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| What It Is! Funky Soul And Rare Grooves - 1967-1977, Rhino Records/Warner Music Group, 2006 |
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Länge: 307 Min 31 Sek |
Medium: 4 CD-Box |
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| CD 1: | |
| 1. The Watts 103rd St. Rhythm Band - Spreadin' Honey | 15. The Commodores - Keep On Dancing |
| 2. Bar-Kays - Soul Finger | 16. The Southshore Commission - Right On Brother - Part I |
| 3. Brother Jack McDuff - The Shadow Of Your Smile | 17. Eldridge Holmes - Pop, Popcorn Children |
| 4. Jimmy Norman - Gangster Of Love (Parts I & II) | 18. Cold Grits - It's Your Thing |
| 5. Rufus Thomas - The Memphis Train | 19. Soul Angels - It's All In Your Mind |
| 6. Grassella Oliphant - Get Out Of My Life Woman | 20. Johnny Cameron & The Camerons - Funky John |
| 7. Eddie Harris - Live Right Now | 21. Joyce Jones - Help Me Make Up My Mind |
| 8. Natural Bridge Bunch - Pig Snboots, Part I | 22. Lou Johnson - Rock Me baby |
| 9. The Freedom Sounds feat. Wayne Henderson - Soul Sound System | 23. The Noble Knights - Sing A Simple Song |
| 10. Clarence Carter - Snatching It Back | 24. Titus Turner - Do You Dig It |
| 11. Artie Christopher - Stoned Soul | 25. Phil Moore Jr. - Funky Canyon |
| 12. The T.S.U. Toronadoes - Getting The Corners | 26. The Fabulous Counts - Jan Jan |
| 13. Tony Alvon & The Belairs - Sexy Coffee Pot | 27. The Rhine Oaks - Tampin |
| 14. Mark Putney - Don't Come Around Here Anymore | |
| CD 2: | |
| 1. Cyril Neville - Gossip | 12. Shirley Scott - Messie Bessie |
| 2. The Mighty Hannibal - Somebody In The World For You | 13. Willie West - Fairchild |
| 3. Little Sister - Stanga | 14. The Gaturs - Cold Bear |
| 4. Ananda Shankar - Jumpin' Jack Flash | 15. Mongo Santamaria - I Can't Get Next To You |
| 5. Brute Force - The Deacon | 16. Lulu - Feelin' Alright |
| 6. Don Covay & The Jefferson Lemon Blues Band - Sookie Sookie | 17. Memphis Horns - Soul Bowl |
| 7. Clarence Wheeler & The Enforcers - Right On | 18. Hammer - Tuane |
| 8. Curtis Mayfield - (Don't Worry) If There's A Hell Below We're All Going To Go | 19. Johnny Tolbert & De Thangs - Take It Off - Part II |
| 9. Johnny Harris - Stepping Stones | 20. Harlem River Drive feat. Eddie Palmieri & Jimmy Norman - Seeds Of Life |
| 10. 6ix - I'm Just Like You | 21. Wilson Pickett - Engine Number 9 |
| 11. The Unemployed - Funky Thing - Part I | |
| CD 3: | |
| 1. Baby Huey & The Baby Sitters - Hard Times | 12. Young-Holt Unlimited - Wah Wah Man |
| 2. Houseguests - What So Never The Dance - Pt. 1 & 2 | 13. Aretha Franklin - Rock Steady (Alternate Mix) |
| 3. Eugene McDaniels - Headless Heroes | 14. Black Haze Express - Won't Nobody Listen |
| 4. Wade Marcus - Spinning Wheel | 15. Allen Toussaint - Goin' Down |
| 5. Earth, Wind & Fire - Bad Tune | 16. Malo - Suavecito |
| 6. Rasputin's Stash - Mr. Cool | 17. Charles Wright - You Gotta Know Whatcha Doin' |
| 7. Junior Mance - Don't Cha Hear Me Callin' To Ya | 18. Tami Lynn - Mo Jo Hanna |
| 8. The Stovall Sisters - Hang On In There | 19. King Curtis - Ridin' Thumb |
| 9. The Beginning Of The End - Funky Nassau (Part II) | 20. Macondo - Almendra |
