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Gil Ofarim

On My Own

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On My Own
On My Own, Neotone/Sony Music, 2003
Gil Ofarim Lead & Backing Vocals, Guitar
Oswin Ottl Guitar, Backing Vocals
Harald Lange & Martin Kursawe Guitar
Alex Klier Bass
Thomas Simmerl Drums
Ralf Weigand & Oliver Morgenroth Keyboards
Produziert von: Gil Ofarim, Ralf Weigand & Oswin Ottl Länge: 52 Min 27 Sek Medium: CD
1. U Don't Belong 2 Me8. The Reason
2. She9. Silence
3. Get Off10. Overloaded
4. My Way11. It Isn't Me
5. Why?12. Stop Lying
6. Already There13. On My Own
7. 7 1/2 Years

Es gab eine Zeit, da machte das Porno-Pickel-Zentralorgan BRAVO Stars. Dann kam eine Zeit, wo die schreibenden Kollegen von Erektions-Doktor Sommer nur noch kleine Sternchen machten. Und heute macht der FOCUS für Kiddies gar nichts mehr, außer hinter längst ein- bzw. abgeläuteten Trends herzuhecheln.
Eines hat sich aber nicht geändert: Wer nicht wirklich zum Superstar wurde, wird von der BRAVO irgendwann ausgespuckt und in den Rinnstein gekehrt. Und schwupp, hast du nichts mehr gehört vom Titelhelden des letzten Jahres.

1997 wurde Gil "entdeckt" und von Deutschlands Jugendzeitung #1 zum neuen Teeniehelden ausgerufen. Zwei Jahre und CDs ging das gut und dann war Schicht.
Selbstverständlich war dieser kleine Gil nie ein Thema für ein "Hardcore-Rockmagazin" wie unseres. Wir reden hier über Musik und nicht über Kinderfasching.

Keine Ahnung, ob und wie Gil sein Nachname jemals geholfen hat. Er heißt nämlich Ofarim. Und unsere Generation (some call us "boring old farts") kann mit diesem Namen durchaus etwas anfangen. Abi und Esther Ofarim waren in den Sechzigern (nicht dass ich mich dran erinnern könnte!) und Siebzigern ein weltberühmtes und tolles Duo. Vater Abi fiel später eigentlich nur noch durch mehr oder minder bizarre Exzesse und Skandälchen auf. Sohn Gil fiel in den letzten Jahren gar nicht mehr auf. Schicksal eines Kleinmädchenschwarms.

Doch plötzlich ist er wieder da. Man muss sich das mal vorstellen: Da kommt ein Burschi mit knapp über 20 und feiert sein Comeback. Wo andere vielleicht grad mal mit der Schule fertig sind und ihren ersten Joint geraucht haben (tut man das heute noch?), hat der schon jede Menge hinter und vielleicht noch ein bisschen vor sich (erfolgstechnisch).
"Vielleicht" sage ich, weil Gil Ofarim mit seiner neuen CD "On My Own" vermutlich nicht mehr all zu viele seiner "alten" Fans aus Kindertagen behalten wird. Es wird nämlich GEROCKT und nicht gepop(p)t. Obwohl, die Mädels sind ja jetzt auch älter geworden und manche stehen unter Umständen auch auf echte Musik?

Die redaktionsinterne Innovationsfraktion (bestehend aus Martin) wirft mir immer vor, dass ich nur stupide 4/4-Takter höre und begreife. Die redaktionsinterne Kulturfraktion (bestehend aus dem Rest minus Epi) lächelt über mich, weil ich immer nur Boogie vor mich hin heule und eine CD ohne Ausfallschritt angeblich eine akustische Ohrfeige für mich wäre.
Falsch meine Damen und Herren!
Ich lege schlicht und einfach Wert auf eingängige Hooks, anhörbare Melodien und handwerkliche Präzision. Wenn das passt, dann darf die Musik durchaus den Aufkleber Pop, Reggae, Funk, Metal oder Country oder was auch immer tragen. Leider ist das halt außerhalb meiner Lieblingsmusik nicht oft der Fall. Deswegen bin ich ja dem Rock'n'Boogie verfallen. Da krieg ich was ich will. Nur ab und an kann mich eine andere Musik zum Zuhören bewegen.

Und das soll ausgerechnet Gil Ofarim sein? Ja!
Und warum das so ist, will ich jetzt erklären.

Die 13 Songs der CD sind, bis auf einen balladigen Ausfall, toller moderner Rock. Was ist modern? Ich will es mal so sagen: Stellt Euch Jon Bon Jovi (der gesanglich und überhaupt ganz sicher zu Gils Favoriten zählt) und PEARL JAM bei einer gemeinsamen Session vor. Beide befreit von irgendwelchen Zwängen und ohne Erwartungsdruck, einen Megahit machen zu müssen. Denen fallen ein paar nette NuRock oder Post-Grunge oder Pop-Metal oder was auch immer für Songs ein. Weil aber der Gitarrist von Pearl Jam nicht so besonders gut ist, holt Bongiovi schnell noch einen anderen ins Studio (in diesem Fall u.a. Martin Kursawe, früher bei SERUM) und ruckzuck ist ein feines Alternative-Mainstream Rockalbum eingespielt.

Ganz so leicht ist das dem guten Gil Ofarim sicher nicht gefallen. Immerhin hat er alle Songs selbst geschrieben und ein paar mal hört man, dass es sich um schwierigere Geburten handelt. Es klingt nicht bemüht, aber direkt spontan auch nicht. Trotzdem kriegen Gil und Band immer die Kurve und machen einen rockenden UND modernen UND eingängigen Soundtrack für die nächste längere Autofahrt. Oder fürs Radio. Oder für MTVIVA, wenn die mal was anderes als Britney senden wollen.
Da sind ein paar echte Ohrwürmer dabei, She ist so einer, The Reason auch. Die Dinger kriegt man kaum mehr aus dem Ohr.

Singen kann er, Songs schreiben kann er, astreine Band hat er. Was soll noch schief gehen? Genau, solche Musik muss auf der Bühne live bestehen. Sonst wäre es ja Retorte. Und, was red ich, sie besteht vor Publikum!
Wir hatten die Gelegenheit, bei der CD-Release-Show dabei zu sein und das war prächtig eindrucksvoll. Alles, inklusive der nervositätsbedingten Fehler, war echt, krachend und authentisch. Natürlich schaut der Junge gut aus und wenn er ein Tränchen verdrückt, möchte man ihn direkt in den Arm nehmen. Aber wenn die 4 loslegen, dann hat man eine richtig geile Rockband vor sich.

Gil Ofarim hat noch einen langen Weg vor sich. Vielleicht wird ihn seine Kreativität irgendwann in ganz andere Gefilde treiben. Im Moment ist er ein ziemlich guter - wenn auch ziemlich junger - Rocker. Und man nimmt ihm den Rocker auch ab.
Respekt!

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 01.05.2003

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