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Heilig

Die 1.

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Die 1.
Die 1., Media Machine Music, 2002
Paul Paulitsch Tenor
Wiggi Raab Harmoniegitarre
Winni Thoma Melodiegitarre
Renate Dienersberger Pianoforte & Orgel
Axel Kowollik Bassgitarre
Fonse Hefter Schlagwerk
Länge: 50 Min 08 Sek Medium: CD
1. Ehrlich7. Mitt'n im Leb'n
2. Wunder8. Wega dir
3. Weil i auf di steh9. Schwarzer Engel
4. Rabenschwarze Katz10. Süchtig
5. Drah an Joint11. I
6. Bleib bei mir12. Helden

Der Trainer lebt nicht mehr. Günter Brödl starb am 10. Oktober vor 3 Jahren, und damit war auch das Schicksal des größten Rock'n'Rollers aus der Republik Österreich besiegelt. Was bleibt, sind ungefähr 15 Tonträger und eine - für die Fans - traurige Abschiedstour in diesem Jahr.
Die Rede ist natürlich von Dr. Kurt Ostbahn. Philosoph, Nicht-Sänger, Geschichtenerzähler und erfundene Figur. Jetzt, wo der Herr Kurt in Rente geht, ist von der ehemals ruhmreichen Rockszene Österreichs gar nicht mehr viel übrig.

Hilfe ist nah! Ihr müsst nur immer fest dran glauben, dann hört Ihr bald wieder Musik, die einem nahe- und reingeht, ganz so wie damals die Texte vom Trainer und die Gitarren von der Chefpartie und der Kombo.
Die Rettung kommt aus Bayern. 1 Münchnerin und 4 Münchner haben nämlich vor ein paar Jahren einem Österreicher aus der Steiermark Asyl als Sänger gewährt und wie das so ist, mit seinem Dialekt hat der Österreicher in Bayern schon von vornherein einen Bonus. Er tut uns ein bisserl leid, es klingt ja einfach nett und er kann nix dafür, dass er diesen Sprachfehler hat, also wird er gebusselt und geherzt und wenn er am Schluss noch ein bisserl treuherzig schaun kann, dann fallen auch noch unsere Mädels auf diese Kerle rein. Charakterlich miserabel... Ehrlich, hah, Frauenverführer!

HEILIG heißt die Band und sie ist DIE (Mundart-) Rock-Entdeckung Münchens in diesem Jahr.
"Die 1." ist Rock & Roll der formidablen Sorte. Richtig klasse Musik, die sich selbstverständlich auf die Vorbilder der letzten 21 bis 37 Jahre bezieht. Soll heißen: Ein paar Cover von den STONES, Robert Palmer oder Bowie (Hammerversion von Heroes!), dazu eine Sammlung eigener Songs, die zwischen Boogie, Liedermacher, Schwitz-Rock und Pop eine (fast!) perfekte Melange altmodisch-moderner Rockmusik ergibt.
"Fast", weil ein, zwei Mal ein klein wenig zu viel Rainhard Fendrich- und zu wenig Rocker-Attitüde auftaucht (Weil i auf di steh hängt verdammt nochmal trotzdem im Ohr fest). Andererseits, Nummern wie Drah an Joint (bei Jagger & Richards entlehnt) haben mit Fendrich gar nichts zu tun. Das ist Mit-dem-Finger-in-die-Wunde-Sixties-Rock'n'Roll, wie ihn zuletzt der große Sigi Maron (auch ein Österreicher) gemacht hat. Da gibt's keine Worte, die man nicht sagen darf. Es gibt nur die Realität und die ist manchmal böse und gemein.
Die Band dampft, rührt um und groovt sich einen ab, dass es eine Freude ist, und wie geil Soul-Rock'n'Roll klingt, kann man beim Prachtstück Mitt'n im Leb'n hören.
Zurücknehmen können sie sich auch und trotzdem geht Wega dir (wega = wegen) durch Mark und Bein. Wer schon mal verliebt war, weiß worum es geht. Und die Gitarren jubilieren!

Je länger die CD dauert, desto intensiver wird die Angelegenheit textlich und musikalisch. Addicted To Love von Robert Palmer kommt in der "i kann nix dafür weil i bin süchtig nach dir"-Fassung und rockt furchtbar, als Zugabe stampfen HEILIG den uralten Peter Orloff-Schlagerfetzen Du in einen gnadenlosen Schmäh-Bluesrocker namens I (= Ich - I wer immer nur mi gern ham) um und sie sagen die Wahrheit: "Bleib bei mir, was ham mir zum verlier'n?" Nichts!
Tipp vom Rock'n'Roll-Doktor: Lieber die volle Dosis geben, schnell genug kann es vorbei sein, weil rabenschwarze Katzen lauern überall.

Klasse CD einer gestandenen Band, mit Worten die der Rezensent versteht. Wundervoll!

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 24.10.2003

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