| 10. Mark Holder & The Positives - Whatever's Fair | 21. Little Richard - Nuki Suki |
| 11. Ed Robinson - Face It | |
| CD 4: | |
| 1. United 8 - Getting Uptown (To Get Down) | 12. Freddie/Henchi & The Soul Setters - Funky To The Bone |
| 2. Howard Tate - 8 Days On The Road | 13. Bobby Byrd - Try It Again |
| 3. Labelle - Moon Shadow | 14. Cornell Dupree - Teasin' |
| 4. Society's Bag - Let It Crawl | 15. Dr. John - (Everybody Wanna Get Rich) Rite Away |
| 5. Black Heat - Wanaoh | 16. Oscar Brown, Jr. - Chicken Heads |
| 6. Clarence Reid - If It Was Good Enough For Daddy | 17. Funk Factory - Rien Ne Va Plus |
| 7. Claudia Lennear - Everything I Do Gonna Be Funky | 18. Herbie Mann - Cajun Moon |
| 8. The Mystic Moods - Cosmic Sea | 19. Darrow Fletcher - Improve |
| 9. Cold Blood - Kissing My Love | 20. Faze-O - Riding High |
| 10. Seatrain - Flute Thing | 21. Fred Wesley & The Horny Horns - Four Play |
| 11. The Meters - Chug Chug Chug-A-Lug (Push N' Shove) Part II | 22. Eddie Hazel - California Dreamin' |
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Das Folgende ist für normale Internet-Verhältnisse ein mächtiger Worthaufen. Home of Rock bietet seit 5 1/2 Jahren Lesestoff, der die oftmals leider üblichen Dreizeiler ohne weiteren Informationsgehalt mit Freude überragt. Druckt es Euch doch einfach aus und nehmt es mit dorthin, wo Ihr auch sonst Musik zum Lesen konsumiert. Der Verfasser tut's mit Vorliebe an stillen Örtchen wie der U-Bahn oder dem Kaffeehaus an der Ecke...

Bahn frei für die heißeste Funk-Compilation der letzten Jahre!
Brothers, Sisters und sonstige Gangsters, wir reden hier nicht von der zigsten Koppelung mit Papa's Got A Brand New Bag und Sex Machine, wir reden von vier CDs mit der Essenz, dem Bodensatz des Street-Funk, von Songs und Bands, die zum größten Teil nur ganz wenigen Insidern - so sie noch leben - bekannt sein dürften, auch wenn hie und da ein bekannter Name auftaucht. Wir sprechen von Aufnahmen aus den Archiven der Plattenfirmen Atlantic, Atco und Warner Bros und ihrer vielen dubiosen Ablegerlabel aus den Jahren 1967-'77.
Are you ready zum Tanz? Zieht was Luftiges an, die nächsten fünf Stunden werden schwitzig und geil, ihr werdet krachende Gitarren hören und schwer schuftende Hammond Orgeln, Bläser so scharf wie Kreissägen, Shouter mit Ahnung von dem was sie singen, Sängerinnen mit Stimmen für die man töten könnte. "What It Is!" ist keinesfalls Stoff für Verklemmte, Moralisten, Stehgeiger, Grooveverweigerer und Todesmetaller.
Die kleinen Geschichten zu den jeweiligen Bands und Interpreten kann man im vorzüglichen Büchlein zur Box nachlesen, manche sind lustig, andere stimmen nachdenklich, die meisten sind einfach informativ und machen Lust auf weiteres Forschen nach all den Namen, die hier auftauchen. Oder kennt jemand THE WATTS 103rd. ST. RHYTHM BAND (waren mal Studioband von Bill Cosby, also etwa so wie die Kapellen bei Harald Schmidt und Stefan Raab), die BAR-KAYS oder Brother Jack McDuff, einen B-3 Herzensbrecher, der hier allerdings eine unverschämt smoothe Jazz-Ballade mitsamt Flötensolo aufführt? Man braucht alle drei bis fünf Stücke so eine Ruhepause, ansonsten steigt der Adrenalin- und Hormonspiegel in bedenkliche Höhen.
