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| Hitpack Fresh - Best Of Talents - Volume 1 & 2, Deshima Music, 2004 |
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Länge: 159 Min 37 Sek & 153 Min 43 Sek |
Medium: Do-CD |
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Wenn nur dieser selten dämliche Name nicht wäre... "Hitpack Fresh", also alles was recht ist, aber mehr nach Ballermann klingen geht kaum. Und dabei steht so ein cleveres und engagiertes Konzept dahinter.
Jahrelang gab es bereits ein Projekt "Hitpack". Allerdings fanden sich dort mehr oder minder bekannte Acts wieder. Die neue Linie ist sinnvoller: Man schnappt sich möglichst begabte Newcomer, packt die auf eine CD, sucht sich kompetente Vertriebs- und Promotionpartner und verkauft die proppenvolle Doppel-CD zum Vorzugspreis von 9,99 (u.a. bei Drogen Müller).
Die Problematik solchen Unterfangens ist klar. Erstens kämpft alle Welt mit der Ignoranz der Medien und der daraus resultierenden Unwissenheit der potentiellen Kundschaft und zweitens muss man die rund 40 gutklassigen Bands pro Release erst finden.
Teil 1 der Aufgabe scheint relativ zufriedenstellend zu laufen, angeblich über 5.000 Einheiten von "Volume 1" wurden an den interessierten Musikfan gebracht. Nicht schlecht. Bleibt noch Teil 2.
Um es direkt zu sagen, ich habe noch keine (!) Compilation mit unbekannten Bands in dieser großen Menge gehört, die mich qualitativ so überzeugt, in vielen Fällen sogar verblüfft hat. Natürlich gibt es einige Nummern, die mir absolut nicht gefallen. Dazu ist die stilistische Vielfalt auch zu groß (ich kann halt mit weinerlichen Depri-Vocals a la U2 in der fünften bzw. OASIS in der dritten Generation nichts anfangen). Aber wirklich beinahe alle Songs sind auf handwerklich tadellosem Niveau, kompositorisch in aller Regel über dem traurigen Radio-Pop Durchschnitt und oft sogar abseits gerade angesagter Trends. Also relativ wenige ROSENSTOLZ-Klone, aber haufenweise junge Musiker mit eigenen Ideen. Natürlich, jeder (kreative) Mensch wird von seiner Umwelt beeinflusst. Man darf also keine Neuerfindung der Popmusik oder die Umwälzung der gängigen Trends erwarten. Warum auch? Es reicht doch, wenn man schlicht und einfach gute Musik serviert bekommt. Ich will meinen Wein schließlich auch weiterhin rot und nicht blauweiß kariert.
Beide Doppel-CDs sind jeweils in die Bereiche Alternative/Rock und Pop/HipHop unterteilt. Man muss nicht erschrecken, die Grenzen sind fließend, so gefallen mir diverse Bands von der "HipHop"-Seite ausnehmend gut, manches R&B-lastige (also R&B im Sinne von Mariah Carey und anderen Schmonzettenmonstern) ist mir persönlich zuwider, ganz aus ist es selbstverständlich bei dem einen oder anderen Dance-Act, da hört das Verständnis des Rockers einfach auf. Genauso gilt, dass "Alternative" in diesem Fall für so ziemlich alle möglichen Varianten (moderner) Rock- und Popmusik steht.
Es sei noch mal gesagt, qualitativ negative Ausrutscher sind selten auf diesen insgesamt 4 CDs. Für den Hörer ist nur Neugier notwendig, dann kann er reichlich spannende Musik entdecken und auf die Suche nach mehr von seinen neuen Lieblingsbands gehen. Es könnte teuer werden!
An dieser Stelle noch ein Hinweis an die Macher. Ein klein wenig mehr Information zu den vertretenen Bands wäre dringend nötig. Und wenn es nur die Angabe der jeweiligen Internetadresse ist.
Eine detaillierte Beschreibung der Protagonisten erspare ich mir. Es sind einfach zu viele. Nur meine persönlichen Favoriten seien kurz angerissen. Man kann nur an die Wissbegierigkeit von Euch Lesern appellieren, für lausige 15 Euro (inklusive Porto) kann man beide Doppel-CDs bei Hitpack bestellen. Es dürfte klar sein, dass dabei für die beteiligten Bands nichts abspringt, die müsst Ihr dann anderweitig unterstützen.
