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Come Taste The Band

(35th Anniversary Edition)
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Come Taste The Band (35th Anniversary Edition)
Come Taste The Band (35th Anniversary Edition), EMI Music, 2010 (1975)
Tommy Bolin Lead Guitar & Vocals
David Coverdale Vocals
Glenn Hughes Bass & Vocals
Jon Lord Keyboards
Ian Paice Drums
Produziert von: Martin Birch Länge: 90 Min 22 Sek Medium: Do-CD
CD 1: Original Album Remastered
1. Comin' Home7. Love Child
2. Lady Luck8. This Time Around/Owed To "G"
3. Gettin' Tighter9. You Keep On Moving
4. DealerBonus Track:
5. I Need Love10. You Keep On Moving (Single Version)
6. Drifter
CD 2: 2010 Kevin Shirley Remixes
1. Comin' Home8. This Time Around
2. Lady Luck9. Owed To "G"
3. Gettin' Tighter10. Drifter
4. DealerBonus Tracks:
5. I Need Love11. Same In L.A.
6. You Keep On Moving12. Bolin/Paice Jam
7. Love Child

So, das ist nun endlich die letzte der "35th Anniversary" Editionen von DEEP PURPLE. Jedenfalls für ein paar Jahre, denn nach "Come Taste The Band" von 1975 war erstmal Schluss bis zur Wiedervereinigung 1984 mit "Perfect Strangers". Obwohl, es gab schon Ausgaben zum 25. und 30. Jubiläum, außerdem fehlen noch "Made In Europe" und "Last Concert In Japan" aus den Siebzigern. Den Marketingstrategen wird schon noch was einfallen bis zum 50. Geburtstag der Band, oder dem 100. von Blackmore.
Apropos Blackmore. Der war nach "Stormbringer" bekanntlich raus und wurde durch den aufregenden Fusion-Gitarristen Tommy Bolin ersetzt. Genau das macht "Come Taste The Band" zur zigfach spannenderen Platte als es "Stormbringer" war.

Kein Leser will wissen, dass der damals 35 Jahre jüngere Rezensent ungefähr der einzige in der Klasse war, der "Come Taste The Band" extrem geil fand (er teilt es trotzdem mit). Gar nicht so wegen Bolin, eher wegen diesen erstmals richtig gelungen Heavy-Funk-Nummern, denen Blackmore ein Jahr davor nur wenig Leben geben konnte. 1975 wurde klar, dass Coverdale und Hughes mit Bolin bessere Songs schreiben und - wenigstens im Studio - besser zusammenspielen konnten.
Ein einmal öfter sitzengebliebener Klassenkamerad hatte aufgrund seiner früheren Geburt auch ein paar Platten der JAMES GANG, bei der zuerst Joe Walsh (später EAGLES) und dann Tommy Bolin tätig war, und ja, diese Gang konnte was. Allerdings hatte Bolin den Sound der JAMES GANG ähnlich verändert wie er es im Sommer 1975 auch bei PURPLE tat. Der Kerl war eigen und leider ein rettungsloser Junkie, was zu desaströsen Konzerten und einem erwartbaren Drogentod kurz nach dem unrühmlichen Ende von D.P. führte. "Come Taste The Band" blieb Bolins einziger kreativer Beitrag für PURPLE, die katastrophale Performance auf "Last Concert In Japan" und diversen Bootlegs zeigt sein nahendes Ende überdeutlich auf (er hatte keinerlei Gefühl im kaputtgefixten linken Arm). Auch ein im Rahmen der "King Biscuit Flower Hour" aufgezeichnetes Konzert vom Januar 1976 kann keineswegs die Magie dieses gerade 25 Jahre alten autodidaktischen Wundergitarristen widerspiegeln. Mit Grottensound und beinahe durchgehend auf ein Mindestmaß an Fingerfertigkeit beschränkter Gitarrenarbeit gibt die arme Sau eine miserable Parodie von PURPLE; der Rest der Band versucht die weitgehend fehlende Leadgitarre mit Aktionismus, Krawall und Geschrei zu überspielen (Hughes' Georgia On My Mind ist wahrhaft schrecklich). Bleibt also nur "Come Taste The Band" zur Bestätigung der Legende.
Dass Jon Lord und Ian Paice (Coverdale war loyal, hatte aber nicht viel zu sagen) neben dem Junkie Bolin noch ein weiteres Problem hatten, war schon etwas länger klar. Glenn Hughes war auf Kokain und komplett außer Kontrolle geraten. Der großartige Bassist und Sänger war erst 23, als er bei den Aufnahmesessions für "Come Taste The Band" wegen Delirium zum Teil nicht anwesend sein konnte. Hughes hat später offen über seine Abhängigkeit gesprochen, es ist ihm wohl auch klar, dass er mit ein Grund für das Ende der Band war. Man weiß nicht, ob DEEP PURPLE in dieser als Mk. IV bekannten Besetzung ohne Drogenproblem eine Zukunft gehabt hätte, man kennt aber die Auswirkungen. WHITESNAKE entstand durch den Split, RAINBOW natürlich schon vorher, GILLAN indirekt, Ronnie James Dio, der Großmeister aller Drachentöter, wurde via RAINBOW geboren, BLACK SABBATH mittels Dio und Gillan wiederbelebt, kurz gesagt, DEEP PURPLE hat den Hard Rock der Jahre 1970 bis '90 maßgeblich geprägt und ist bis heute die Messlatte für Nachahmer. Auch mit der unglückseligen 75er Besetzung. Ein bis heute gültiger Klassiker ist mit "Come Taste The Band" auf jeden Fall übrig geblieben.