Man ist also schon ordentlich angewärmt, wenn als #5 mit Rufus Thomas der erste echte Star der Funk-Szene auf die Bühne steigt und dem Memphis Train mächtig Dampf macht. Den braucht er auch, denn vorher marodierte Johnny Guitar Watsons Gangster Of Love in der Version von Jimmy Norman durch den Saal und sorgte für ziemliche Aufregung mit seinem Sax-Guitar Duell.
Bereits nach dieser ersten Viertelstunde ist klar, dass all diese Bands einen schier unerschöpflichen Vorrat an Groove, Soul und Rhythmus hatten. Wer immer die Drummer und Bassisten waren (Stichwort THE FUNK BROTHERS oder THE METERS - die schwarze Musikerszene war seinerzeit relativ heterogen und es tauchten oft die selben Studioasse zu Aufnahmen verschiedenster Frontmänner/-frauen auf), die Heerscharen stocksteifer Rockmusiker heutiger Tage sollten diese Box auf Krankenschein verschrieben bekommen.
Die erste CD enthält Songs aus den Jahren 1967 bis '69 und überrascht trotz des beträchtlichen Alters mit bis heute gültigen Funk-Standards (es sind die musikalischen Grundsätze gemeint, nicht die gespielten Nummern). Genau so bringt man bis in alle Ewigkeit die Menschen zum Tanzen und Swingen, auch wenn einer wie Grassella Oliphant (eigentlich ein Drummer) eher die jazzigen Roots bemüht und eine fast kammermusikalische Version von Allen Toussaints Get Out Of My Life Woman darbietet (Toussaint taucht in der Folge immer wieder in verschiedenen Funktionen auf diesen 4 CDs auf, genau wie Sly Stone, dessen Name trotz aller Exzesse in diesen frühen Jahren für beinahe durchwegs phantastische Ergebnisse bürgte). Schon das folgende Live Right Now von Eddie Harris ist wieder schwüler Sex und Pig Snoots, Part I von NATURAL BRIDGE BUNCH purer Fun mit einem eindeutig zweideutigen Text, einem Lachen direkt aus dem schlimmsten Zuhälterhals der Bronx und einer reichlich "versauten" Backgroundsängerin. Dazu imposante Bass-Bögen und eine Gitarre wie sie Keith Richards nicht dreckiger spielen könnte. Selbst die Archivare von Rhino Records konnten kaum weitere Infos zu dieser Formation finden.
Wie nah Jazz, Soul, Rock, Latin und Funk zusammenliegen, zeigt der Jazz-Trombonist Wayne Henderson mit seinem Nebenprojekt THE FREEDOM SOUNDS, dafür wühlt der blinde Clarence Carter mit der Single-B-Seite Snatching It Back ganz tief in den Soul-Sümpfen herum.
Der Drummer der T.S.U. TORONADOS (eine Band aus Texas) spielte im Oktober 1968 Fills, die keinem britischen Rockschlagzeuger (außer Bonham, Moon und Pete York vielleicht) zu dieser Zeit eingefallen wären und die nur für drei Singles aktive Band TONY ALVON & THE BELAIRS nahm tiefergestimmte Gitarren knapp drei Jahrzehnte voraus. Oh ja, auf "What It Is!" ist viel obskures, allerdings auch zu 96% hochkarätiges Zeug. Zum Beispiel THE COMMODORES mit einer Single aus 1969, Keep On Dancing, auf der Lionel Richie als Einpeitscher - und nicht als der heute bekannte Weichspüler mitsamt verkommener Tochter - richtig für Druck sorgt. Darüber hinaus finden sich massenhaft Songs, die sich vorzüglich als Soundtrack für einen der vielen Black Movies a la "Shaft" aus den späten Sechzigern bzw. frühen Siebzigern eignen würden. Coole Typen bei höchst gefährlichen Verfolgungsjagden durch verschmuddelte Stundenhotels, über rostige Feuerleitern in den Straßendschungel springend oder durch einsame U-Bahnhöfe von skrupellosen Killern gejagt - und begleitet von den COLD GRITS, einer Band ohne jede andere Hinterlassenschaft, aber so gefährlich wie die 45er der Filmganoven. Alternativ darf Johnny Cameron (bei dem man nicht mal weiß, welches Instrument er auf seiner einzigen Single spielte) durch den spannenden Teil mit der Beschattung des Verdächtigen auf dem Flughafen fegen. Zum finalen Tete-a-Tete mit der schönen Schwarzen lassen die SOUL ANGELS dann einen wilden Hüftschwinger vom Stapel, der jede Jugendschutzbehörde alarmieren dürfte. Oder ist es Joyce Jones mit ihrem unglaublich anmachenden Help Me Make Up My Mind? Jackie Brown, kannst Du mich hören?