"Volume 1" hat bereits am Anfang einen Kracher mit der Band REDWOOD aus der Schweiz. Tolle Sängerin und "Alternative Roots Rock" mit Gitarrenbreitseiten par Excellanze. Ach ja, es gibt insgesamt viele Sängerinnen auf diesen Scheiben. Ich finde das schön, schließlich hört das Auge immer mit.
Wo wir schon bei den Sängerinnen sind. Wenn es bei manchen Bands überhaupt etwas zu mäkeln gibt, dann die Qualität der Sänger. Ich meine nicht den einen oder anderen etwas schrägen englischen Akzent, der ist mir egal. Ich meine die Lockerheit der Jungs. Hey, lasst doch einfach mal die Arschbacken geschmeidig und fresst nicht das Mikro auf! So wie die Frau von TRINITY, die einen wunderbaren Popsong vom Stapel lassen. Wenn man sich ein wenig Mühe gibt und im Netz stöbert, stellt man fest, dass TRINITY eine christliche (!!) Band ist, die vorwiegend in Kirchen, bei Konfirmationen oder irgendwelchen Kirchentagen auftritt. Was mir so alles begegnet... Trotzdem klasse.
Absolut herausragend: Die CHOO CHOO ROCKERS mit dem schrägen Garagen-Rocker Marry L. Gin's Boogie. Dringend mehr von denen! Die kommen, wie TRINITY auch, aus Schwaben und sind ganz eindeutig für mehr als einen Samplerbeitrag prädestiniert, eine Homepage haben sie allerdings nicht, was die Kontaktaufnahme erschwert.
KAPAUN singen "Ich bin kein Supermann" und sind in der guten alten Tradition von Marius Müller-W., als er noch kein kastrierter Hahn war. Das scheinen Österreicher zu sein. Cooler Rocksong! Auf "Volume 2" sind sie nochmals vertreten, Schlaflied gefällt mir nicht so gut.
Auch witzig: THE BUCCANEERS mit ihrem simpel-witzigen Roots Reggae. Klischee pur, aber nett und mit cooler Gitarre. Kleine Abstriche aber leider beim Sound, es ist eine Liveaufnahme.
Noch ein Highlight: ME AND THE BOYS aus Ulm und ihr Got Enough. Unnötig zu sagen, dass eine Frau singt. Und wie. Mehr Power in die nächste Produktion und wir haben eine neue Jule Neigel.
Gnadenlos geklaut: Nobody von BREAK EVEN, aber am Mikro ist ein Mädel... und die macht das sooo lässig... nicht umsonst hat der Ralf sie bei uns bereits für ihre CD "Unbreakable" gewürdigt. Auf "Vol. 2" gibt es das genau so geile Free. Pop-Rock wie man ihn von z.B. KATRINA & THE WAVES kennt. Die Sonne geht auf und man dreht sich nach seiner Liebsten um um zu... (und findet im schlimmsten Fall nur seine eigene Schmusedecke). Es muss auch mal gesagt werden: Sängerin Saskia Tzounas ist umwerfend!
Ein paar Mal hat das Qualitätsmanagement der Hitpacker leider völlig versagt (i.d.R. auf der Dance/Pop/HipHop-CD). Was zum Geier will uns MC Munk erzählen? Als (miese) Comedy ginge es durch, aber ich fürchte, der Bub meint es ernst. Gruselig albern und schlecht. Den Herrn Wozniak kann ich mit seinem textlichen Sondermüll auch gar nicht goutieren. Dem Zeug fehlt die Pointe um witzig zu sein und der Schlusssatz mit den Schmarotzern ist ganz übel. Seiner Homepage kann man entnehmen, dass der hoffnungslose Künstler sich an Songs der DOORS vergriffen hat. Tut mir leid, da hört der Spaß auf.
Die schlechteste aller Nummern auf beiden Doppel-CDs kommt von einer Budapesterin namens Adrien. Die war mit ihrem Machwerk tatsächlich in den ungarischen Charts auf Platz 1. Das spricht nicht für den Geschmack der Ungarn. Komisch, bei dem leckeren Essen...
Auch sehr übel ist die Reggae-Verballhornung One Way Ticket To Jamaica von einer Tanzkapelle namens RASTAMAN VIBRATION. Die sollen ihren Dreck bitteschön bei Gartenfesten verklappen, auf einer solchen Compilation hat das nichts verloren.
Dafür liefert eine Kapelle namens Henry ein wundervolle Ballade ab. Remember hat dermaßen Hitpotential, dass man die Geigen und all die Reminiszenzen an bekannte Schmusehits vergessen kann. Steckt die Männer mit einem guten (!) Produzenten ins Studio und lasst sie eine saubere CD machen!