Auf die Musik von "Come Taste The Band" muss keiner mehr näher eingehen, wer kennt sie schließlich nicht, aber den Newcomern und Ungläubigen sei gesagt, dass Tommy Bolin auf Comin' Home, Dealer und Gettin' Tighter einige der spektakulärsten Soli der Hard Rock Geschichte spielt. Ein Gitarrengott, wie es Blackmore qua seiner Aura nie sein konnte. Coverdale war großartig und nahm bei I Need Love und einigen anderen Songs den späteren Sound von WHITESNAKE voraus, Jon Lord fügte sich in sein Schicksal als Nur-Keyboarder und experimentierte ein wenig mit neuen Synth-Sounds (war gleichwohl höchst unzufrieden, schließlich hatte er den Krieg mit Blackmore gewonnen und war nun trotzdem irgendwie auf dem Abstellgleis und hatte einen desperaten Gitarristen zum Partner), Ian Paice führte ein paar neue Kniffe ein (Love Child) und Glenn Hughes bekam seine Momente, aber nicht die besten Songs (This Time Around, komplett von Jon Lord eingespielt), wenngleich You Keep On Moving natürlich zum Klassiker wurde. Kein Mensch wusste schließlich, dass die Leadvocals ganz anders aufgeteilt werden sollten, Hughes aber nicht in der Lage war zu singen.

Praktisch zum Muss für den Sammler und Altfan wird diese Neuauflage von "Come Taste The Band" durch die zweite CD. Ein Remix des Albums von Kevin Shirley mit leicht umgestellter Trackliste. Remixes sind gemeinhin mit Vorsicht zu genießen, oft tobt sich dabei ein pseudokreativer Knöpfchendreher aus und zerstört mangels Verständnis für das Original ganz anders gemeinte Kunstwerke. Das passiert einem Veteranen wie Shirley nicht, obwohl er in den letzten Jahren beinahe schon penetrant auf jeder dritten Hochzeit tanzt. Im Grunde ist dieser Remix eigentlich ein neues Remaster, denn es wurde wenig bis nichts hinzugefügt oder weggemischt, der Charakter sämtlicher Stücke bleibt wie er immer war, aber der Sound ist sensationell herausgearbeitet. Speziell bei den bisher immer leicht schwammigen Vocals herrscht plötzlich eine nie gehörte Klarheit, sämtliche Instrumente sind transparenter und besser getrennt, "Come Taste The Band" bläst mit 35 wie nie zuvor. Wenn sich Bolin bei Gettin' Tighter selbst doppelt, geht man beim neuen Sound noch schneller auf die Knie als seinerzeit, als man das Ding erst x-mal hören musste, um zu erkennen was der Typ da vollbrachte.
Ob die Trennung von This Time Around/Owed To "G" unbedingt sein musste, es gab das auf diversen Singles schon früher, und warum Drifter und You Keep On Moving den Platz tauschen mussten, bleibt fraglich, ändert aber nichts am Gesamtkunstwerk "Come Taste The Band".
Zusätzlich gibt es noch den (nicht zufällig) unveröffentlichten Song Same In L.A. und einen Studiojam von Bolin mit Ian Paice. Das ist beides nicht essentiell, aber bei dem Jam bekommt man eine Ahnung, wie grandios diese Besetzung unter anderen Umständen möglicherweise gewesen wäre.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 26.10.2010

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