Äußerst interessant ist auch die Lektüre der Songwriter und der jeweiligen Produzenten. Weiße wie Tom Dowd und Jerry Wexler konnten "ihre" Acts genau so schwarz klingen lassen wie sie es tatsächlich waren - Fragen nach z.B. der Wichtigkeit eines Tom Dowd für die ALLMAN BROTHERS sollten sich hiermit erübrigen.
Die zweite CD startet mit dem Jahr 1970 und zeigt, dass Funk, Soul, Studiotechnik und die Welt sich binnen weniger Monate weiterentwickelt hatten. Cyrill Neville setzte zum erdbebengleichen Gossip eine Sitar ein! Wiederum sind natürlich THE METERS am Werk und der Familienname Neville dürfte ebenfalls ein Begriff sein. Wo Cyril "funky, funky, funky, funky" singt, ist funky, funky, funky Funk drin. Genau wie ein Mörderbass bei Sly Stone und seinem Retortenprodukt LITTLE SISTER (die Sister war in der Tat Slys jüngere Schwester Vaetta Stewart) und dem visionären Dancefunk Stanga.
Raritätensammlern dürfte Ananda Shankar, der Neffe des berühmt berüchtigten Ravi Shankar, durchaus ein Begriff sein. Auch Ananda experimentierte mit der Sitar herum, nahm sich allerdings zeitgenössische Rocksongs zum Vorbild, hier Jumpin' Jack Flash, und brachte sie mittels Post-Psychedelic, einem Moog-Synthesizer und Pre-Dancefloor ordentlich auf Trab. Ebenfalls ein hochinteressantes Stück Funk-History.
Ab ins virtuelle Lexikon und Don Covay gesucht. Man findet: Querverweise zu Steve Cropper ff. und dem epochalen Rocksong Sookie Sookie von STEPPENWOLF. Denkste. Diese Dampframme ist von eben diesem Don Covay und seine 70er-Aufnahme mit der JEFFERSON LEMON BLUES BAND lässt John Kay ziemlich blass aussehen.
Wer die Geschichtsstunde zwischendurch satt hat, kann sich auch gerne einfach von den B-3-, Percussion- und Blechbläser-Bergrutschen der ENFORCERS um Clarence Wheeler begraben lassen. Auch wenn deren Sound 1970 eigentlich schon out war, Right On ist ein wahres Groovemonster und nebenher auch noch eine klasse Geschichte. Noch ein Grund, sich dieses Package zu holen. Ach ja, falls wir (was nicht zu vermuten und hoffen ist) NPD wählende Leser haben: Wir lassen Euch gerne die Übersetzung der allerersten Single von Curtis Mayfield zukommen. Titel: (Don't Worry) If There's A Hell Below We're All Going To Go. [Hahaha, und einen schönen Gruß an meine dumpfbackigen Freunde in Mecklenburg-Vorpommern und anderswo; F.S.]
Mitten all den Brothers aus Philly, Detroit, NYC oder Memphis schummelt sich plötzlich ein Brite ins Geschehen. Johnny Harris - nie gehört, dennoch eine ganz große Studionummer der Londoner Sixties - zaubert den vehementen Rhythm-Brecher Stepping Stones inklusive einer Querflöte um die ihn Ian Anderson wohl bis heute beneidet (gespielt von einem gewissen Harold McNeil).
