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Glyder
Glyder, Bad Reputation/True Talent Records, 2006
Tony Cullen Vocals & Bass
Davy Ryan Drums
Pete Fisher Guitar
BAT Guitar
Produziert von: Chris Tsangarides Länge: 36 Min 30 Sek Medium: CD
1. Colour Of Money6. Stargazer
2. PUP7. You Won't Bring Me Down
3. She's Got It8. Takin' Off
4. Saving Face9. Die Or Dance
5. One For The Lost10. Neutral Coloured Life

Mein Gott, sind die jung. Meine Güte, klingen die alt. Obwohl, können Iren überhaupt jemals so richtig jung klingen? Ich sage: Nein! Diese Menschen werden am St. Patrick's Day in einem Whiskey- oder Bierfass geboren und vielen wird die Musik direkt mit dem Mutter-Guinness verabreicht. Das ist so erfreulich, wie es betrübt, dass niemals eine irische Fußballnationalmannschaft wirklich Erfolg haben wird. Ist aber in diesem Fall egal, wir reden nicht von Doppelpässen sondern von doppelläufigen Gitarrenflanken.
GLYDER nennen sich die vier jungen Menschen vom grünen Inselchen und Rory und/oder Lizzy stehen neben den obligaten Getränken in jeder ihrer Favoritenlisten. Prompt hat sich auch Philomena Lynott, Phils hyperaktive Mutter, zu Wort gemeldet und GLYDER als "absolutely brilliant" bezeichnet. Na, die muss es ja ganz genau wissen.
Ein weiteres Mosaiksteinchen ist die Wahl des Produzenten. Chris Tsangarides schnappte sich die Youngster und verpasste ihnen "seinen" Sound. Wer Tsangarides' Schaffen in den letzten 30 Jahren beobachtet hat, wird wissen, dass das Ergebnis nicht immer wirklich begeisternd war (Y&Ts "Mean Streak" beispielsweise), aber auch echte Klassiker hervorbrachte (TYGERS OF PAN TANG, "Painkiller" von PRIEST und natürlich die legendären Alben "Renegade" und "Thunder And Lightning" von THIN LIZZY). Der kann es natürlich und im Falle GLYDER hat er zweifellos gute Arbeit geleistet. Was aber natürlich vorrangig am Talent der Band liegt, denn hier haben sich vier ordentliche Handwerker im Gesellenalter zusammengefunden.

Lassen wir mal die eineinhalb langweiligen Rohrkrepierer auf der Debut-CD außen vor, bleiben fast zwei Hände wundervolle Rocksongs. "No Bullshit Hard Rock" hat irgend jemand geschrieben und das trifft den Kern exakt. GLYDER fudeln nicht zwanghaft herum, langweilen nicht mit eigentlich altersgerechten Alternativtönen, biedern sich allerdings auch nicht um jeden Preis dem Seniorenpublikum an. Was man hier hört, scheint zutiefst authentisch und ernstgemeint zu sein, frisch und dennoch tief in der Tradition von, vor allem, THIN LIZZY verwurzelt. Als Beispiel sei nur Die Or Dance genannt, bei dem Tony Cullen (stilecht Sänger und Bassist) wirklich wie der junge Phil klingt und die beiden Gitarristen unglaublich schöne zweistimmige Figuren aufbauen. Das ist für dieses juvenile Alter ganz große Klasse.
Auch ansonsten schwebt über den meisten Kompositionen SEIN Geist, und wenn ausnahmsweise nicht, bleiben wenigstens ein paar Reminiszenzen an andere Double-Lead Bands wie WISHBONE ASH haften. Es gibt wahrhaftig schlechtere Vorbilder.

Ja, GLYDER haben alle Trümpfe in der Hand, nach langer Vakanz den Thron der führenden irischen Rock-Institution neu zu besetzen. Die CD begeistert auch im x-ten Durchgang aufs Neue und bietet neben gelungenen Songs, dem allerliebst gefärbten Dialekt und atemberaubenden Gitarrenpassagen auch noch eine Menge Entwicklungsmöglichkeiten für kommende Großtaten. Jungs, lasst die Les Pauls weiterhin so glühen und die Marshalls rauchen und lasst die Finger von den ganz schlimmen Giften!

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 17.05.2006


 
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