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Sweden Rock Festival 2005

June 9-11 2005 Sölvesborg
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Pyramis AB
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All Music Guide (englisch)

Unser Disclaimer
Sweden Rock Festival 2005
Sweden Rock Festival 2005, Pyramis AB, 2005
Länge: über 5 Stunden Medium: 3 DVD-Set
1. Crystal Eyes - The Wizards Apprentice15. Satanic Slaughter - Towards Damnations End
2. Hellfueled - Midnight Lady16. Robin Trower - Day Of The Eagle
3. Freak Kitchen - Speak When Spoken To17. Diamond Head - Am I Evil
4. Freak Kitchen - Chopstick Boogie18. Behemoth - Demigod
5. Crucified Barbara - Bad Hangover19. Status Quo - Caroline
6. Saxon - And The Band Played On20. Vixen - Edge Of A Broken Heart
7. Morgana Lefay - Maleficium21. Sammy Hagar - I Can't Drive 55
8. Motörhead - Bomber22. Therion - Ginnungagap
9. Motörhead - Overkill23. Kim Mitchell - Fill Your Head With Rock
10. Sabaton - Primo Victoria24. Magnum - Vigilante
11. The Lizards - The Opal Crest Of Zed25. Blackfoot - Sunshine Again
12. Rob Rock - Rock The Earth26. Candlemass - Black Dwarf
13. Lana Lane - Someone To Believe27. Savoy Brown - Savoy Brown Boogie
14. Helix - Rock You

Früher. Das Wort führt je nach Gesinnung zu zwangsnostalgischen Wein- und Erzählkrämpfen oder zu purem Unverständnis und Ablehnung. Früher - als wenigstens in diesem einen Punkt vieles, wenn nicht sogar alles besser war - hießen Open Air Festivals Golden Summernight oder Out In The Green, Rockpalast Festival oder später bedrohlich Monsters Of Rock. Dort traten ALLE auf, die den damals noch jungen Rocker glücklich machten. Dort gaben sich die Superstars die Gitarre in die Hand und man lernte regelmäßig überwältigende neue Bands kennen, die teilweise später selbst als Headliner bei solchen Riesenfestivals auftraten. Von anderen hörte man, zurecht oder unrecht, nie mehr, aber man konnte sich ja rühmen, diese und jene Kapelle seinerzeit bei ihrem einzigen Auftritt in Europa gesehen zu haben.
Von dieser Herrlichkeit ist nicht mehr viel übrig. Natürlich, es gibt die großen Metal-Festivals wie das Bang Your Head und Wacken, aber die sind aufgrund ihrer stilistischen Beschränktheit beileibe nicht für jeden, inzwischen etwas älter gewordenen Rocker genießbar.
Seien wir doch ehrlich, im Grunde existieren nur noch zwei (i.Z. 2) Open Air Festivals, die für den in den Siebzigern zum Fan gewordenen Menschen relevant sind. Das immer mehr rückwärts blickende Arrow Classic Rock Festival in den Niederlanden und das (zumindest für den südlicheren Europäer) sagenumwobene und elend weit entfernte Sweden Rock Festival. Wenn man sich die Besetzungslisten seit 1992 ansieht, müssen einem schier die Tränen in die Augen steigen, dort haben sie alle gespielt, ganz egal welcher heftig rockenden Zunft man anhängt. Die ganz großen aus den Siebzigern, die ganz geschminkten aus den Achtzigern, die ganz bösen aus den Neunzigern und die ganz jungen von heute. Egal ob Blues-, Southern- oder Progressive Rock, ehemalige New Wave of British Heavy Metal, Hardrock amerikanischer Herkunft, Death-, Doom-, Teutonen-, Glam-, True- oder Thrash Metal, beim Sweden Rock bekommt man alles was das Herz begehrt, scheißegal ob alt, jung, Glamster, Deather, Southerner oder einfach Rocker. Und jetzt erstmals eine DVD-Compilation des zurückliegenden Jahres.

