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Burg Herzberg Festival 2005

In The Land Of Milk And Honey
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Burg Herzberg Festival 2005 - In The Land Of Milk And Honey
Burg Herzberg Festival 2005 - In The Land Of Milk And Honey, Herzberg Verlag, 2006
Länge: ca. 120 Min Medium: DVD
1. Ten Years After - Good Morning, Little Schoolgirl11. Big Brother & The Holding Company - Me And Bobby McGee
2. Ten Years After - King Of The Blues12. The Amber Light - Softly There, Everywhere
3. The Love Band - Stephanie Knows Who13. Ozric Tentacles - Kick Muck
4. The Love Band - Andmoreagain14. W.I.N.D. - Lucky Man
5. The Love Band - Between Clark And Hilldale15. IQ - Born Brilliant
6. Siena Root - Coming Home16. IQ - Leap Of Faith
7. Peter Panka's Jane - Hangman17. IQ - No Love Lost
8. Tito & Tarantula - After Dark18. Manfred Mann's Earth Band - Mighty Quinn
9. Tito & Tarantula - Forever Forgotten & UnforgivenBonus:
10. Big Brother & The Holding Company - SummertimeBildergalerie

Ein sympathisierendes Schmunzeln kriecht mir schon zum Start dieser DVD übers Gesicht. Da wird die akustische Wahlmöglichkeit zu diesem Mitschnitt - abgesehen vom üblichen Stereo - nicht mit 5.1 "Surround" angegeben, sondern mit dem ach so viel schöneren Wort Raumklang.
Ja, hier sind wir, "im Land von Milch und Honig" - und mittendrin im BURG HERZBERG FESTIVAL 2005. Das liegt schon 1 ½ Jahre zurück, aber die Zeit die hier wieder auflebt, deren Ursprünge liegen schon 40 Jahre zurück. Wenn es um solche Veranstaltungen geht, wird die Mutter aller "Hippie Conventions", Woodstock, immer an erster Stelle genannt, nicht zuletzt durch den eindrucksvollen Film.
Von europäischem Boden schaut man seit jeher neidvoll auf dieses Erbe. Okay, hier hatte man auch seine "Isle of Wight" Festivals, ist man auf die Insel Fehmarn gezogen und, gerade in Deutschland, hatte man "Out in the Green" oder an mancher "Golden Summer Night" seine Freude. Lang erscheint es her und rückblickend waren es, wenngleich schöne, doch "nur" Open Air Festivals. Von diesen "Rock im Park" oder sonst wo Veranstaltungen brauchen wir hier nicht zu sprechen. Diese Massenanhäufungen haben mit Musik eigentlich nix zu tun. Ob da gerade RAMMSTEIN lärmen oder ein Formel 1 Rennwagen ist den meisten dort doch wurscht.
Seit etlichen Jahren gibt es, zum Glück, das BURG HERZBERG FESTIVAL, aber auch dort scheint die Musik nicht unbedingt an erster Stelle zustehen, sieht man die Besucher und ihre entspannte, glückliche Ausstrahlung und ihre Freude daran einfach hier zu sein. Mancher, bei den eingestreuten Statements, fragt sich: "Wo sind diese Leute nur sonst?" Diese Hippies der ersten Stunde und deren Nachzügler. Man betritt wirklich "eine andere Welt".
Natürlich ist es aber die Musik, die diese Menschen zusammenführt und gerade 2005 glänzte diese "Traditional Hippie Convention" mit einem ganz fantastischen Line-Up. Vier Tage, vom 14. bis 17. Juli, dauerte das Festival und, dem WDR/Rockpalast sei Dank, wenigstens einen kleinen Teil davon können wir uns hier ansehen.

