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Ian Hunter

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Shrunken Heads
Shrunken Heads, Yep Roc Records/Jerkin' Crocus, 2007
Ian Hunter Vocals, Acoustic & Electric Guitar, Harmonica, Piano
Andy York Acoustic & Electric Guitar, 12-String Electric Guitar, Nylon String Guitar, Banjo, Piano, Ukulele, Background Vocals, Drum Loop
Mark Bosch Guitar
Andy Burton Organ, Piano, Accordion, Keyboards, Wurlitzer, Resonator Guitar, Background Vocals
Jim Mastro Electric Guitar, Slide Guitar, E-Bow, Baritone Guitar, Background Vocals
Jack Petruzzelli Electric Guitar, Slide Guitar, Omnichord, Wah Wah Guitar, Leslie Guitar, Mando-Guitar, Background Vocals
Peter Moshay Keyboards
Graham Maby Bass, Background Vocals
Tony Shanahan Upright Bass
Steve Holley Drums, Percussion, Background Vocals
Soozie Tyrell Violin
Dennis Dunaway, Jesse Hunter, Mary Lee Kortes, Christine Ohlman & Jeff Tweedy Background Vocals
Produziert von: Andy York & Ian Hunter Länge: 62 Min 27 Sek Medium: CD
1. Words (Big Mouth)9. Stretch
2. Fuss About Nothing10. I Am What I Hated When I Was Young
3. When The World Was Round11. Read 'em And Weep
4. BrainwashedLimited Edition Bonus Track:
5. Shrunken Heads12. Your Eyes
6. Soul Of America13. Wasted
7. How's Your House?14. Real Or Imaginary
8. Guiding Light

Geschriebenes Wort wiederholt sich genau wie gespielter Ton. Die zur Verfügung stehenden Buchstaben und Noten sind begrenzt und vielleicht gab und gibt es keinen Literaten und keinen Komponisten, der sich niemals, ob gewollt oder ungewollt, an seinem eigenen (Früh-) Werk orientiert hat. Bei manchen ehemals Kreativen ist dieses Eigenplagiat dann peinsam und quälend, bei anderen wird es mit der Zeit zum Markenzeichen, jede Abweichung vom Gewohnten wäre ärgerlich und mangels Können zum Scheitern verurteilt. Maler haben es einfacher, denn die Motive ihrer Kunst sind unendlich und ihr Werkzeug, die Farbe, erscheint bei jedem Licht, bei jeder Betrachtungsweise anders. Ian Hunter hat es ebenfalls einfacher als herkömmliche Schriftsteller und Musikschaffende, denn er malt seine Musik.
Klingt natürlich überspannt und ist es auch, denn Ian Hunter ist so wenig Picasso wie Charles Bukowski Berthold Brecht war. Ergo kann man auf dem lang erwarteten neuen Album "Shrunken Heads" in beinahe jeder Minute ein Kleinod aus der Zitatenkiste entdecken, allerdings schafft der Lautmaler Hunter mit seinen Farben/Worten/Klängen immer wieder neue Perspektiven - und dies erhebt ihn in einen ganz besonderen Stand.
Vor vielen Jahren sang Hunter die Textzeile "carry the news". Ian Hunter Patterson hatte gerade seinen 68. Geburtstag und er ist immer noch der Nachrichtenüberbringer, der Rock'n'Roll-Hermes.

Inhaltliche Kritik an "Shrunken Heads" verbietet sich von selbst, vermutlich hat spätestens seit "All The Young Dudes" (carry the news) aus dem Jahr 1972 kein unbedachter, nicht überlegter Ton das Haus Hunter verlassen und über die Jahre wurden die Waffen immer schärfer, analytischer und beißender. Heute heißt das Ergebnis Brainwashed, Soul Of America, Stretch oder eben Shrunken Heads. Die Adressaten solcher Botschaften sind klar, jedoch ergeht sich Hunter nicht in banalen Anklagen oder abgehobener Systemkritik, das überlässt er weiterhin der in New Jersey nachgeborenen "Arbeiterklasse". Unser Brite seziert viel lieber am lebenden Objekt und ist damit ungleich gefährlicher als jeder Grammy-Gewinner. Deswegen ist er auch inzwischen bei einer kleinen Plattenfirma wie Yep Roc Records gelandet und nicht beim multinationalen Sony Konzern.
Auch wenn man sich mit den Texten dieser CD tagelang beschäftigen kann, "Shrunken Heads" ist natürlich keine Spoken-Word-Veranstaltung, da ist eine richtige Band mit richtigen Musikern zugange. Die Namen kennt man fast alle, ob von Hunters früheren Veröffentlichungen oder von vielen einschlägigen Bands, wichtig ist einzig, dass das Resultat schlüssig und organisch klingt, ganz egal ob es sich um eine Ballade oder einen klassischen Roots-Song handelt. Erstere sind logischerweise etliche vertreten, Ian Hunter ist neben Bob Seger einer der wenigen, die Balladen schmerzfrei jedem Rocker vermitteln können, man hört ihm zu und klickt nicht gelangweilt weiter. Immer wenn sich das Tempo steigert und das Bein automatisch zuckt - übrigens auch eine besondere Gabe des Meisters, er schafft das im Hand- und Wortumdrehen - ist sofort dieses "Rockpalast rocks"-Feeling da. Mr. Hunter kann das, John Mellencamp hat es inzwischen wohl endgültig verlernt. "Shrunken Heads" oder wenigstens Brainwashed sollte schnellstens als Botschaft an unsere außerirdischen Freunde ins All geschossen werden. Die wissen dann erstens über Rock & Roll und zweitens über unseren Geisteszustand Bescheid.
"I got a big one", sagt er am Anfang von Words (Big Mouth). Wenn nur alle es so genialisch aufreißen würden.

Man möge den Vorwurf der Voreingenommenheit und Heldenverehrung bleiben lassen, wer Ian Hunter nicht als einen der größten zeitgenössischen Künstler anerkennt, wird mit "Shrunken Heads" nur eine grundanständige Rock-CD erwerben, nicht mehr. Wer ausnahmsweise mehr als nur Stimme/Klavier/Gitarre/Bass/Schlagzeug konsumieren will und trotzdem keine verquere Weltverbessererbotschaft braucht, sondern die zynische Wahrheit verträgt und How's Your House? (s. o. bei "Zitatenkiste") nicht ausschließlich als x-ten Katrina-Opfer-Song begreift: Nimm I Am What I Hated When I Was Young.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 06.06.2007

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