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CD-Review:
Henry Paul BandGrey Ghost,
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Henry Paul steuerte auf den drei ersten Platten der OUTLAWS grade mal eine gute handvoll Songs bei und trat ansonsten nur als Gitarrist und Sänger in Erscheinung. Vielleicht war ihm das auf Dauer zu wenig, auf jeden Fall verließ er die Band 1977 und ergatterte einen, vermutlich gut dotierten, Vertrag bei Atlantic Records über 4 LPs. Warum er aber anfangs haargenau die gleiche Musik wie sein alter Brötchengeber mit seiner eigenen HENRY PAUL BAND machte, ist irgendwie nicht ganz schlüssig. "Grey Ghost" von 1978 war ein klassisches OUTLAWS-Plagiat. Vom Songwriting über den Gesang bis zu den Gitarren klang alles dermaßen nach den Outlaws, dass sich Hughie Thomasson vermutlich die Möglichkeit einer Klage überlegt hat. Lässig klingt die Scheibe auch 25 Jahre später noch (außerdem ist der Sound aller 4 CDs sehr gut). Daran dürfte nicht zuletzt Joe "ich spiele überall" Lala mit seiner groovigen Percussionarbeit schuld sein. Auch den einen oder anderen Einfluss der ALLMAN BROTHERS kann man feststellen, was die Platte natürlich nicht schlechter macht. Highlights: Grey Ghost, das nett funkige I Don't Need You No More (im Schlussteil hört man die ABB mehr als deutlich), der Country-Hoppler Lonely Dreamer (Waterhole lässt grüßen) und das sich steigernde So Long. Wären auf One-Night Stands nicht nervige Synthetik-Bläser, wäre dieser lockere Rocker auch noch zu erwähnen. Und wäre You Really Know nicht komplett aus Thomasson's Schublade geklaut ... "Feel The Heat" erschien knapp zwei Jahre später und man hört auf den ersten Blick (sic) einen deutlichen Richtungswechsel. Weg vom locker flockigen Country-Southern-Westcoast-Groove, hin zum harten Southern-Boogie. Naja, da ich nichts gegen kernige Riffs, typische Rock & Roll-Texte, ein paar nette Bierchen, hübsche Mädels und einen Abend im Boogie-Saloon habe, tendiere ich natürlich eindeutig für "Daumen hoch". "Feel The Heat" rockt! In der Band hatte sich einiges getan, als zweiter Drummer war Monte Yoho (ebenfalls Outlaws) dabei, ein neuer Dritt-Gitarrist war dazugestoßen und am Songwriting war maßgeblich Jim Peterik beteiligt (den ich ansonsten nicht besonders gut leiden kann, zu viele Seichtsongs hat er für 38 SPECIAL, SURVIVOR und unzählige andere geschrieben). Brachialhämmer wie Whiskey Talkin' oder Gitarren-Ausritte wie I Can See It hätte ich dem nicht zugetraut. Direkt der Titelsong macht klar, dass Henry Paul auf dieser Platte nicht scherzt. Die ersten beiden Songs gehören sicher zu den Top 100 in der Geschichte des harten Southern Rock. Liest man das Booklet, erfährt man, dass 2 Leute die Synthesizer bearbeiten (u.a. Joe Vitale - auch so eine "keine Platte ist vor mir sicher"-Schlampe) und das wäre früher ein absolutes K.O.-Kriterium für mich gewesen. Glücklicherweise halten sich die künstlichen Quietscher einigermaßen zurück und fallen im Gitarrensturm eher nicht auf. Astreine Platte! Wieder ein Jahr später - und erleichtert um Monte Yoho - der dritte Streich "Anytime". Es ist 1981 und Produzenten wie Kevin Beamish (u.a. verantwortlich für alle REO SPEEDWAGON Schmuseplatten ab "Hi Infidelity") treiben ihr Unwesen. Weiß der Kuckuck, warum sich Henry Paul den ins Studio holte, auf jeden Fall hört man seinen windelweichen Einfluss und auch songwriterisch ist "Anytime" ein deutlicher Abfall