HoR Logo kl CD-Review:

George Thorogood & The Destroyers

The Hard Stuff

Logo Home-of-Rock
Startseite > CD-Reviews > George Thorogood > The Hard Stuff
Link Homepage:
Offizielle George Thorogood Homepage
Link Homepage:
Offizielle Jim Suhler Homepage
Link Kaufen:
www.amazon.de
Link Plattenfirma:
Eagle Records
Link Promotioncompany:
CMM
Mehr Info:
All Music Guide (englisch)

Unser Disclaimer
The Hard Stuff
The Hard Stuff, Eagle Records, 2006
George Thorogood Guitars, Vocals
Jeff Simon Drums
Bill Blough Bass
Buddy Leach Saxophone
Jim Suhler Guitar
Buddy Leach Saxophone
Produziert von: Jim Gaines Länge: 56 Min 45 Sek Medium: CD
1. Hard Stuff9. Love Doctor
2. Hello Josephine10. Dynaflow Blues
3. Moving11. Rock Party
4. I Got My Eyes On You12. Drifter's Escape
5. I Didn't Know13. Give Me Back My Wig
6. Any Town USA14. Takin' Care Of Business
7. Little Rain15. Huckle Up Baby
8. Cool It!

Die Leidenszeit ist vorbei. Eigentlich schon seit ungefähr drei Jahren, mit dem Erscheinen des Über-Albums "Ride 'Til I Die", welches sich in meiner ewigen Bestenliste a-l-l-e-r Rock-Alben eingenistet hat. Muss ich die Auflistung der persönlichen All-Time-Faves ändern? "The Hard Stuff" hat das Zeug dazu.
Die Neunziger waren nicht unbedingt das was man die Blütezeit GEORGE THOROGOODs und seiner DESTROYERS nennen konnte. "Boogie People" (1991) markierte das Ende einer Reihe von großartigen Longplayern seit seinem Debut im Jahre 1977. Sicherlich gab es hier und da noch den einen oder anderen Lichtblick, doch irgendwie schien die Luft raus zu sein.

George Thorogood is back! Ob es am Einstieg des Gitarristen Jim Suhler gelegen hat? Oder am Wechsel auf dem Sessel des Produzenten? Fakt ist, Suhler scheint der Band einen mächtigen Auftrieb gegeben zu haben. Kompositorisch meldet er sich ab & an zu Wort, doch was viel auffälliger ist... seit seinem Einstieg lässt sich erstmals von so etwas wie einer "richtigen" Band reden. Thorogood hatte zwar schon einmal einen zweiten Gitarristen (Steve Chrismar) in seiner Begleitband, zu Zeiten von "Born To Be Bad" (1988) und besagtem "Boogie People", doch solch ein kompakter Eindruck wie auf "Ride..." und noch stärker bei dem neuen Album drängte sich niemals auf.
Der langjährige Wegbegleiter Hank Carter (Saxophon, Vocals) hat nach vielen Jahren das Bandlager verlassen. Der neue Mann am Saxophon, Buddy Leach, hält sich mit seinem Instrument auffallend weit im Hintergrund. Beim Song Little Rain liefert er eine Glanzleistung ab, ansonsten dürfte es besonders die Gitarren-Fraktion unter den Fans erfreuen, dass es sich im Falle "The Hard Stuff" um ein knalliges Klampfenalbum handelt von dem man kaum noch zu träumen wagte. Da wird besonders in den Boogie-Songs losgelegt, dass man beinahe glauben möchte, ein gewisser Herr Parfitt wäre in die Südstaaten ausgewandert. Du nix glauben? Dann Du Rock Party oder Love Doctor antesten!

