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| My Secret Life, SPV, 2004 |
| Produziert von: Tony Braunagel & Eric Burdon |
Länge: 57 Min 02 Sek |
Medium: CD |
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| 1. Once Upon A Time | 8. Black And White World |
| 2. Motorcycle Girl | 9. Heaven |
| 3. Over The Border | 10. Devil Slide |
| 4. The Secret | 11. Broken Records |
| 5. Factory Girl | 12. Can't Kill The Boogieman |
| 6. Highway 62 | 13. My Secret Life |
| 7. Jazzman | |
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Was darf man sich als Musikfan und Schreiberling herausnehmen? Darf man behaupten, dass Bohlen eine hohle Nuss ist? Darf man behaupten, dass Eric Burdon die Töne nicht mehr trifft? Ersteres tue ich, zweites musste ich dieser Tage in einem renommierten Printmagazin lesen. BURDON TRIFFT DIE TÖNE NICHT MEHR???
Ich war schon sehr gespannt auf diese CD, denn so oft erlebt man die Demontage eines Monuments nicht live. Jetzt ist sie da, die CD, und ich bin enttäuscht und auch sauer. Sauer auf den Kerl, der sich anmaßt, Burdon stimmliche Schwäche zu unterstellen und ein wenig enttäuscht, dass "My Secret Life" nicht durchgehend überzeugend ist.
Man muss sich das mal geben: Mein erster livehaftiger Kontakt mit Mr. Eric Burdon war, als er Ende der Siebziger mit Udo Lindenberg auf Tour gehen durfte (ja, gehen durfte, denn seine Karriere war zu diesem Zeitpunkt durch, so was von durch, dass er öffentlich ausgelacht wurde als ewiges "Animal" mit Drogen- und Alkoholproblem und als House Of The Rising Sun-Lagerfeuerinterpret durchgereicht wurde). Und dann hat er in seinem viertelstündigen Solo-Spot in der Panik-Revue einen Auftritt hingelegt, der grandios, erschütternd (ob der Power) und berührend war. Ja, so ist er, der kleine Udo. Nimmt sich immer Zeit für seine Rock'n'Roll Vorbild-Tierchen.
Etwas später kam der wunderbare Film "Comeback" von Christel Buschmann in die Kinos (damals gab es noch das so genannte Autorenkino) und dazu die überragende gleichnamige Langspielplatte.
Burdon sah seinerzeit alt aus. Schaut man sich Bilder heute an, sieht man einen gutaussehenden Kerl mit mittellangen Haaren und ein paar Furchen im Gesicht, die ihm das Leben verpasst hat.
Kurz darauf kam dann die ebenfalls starke LP "Power Company" und dann war erst mal wieder Schluss mit dem "Comeback". Was brauchte man auch noch einen alten Mann, der Mitte der Sechziger seine ersten Platten gemacht hat? Ausgebrannt, nicht mehr zeitgemäß, überflüssig sind solche Relikte aus der Beat- und Hippie-Ära. Hinfort damit.
Irgendwie hat er sich über die nächsten 20 Jahre gerettet, immer mal wieder seine ANIMALS-Vergangenheit bemüht, zuletzt war er mit seinen NEW ANIMALS mehr oder weniger ständig auf Tour. Und er war fast immer überzeugend.
Jetzt hat er das weise Alter von 63 erreicht (er war also bei seinem Frühachtziger-Comeback nicht ganz so alt wie ich heute), liest mittlerweile seine eigene Biographie auf Bühnen vor und hat nach Jahren eine neue CD unter eigenem Namen veröffentlicht.
Der alte Herr Burdon trifft auf "My Secret Life" ganz genau so viele Töne, wie er auch als junger Eric Burdon getroffen hat. Dem oben genannten Kollegen empfehle ich dringend eine Geschichtsstunde in Sachen ANIMALS, WAR und E.B.-Soloaufnahmen. Diese Stimme ist einzigartig und sie hat NICHT nachgelassen. Burdon schrammt nach wie vor in manchen Situationen haarscharf am Absturz vorbei, schreit sich die Seele aus dem Leib, interpretiert den Blues in allen möglichen Varianten und er versteigt sich niemals in Gefilde, die er nicht beherrscht. Selbst in dem für mich unerträglichen Jazzman (nomen est omen) ist Burdon Burdon und kein Crooner irgendwelcher vorgegebener Standards. In Heaven erreicht er allerdings die Intensität eines Louis Armstrong.
Es gibt auf dieser CD einige langweilige und nichtssagende Nummern. Schwamm drüber. Aber es sind auch großartige Songs dabei. Der fetzige Ska Black And White World zum Beispiel. Mit herrlicher Spielzeug-Orgel a la Jimmy Destri (BLONDIE). Oder doch eher bei Ray Manzarek (DOORS) geklaut? Haha, so ist das heutzutage: Man weiß nicht genau wo das Zitat herkommt, aber man kennt es. Und damit spielt Burdon, denn er weiß sehr genau, dass er die Musik nicht mehr neu erfinden wird. Deswegen kommt auch ein simpler Boogie wie Devil Slide in diesem Kontext geil rüber. Eric erzählt eine kleine Geschichte (über den Blueser Louisiana Red), und dann rockt die Band kernig neben einem schreiendem Sänger los, so kernig, dass sich die meisten Bluesbands ihren weiteren Berufsweg überlegen sollten - sie haben nämlich auf jeden Fall keinen so genialen Shouter.
Gleiches gilt für den mehr als tausendmal gehörten Hooker-Boogie Can't Kill The Boogieman (den der verehrte Print-Schreiber übrigens ZZ TOP zugeschrieben hat...). Dazu noch ein phantastischer Text ("my political stands, was to get people to dance"), und verziehen ist ihm das Fremd- und Eigenplagiat. Ist doch völlig egal, weil, man kann einen Boogiemann nicht umbringen...
Eine wunderschöne Nummer ist natürlich auch der Opener Once Upon A Time. Burdon huldigt seinen eigenen Helden, Marvin Gaye, Elvis, Sam Cooke, den Zeiten in Monterey. Wenn einer das Recht dazu hat, dann dieser Künstler. Nicht besonders gelungen sind allerdings die Background-Chöre auf einigen Tracks (Ausnahme: Highway 62, da groovt das so richtig). Jemand hat manchmal zu sehr in die Joe Cocker-Kiste gegriffen. Für die Produktion ist Tony Braunagel zuständig und der ist als Schlagzeuger und Produzent bisher eher nicht für opulente Sounds bekannt gewesen. So what.
Over The Border ist für mich das Highlight auf dieser CD. Böse Street-Story über Drogen und das alltägliche Desaster von Menschen ganz am Rand. Burdon weiß wovon er röhrt.
Seinem Hang zum Reggae frönt er auch in angenehmer Weise und natürlich hört man zwischendurch House Of The Rising Sun durch, auch wenn das Factory Girl in eine wunderschöne Celtic-Folk Verpackung gesteckt wird.
Ich will jetzt nicht ins Heer derjenigen einfallen, die Eric Burdon als einen der ewigen Verlierer betrauern. Klar, ihm wurden viele Millionen gestohlen. Aber das wird all den Schreibtischsklaven im Kleinen auch angetan. Eric hatte halt das "Pech" eine begnadete Stimme zu haben und er wurde dafür betrogen. Das ist schändlich, aber Burdon macht seinen eigenen Frieden mit dem Leben und das kann man im abschließenden Titeltrack In My Secret Life nachhören.
Natürlich ist dies nicht seine beste Platte. Aber auf jeden Fall ein schönes Alterswerk ohne Peinlichkeiten.
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