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"Ich weiß wirklich nicht, wie oft wir hier gespielt haben. Vier, fünf oder sechs Shows über die Jahre." Wenn man dem Montreux-Festival-Archiv Glauben schenkt, waren es genau sechs Auftritte der Band, die mit Montreux so schnell in Verbindung gebracht wird, wie Löcher im Schweizer Käse - Smoke On The Water sei Dank. Laut Datenbank waren die Briten 1996, 2000, 2004, 2006, 2008 und eben 2011 vor Ort um u. a. auch ihren größten Hit zum Leben an seiner Geburtsstätte zu erwecken. Von dem 1996er und dem 2006er Auftritt gibt es bereits Live-Dokumente käuflich zu erwerben, stellt sich die Frage, warum es dann jetzt schon der dritte Livemitschnitt aus Montreux sein muss. Zum einen hat sich doch seit 2002 die Besetzung nicht mehr verändert, zum anderen sind die Setlists relativ identisch. Lediglich Hard Lovin' Man, Maybe I'm A Leo, Contact Lost und Knocking At Your Back Door sind auf keiner der beiden anderen Veröffentlichungen zu finden. Der Rest ist mindestens auf einer, wenn nicht sogar auf beiden bereits hinterlegt. Macht diese DVD dann überhaupt Sinn?
Alten Männern bei der Arbeit zuzuschauen, kann sehr interessant sein oder aber extrem langweilen. Ich gestehe, dass das, was die alten Herren hier abliefern, ganz, ganz großes Kino ist. Okay, der Aktionsradius auf der Bühne ist nicht mit dem von IRON MAIDEN oder den TOTEN HOSEN zu vergleichen, aber in Spielfreude und Musikalität muss man gerade bei den beiden genannten Bands nichts befürchten. Da sind DEEP PURPLE einfach eine Nummer für sich. Das besondere an dieser DVD (bzw. als CD kann man es auch käuflich erwerben) ist weniger die Tatsache, dass es eine weitere Liveveröffentlichung ist, sondern vielmehr die Tatsache, dass man hier die Songs komplett mit einem Orchester spielt Und das hat tatsächlich seinen Reiz. Ähnlich wie bei METALLICA (ich persönlich liebe "S & M") spielen die Hauptakteure ihre Songs auf einem klassisch instrumentierten Soundteppich. Das muss vor Ort eine Wucht gehabt haben, die man so schnell nicht vergisst - leider etwas, was auf einer Kunststoffkonserve nicht wirklich richtig rüberkommen kann. Und das macht die ganze Sache so interessant, weil das Orchester tatsächlich in der Lage ist, den Liedern noch das ein oder andere Tüpfelchen zusätzlich zu entlocken und somit für eine ganz besondere Tiefe zu sorgen.
Theoretisch würde es reichen, wenn man sich das als CD zulegt, denn die Agilität ist wirklich nicht auf Maximum gestellt. Ian Gillan bewegt sich galant zwei Meter vor, zurück oder wahlweise nach links oder rechts, die beiden Herren an den Saiteninstrumenten besuchen sich ab und an gegenseitig und Don Airey steht halt fest gemauert in seiner Tastenburg und lässt dort gemäßigt die Sau raus. Den Spaß, den das Orchester bei der ganzen Sache hat, kann man aber auf CD leider nicht sehen. Selten habe ich klassisch orientierte Musiker mit so vielen Grinsegesichtern hinter ihren Notenpulten sitzen sehen. Meist ist das doch eher eine ernste Angelegenheit. Hier steckt man sich gegenseitig mit der Spielfreude an und fast wirkt es so, als würde man sich dadurch gegenseitig zu Höchstleistungen herausfordern.
Also, DEEP PURPLE, das Experiment ist gelungen und macht durch und durch gute Laune.
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