E-Gitarren drin.
Let's Be Friends (Skin To Skin) ist ein "Veranda-Fusswipp-Schunkler". So was kriegt John Mellencamp besser und überzeugender hin. Klingt auch etwas wie die letzte BAP-Scheibe.
Bum-Zack, Bum-bum-Zack, eröffnet Max Weinberg den Midtempo-Rocker Further On (Up The Road), und hier klingt's auch wieder ganz gut. Eindeutig einer der besseren Songs auf diesem Album!
Der dämliche Drum-Computer Rhythmus der The Fuse einleitet, bleibt dem Song durchgehend erhalten und so plätschert alles recht belanglos dahin. Nervt. Unnötig!
Bei Mary's Place sieht es schon wieder anders aus. Da kommen fast Erinnerungen an frühere Zeiten auf. Klar es ist schon einiges glatter und nicht mit der damaligen Power gespielt. Speziell Clarence Clemons hätte da früher wohl ein fetzigeres Solo drauf geknallt. Dessen Sax-Attacken fehlen mir sowieso auf der gesamten CD.
Na ja, jetzt wird's gleich wieder ruhiger. You're Missing ist im Endeffekt eine Piano/Violine-Ballade. Recht blutarmes Liebes-Gestammel. (Soll das eine Chinesische Melodie sein, vor dem Solo?).
Der Titelsong The Rising wird von Bruces Stimme und der Orgel eingeleitet. Er schwillt 'ne Weile an, zur großen "Eruption" kommt's dann aber doch nicht. Wenigstens einigermaßen rockig.
Mmh. Jetzt schon wieder so 'ne Sehnsuchts-Liebes-Ballade - Paradise. Wollen wir hoffen, dass im Paradies mehr los ist...
Abschließend noch My City Of Ruins. Scheint mir etwas an John Hiatts Have a little faith in me angelehnt zu sein. Dessen Intensität erreicht es allerdings nicht.

Also, was soll ich sagen?
Fans des frühen Bruce Springsteen wird mit dieser Scheibe nicht gedient sein.
Wenn Bruce ein paar überflüssige Songs weggelassen hätte, hätte es durchaus zu einer passablen CD gereicht. Ich gestehe es ihm halt einfach mal zu, dass er nicht mehr der "Rocker" sein will/kann. Manche Songs muss man halt "überzappen", dann ist "The Rising" schon hörbar.
Und (!), nachdem ich diese Woche die aktuellen Veröffentlichungen von Bryan Adams, AEROSMITH und BON JOVI im Radio gehört habe, muss ich sagen: Bei dem Vergleich schneidet der "Boss" noch ganz gut ab.

Epi Schmidt, (Impressum, Artikelliste), 04.08.2002

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