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| The Union, Polydor/Universal Music, 2010 |
| Elton John |
Piano, Vocals |
| Leon Russell |
Piano, Vocals |
| Doyle Bramhall II, T-Bone Burnett, Marc Ribot |
Guitar |
| Booker T. Jones |
Hammond B3 |
| Keefus Ciancia, Martin Grebb |
Keyboards |
| Don Was, Dennis Crouch, Davey Faragher, Drew Lambert |
Bass |
| Jim Keltner, Jay Bellerose |
Drums, Percussion |
| Joe Sublett u. a. |
Saxophone, Horns |
| Robert Randolph, Russ Pahl |
Pedal Steel |
| Brian Wilson, Neil Young, Willie Nelson, Paul McCartney, Bono, Grace Jones |
Vocals |
| u. v. a. |
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| Produziert von: T-Bone Burnette |
Länge: 71 Min 22 Sek |
Medium: CD |
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| 1. If It Wasn't For Bad | 9. The Best Part Of The Day |
| 2. Eight Hundred Dollar Shoes | 10. A Dream Come True |
| 3. Hey Ahab | 11. I Should Have Sent Roses |
| 4. Gone To Shiloh | 12. When Love Is Dying |
| 5. Hearts Have Turned To Stone | 13. My Kind Of Hell |
| 6. Jimmie Rodgers' Dream | 14. Mandalay Again |
| 7. There's No Tomorrow | 15. Never Too Old (To Hold Somebody) |
| 8. Monkey Suit | 16. In The Hand Of Angels |
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2010 wird als das Jahr der alten Männer in die Musikgeschichte eingehen. Grundsätzlich zeugt das von der tiefen Verzweiflung, die das Musikbusiness schon lange befallen hat, die paar wenigen Pop-Superstars wie Lady Gaga ernähren nun mal keine ganze Industrie, also wird wieder bzw. nach wie vor auf Altbewährtes gesetzt. Immerhin verschont man uns dieses Jahr bisher mit vollkommen überflüssigen Best Of Zusammenstellungen, die Veteranen waren alle im Studio und haben neue Songs eingespielt. Dabei kamen gute (Tom Petty, Neil Young), durchschnittliche (SANTANA) und fragwürdige Alben heraus (Clapton, Robert Plant), gemein ist allen, dass sie nicht hingeschludert wurden, sondern durch die Bank seriös und mit Ernsthaftigkeit produziert sind, was beileibe nicht immer so war bei diesen doch reichlich in die Jahre gekommenen Altstars.
Jetzt kommt also auch noch Sir Elton John mit einem neuen Werk daher, und da es schon überall weihnachtet, tut der Mann Gutes und zerrt Leon Russell zurück ans Tageslicht. Genau den Leon Russell, der seit gefühlten 70 Jahren als Sideman im Geschäft ist, davon aber die letzten 35 in einer Höhle verbracht haben muss. Was kann das werden, wenn Elton und Leon…
Sind über Elton John noch nennenswerte Neuigkeiten zu berichten, außer dass "The Union" sein ungefähr 31. Studioalbum in 41 Jahren ist? Wohl eher nicht. Vielleicht darf man für die jungen Leser anmerken, dass Elton John in den Siebzigern ein grandioser Songwriter war, natürlich vor allem in Verbindung mit seinem kongenialen Partner Bernie Taupin, und seine Konzerte bis heute perfektes Entertainment sind. Im gleichen Atemzug muss man allerdings auch sagen, dass ein Großteil des John'schen Œuvres für Rockfans schwer- bis unverdaulich ist. Der Mann konnte und kann unfassbare Schmonzetten und seichtesten Trallala von sich geben - mögen tut man ihn trotzdem, nicht zuletzt für seine exzentrischen Spinnereien, vor allem aber für sein am Ende doch noch glücklich verlaufendes Leben als bekennender Schwuler und Kämpfer. Aber was ist mit Leon Russell?