gegenüber "Feel The Heat". Irgend jemand hat Henry wohl gesteckt, dass endlich mal ein ordentlicher Hit fällig wäre und was mit Keep On Loving You von den Speedwagons (übrigens in den 70ern eine grandiose Rockband!) funktionierte, sollte auch mit "Anytime" klappen. Ganz ausradieren konnte Beamish die heavy Gitarren natürlich nicht (Hollywood Paradise, Rising Star oder die tollen Soli in Crazy Eyes), aber insgesamt tendiert die Platte leider doch mehr zu typischem 80er-Breitwand-Mainstream wie ihn so viele ehemals tolle Bands plötzlich machten. Hier ein bisschen 38 SPECIAL (deren Schmonzetten wie Hold On Loosely oder Fantasy Girl bezeichnenderweise auch von '81 sind und Jim Peterik auch hier seine Finger im Spiel hatte und Don Barnes und Jeff Carlisi bei Distant Riders als Songwriter auftauchen), dort ein bisschen überkandideltes Chorgekreische oder LOVERBOY/SURVIVOR/JOURNEY-Bombast und als Höhepunkt eine Lalala-Schubidu-Fassung von Morrison's Brown Eyed Girl Für mich war diese Veröffentlichung schon damals überflüssig, mit dem großen Abstand wird sie zwar nicht wirklich besser, aber immerhin erträglicher. Ein Dokument der damaligen Musikszene eben. Konsequent war dann der Schritt ins nächste Jahr. "Henry Paul" verabschiedete sich komplett vom Southern Rock und war schlichtweg ein stinknormales Pop-Rock Album von 1982. Wenigstens wird auf dem Opener noch gerockt und mit Kamikaze Rock ist ein guter Rock'n'Roller vertreten (wenn auch der Text richtig saublöd ist). Aber sonst? Oh weh! Grandios grässliche Keyboards und Synties, eine Produktion und Songs aus dem Genforschungslabor amerikanischer Hitfabriken (Peter Solley hat auch das unsägliche "Little Miss Dangerous" von Nugent versaut), dünne Gitarren - Henry beschränkt sich ausschließlich auf den Gesang - und Lieder, die nicht mal gelangweilte Hausfrauen aus Minnesota nass machen. Kurz: Ein musikalisches Fiasko an allen Fronten. Eine Einschränkung gibt es allerdings. Auf den wenigen nicht zu Tode produzierten Nummern kann man durchaus eine nicht ganz unangenehme Hinwendung zu einer Musik sehen, die man heutzutage als Heartland Rock bezeichnen könnte. Ab und an drängen sich Vergleiche beispielsweise zu den IRON CITY HOUSEROCKERS (also Joe Grushecky) auf und wäre eine Nummer wie Tragedy nicht gar so grausam schnulzig bzw. von den Keyboards und Chören ertränkt, könnte man sie durchaus als nette Ballade erkennen. So furchtbar waren HUEY LEWIS und seine NEWS ihr ganzes Leben nicht. Aua, von überall her schießen Synthesizer-Kaskaden auf meine Ohren... Star Wars im CD-Player... die furchtbare Valerie Carter (hat auch schon für den Todesmetaller Neil Diamond geträllert) im Duett bei Heat Of The Night... und wäre Circle Of Silence doch bitteschön was sein Name verspricht: Unhörbar! Im Abschlussquäler Cold War traktiert Hughie Thomasson die Gitarre. Hilft nichts. Klingt erstens auch beschissen und zweitens wird aus Cherrie Cherrie Lady von Bohlen auch kein Boogie, selbst wenn Angus Young spielen würde. Fazit: 2 Volltreffer, eine halbgare Angelegenheit und eine Lachnummer. Ein ganz großer war Henry Paul nie und was er heute mit seiner New Country Kapelle BLACKHAWK treibt, geht mir vollends am ... vorbei. Künstlerisch ist er spätestens 1981 eingetrocknet - was auch die schlechte Outlaws-Reunion "Soldiers Of Fortune 1986 bewies. Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 20.05.2003
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