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Chigger Red

The Hard Road

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The Hard Road
The Hard Road, RoadTooth Records, 2003
Mike Stansberry Guitar, Vocals
Chris Stansberry Bass
Leo Cuevas Drums
Produziert von: Travis Dickerson & Chigger Red Länge: 37 Min 13 Sek Medium: CD
1. Hangover Hotel7. F*cked Up In Vegas
2. High Society8. White Line Blues
3. Runnin' On Fumes9. Shoot The Moon
4. 'Till I Die10. Death By Alcohol
5. Whole Lotta Woman11. That's A Crazy B*tch
6. Ball N' Chain

Neulich, bei einer dieser grässlichen Grillpartys, mit Menschen mit denen ich so gut wie gar nichts gemein habe weil sie sich ausschließlich über Autos, Kinder und Fußball unterhalten können, fragt mich doch tatsächlich eine dieser Pappnasen, ob ich immer noch die gleiche Musik wie früher höre und grinst mich dabei irgendwie bemitleidend an. Nein, sag ich und überlege mir, ob ich ihm seine blöde Krawatte um den Hals wickeln soll (Typen mit Schlips am Samstagabend beim Grill'n'Bier!). Natürlich nicht, ich hab jetzt ganz viel neue Musik zuhause. Naja, meint er, die Zeit von AC/DC und Rainbow und so ist halt vorbei, war ja ganz witzig damals, aber heute... Ja, sag ich, und die Zeit von lustigen Tierchen auf bunten Krawatten ist auch vorbei und drücke auf die Ketchupflasche, etwas zu fest und schon hat er einen roten Fleck auf dem hellblauen Versicherungsvertreterhemd. Sorry my friend. Er wendet sich dann ab und beginnt ein Fachgespräch zum Thema Kindersitze für den neuen Audi A6 und ich summe Highway to hell vor mich hin während jemand die neue "Ballermann 17" in den Player legt und ein enthemmtes Muttertier die von ihrem Nachwuchs vollgeschissene Windel beschwingt herumreicht, damit auch ja jeder sieht, wie kernig der Kleine kacken kann.
O tempora, o mores.

Stunden später - die Kinder pennen irgendwo in den Ecken, die Mütter sinnieren über Abführmittel, die stolzen Pappis sind stockbesoffen und sabbern sich ihre Bundfaltenhosen voll - hat einer die glorreiche Idee, mal wieder "was von früher" aufzulegen. Deep Purple oder Led Zeppelin oder Lady In Black. Weil aber richtige Rocker auch nach 12 Weißbier noch reaktionsschnell sind, leg ich kurzerhand die neue CHIGGER RED ein und schiebe den Lautstärkeregler nach oben. Und siehe da, nach 30 Sekunden wackeln diese wertvollen Mitglieder der Gesellschaft unkontrolliert mit den geröteten Köpfen. Hey geil, lallt einer, die neue Bon Scott (!!). Ein anderer tippt eher auf Ted Nuschelnd und mein Kumpel mit dem rötlichblauen Hemd packt die Luftgitarre aus und spielt mit seinen Fettfingern ein astreines Dazed And Confused-Solo. Mutti #6 plärrt "macht doch mal den Krach leiser" und ich schick sie in die Küche, Bier holen.

Zeiten und Leute ändern sich und natürlich muss es heute nicht mehr ununterbrochen das alte Zeug aus den Siebzigern sein. Es gibt genügend Stoff, der genau so klingt und trotzdem neu ist.
Chigger Red haben soeben ihre dritte CD veröffentlicht und sie haben, im Vergleich zum Erstling von 2000, eine mehr als positive Metamorphose durchgemacht. Weg vom harten, einfachen, hingeprügelten Southern-Boogie-Rock & Roll, hin zum harten, einfachen, hingeprügelten Southern-Boogie-Rock & Roll.

Okay, ganz so leicht kann man es sich nicht machen. Es hat natürlich eine Entwicklung stattgefunden und die ist wirklich positiv zu vermerken. Hatte das Debut noch die eine oder andere punkig angehauchte Motörhead-Affinität, ist diese einer gewissen Lässigkeit gewichen und so tönt heute eher ein gut abgehangenes Angus- oder Nugent-Riff daher. Unsere Lieblinge AMERICAN DOG fallen mir häufiger ein. Klar, auch die bedienen sich reichlich bei AC/DC und ROSE TATTOO. Aber gute Jungs singen nunmal den Blues und rocken das Haus und philosophieren über crazy bitches und Death By Alcohol.

Stockkonservativ ist das alles. Aber mir sind konservative Cowboystiefel lieber als weiße Tennissocken.
Weitere Verbesserungen: Mike Stansberry singt viel besser als noch vor 3 Jahren. Die Songs sind tighter und kompositorische Ausfälle bzw. musikalischer Mundraub bei Chuck Berry sind nicht mehr feststellbar.
Alle Nummern gehen voll nach vorne, egal ob bluesig (u.a. Ball'N'Chain), heavy (Hangover Hotel ist das volle Brett) oder einfach straight und locker dahinrockend (High Society u.v.m.).
Es spielt keine Rolle ob Du F*ucked Up In Vegas oder gelangweilt im Reihenhaus bist: Mit "The Hard Road" kriegt man auch die schlimmsten Spießerpartys zum Höhepunkt!

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 20.07.2003

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Nachtrag vom 25.07.2003
Dieser Leserbrief eines erzürnten Audi-Testfahrers erreichte uns heute:

Sehr geehrter Herr Schmidtlein,
mir großem Erstaunen nahm ich Ihre Besprechung der CD HARD ROAD von Chigger Red zur Kenntnis, und zwar im besonderen Ihre Bemerkungen zu A6 Fahrern etwas höheren Alters.
Dazu bemerke ich folgendes:
- von Zeit zu Zeit lege auch ich eine alte Uriah Heep oder Deep Purple Platte auf, ja, auch Lady in Black
- auch ich fahre einen A6, wenngleich meine Kinder aus dem Kindersitzalter heraus sind
- mein 21-jähriger Sohn hält sowieso alle Leute, die Hard-, Southern-, Grunge-, oder wieauchimmerRock hören für völlig verschimmelt, es also eigentlich keine Rolle spielt, ob Mief Murple oder Chigger Red
- Frauen Hard Rock zumeist eh' ätzend finden, und IMMER zu laut, von daher die Bemerkung einer Mutti als quasi-Beweis für die Progressivität Ihres Geschmacks untauglich ist
- die völlig überzogene Reaktion Ihrerseits, auf die Kritik Ihres Musikgeschmacks mit Beschmutzung des Gegenübers zu reagieren, auf eine deutlich Southern-Rockhörer Geistesfassung Rückschlüße zuläßt.

Ich bedauere diese Kritik, kann mich jedoch im Namen aller A6 Fahrer nicht zurückhalten.

Herzliche Grüße
D. G.
(Name der Redaktion bekannt)

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