Jeder der schon dort war, schwärmt nicht nur vom Line-Up des jeweiligen Jahres sondern auch von der herrlichen landschaftlichen Lage und der professionellen Organisation des Sweden Rock Festivals. Sieht man sich die gut 5 (!) Stunden auf diesen drei 2005 aufgenommenen DVDs an, ist man überzeugt und packt schon mal das Festival-Survival-Pack für den 8. bis 10. Juni 2006 zusammen.
Leser, wer meine Gänsehäute und Ergriffenheit vor der heimischen Glotze anzweifelt, stellt auch mein Dasein als 100% Rock'n'Roll-Fan in Frage, also tut es besser nicht.
Ganze 25 Bands finden sich auf den DVDs mit jeweils ein oder zwei Songs wieder und es spielt überhaupt keine Rolle, ob mir persönlich Kapellen wie CRYSTAL EYES, HELLFUELED oder FREAK KITCHEN zusagen, alleine die Tatsache, diese Jungs bei solch einem geilen Festival zu sehen (wenn auch nur aus der Konserve) und ihre Begeisterung zu spüren, kickt gewaltig. Spätestens bei den außerordentlich hübschen Mädels von CRUCIFIED BARBARA geht der Gaul mit mir durch. Das ist doch was wir brauchen: Wine, Women & Song! Gleich danach And The Band Played On von SAXON - Biff packt immer noch jede Meute an den Eiern.
Die Songs werden samt und sonders ausgespielt, keine unsinnigen Schnitte oder Publikumssequenzen, einzig kurze Interviews gibt es zwischen den Auftritten. Dass die zum Teil in schwedischer Sprache geführt sind, tut dem Vergnügen keinen Abbruch, erinnert einfach daran, dass beispielsweise Mickey Dee von MOTÖRHEAD auch Schwede ist. Überhaupt MOTÖRHEAD. Zu Bomber schwebt ER über der Bühne. Der Bomber! Oh Mann, was für ein Teil.
MORGANA LEFAY und SABATON gehen mich weniger an, in Echtzeit wäre Zeit für ein Bier und Futter gewesen, THE LIZARDS bringen einen seltsamen Song, geben aber ein überaus sympathisches Interview, genau wie Lautsprecher Sebastian Bach und STYX, die beide leider nur in den Extras via gesprochenes Wort und nicht on stage zu erleben sind. Die alten Herren finden es übrigens cool, sich die Bühne mit den Extremos NAPALM DEATH geteilt zu haben. Soviel zum Thema "Rock & Roll ist für alle da und praktizierte Toleranz".

Auf DVD 2 bezaubert LANA LANE als Sängerin und gleichnamiger Band mit gewohnter Prog-Perfektion im hellen Tageslicht, HELIX um Urgestein Brian Vollmer schuften sich den Arsch ab, werden aber nie ihren Platz im oberen Drittel der zweiten Liga verlassen können, SATANIC SLAUGHTER grunzen belustigend in die Sonne, sehen aber beim headbangen durchaus eindrucksvoll aus, und Robin Trower spielt wie er aussieht und ist, alt und nach wie vor als bluesender Hendrix-Epigone mit massivem Publikumszuspruch.
Von DIAMOND HEAD gibt es natürlich Am I Evil, das jedoch extrem geil, die Polen BEHEMOTH, okay, Abstecher zu den Merchandiseständen (witzig allerdings, den Oberbösewicht Nergal beim Geburtstagskuchen futtern zu sehen - eine schwarze Torte selbstredend), weil dann kommen STATUS QUO. Zuerst referiert Rick über die 40 Jahre mit Francis und konstatiert "Most of the time it was phantastic" und "we'll rock 'til we drop" und dann schwingt die Caroline ihr nimmermüdes Boogie-Bein. Wie geil muss es sein, 25.000 Leute am helllichten Tag in den Ausfallschritt zu zwingen und den beinharten Death-Metaller "Quoooohooo" brüllen zu lassen.
Auch auf dieser zweiten DVD gibt es wieder diverse Interviews mit leider nicht live gefilmten Bands. Allesamt sehr gut geführt und, je nach Geisteszustand der Band, ziemlich informativ und/oder witzig. Pete Agnew von NAZARETH verspricht beispielsweise, dass er weitermacht solange Mick Jagger älter ist als er und Phil Ehart von KANSAS findet die Classic Rock Szene in Amerika gaaanz toll und vergisst offenbar, dass er gerade in Schweden weilt... Merke: Beiße nie die Hand die dir die Rente garantiert.

