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Hermano

Live At W2

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All Music Guide (englisch)

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Live At W2
Live At W2, Suburban Records, 2005
John Garcia Vocals
David Angstrom Guitars
Dandy Brown Bass
Chris Leathers Drums
Olly Smit Guitars
Produziert von: Hermano Länge: 50 Min 13 Sek Medium: CD
1. Cowboys Suck7. My Boy
2. 5 To 58. Quite Fucked
3. Life9. TNT
4. Alone Jeffe10. The Bottle
5. Roll Over11. Senor Moreno's Plan
6. Landetta12. Manager's Special

Oooh, was für ein Pfund. "Go, Motherfucker" schreit Sänger John Garcia in Quite Fucked wie von Sinnen und da sollte der geneigte Motherfucker doch gefälligst auch abgehen wie ein Zäpfchen.
HERMANO sind ein Haufen von Musikern, die allesamt bei anderen Bands aus dem musikalischen Untergrund angestellt sind und von Zeit zu Zeit eine Platte und Tour gemeinsam auf die Beine stellen. Wer mit Namen wie KYUSS, DISENGAGE, SUPAFUZZ oder ORCHESTRA DEL DESIERTO nicht besonders viel anfangen kann, darf trotzdem straffrei weiterlesen, denn diese Kapellen sind, bis auf KYUSS vielleicht, eher einem kleinen Fach- und Krachpublikum bekannt. Als HERMANO macht man Bastard-Spektakel mit einer Art Blues-Punk-Metal-Stonerrock und nach zwei Studioplatten gibt es nun die Dokumentation der "Angry American Tour" aus dem letzten Jahr. Was die Band im namensgebenden W2 Club in Holland - und jetzt im heimischen Stereo - aufführt, dürfte Schöngeister und Progressivrocker hochgradig enervieren, Headbang-Fetischisten werden entzückt sein.

Wenn man sich erst mal von der einleitenden Riff-Lawine Cowboys Suck erholt hat (gut möglich übrigens, dass man dieses Geschoss zwei Mal hören muss um zu kapieren) und die auf maximale Lautstärke getunten Instrumente im Kopf sortiert sind, tut sich bei HERMANO ein Panoptikum auf, das in seiner Intensität und Wirkung vermutlich das brachialste Stück Musik der letzten Zeit ist.
Spricht man von Instrumente sortieren, ist es nicht so, dass HERMANO einen undefinierbaren Klangbrei servieren, im Gegenteil, der Sound ist sogar ausgesprochen transparent, nur eben derart komprimiert, dass manche reinrassige Heavy Metal Kapelle wie Fliegengewichts-Pop anmutet. "Heavy" ist das Zauberwort. Allerdings bedienen sich die Herren mitnichten in schwertschwingenden True Metal Gefilden, sondern kochen ein Gebräu aus Doom, Punk, Hardrock, Rock & Roll und psychedelischen Kräutern, das so niederschmetternd wie belebend wirkt und letztlich zu einem einzigartigen Groove-Erlebnis führt.

DIE Entdeckung der CD ist Sänger John Garcia. Wer ihn nicht bereits von seiner Stammband KYUSS kennt, wird über die klare, hohe Stimme und das sympathische Auftreten des Muskelpakets überrascht sein. Garcia brüllt sich nicht durch die Songs, er singt tatsächlich und ist jederzeit zu verstehen. Genau wie die Gitarren, die, bei aller Brutalität, nicht metzeln sondern ganz simpel ein Brett nach dem nächsten hinlegen. Darüber "trällert" Garcia höchst schwungvoll, singt von vielen "schlimmen" Dingen und, was den Hörer angesichts der vielen Fucks in den Texten überrascht, er bedankt sich ausgesprochen höflich nach beinahe jedem Song, erkundigt sich nach dem Sound und bittet um vorsichtiges Fahren nach der Show. Nebenbei scheint er etliche Male selbst von der Urgewalt seiner Band überrascht zu sein, jedenfalls hört man ihn öfter mal beeindruckte Töne von sich geben.
Für die mächtige Power von hinten sorgen Bassist Dandy Brown und Drummer Chris Leathers, die simpel aber extrem punktgenau das Tempo zwischen Punk-Speed und schleichendem Doom bestimmen. Plattitüde, aber treffend: HERMANO verursachen ein Gewitter.

Dass ein solches Unwetter nebenher auch magische Momente erzeugen kann, mag im ersten Moment zweifelhaft scheinen. Allerdings haben Garcia & Co. Songs im Gepäck, die wiederholt an, believe me or not, eigentlich unerreichbare Götter wie LED ZEPPELIN erinnern. Roll Over beispielsweise hat dieses gewisse Etwas. Da ist die Verbindung Härte-Melodie-Ausdruckskraft so überwältigend, dass man sich stehenden Fußes in das livehaftige Konzert wünscht. Um Missverständnissen vorzubeugen: Man darf natürlich keinesfalls Zeppelin'sche Virtuosität hinter HERMANO vermuten - aber durchaus die Fähigkeit, den Hörer mit aller Wucht direkt im Rockerherz zu erschüttern. Wo bekommt man das heutzutage noch?

Völlig unvermittelt startet die Band eine grandiose Version von AC/DCs TNT und zeigt deutlich, wo die Wurzeln sind.
Zum Schluss dann noch eine satte Hochgeschwindigkeitsohrfeige fürs Yuppievolk mit Manager's Special und dann ist der Spuk nach 50 Minuten vorbei. Wow, tief durchatmen und dann gleich noch mal von vorne.
Zwei Superlative für diese CD: Atemberaubend & Phantastisch!

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 19.10.2005

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