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Copperhead

Live & Lost

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Live & Lost
Live & Lost, Eastwinds Records, 2002
Neil Carswell Vocals, Guitar
Brad Durden Hammond B3
Jon Byrd Lead Guitar
Tony Hawkins Bass
Eric Suttlemyre Drums
Produziert von: Rodney Mills Länge: 50 Min 43 Sek Medium: CD
1. Stricken7. Drift Away
2. Get Out Of My Way8. Whiskey Mama
3. Hard Livin' (live)9. Raging Fire
4. Born Loser (live)10. I'll Get By
5. Whiskey (live)11. Free Man
6. Keepin' On (live)12. Voices In The Night

Ein erfreuliches Update vom Februar 2006 vorab: Die CD ist endlich endlich auch regulär in Deutschland erhältlich! Just For Kicks Music haben es irgendwie geschafft, diese Rarität über den Teich zu karren. Großartig!

Vor fast 15 Jahren kamen COPPERHEAD als junge Band an einen Major-Deal bei Mercury/PolyGram Records. Angepriesen wurden sie als neue Southern Rock Sensation. Größtenteils klang die Scheibe auch gar nicht schlecht, sehr heavy, für die Freunde der "reinen Lehre" zu heavy.
Die Band hatte große Namen im Background. Niemand geringerer als Tom Dowd produzierte die CD, Rodney Mills war für Mix und Co-Produktion zuständig.
Trotzdem reichte es nicht für mehr als den zweifelhaften Ruf, die Redneck-Version von GUNS 'N ROSES mit ein paar BLACKFOOT-Anleihen zu sein. Und leider kamen gleich im Anschluss die NIRVANA-Kaputtniks und Schluss war mit dem schönen Plattenvertrag und der vielversprechenden Karriere. Wieder eine Band, die im großen Topf des Vergessens landet. Dachte man.

Plötzlich taucht jetzt diese CD auf. "Live & Lost" heißt sie, besteht aus 8 Studiosongs und 4 live aufgenommenen Stücken und produziert hat wieder Rodney Mills.
Dem schmalen Booklet kann man nicht entlocken, aus welchen Jahren die Aufnahmen stammen. Die Besetzung der Band ist aber identisch mit dem Debütalbum. Den Linernotes ist zu entnehmen, dass es sich um das letzte Kapitel der Bandgeschichte handelt, auf der - ebenfalls schmalen - Homepage wird allerdings eine weitere, dritte CD angekündigt (von der 2006 allerdings keine Rede mehr ist, dafür kann man auf der neuen Homepage von Sänger Neil Carswell einige Songs von einem wohl 2006 erscheinenden Soloalbum anhören - sehr countryfizierter Stoff).

Der leichte "Hairspray Rocker"-Touch des ersten Albums ist auf "Live & Lost" weg. Dafür sind die BLACKFOOT- und reinen Southern-Anteile stärker in den Vordergrund gerückt.
Der Sound ist mächtig - einer wie Mills weiß was er an den Knöpfen tun muss - und die Band legt urgewaltig los. Stricken ist BLACKFOOT pur und Get Out Of My Way steht nur wenig nach. Allerdings dominiert hier die Hammond stärker. Sänger Neil Carswell kreischt und röhrt brutalstmöglichst und die Gitarren fräsen ordentliche Furchen in den Gehörgang.
Alle vier Livetitel sind dem ersten Album entnommen, klingen aber hier deutlich "ehrlicher". Der Sound ist hervorragend und fett und das Zusammenspiel Slide-/Rhythm Guitar-Hammond hat einige herausragende Momente. Die Double Leads in Whiskey sind zwar geklaut (bei FOGHAT), aber trotzdem toll. Und die treibenden Gitarren in Keepin' On hat man bei Dreams schon mal gehört.
Ich denke, die Aufnahmen (live und Studio) sind relativ alt, d.h., irgendwann bis spätestens Mitte der 90er entstanden, aber aufgrund fehlender Deals erst jetzt ans Tageslicht gekommen, dafür spricht auch der CD-Titel. Schade, denn die Qualität ist hervorragend. Da hätte eine große Band entstehen können.

Nach dem Live-Einschub geht es wieder mit Studiotiteln weiter. Zwei Coversongs, Drift Away vom Soulstar Dobie Gray aus dem Jahr 1973 und Whiskey Mama von ZZ TOP, eine Nummer unbekannter Herkunft (Raging Fire von einem gewissen Terry Eckard - kräftig gestampfter Heavyrock) und 3 weitere Eigenkompositionen.
Drift Away ist vom Schmusepopsoul zu einem recht eindrucksvollen Southern-Balladentier mit feinem Schluss mutiert. Whiskey Mama klingt dagegen etwas beliebig in seiner Härte.
Eine schöne, wenngleich belanglose Ballade gibt es noch, Free Man groovt danach etwas angestrengt und kommt mir leicht deplaziert vor. Keine üble Nummer, ich kann nur nichts damit anfangen.
Zum Schluss scheint der Band die kreative Luft etwas auszugehen. Voices In The Night erinnert ein wenig an LED ZEPPELIN. Hat aber irgendwie keinen richtigen Punch.

"Live & Lost" ist eine typische 2/3-Platte. Zwei Drittel sind ausgesprochen hervorragend und ein Drittel könnte man sich schenken. Das reicht aber allemal für einen Platz im oberen Drittel der härteren Southern Liga.
Und es ist schön, von einer Band zu hören, die man eigentlich längst abgeschrieben hatte. Vielleicht gibt es ja doch noch ein drittes Kapitel? Zu wünschen wäre es.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 03.03.2003

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