Auf DVD #3 geben die leicht angejahrten Damen von VIXEN das gute Vorprogramm für Sammy Hagar. Der brettert durch die Nacht und behauptet überflüssigerweise I Can't Drive 55. Große Show!
Dann nochmal Pippipause während sich THERION episch abmühen. Schließlich kommt dann das große Finale mit Kim Mitchell (ehemals MAX WEBSTER), MAGNUM, BLACKFOOT, CANDLEMASS und SAVOY BROWN.
Auch wenn man nicht explizit auf die alle abfährt, gesehen haben muss man sie. Mitchell beispielsweise hat das überragende Fill Your Head With Rock am Start und pumpt den besten kanadischen Hardrock seit APRIL WINE ins zu der offensichtlich frühen Tageszeit noch spärliche Publikum. MAGNUM, freundlich wie immer, pfeffern ein überraschend heftiges Vigilante raus und CANDLEMASS sind echte Doom-Größen, auch wenn die Bühnendekoration und die Klamotten leicht kindisch wirken. Kim Simmonds versucht einmal mehr seinen Status als Bluesrock-Ikone zu beweisen, vergleicht dieses Festival, korrekt erkannt, mit den Rockfestivals der Sechziger und spielt den Savoy Brown Boogie. Sorry, Kim, aber die glanzvollen Zeiten liegen trotz guter Begleitband 25 und mehr Jahre zurück. Wie wär's zur Abwechslung mal mit einem handfesten neuen Output?
Der traurige Moment dieser DVD ist die Einblendung des Inserts "In Memory of Jakson Spires". Sunshine Again ist ihm gewidmet und der Kenner wird sich fragen: Sunshine Again? Ja, eine brandneue Nummer von BLACKFOOT! Ein Slowblues, Bobby Barth in exzellenter Form, Charlie Hargrett verblüffend agil, Greg T. Walker unglaublich gut aussehend in seinem Indianergewand. I will pay a lot of money for the complete show!

Ein paar Bands fehlen leider, zum Beispiel würde man gerne sehen was MÖTLEY CRÜE mit dem zugedrogten (oder einfach kaputten) Mick Mars zustande gebracht haben, ob DIO gut wie immer war und ob ACCEPT so locker aufgespielt haben wie sie sich bei der Pressekonferenz gaben. All diese Bands würden natürlich mindestens sechs DVDs erfordern und man kann es nicht allen recht machen, seien wir also glücklich und zufrieden über die nun vorliegenden 5 Stunden vom besten Rockfestival der Welt.
Noch ein Wort zur Technik. Kameraführung und Bildqualität sind toll. Die Lautstärke einiger Bands differiert leicht, aber dafür hat man eine Fernbedienung. Der Sound kommt astrein und auf überflüssigen DVD-Schnickschnack wurde verzichtet. Tolle Arbeit.

Gibt es einen Grund, vom 8. bis 10. Juni 2006 nicht nach Sölvesborg zu reisen? Immerhin sind diesmal bereits WHITESNAKE, DEEP PURPLE, JOURNEY, VENOM, CELTIC FROST, W.A.S.P., GAMMA RAY, KROKUS, Jeff Healey, DRAGONFORCE, STRYPER, CACTUS, George Thorogood, THE SENSATIONAL ALEX HARVEY BAND, ANVIL, CATHEDRAL, MOLLY HATCHET, DORO, THE SWEET, EASY ACTION, NEVERMORE, METAL CHURCH, EVERGREY, ONSLAUGHT, FROM BEHIND, BONFIRE, NEIL TURBIN'S DEATHRIDERS, BLITZKRIEG, LORD BELIAL, NASTY IDOLS, FIREWIND, JADED HEART, RAISE HELL, HOUSE OF SHAKIRA und THE STORYTELLER bestätigt.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 10.02.2006

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