Oder hat das alles Jim Gaines verbrochen? Und sein "additional" Producer Tom Hambridge, der sich hier auch so einige Song-Credits verdienen durfte, was er in der Vergangenheit u.a. ebenfalls schon bei LYNYRD SKYNYRD tat. Fakt ist, dieses "Duo Infernale" hat den guten alten George wieder zurück in die richtige Spur gebracht. Richtige Spur? Klar doch, sofern man mit Boogie, Blues & Booze, Slide, Power-Rock'n'Roll und Helden wie den GEORGIA SATELLITES, FOGHAT, JASON & THE SCORCHERS und ein paar Briten namens STATUS QUO etwas anfangen kann. Und da beginnt das Dilemma. Die einen haben sich aufgelöst, die anderen sind mittlerweile verstorben, noch andere schwächeln, doch Mr. Thorogood lebt. Und wie! Klar hat Terry Manning in der Vergangenheit oft einen guten Job geleistet, aber unter der Regie des Herrn Gaines klingt das Endresultat einfach druckvoller. "Ass kickin'" ist diesem Fall noch eine zurückhaltende Beschreibung.

George Thorogood findet man in gut sortierten Plattenläden unter der Rubrik "Blues", da wo ebenfalls Eric Claptons Alben eingeräumt sind. Beide haben wohl auch einst die gleiche Musikschule besucht, doch damit enden die Gemeinsamkeiten. Während Clapton mit allen Ehren abschloss, reichte es beim STONES-Verehrer Thorogood "nur" zu einem "C-minus". Eric spielt in den großen, oft unpersönlichen Hallen, während George mit seiner Musik viel besser in die Welt der Bars passt. Was stört es seine Fans, dass Bob Dylan ihn mal als den "schlechtesten ihm bekannten Gitarristen" bezeichnete? Mr. Thorogood ganz offensichtlich auch nicht, denn seine Interpretation des Dylan-Tracks Drifter's Escape beweist ganz klar, wer von den beiden der bessere Sänger ist.

Die Gitarrenarbeit ist vielfältig wie auf keinem Album zuvor. Ganz eindeutig scheint Jim Suhler im Studio eine bedeutendere Rolle zu spielen als sein Chef ihm auf der Bühne zugesteht. Ein Instrumental wie Cool It! wäre auf früheren Alben undenkbar gewesen.
Ansonsten fährt der gute George wieder die heißgeliebte Palette aus Cover-Songs und ein paar eigenen Tracks auf, welche gegenüber den letzten Alben deutlich an Qualität gewonnen haben. Der Blues kommt bei Dynaflow Blues zu seinem Recht, die Melodik wird durch Hello Josephine und Drifter's Escape vertreten und eine witzige Wortspielerei gibt's bei knochentrockenem Sound unter dem Titel I Didn't Know.
Der Anteil an treibenden Boogie-Songs hat erfreulicherweise enorm zugenommen. Mit einem Anteil von über fünfzig Prozent rocken George Thorogood und seine Destroyers das Haus, dass es eine wahre Pracht ist. Hard Stuff, I Got My Eyes On You, Any Town USA, Love Doctor, Rock Party, Give Me Back My Wig, Takin' Care Of Business und Huckle Up Baby haben dafür gesorgt, dass ich ein neues Lieblings-Album des Meisters (?) auf der Slide habe. Nicht weil die Scheibe neu ist, sondern weil sie schlicht und einfach saugut ist und durch ihren unglaublichen Groove süchtig macht.
Wird wohl die Scheibe des noch längst nicht abgelaufenen Jahres werden!

Jürgen Ruland, (Artikelliste), 12.06.2006

Sagt uns die Meinung zu diesem Artikel oder ergänzt oder verbessert ihn:

Eine Platte wie ein am Balkongeländer angebundener Luftballon in praller Sonne. Erst bläht er sich auf und will schier die Schnur zerreißen, dann strebt er nur noch sanft im Wind hüpfend nach oben und am Schluss geht ihm die Luft sukzessive aus, bis er endlich schrumpelig und schlapp am Bändchen baumelt und der Schwerkraft folgt. Oder anders: Da freut man sich wie Klein-Erna auf George Thorogoods neues Album "The Hard Stuff", das objektiv gefühlt etwa 1.236te. Dann geht man ab wie Erna auf Speed (kurz bevor die Super-Nanny die malträtierten Eltern erlöst) und fuchtelt "Boogie" schreiend durchs Kinderzimmer. Irgendwann muss man Atem holen und hält inne, döst erschöpft ein und wacht plötzlich mit einem ganz eigenartigen Gefühl von Déjà-vu wieder auf. Ja ist denn heut schon 1978?

