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| Sinner, Cultural Minority/Soulfood, 2004 |
| Dave Evans |
Lead & Background Vocals |
| Mark Tinson |
Guitars, Background Vocals |
| Dave Hinds |
Lead & Rhythm Guitars |
| Mac |
Drums, Background Vocals |
| Ngariki |
Bass, Background Vocals, Lead & Rhythm Guitars, Slide Guitar |
| Richard Boyle |
Background Vocals |
| Trevor Dare |
Guitars |
| Simon Croft |
Lead & Rhythm Guitars, Background Vocals |
| Produziert von: Mark Tinson |
Länge: 44 Min 57 Sek |
Medium: CD |
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| 1. Back On The Firing Line | 7. Turn It Up |
| 2. Rock'n'Roll Or Bust | 8. Out In The Cold |
| 3. Take Me Down Again | 9. Go Down Fighting |
| 4. Only The Good Die Young | 10. Sold My Soul To Rock'n'Roll |
| 5. Sinner | 11. D.O.A. |
| 6. Carnal Knowledge | 12. The Thunder Down Under |
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Na na na, wollen wir doch mal das Kirchlein in Sydney lassen. Steht da doch im Presseinfo tatsächlich "... allen AC/DC-Mainstream-Fans sei gesagt, dass Dave Evans der einzigwahre Originalsänger der größten Rock'n'Roll Band ever ist". Wahr ist, dass Dave Evans in Wales geboren wurde, seit Urzeiten in Australien lebt und etwa fünf Minuten lang der Vorgänger von Bon Scott - dem einzig wahren echten Boogie'n'Beerman außer mir - war. Eine Single hat er mit Angus und Malcolm gemacht, das war Can I Sit Next To You Girl und auf der Rückseite Rocking In The Parlour. Ein paar Gigs hat er auch mit ihnen gerissen und dann war's das mit der großen Karriere die damals für AC/DC noch keine war. Im Wesentlichen hat er sich anschließend etwa 30 Jahre als AC/DC-Coversänger verdingt - von der in den Siebzigern in Australien relativ bekannten Band RABBIT abgesehen - und in letzter Zeit auch immer mal wieder bei uns geschrieen, aus Kostengründen immer von einer örtlichen AC/DC-Coverband begleitet.
Nicht so besonders glamourös aber wenigstens ehrbar, auch wenn ich mir Covershows nicht gerne anschaue.
Aber jetzt! Jetzt ist Dave Evans Back On The Firing Line!
Neue Platte, neue Songs (nein, kein einziges Cover), ordentliche Band (Mark Tinson und Dave Hinds waren schon bei RABBIT dabei) und Unterstützung von Leuten wie Nikolo Kotzev oder Rainer Hänsel.
Hoppla, aufgemerkt Ihr Mainstream-, No-Stream-, Sonstwas-Stream Fans, das Teil rockt und rollt und gibt mächtig Gas. Dave Evans hat noch mal die Kurve gekriegt und er darf straflos behaupten: Sold My Soul To Rock'n'Roll!
"Sinner" ist eine saubere CD geworden, auch wenn nicht alle 12 Nummern richtig spannend sind. Ab und an wird es doch etwas langweilig, trotz aller Härte, die immer in etwa der anderer von AC/DC beeinflussten Kapellen entspricht. Nehmt doch einfach KROKUS in der Früh- bzw. Jetztphase als Referenz, dann kommt man des Rockers Kern ziemlich nahe.
Ein richtiger Boogie ist nicht dabei, dafür aber Klopfer wie The Thunder Down Under, die mit Sicherheit jede Rockdisco in ein Stampf- und Luftgitarrenrefugium verwandeln. Das ist simpel, das ist knallhart vor den Schädel, das ist gut.
Vollgas-Rock & Roll, im Grunde von vorne bis hinten, das erwähnte Back On The Firing Line, Rock'n'Roll Or Bust (witziger Titel), Only The Good Die Young, alles mehr als ordentliche Kracher. Die Gitarrenarbeit kommt selbstverständlich nie an das große Vorbild ran, speziell die unvergleichliche Rhythmusgitarre von Malcolm kann nicht so eben nebenbei kopiert werden. Egal, denn "Sinner" schneidet einem trotzdem ganz ordentliche Kerben ins Fell.
Naturgemäß ist Dave Evans nicht grade eine Nachtigall, also plärrt er um so heftiger und lässt die mangelnde Wandlungsfähigkeit dadurch weitgehend vergessen. Auf D.O.A. klingt er gar wie der leibhaftige Lemmy. Viel hilft auch das gute Drumming und die ziemlich druckvolle Produktion.
Natürlich lässt Evans es sich nicht nehmen, ins Booklet zwei uralte Fotos mit AC/DC zu drucken und einen fetten Sticker aufs Cover zu kleben, damit man auch ja mitkriegt, dass er da mal mitgemischt hat. Wenn's hilft...
Eine Welle wird "Sinner" sicher nicht auslösen, aber hoffentlich einer nicht zu kleinen Menge Fans das Feierabendbier schmackhafter machen. Mir hilft es die Wartezeit bis zur nächsten CD von WASTELAND zu überbrücken. Die können das nämlich auch.
AC/DC-Fans werden von Neuerscheinungen nicht gerade überschwemmt. Seit "The Razors Edge" (1990) hat es mit "Ballbreaker" (1995) und "Stiff Upper Lip" (2000) gerade einmal zu zwei neuen Studioalben gereicht. Momentan sollen Angus, Malcolm & Co. zwar wieder am Werkeln sein, doch in 15 Jahren kann ein Anhänger der Kängururocker viel Geld sparen. Findige Plattenfirmen suchen stets nach Möglichkeiten um die vollen Geldbörsen um ein paar (Euro-)Dollars zu erleichtern.