Mit TEN YEARS AFTER beginnt die Band, die neben Joe Cocker wohl am meisten von ihrem Auftritt in Woodstock profitiert hat. Mittlerweile ist Joe Gooch für Gesang und Lead-Gitarre zuständig und Bedenken sind gerechtfertigt, ob die Band zusammen mit Alvin Lee noch diese Energie auf der Bühne entwickeln könnte. Mit Good Morning, Little Schoolgirl fetzen die Vier richtig klasse los und Joe Gooch liefert sich mit Bassist Leo Lyons ein beeindruckendes Duell. Der Leo bangt immer noch wie anno 1969 und seine Finger malträtieren seine Basssaiten ebenfalls mit der gleichen Fertigkeit wie damals. Statt dem berechenbaren I'm Going Home - keine Sorge, sie haben es mit Sicherheit gespielt - folgt hier ein neuer Titel: King Of The Blues. Der rasante Texas-Blues stammt vom aktuellen Studio-Album "Now" und auch hier steigert sich die Band in einen begeisternden Jam.
Optisch hat man sich hier sehr an den legendären Woodstock-Film angelehnt. Will sagen, breite schwarze Balken um die Bilder und oft zwei Kameraaufnahmen zeitgleich gegenübergestellt, oder auch effektvoll "gespiegelt", wie wir es u.a. aus LED ZEPPELINs Konzertfilm "The Song Remains The Same" kennen.
Die Betreiber des idyllisch gelegenen Festivals offenbaren in kurzen Sequenzen ein großes Maß an "Herzblut", aber neben aller Tradition kein Verharren im Gestern und so folgen mit THE LOVE BAND und SIENA ROOT zwei deutlich jüngere Bands. Erstere erinnern mich mit ihrem folkigen Ansatz an BIG IN IOWA, mit psychedelischerem Schwerpunkt. SIENA ROOT haben sich mittlerweile schon einen Namen gemacht und erfreuen sich zunehmender Beliebtheit. Leider ist hier nur ein Song, Coming Home, vertreten, aber die Band um die etwas an Grace Slick erinnernde Sängerin Sanya liefert einen absoluten geilen Jam-Rock, der verschärft Lust auf mehr macht. Ich hab SIENA ROOT, zugegeben, bisher auch etwas stiefmütterlich behandelt. Das wird sich ändern.
Die nächste Band steht natürlich nicht mehr in Originalbesetzung auf der Bühne, aber vom ersten Ton an ist sie unverkennbar: JANE. Vom allerersten Album kommt Hangman. Ja, damals wurde noch Musik mit Herz und Brain gemacht und neben Peter Panka sind mit Charly Maucher am Bass und Werner Nadolny an den Keyboards zwei altgediente Mitglieder in der Band, die zusammen mit Gitarrist Klaus Walz für den typischen und hier stellenweise sehr rockigen JANE Sound sorgen. Klingt wie 1976.
Tito Larriva hat wie üblich bei seinen TITO & TARANTULA eine Frau am Bass. Tito weiß, wie schon Bon Scott, wer den wahren Rhythmus hat. Etwas älter und, na ja, "fertiger" aussehend, auch die Stimme krächzt schon etwas, kann er mit seinen Begleitern und mit After Dark immer noch jenes legendäre "From Dusk 'Til Dawn" Feeling heraufbeschwören.
Ein absolute Überraschung ist für mich BIG BROTHER & THE HOLDING COMPANY. Dass die Band immer zu unrecht auf ihre zeitweise Leadsängerin Janis Joplin reduziert wurde war mir schon klar, aber dass die heute noch so gut sind hätte ich nicht gedacht. Mit Sam Andrew, Peter Albin und Dave Getz sind gleich drei Ur-Mitglieder dabei und mit Sophia Ramos haben sie ganz offensichtlich die richtige Frau für die Vocals gefunden. Nahe genug am Gesang von Janis Joplin und trotzdem eigenständig genug, beweist Sophia in Summertime und Me And Bobby McGee absolute Klasse. Und die Band harmoniert prächtig mit ihrer Sängerin und Improvisationen werden problemlos eingeflochten. Erst letztes Jahr konnte ich bei einem Auftritt von JEFFERSON AIRPLANE erleben, wie solche "Projekte" mit einer neuen, jungen Sängerin auch ganz schön in die Hose gehen können.
Als "nette Band aus Wiesbaden" angekündigt, bringen THE AMBER LIGHT etwas mehr (Brit-) Pop-Appeal ein und erweisen sich als spielfreudige, qualifizierte Live-Band. Lesern von Magazinen wie dem "Eclipsed" ist die Band bereits ein guter Begriff. [Lesern des Home of Rock auch; Red.]
Schon der Name OZRIC TENTACLES lässt vermuten, dass es hier etwas "abgedrehter" zugeht. Mit Querflöte und rein instrumental sorgt die Band mit Kick Muck denn auch für ein sehr abgespactes Flair, welches einen regelrecht hypnotisiert. Vorsicht mit Alkohol oder sonstigen Substanzen bei dieser Musik!
Die Italiener W.I.N.D. haben unlängst eine Live-CD just von ihrem Auftritt bei diesem Festival veröffentlicht und auch wenn man um den Erwerb der Scheibe nicht herumkommt, ist es mir eine besondere Freude Fabio, Jimi und Sandro hier "bei der Arbeit" beobachten zu können. Der GOV'T MULE Vergleich ist müßig, aber Lucky Man ruft den natürlich unweigerlich hervor. Geil!
Der große Beifall für IQ zeigt, dass die Band den Besuchern offenbar vertraut ist. Mir bisher nicht, aber..., hallo, da meint man ja fast Peter Gabriel stünde mit GENESIS wieder auf der Bühne. Nicht unbedingt meine bevorzugte Musik, aber dem charismatischen Sänger Peter Nichols kann man sich schwer entziehen. Leicht dagegen kann man sich in diese Klangwolken fallen lassen und wer außerdem noch auf MARILLION oder auch PINK FLOYD steht, der ist hier am richtigen Platz.
Irgendwann ist man an dem Punkt, an dem man nichts hochgeistig-intellektuelles mehr braucht sondern nur noch Party machen will und da kommt einem MANFRED MANN'S EARTH BAND gerade recht. Jedenfalls dann, wenn sie so einen alten Kracher wie Mighty Quinn zelebriert. Wer würde da nicht selbst vor dem Flachbildschirm mitsingen? Die relativen großen Freiräume für seine Gitarre hat sich Mick Rogers schon vor Jahrzehnten verdient und nutzt sie auch ausgiebig. Platz für Improvisationen ist in der Nummer auch reichlich und das Publikum wird da noch mal zur vollsten Zufriedenheit bedient.

Neben aller Musik bekommt man einen guten Einblick in das Festival und das ganze Drumherum. Die Macher betonen überzeugend den sehr wohl gewünschten Familiencharakter der Veranstaltung, aber selbst wer hier solo aufkreuzt wird, wie jenes Schweizer Pärchen, wird wohl im nächsten Jahr wieder dabei sein wollen.
Woodstock war gestern. Heute können wir uns an dieser DVD ergötzen. Und morgen sind wir selbst dabei! Ich werd jedenfalls alles daran setzen 2007 vor Ort zu sein.

Ländercode: 0
Ton: 5.1 Raumklang, 2.0 Stereo
Bild: 4:3

Epi Schmidt, (Impressum, Artikelliste), 06.01.2007

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