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Ian Hunter Band feat. Mick Ronson

Live At Rockpalast

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Live At Rockpalast
Live At Rockpalast, M.i.G.-Music, 2011 (1980)
Ian Hunter Vocals, Guitar, Piano, Harmonica
Mick Ronson Guitar, Vocals
Tom Morrongiello Guitar
Martin Briley Bass
George Meyer & Tom Mandel Keyboards
Eric Parker Drums
Produziert von: WDR Länge: ca. 74 Min Medium: DVD
1. F.B.I.8. We Gotta Get Out Of Here
2. Once Bitten Twice Shy9. Bastard
3. Angeline10. All The Way From Memphis
4. Laugh At Me11. Cleveland Rocks
5. Irene Wilde12. All The Young Dudes
6. I Wish I Was Your Mother13. Slaughter On 10th Avenue
7. Just Another Night

Natürlich war das Konzert der IAN HUNTER BAND am 19. bzw. 20. April 1980 in der Essener Grugahalle eines jener seltenen Konzerte, das erstens Rockgeschichte schrieb und zweitens einen Künstler bzw. eine Band in Deutschland und vielen live im Fernsehen zusehenden Ländern für alle Zeiten populär machte. Es war aber auch ein Triumph von Peter Rüchel, dem Erfinder des Rockpalast, der es zum wiederholten Male schaffte, mehr als adäquaten Ersatz für den von ihm so sehnlich erwünschten Auftritt von Springsteen zu beschaffen. Hunter für Springsteen klingt zuerst seltsam, denn MOTT THE HOOPLE und die ersten Solo-Alben hatten mit dem Boss natürlich nichts bis wenig zu tun, aber seit Hunters Übersiedelung nach New York und spätestens mit dem gerade zu bewerbenden Album "You're Never Alone With A Schizophrenic", auf dem stilecht Roy Bittan, Garry Tallent und Max Weinberg von der E STREET BAND mitwirkten, war die "Amerikanisierung" perfekt.
Den charmanten Kontrapunkt zum neuen "Heartland Rock" setzte Mick Ronson, der grandiose Gitarrist und zeitlebens unterschätzte Komponist, Produzent und Arrangeur, der so mancher arg kantigen Hunter-Nummer den Roll in den Rock injizierte. So wurde "You're Never Alone With A Schizophrenic" zum wichtigsten und erfolgreichsten Album in Ian Hunters Karriere - und der Auftritt im Rockpalast zum Meilenstein.

So ganz sicher war sich die Band zu Beginn des Gigs wohl nicht, denn der instrumentale Einstieg F.B.I. hatte doch einige leicht nervöse Wackler zu bieten und diente vor allem Ronson zum "warm spielen". Es war das bei weitem größte Auditorium, das die Band bis dahin bespielt hatte, von den Fernsehkameras gar nicht gesprochen, doch nachdem Hunter auf die Bühne kam und das Publikum mit "Wie geiht's, wie geiht's, wie geiht's" begrüßt hatte, passierte beim anfangs nur halblässig gegroovten Once Bitten Twice Shy eines jener seltenen Rock'n'Roll-Wunder, nämlich die Wandlung einer sichtlich aufgeregten Kapelle zum wahren Rock-Monster. Ob es Hunters souveräne Art war, oder vielleicht Ronsons magisches Dauersolo, oder einfach nur die Gewissheit, dass Once Bitten Twice Shy jeden Club, jede Halle und jedes Wohnzimmer in Grund und Boden rocken konnte, wahrscheinlich kann es bis heute keiner der Beteiligten erklären. Aber nach nur zwei Songs war die Messe gelesen, die Band war zusammen und das Publikum stand Kopf.
Was dann folgte, war ein dramaturgisch ganz klassisches Konzert, Balladen und Rocksongs wechselten sich ab, Ian Hunter führte seine besten Lieder auf, Mick Ronson brillierte ununterbrochen mit kleinen und für Saitengott-Verhältnisse beinahe absurd reduzierten Gitarrenperlen, die Band agierte todsicher auf höchstem Niveau, es war schlichterdings ein Referenzkonzert für britisch-amerikanische Rockmusik des Jahres 1980. Wie das bei Referenzwerken ist, funktionieren sie auch Jahrzehnte später noch.
Dem guten alten Rockkonzert-Schema folgend stiegen Tempo und Härtegrad ab etwa Halbzeit wieder an, Just Another Night läutete sozusagen den Rock'n'Roll-Klimax ein. Tom Morrongiello (Guitar) und Martin Briley (Bass) schwenkten dazu "Nur eine andere Nacht" Mitsing-Schilder, Hunter war volksnah wie selten und schon ging es mit dem Disco-Groove von We Gotta Get Out Of Here in die nächste Runde. Dieser Song schaffte es nie auf ein Studio-Album und war bisher lediglich auf dem vier Wochen vor dem Rockpalast in Hollywood, Los Angeles aufgenommenen "Welcome To The Club" vertreten.
Der manische Brecher Bastard, bei dem Keyboarder George Meyer mal eben eine Hammond versehentlich vom Ständer schmiss und Hunter spontan fluchte, und MOTTs nicht ganz sauber gespielter Rocker All The Way From Memphis bereiteten schließlich den Boden für das große Finale mit einer Version von Cleveland Rocks, die ganz bestimmt niemand jemals vergessen wird, der damals irgendwo in Europa in seinen Fernseher geschaut hat. Von "France/Austria/Sweden/Holland etc. rocks" über "Essen rocks" bis "Romania/Russia rocks" hat Hunter wohl keinen ausgelassen. So kommuniziert man mit einem virtuellen Millionenpublikum - who the fuck is Facebook?
Die obligate Zugabe war natürlich der größte Hit von MOTT THE HOOPLE, das von David Bowie geschriebene All The Young Dudes. Ganz zum Schluss durfte Ronson den Titeltrack seiner ersten Solo-LP "Slaughter On 10th Avenue" (1974) als Epilog darbieten.

Es war nicht das längste, lauteste, irrste, technisch brillanteste oder spektakulärste Konzert im Rockpalast, aber eines der intensivsten. Und natürlich eines, das Ian Hunter, und mit Abstrichen auch Mick Ronson, zu bis heute kultisch verehrten Superheroes machte. Zu Recht.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 02.12.2011


 
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