6IX = Sly Stone = Sylvester Stewart = manischer Funk'n'Soul. Es gibt Momente, in denen der gewöhnliche Weiße einfach aufgibt und die Tanzkompatibilität schwarzer Genies anerkennt. I'm Just Like You gehört dazu. Überlebende werden anschließend zielgerichtet von THE UNEMPLOYED und Funky Thing - Part I ins Jenseits befördert.
Ladies & Gents, es ist wahrhaftig nötig, in dieser Breite auf einige der hier vertretenen Acts einzugehen. Home of Rock hat einen Bildungsauftrag und möchte die Begeisterung der besprochenen Musik an das lesende Volk weitergeben. Get the rhythm, people, lest und rennt dann los und holt euch das Zeug! Ansonsten werdet ihr nie erfahren, dass der Kubaner 'Mongo' Santamaria nicht nur ein begnadeter Jazzer und Buddy von Tito Puente war, sondern eben auch ein mehr als furioser Begründer des Latin-Funk. Ein gewisser Herr Carlos S. dürfte Santamaria mit Interesse gelauscht haben. Genau wie wir Frau Marie McDonald McLaughlin Lawrie aus Schottland, die sich der Einfachheit halber Lulu nannte, und ihrer brennenden Fassung von Feelin' Alright. Himmel, warum haben wir Rocker immer nur Janis und bestenfalls Maggie Bell von STONE THE CROWS im Kopf, wenn es um weiße Megasängerinnen geht? Duanne Allman und Lulus späterer Mann Maurice Gibb von den BEE GEES sind hier zu hören und wieder saßen Wexler und Dowd an den Reglern.
Weg von den geläufigen Namen, hin zum bösen Hendrix-Voodoo-Funk des Johnny Tolbert. Niemand weiß, wer er ist/war, vermacht ist uns nur diese eine Aufnahme aus den Giftküchen von Atlantic Records. Macht Spaß und vor lauter Angst unheimlich schnelle Beine. Die braucht man abschließend bei Wilson Picketts Engine Number 9 auch - und dann eine lange Pause, neue Klamotten und kühle Getänke.
Vielleicht war 1970 das letzte wirklich große Jahr für den Funk. Groß im Sinne von Innovation und Underground, denn kommerziell tat sich in der gerade angebrochenen Dekade natürlich eine ganze Menge. Aber wohl nicht ganz zufällig füllen nur 4 der 11 Jahre umspannenden Box die Hälfte der Laufzeit. Funk und Soul wurden immer mehr eingenommen vom (logischerweise weißen) Mainstream, was zwar nicht grundsätzlich verdammenswert ist, aber üblicherweise bei jeder Musik/Kunst zum Verlust individueller Konturen führt (der Mainstream, nicht die Hautfarbe).
Der Beginn der dritten CD wurde James T. Ramey, aka Baby Huey, überlassen. Der Mann wog 350 Pfund und war unter anderem Frontmann bei Curtis Mayfield. Völlig humorlos nannte sich seine Band THE BABYSITTERS und mit Hard Times zogen die "Leichtgewichte" entweder ein Resumee oder aber sie orakelten Böses. Musikalisch war Hard Times retro und gut, das Böse ereilte Baby Huey allerdings im gleichen Monat wie Janis und Jimi. September 1970 war kein guter Monat.
Danach noch ein Ungezügelter, nämlich Bootsy Collins. Mit seinem Projekt HOUSEGUESTS knallte er Anfang 1971 eine ziemlich derbe Produktion hin, floppte allerdings verkaufstechnisch völlig. Sein weiterer Weg ist kein Geheimnis.