Die Eckpunkte sind halbwegs bekannt. Musiker und Lehrling zum Produzenten bei Phil Spector, Musical Director bei Joe Cockers "Mad Dogs & Englishmen"-Tour 1970, Bandleader bei George Harrisons "Concert For Bangladesh" 1971, davor und danach Studio- und Livemusiker für unzählige Mega-Acts, doch inzwischen fast vergessen ist eine zwar nicht spektakuläre, aber zumindest in den USA durchaus erfolgreiche Solokarriere zwischen 1970 und '80 plus diverse Kollaborationen mit Willie Nelson. Wenigstens das Live-Album "Leon Live" vom August 1972 sollte jeder Bluesrock-, Soul-, Swampgroove- und Rock'n'Roll-Fanatiker besitzen, denn diese ursprüngliche Dreifach-LP spielt in der Liga der ganz großen Liveplatten mit. Wir reden dabei immerhin von Namen wie Johnny Winter, Bob Seger, DEREK AND THE DOMINOS, THE ALLMAN BROTHERS BAND und ähnlichen Kalibern.
Das alles ist lange her und letztendlich ist der 68-jährige Zausel ein lebender Anachronismus, der seit vielen Jahren keine eigenen Akzente mehr gesetzt hat. Man darf Elton John glauben, dass Russell vor vielen Jahrzehnten ein Vorbild für ihn war, wer es nicht glaubt, sollte sich zwanglos die ersten zwei, drei Platten des Engländers anhören und den Pianostil vergleichen. Er wird es niemals zugeben, aber "The Union" hat durchaus einen karitativen Zweck, denn Russell ist weder gesundheitlich noch finanziell in Topform, die sicher reichlich fließenden Tantiemen aus diesem Album werden der in Vergessenheit geratenen Legende helfen. Aber hilft "The Union" auch dem Hörer, oder wird man von Grausamkeiten traktiert?
So ganz auf sich, Bernie Taupin und Leon wollte sich John dann doch nicht verlassen, also wurde neben dem in letzter Zeit überpräsenten T-Bone Burnette als Produzent eine ganze Schar großer und meist altersverwandter Namen ins Studio geladen, darunter auf den ersten Blick so überraschende Gestalten wie Neil Young (der dann seinen Sangesbeitrag auch stilecht winselnd abliefert). Booker T. Jones, Jim Keltner und Doyle Bramhall II orgeln, trommeln und gniedeln, Brian Wilson klingt so desperat wie er ist, Willie Nelson nölt wie immer, Bono, Grace Jones und McCartney sind auch irgendwo versteckt.
Das riecht nach Allstar-Vermarktung, zeigt auch die inzestuösen Verquickungen innerhalb der Oldie-Fraktion, zerstört einerseits ein bisschen die Hoffnung auf ein echtes John/Russell-Album (auf das man bis vor kurzem ohnehin nicht gehofft hatte), lässt einen aber auch von der - durch die Jahre verklärten - wundervollen Zeit früher träumen.
Die Wirklichkeit ist, dass Elton John früher so eine CD niemals hätte machen können, weil sie ihm kommerziell gesehen um die Ohren geflogen wäre. Er hätte sie vor 30 oder 35 Jahren zweifellos besser gemacht, aber die Frage stellt sich heute nicht mehr; nehmen wir also was wir kriegen können.
Wir kriegen, der Gott des Hard Rock sei bitte gnädig, von "The Union" viel. Klassische John/Taupin Balladen, verzückendes Pianospiel und nicht immer brillante Gesänge, an Eltons und vor allem Leons Stimme hat der Zahn der Zeit genagt, aber vor allem bekommen wir: Seele.
Auch wenn die Produktion an manchen Stellen etwas überbordet (Russels Hearts Have Turned To Stone etwa klingt arg nach Joe Cocker), auch wenn die Backing Vocals manchmal zu dick aufgetragen sind (Hey Ahab), das Gesamtergebnis passt ins ausgehende Jahr 2010 perfekt. "Back to the roots" plus ein bisschen Gospel ist der Trend der Saison. Wenn die beiden im Duett singen und spielen (A Dream Come True), stellen sich einem die Haare erfreut aber doch leicht resigniert auf - so weit sind wir jetzt, dass man sich über solchen Altmännerquatsch freut. Ja, es ist Altherren-Rock, der aber schön ist, ganz gleich ob als Country, Ballade oder New-Orleans-Grooveattacke. "The Union" ist einfach süffig. Und Monkey Suite dampft wie ein Schiff auf dem Mississippi dahin.
Dem Kritiker bleibt trotz seiner grundsätzlich kritischen Haltung wenig zu kritisieren. Vielen Dank, die Herren, ganz ausgezeichneter Rückbesinnungs-Rock.
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