Bitte, ich bin nicht so dämlich, von George Thorogood auch nur annähernd Innovatives hören zu wollen. Aber insgeheim hoffe ich nun schon seit Jahren auf einen weiteren Geniestreich a la Get A Haircut. Also einen Boogie, der einem so durchs Gebein fährt, dass man ihn auf jede seiner Party-Compilations packen muss, dass man Tag und Nacht den Text mitgrölen kann und sich dabei noch scheckig lacht, dass man nur wegen diesem einem Song ein paar hundert Kilometer zu einem Konzert fahren würde. Das ist George auf "The Hard Stuff" wiedereinmal nicht gelungen, obwohl er auf seinem neuen Plättchen gleich 15 Anläufe nimmt.
Keine Bange, es sind genügend Gründe für eine mehrstündige Anfahrt enthalten. Thorogood und die Destroyers haben selbstverständlich wieder eine ganze Schippe von meine-Bremsen-sind-kaputt Abmarschnummern auf Lager. Bei Brüllern wie Rock Party, Give Me Back My Wig, Huckle Up Baby, meinethalben auch dem Titelsong Hard Stuff, natürlich Any Town USA und Love Doctor nimmt man den Kopf zwischen die Schultern und schüttelt ihn bis kurz vor die Gehirnerschütterungsgrenze. Einzig: Die alles tötende Killermelodie ist nicht dabei. Das wäre möglicherweise Dylans Drifter's Escape, aber das ist bekanntlich ein Country-Folk.
Und wenn wir schon dabei sind, auch an der Produktion gibt's zu nörgeln. Jim Gaines hat Buddy Leach am Saxophon viel zu weit nach hinten gemixt, im Grunde darf er nur beim Zirkus-Swing Cool It! an den imaginären Bühnenrand. Cool It! ist vom Zweitgitarristen Jim Suhler, den man ansonsten auch viel zu wenig genießen darf - all solos played by George Thorogood.

Wie fast immer sind auch einige verzichtbare Songs dabei. Wer braucht noch eine Version von Fats Dominos Hello Josephine, wer braucht unbedingt eine Neuauflage von One Bourbon..., hier I Didn't Know genannt, obwohl sowohl die Ansage "This is a song with a message" als auch der Break herrlich witzig gelungen sind. Oder einen Holper-Blues wie Moving bzw. einen Plätscher-Blues wie Little Rain (gleichwohl Buddy Leach hier noch mal Vollgas tröten darf)? Davon abgesehen, Huckle Up Baby war schon auf der 1979 veröffentlichten Demo-Compilation "Better Than The Rest", und zwar nicht wirklich schwächer.
Das ist songwriterischer Stillstand. Achtung, Paradoxon! Boogie und Stillstand passen bekanntlich überhaupt nicht zusammen (Miesmacher werden jetzt sagen Boogie=Stillstand), ergo verbietet sich grundsätzliche Kritik an einem Rock'n'Roll-Survivor wie Thorogood ganz von selbst. Ich möchte ja auch nur anmerken, dass "The Hard Stuff" nach seinem Helium-betriebenen Aufstieg in die Stratosphäre ziemlich schnell wieder auf den Boden der Rhythm & Blues Tatsachen zurückschwebt.
Vielleicht sollte G.T. zur Abwechslung mal auf andere Vorlagen zurückgreifen, anstatt auf seine eigenen oder die bekannten der diversen Blues-Größen bzw. denen eines Tom Hambridge, der sich auch schon mal als Lohnschreiber für die VAN ZANTs oder LYNYRD SKYNYRD verdingt.

Im übrigen bin ich der Meinung: Boogie on, George!

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 15.06.2006

Sagt uns die Meinung zu diesem Artikel oder ergänzt oder verbessert ihn:
Startseite > CD-Reviews > George Thorogood > The Hard Stuff
© Home of Rock 2001 - 2008, Impressum