Doch dann kommt was zeitgeisttechnisch kommen musste: geschliffener, stubenreiner, technisch perfekter, halbtot produzierter Radiostoff. Fünfunddreissig Jahre später ist so eine Aussage natürlich historisch längst xfach überholt, denn was wirklich erbärmlicher Radiostoff ist, wissen wir erst heute. Hört man den folgenden Nummern auf der CD aufmerksam zu, wird man zwischen den Geigen und Keyboardorchestrierungen Haken, Ösen und fiese Gitarren finden, die jeden Sendeleiter heutzutage zum sofortigen Selbstmord verleiten würden. Dennoch, die "Gründerzeit" war vorbei, von nun an kam echter kreativer Input nur noch entweder von neuen Künstlern (die zwangsläufig auch neue Töne einbrachten) oder genrefremden Acts (vgl. z.B. mit Edgar Winters WHITE TRASH) und so manche knallige Nummer "echter" Funk-Brothers war letztendlich hoffnungslos altmodisch (z.B. RASPUTIN'S STASH mit Mr. Cool). Ohne ungerecht sein zu wollen, beispielsweise EARTH, WIND & FIRE schufen mit ihrem Debut zwar einen heutigen Klassiker, waren allerdings maßgeblich von herrschenden Strömungen im Rock beeinflusst und mischten diese mit formidablen Funk-Tönen. Zu Superstars wurden sie erst mit ihren später folgenden Schmachtfetzen.
Dem guten alten Funk widerfuhr seinerzeit, was seit etlichen Jahren auch dem Blues passiert: Feeling und Soul werden zugunsten technischer Fertigkeiten vernachlässigt, was natürlich einem Schneller-Höher-Weiter-Publikum gefällt, fürs Herz des Altfan jedoch nicht gut ist. Da mögen die STOVALL SISTERS ihr Hang On In There noch so beseelt geshoutet haben, die Produktion wurde bestimmt von den Bedürfnissen des normalen Radiokonsumenten und bestenfalls noch der akademischen Taktezähler (ja, damals spielten Magazine wie der "Rolling Stone" durchaus eine Rolle bei der Verteilung der Massenpublikumsgunst.). Und mit dieser Anpassung/Anbiederung frisst sich jeder Underground selbst.
Nochmal: Auf dieser dritten CD finden sich nachgerade überwältigend viele echte Rhythm & Groove-Urviecher, ein ganzer Sack spannendster Überraschungseier und technische Innovationen, die bis heute bei klugen Bands und kundigen Hörern für Begeisterung sorgen. Alleine der Aha-Effekt der vorangegangenen "Anarchie" fehlt. Das nächste Paar Turnschuhe ist trotzdem dem Verderben geweiht. Dafür sorgt spätestens die unübertroffene Aretha Franklin mit dem bis dato nie losgelassenen Hochofen Rock Steady. Muss man erwähnen, dass auch hier Jerry Wexler, Tom Dowd und Arif Marin produzierten? Definitiv ein Vorbild für spätere Funkrocker wie MOTHER'S FINEST oder die Hauswände schmelzende frühe Chaka Khan.
Kommerziell interessierte Bands veränderten oftmals ihren Stil, politisch aktive "Dreckwühler" taten das nicht. BLACK HAZE EXPRESS, eine völlig obskure Gruppierung aus Alabama, knallten dem Establishment ein zornig fetzendes Won't Nobody Listen hin und bekamen prompt die Antwort: Nein! Dieses Problem hatte Allen Toussaint, das Chamäleon aus New Orleans, nicht. Der produzierte fröhlich einen respektablen Hit nach dem anderen, erzeugte darüber auch immer wieder heftigen Banalitätsalarm, konnte jedoch regelmäßig auch mit hochwertigen Produkten glänzen (Glanz, glänzen, Hochglanz. Mainstream) und manchmal auch mit gelungenen eigenen Platten. Goin' Down von 1972 gehört dazu, tut allerdings auch niemandem weh.
Wusste jemand, dass der oben bereits erwähnte Carlos Santana einen Bruder namens Jorge hat? 5 LPs hat der aufgenommen, hier ist ein komplett überflüssiger und dreister Diebstahl innerhalb der Familie unter dem Namen MALO enthalten und man vergisst die Existenz dieses Herrn ganz schnell wieder.
Sex? Tami Lynn! Mo Jo Hanna zeigt allerbesten New Orleans-Soul mit einem kleinen Wortspiel im Titel. King Curtis dreht die Heizung mit Unterstützung von Billy Preston noch drei Stufen höher und Little Richard ist sowieso die personifizierte FSK18-Figur. Die Nummer heißt auch noch Nuki Suki und groovt so lasziv jammend dahin, dass einem beim Schreiben die Finger an den Tasten kleben bleiben. Grandios rockiges Clavinet, wie man (also Rocker) es ansonsten nur von besagtem Edgar Winter kennt.
