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CD-Review:
Gil OfarimOn My Own | ![]() |
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Es gab eine Zeit, da machte das Porno-Pickel-Zentralorgan BRAVO Stars. Dann kam eine Zeit, wo die schreibenden Kollegen von Erektions-Doktor Sommer nur noch kleine Sternchen machten. Und heute macht der FOCUS für Kiddies gar nichts mehr, außer hinter längst ein- bzw. abgeläuteten Trends herzuhecheln. 1997 wurde Gil "entdeckt" und von Deutschlands Jugendzeitung #1 zum neuen Teeniehelden ausgerufen. Zwei Jahre und CDs ging das gut und dann war Schicht. Keine Ahnung, ob und wie Gil sein Nachname jemals geholfen hat. Er heißt nämlich Ofarim. Und unsere Generation (some call us "boring old farts") kann mit diesem Namen durchaus etwas anfangen. Abi und Esther Ofarim waren in den Sechzigern (nicht dass ich mich dran erinnern könnte!) und Siebzigern ein weltberühmtes und tolles Duo. Vater Abi fiel später eigentlich nur noch durch mehr oder minder bizarre Exzesse und Skandälchen auf. Sohn Gil fiel in den letzten Jahren gar nicht mehr auf. Schicksal eines Kleinmädchenschwarms. Doch plötzlich ist er wieder da. Man muss sich das mal vorstellen: Da kommt ein Burschi mit knapp über 20 und feiert sein Comeback. Wo andere vielleicht grad mal mit der Schule fertig sind und ihren ersten Joint geraucht haben (tut man das heute noch?), hat der schon jede Menge hinter und vielleicht noch ein bisschen vor sich (erfolgstechnisch). Die redaktionsinterne Innovationsfraktion (bestehend aus Martin) wirft mir immer vor, dass ich nur stupide 4/4-Takter höre und begreife. Die redaktionsinterne Kulturfraktion (bestehend aus dem Rest minus Epi) lächelt über mich, weil ich immer nur Boogie vor mich hin heule und eine CD ohne Ausfallschritt angeblich eine akustische Ohrfeige für mich wäre. Und das soll ausgerechnet Gil Ofarim sein? Ja! Die 13 Songs der CD sind, bis auf einen balladigen Ausfall, toller moderner Rock. Was ist modern? Ich will es mal so sagen: Stellt Euch Jon Bon Jovi (der gesanglich und überhaupt ganz sicher zu Gils Favoriten zählt) und PEARL JAM bei einer gemeinsamen Session vor. Beide befreit von irgendwelchen Zwängen und ohne Erwartungsdruck, einen Megahit machen zu müssen. Denen fallen ein paar nette NuRock oder Post-Grunge oder Pop-Metal oder was auch immer für Songs ein. Weil aber der Gitarrist von Pearl Jam nicht so besonders gut ist, holt Bongiovi schnell noch einen anderen ins Studio (in diesem Fall u.a. Martin Kursawe, früher bei SERUM) und ruckzuck ist ein feines Alternative-Mainstream Rockalbum eingespielt. Ganz so leicht ist das dem guten Gil Ofarim sicher nicht gefallen. Immerhin hat er alle Songs selbst geschrieben und ein paar mal hört man, dass es sich um schwierigere Geburten handelt. Es klingt nicht bemüht, aber direkt spontan auch nicht. Trotzdem kriegen Gil und Band immer die Kurve und machen einen rockenden UND modernen UND eingängigen Soundtrack für die nächste längere Autofahrt. Oder fürs Radio. Oder für MTVIVA, wenn die mal was anderes als Britney senden wollen. Singen kann er, Songs schreiben kann er, astreine Band hat er. Was soll noch schief gehen? Genau, solche Musik muss auf der Bühne live bestehen. Sonst wäre es ja Retorte. Und, was red ich, sie besteht vor Publikum! Gil Ofarim hat noch einen langen Weg vor sich. Vielleicht wird ihn seine Kreativität irgendwann in ganz andere Gefilde treiben. Im Moment ist er ein ziemlich guter - wenn auch ziemlich junger - Rocker. Und man nimmt ihm den Rocker auch ab. Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 01.05.2003
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