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CaHoots & Roots
CaHoots & Roots
CaHoots & Roots, SPV, 2004
Carl Carlton Guitar, Vocals
Moses Mo Guitar & Background Vocals
Wyzard Bass & Background Vocals
Wayne P. Sheehy Drums & Background Vocals
Pascal Kravetz Organ, Clavinet D7, Wurlitzer, Piano, Background Vocals
Martin Huch Pedal Steel, Slide Guitar, Mandoline
Bobby Keys Saxophone, Percussion
Gäste:
Robert Palmer Vocals
Sonny Landreth Slide Guitar
Steve Howard & Jon Smith The White Trash Horns
Charlene Howard & Shannon McNally Backing Vocals
Produziert von: Talent Steels & Genius Borroughs Länge: 110 Min 20 Sek Medium: Do-CD
CD 1:
1. God's Gift To Man7. Good To Be Alive
2. Let It Rain8. Days Of Magic
3. Kingston (Reefer & Rum)9. Florence
4. Love, Understanding & Respect10. The Downfall
5. Sneakin' Sally Through The Alley11. Lifelong Guarantee
6. Deep Colours Bleed12. Coming Home
CD 2:
1. Instant Karma6. From 4 Till Late
2. Mama Talk To Your Daughter7. Slow Down
3. Why Get Up8. Carlypso
4. Bobby's Soul Serenade9. Instant Karma (Radio Edit)
5. He Gave The Names

Kann man jemandem böse sein weil er mit Maffay auf der Bühne steht und mit ihm "Tabaluga" inszeniert? Oder weil einer die tolle Band NEW LEGEND vor gut 10 Jahren viel zu früh aufgegeben hat? Oder weil einer den Sommer zwecks Inspiration in Portugal verbringt um neue Songs zu schreiben? Oder weil er sich eine Band zusammenstellt die jeden Kaufmann in tiefste Verzweiflung stürzt? Besteht Herr Carlton doch auf so "billige" Musiker wie Jerry Seay und Gary Moore, also Wyzard und Moses Mo von MOTHER'S FINEST, Pascal Kravetz (kennt man eventuell von Lindenberg und und und), Bobby Keys, der sonst bei den ROLLING STONES auf der Bühne steht, oder den Slide-Künstler Martin Huch, ehemals bei der deutschen Hoffnung HEAD OVER HEELS. Kann man so einem Rock'n'Roll-Bourgeois böse sein?

Ein klein wenig kann man, denn normalerweise hat so eine Band dem gemeinen Publikum mindestens einmal im Jahr bedingungslos und in jeder Stadt zur Verfügung zu stehen. Wie sagte Carltons PANIK ORCHESTER Kollege Hannes Bauer einst: Nun schmeiß schon deine Kiste an und gib mir endlich Gummi, Mann, wozu bist du denn Gitarrist, Guitar man!
Andererseits hat sich Carl Carlton diese privilegierte Situation eigenhändig erarbeitet, Neid ist also völlig fehl am Platz. Höchstens ein wenig mehr Straßenköter-Einsatz wünscht sich der Fan. Aber wie macht man aus SONGDOGS Straßenköter? Ach, ist auch egal, ein bisschen Live-Feeling kriegen wir ja jetzt in Konservenform.
Die Essenz aus den beiden Studioalben "Revolution Avenue" (2001) und "Love & Respect" (2003) plus ein paar Zugaben, aufgenommen bei der letztjährigen Tour, ist in dieser Konserve drin.

Mir sind ein paar Musik-Schreiberlinge in Deutschland bekannt, die Sätze absondern wie "... die 'Greatest Rock'n'Roll Band of the World' würde heutzutage mit Recht so bezeichnet, könnte sie denn ihre eigene Vorstellung von Rock so gekonnt umsetzen wie Carl Carlton das hier zelebriert..." oder "... wer Carl Carlton und die Songdogs noch nicht in seiner CD-Sammlung hat, dem fehlt eines der besten Rockalben der letzten Zeit..." oder gar "... nix wirklich Neues natürlich, aber jede Menge Spaß ... schön, dass wir so einen haben." Die beiden ersten holen sich ihre Inspiration nicht in Portugal weil sie für das Home of Rock schreiben müssen und der andere (Ernst Hofacker) hielt jahrelang die Rock'n'Roll-Fahne im ME/Sounds hoch. Was soll ich da noch hinzufügen?

Erstens, wer seinen Set mit God's Gift To Man von Tom Petty beginnt und das Ding so runterrockt, dass Tom-Boy jämmerlich verblasst, geht bereits in der Anfangsphase in Führung. Zweitens, wer sich der Töne der STONES so bedient wie die SONGDOGS und abwechselnd wie Keef auf Jamaika oder Richards im Rock-Rausch klingt, liegt zur Halbzeit deutlich vorn. Drittens, wer so nach Louisiana klingt, dass man ständig den leibhaftigen Sonny Landreth zu hören glaubt, hat trotz klarem Vorsprung eine Verlängerung verdient (der Vorab-CD ist keine Information zu entnehmen, aber ich würde beinahe wetten, Landreth in From 4 Till Late zu hören - kann ich mich so täuschen?). Viertens, wer bei dieser Verlängerung Robert Palmer einwechselt und mit ihm zwei Songs performt, bekommt zum Siegerpokal noch den Fair-Play-Preis. Für Instant Karma von Lennon gibt es obendrein noch den "Best Coversong 2004 Award".
Dass sich der Spielmacher zwischendurch ein paar Verschnaufpausen gönnt... so what, dann übernimmt halt Moses Mo mit einem brillanten Gitarrensolo oder Pascal Kravetz zeigt ein paar Pianotricks.

Wenn man überhaupt etwas zu meckern hätte an dieser CD, dann vielleicht die Tatsache, dass auf CD 2 das Publikum weggeblendet ist und dass die Band sich in ein oder zwei Situationen - wohl aus Rücksicht auf die Gesundheit des Zuhörers - etwas zurücknimmt, wo doch die Chance zum finalen Partyexzess bestand. Obwohl, alleine die Vorstellung, dass das ultimative Killerriff über einem schwebt und bereit zur Enthauptung ist, sollte der Plattenfirma genügend Angst einjagen, diese CD so zu promoten, dass demnächst genügend Budget zur Verfügung steht, die SONGDOGS in jeder Stadt spielen zu lassen. Jedes Jahr. Immer wenn ich es will. Jetzt. Sofort!

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 29.08.2004

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