Wechseln wir ins letzte Quartal dieses Vierers und stellen fest, dass die finalen 79 Minuten gleich 5 Jahre abdecken. Nennen wir es "Die Classic Funk Jahre" (vgl. mit Classic Rock, von dem letztendlich auch niemand weiß was es ist), denn Innovation und Entdeckergeist waren weg, dafür eine satte Zahl gestandener Profis gewachsen, die qualitativ hochwertiges Material lieferten. Howard Tate war so einer, und sein 8 Days On The Road ist nicht nur ein höllisch brodelnder Soulblues sondern auch die Vorlage zur später folgenden Version von FOGHAT. Tate war der erste, der die Nummer auf Vinyl brachte und nun weiß die Welt auch, warum sich 'Lonesome' Dave Peverett so derart reinhängte: er wollte Tate gegenüber nicht abstinken.
Patti LaBelle nahm sich hingegen Cat Stevens' Moon Shadow vor und machte mit ihren Kolleginnen (u.a. die später ebenfalls solo erfolgreiche Nona Hendryx) einen komplett neuen Song daraus. Very hot und dem seltsamen Vogel Stevens wohl einigermaßen suspekt.
Es folgen etliche Songs und Bands, die mit den hier ausgewählten Stücken komplett überzeugen können, jedoch die Malaise des Genres offen legen: zu viel Routine, zu wenig kreativer Input. Clarence Reid z.B. sagt ganz offen, dass sein If It Was Good Enough For Daddy vollkommen von Papa Was A Rolling Stone von den TEMPTATIONS geprägt ist. Was Toussaint als Songwriter und der in diesem Fall produzierende Ian Samwell aus Claudia Lennear machen wollten, ist ebenfalls offensichtlich, schließlich kam die Schönheit als "Ikette" bei Ike und Tina Turner erstmals auf größere Bühnen. Für ihr 73er Album "Phew!" wurden denn auch Rocker wie Ry Cooder, Jim Keltner oder Spooner Oldham verpflichtet. Tolle Nummer, tolles Album (gibt's aber wohl immer noch nur auf Vinyl), tolle Sängerin, aber von vornherein zum Scheitern verurteilt. Genau wie die zu 4/5 weiße Band COLD BLOOD mit ihrer Frontröhre Lydia Pense, die heftigen Soulrock machten. 1973 war das Publikum für solchen Crossover nicht bereit, selbst MOTHER'S FINEST kämpften Jahre später noch mit der Ignoranz der Kundschaft. Too rock für die einen, too black für die anderen. Gilt ebenfalls für FREDDI/HENCHI & THE SOUL SETTERS, deren Funky To The Bone nachgerade Heavyrock ist. Wow!
Mac Rebennack, aka Dr. John, bediente sich schon immer gerne an fremden Töpfen, hier grunzt er sich mit Hilfe von Allen Toussaint durch das witzige (Everybody Wanna Get Rich) Rite Away, verströmt ausnahmsweise keinen Voodoozauber, hat aber gegen die vorhergehenden Funksters keine Chance. Die hat schon gar nicht die polnische Sängerin Urszula Dudziak unter dem Namen FUNK FACTORY und einem abgestandenen Jazz-Funk-Pop Versuch. Herbie Mann verwässerte Cajun Moon von J.J. Cale trotz hochkarätiger Band, Darrow Fletcher war 1977 mindestens 5 Jahre zu spät um den Dancefloor noch erschüttern zu können, FAZE-O produzierten viel zu offensichtlichen Yuppieschmarren und Eddie Hazel war nur einer der vielen Hendrix-Epigonen, zufällig einer aus dem Umfeld von FUNKADELIC und all ihren Satelliten und professionellen Drogenvernichtern.
Damit endet eine beispielhafte Bildungsreise, wie man sie in dieser unterhaltsamen Form wohl noch nie angeboten bekommen hat. Essentiell und vorbildlich!
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