In den vergangenen Jahren kramte man deswegen u.a. in der Vergangenheit Bon Scotts und Brian Johnsons. Scotts ruhmreiche Taten vor seinem Einstieg bei den Aussies wurden auf Silberlinge gepresst, das gleiche geschah mit Johnsons Aufnahmen aus seiner Zeit mit den englischen GEORDIE. Ob die Verkaufserlöse ausreichten, um in den Etablissements der Plattenlabels die Wasserhähne zu vergolden, blieb unbekannt.
Ein befreundeter DJ gab mir neulich eine CD zur Hörprobe, von der er meinte mir damit eine Freude zu bereiten. Die Rede ist von "Sinner", dem jüngst veröffentlichten Album eines australischen Sängers namens Dave Evans. Auf dem Digipack prangt mir ein leuchtend gelber Sticker entgegen: "Founding member of AC/DC and original lead singer".
Schauen wir doch einmal in einer Biographie nach, was es dort über ihn zu lesen gibt...
Der Autor Martin Huxley schreibt in seiner im Hannibal Verlag 1996 erschienenen Rockbiographie über die Gebrüder Young & Co.: "... zu dieser Zeit (gemeint ist das Jahr 1974) hatten die Young-Brüder erkannt, dass die Gruppe unbedingt einen neuen Frontmann brauchte, weil die mangelhaften Qualitäten und das überzogene Gehabe im Auftreten von Dave Evans immer weniger zu Malcolms und Angus' forscher Haltung mit ihrer klaren Linie passten. 'Wir schmissen ihn oft von der Bühne', gab Angus später Auskunft. '... ich und Malcolm improvisierten dann zu Boogies und alten Chuck-Berry-Nummern, und die Leute fanden uns ohne ihn besser.' Im August 1974 hatten Malcolm und Angus begonnen, unruhig zu werden. Sie wollten ihren Sänger Dave Evans so bald wie möglich loswerden..." Soweit noch einmal eine kurze Reise in der Zeitmaschine.
Wie heißt es in einem beiliegenden Info-Blatt? Angus und Malcolm Young sprachen bereits von der Eroberung Amerikas, noch bevor ihnen Australien richtig zu Füßen lag. Mit dieser Philosophie wusste Dave nichts anzufangen, und er und AC/DC gingen alsbald getrennte Wege. Mit seiner eigenen Band RABBIT sowie einer kleinen Schauspielerkarriere fand Dave viel Beschäftigung "down under".
Jetzt hat Dave also sein eigenes Album eingespielt. Und angeblich ein astreines Rockalbum der ersten Güteklasse hingelegt. Den Hörer erwartet typischer australischer Rock'n'Roll. Ich denke dabei an ROSE TATTOO, die vor über zwei Jahren noch ein recht passables Album hinlegten.
Trotz meiner Zweifel will ich dem guten Mann eine Chance geben und höre mir die Scheibe an. Einmal, zweimal, dreimal...
Vor vielen Jahren hat mir ein musikalischer Cretin zum Thema AC/DC den Spruch "kennste eins kennste alle" reingereicht. Zupfgeigenhansel, damischer... Doch würd' ich ihn heute von seiner Gretel holen und mit "Sinner" konfrontieren, er liefe wahrscheinlich schreiend zurück in den Wald. Selbst auf die Gefahr einer Begegnung mit der bösen Hexe.
"Sinner" bietet so ziemlich all das was Kritiker den Youngs vor allem in der Vergangenheit gerne vorwarfen, nämlich platte abgedroschene Songs voller Klischees. Nichts gegen Klischees, aber dann bitte in einer gekonnten Darbietung. Und hier liegt der Hase im Pfeffer. "Sinner" bietet eine Art von harter Rockmusik, wie sie wahrscheinlich selbst der größte Depp nicht mehr hören mag [puh, dann ist der Vorredner zum Glück nur der zweitgrößte Depp]. Da wird ein Riff an das andere genagelt, da kreischt und quängelt sich ein überforderter Shouter durch nicht mal mittelmäßige Boogie-beeinflusste Rocksongs ohne Groove und einprägsamen Hooklines. Die gestelzten Refrains geben mir den Rest.
"Sinner" fängt mit Back On The Firing Line sogar recht passabel an. Das schleppende Rock'n'Roll Or Bust ist eine schlappe AC/DC-Kopie, der Rest der Scheibe wurschtelt sich durch Songs die bestenfalls einer Amateurcombo beim Straßenfest zur Genüge reichen.
Die dünne drucklose Produktion wird auch durch das Drehen am Lautstärkeregler keineswegs wesentlich erträglicher. So werden die mangelnden Qualitäten nicht einmal durch Bratgitarren überdeckt und zeigen schonungslos auf, dass die Gebrüder Young einst die richtige Entscheidung fällten. In diesem Zusammenhang klingt es schon beinahe makaber, wenn man einen Song Only The Good Die Young betitelt.
Wie heißt es im Schlusssong doch so schön? "We are the thunder. The thunder down under". Wer angibt hat mehr vom Leben, aber wenn's halt nur ein laues Lüftchen ist?
Ich lese was von der Bemusterung einschlägiger Bikermagazine. Würde sich die Kubikzentimeterzahl eines Bikes am Härtegrad eines Rockalbums orientieren, hätte man es in diesem Fall mit einem Tretroller zu tun.
Die Verkaufserlöse werden erneut nicht für güldene Hähne ausreichen, aber vielleicht tut's auch eine Wasserpumpe im Garten.
"Sinner" stellt für jeden AC/DC-Fan eine Qual dar, und da es bestraft wird wenn man Leuten die sauer verdiente Kohle aus der Tasche zieht, muss ein Urteil gefällt werden: 2 Wochen Holzmichel ohne Bewährung!
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