Die CDs laufen seit einigen Wochen bei mir und einer ist immer mehr gewachsen: Jimmy Stevens mit seinem Song Flying (Thank You Girl). Sehr hymnisch und offensichtlich in Heimarbeit entstanden, nichtsdestotrotz sehr schön. Zur großen Karriere wird es wohl nicht reichen, aber das hier ist gelungen. Genau wie der skrupellose Diebstahl der Band CUBE mit ihrem Baby I'm A Rocket. Jede Rockdisco (in der Provinz) wird ausflippen. Eine Homepage der Jungs war leider nicht zu finden.
Über die Band BRASS MACHINE hatte ich schon vor gut 2 Jahren geschrieben. Die haben es auch heute noch drauf. Und wieder eine Frau am Gesang...
Auch "Volume2" hat einen Brecher zu Beginn. Die Düster-Rocker DATURA fegen äußerst giftig durchs Gebälk. Frau singt, Schlagzeugsound gefällt mir nicht, dürfte bald kommerziell erfolgreich sein. Die Österreicher FELIX mit ihrem drogigen Ungetüm High Five eher nicht, aber auch das knallt gut rein.
Mein Liebling Tobias Biedert ist auch dabei. Und er ist ganz weit oben im vorderen Drittel mit seinem Ich möchte Popstar sein. Fast die gleiche Qualität erreichen SoSo aus München mit Früh am Morgen. Ist ein wenig zu "sozialkritisch" und kopflastig, geht aber trotzdem ins Bein.
Klassischer Alternative Rock: GOOZE FLESH, natürlich mit Frontfrau, und ihr Song Goodbye Lover. "Alternative" steht in diesem Fall für "Alternative zur üblichen Mainstream-Grütze" und nicht für sinnfreies Geschrubbe.
THE FLYING HELLFISH schrubben zwar, haben aber trotzdem einen äußerst angenehmen METALLICA-Faktor in ihrem Brecher You. Eine der Bands, die hier einen guten Song abgeliefert haben, bei denen man aber nicht weiß, ob sie die Qualität über einen Longplayer halten können.
Schon mal was von BON-JOVI-Mainstream-Gothic gehört? Die Franken AFTER DARK hauen mit Die Seele brennt einen klassischen Hardrock-Song aufs Tablett, verpacken ihn aber als Dark Metal. Na ja, von mir aus gern. Ganz abnehmen kann ich ihnen die auferlegte Düsternis nicht, trotzdem eine Klasse-Nummer. Die Band benennt sich demnächst um und man kann gespannt sein, was dann noch kommt.
Wer ist der Inbegriff eines großartigen Sängers? Max Mutzke! Der nette Anti-Typ von Stefan Raabs Gnaden und Verweigerer windschnittiger Frisuren und schicker Klamotten. Hier ist er mit seinem Band PROJECT FIVE und der Nummer Spice am Werk und das Ding groovt und funkt großartig. Leider zu kurz, den Mutzke kann man auch gern ein halbes Stündchen in einem Jam ertragen.
Er ist Höhepunkt der zweiten CD auf "Volume 2" (von BREAK EVEN abgesehen) und zeigt allen anderen ihre Grenzen auf. Auch der erst 16-jährigen Natalie Anelly, die zwar furchtbar talentiert und sexy klingt, aber dringend bessere Texter bräuchte (oder einfach eigene Verse schreiben sollte). Davon abgesehen sollten die für die Kleine verantwortlichen Menschen mal nachdenken, wie sie das Mädchen auf ihrer Homepage präsentieren! Ein kleines hübsches Etwas mit Schmollmund und Miniröckchen dürfte eine ganz besondere Klientel anlocken... Auch wenn die Fotos von Jim Rakete sind.
Über all den erfrischenden Neulingen habe ich vergessen, dass sich auf jeder CD eine Profiband findet. Aber weder die FARMER BOYS noch die Altpunks NORMAHL sind unbedingt als verkaufsfördernde Maßnahme nötig.
Für "Volume 3" bleibt zu hoffen, dass wieder gute Kapellen gefunden werden (daran dürfte es sicher nicht scheitern, auch uns kommen ständig feine junge Bands in die Player) und die paar Totalluschen vermieden werden. Und dass die Verantwortlichen die Bands etwas augenfreundlicher präsentieren. Ansonsten: Das beste Newcomer-Projekt derzeit!
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