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| Live From The Royal Albert Hall, Provogue Records, 2009 |
| Joe Bonamassa |
Guitars & Vocals |
| Anton Fig & Bogie Bowles |
Drums |
| Carmine Rojas |
Bass |
| Rick Melick |
Keyboards, Tambourine & Backing Vocals |
| Lee Thornburg |
Trumpet & Arrangements |
| Sean Freeman |
Saxophone |
| Mike Feltham |
Trombone |
| Gäste: |
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| Eric Clapton & Paul Jones |
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| Produziert von: Kevin Shirley |
Länge: ca. 132 Min |
Medium: Do-DVD |
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| DVD 1: | |
| 1. The Road To The Royal Albert Hall | 7. Stop! |
| 2. Django | 8. Introducing Eric Clapton |
| 3. The Ballad Of John Henry | 9. Further Up On The Road |
| 4. So It's Like That | 10. High Water Everywhere |
| 5. Last Kiss | 11. Sloe Gin |
| 6. So Many Roads | |
| DVD 2: | |
| 1. I First Met B.B. King... | 8. The Great Flood |
| 2. Lonesome Road Blues | 9. Just Got Paid |
| 3. Happier Times | 10. Mountain Time |
| 4. Introducing Paul Jones | 11. Asking Around For You |
| 5. Your Funeral My Trial | DVD Extras: |
| 6. Blues Deluxe | Woke Up Dreaming |
| 7. Story Of A Quarryman | Interview |
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Das kleine Gitarrenduett am Ende von Further On Up The Road ist prima. Da spielt ein gewisser Eric Clapton zusammen mit Joe Bonamassa ein beschwingtes Ständchen. Vorher singt der olle Eric den jungen Joe lässig um die Ecke und lässt ihn in punkto Coolness, Passgenauigkeit des Sakkos, Hemdenwahl und Frisur wie einen Lehrling aussehen. Der alte Mann ist schon ein Fuchs. Beim kurzen zweistimmigen Intermezzo grinst Clapton, und denkt vielleicht drüber nach, wie wohl Layla in dieser Besetzung klingen könnte.
Joe Bonamassa spielte in der Royal Albert Hall in London. Klar, eine der schönsten Konzerthallen der Welt, aber Herr Clapton hat da doch deutlich mehr Erfahrung, ganz abgesehen von James Last, der schon 85 Auftritte mit seinem Orchester dort hatte. Ob der Bedeutungsblueser Bonamassa wohl weiß, dass der King of Seicht ihm 84 Gigs voraus ist? Egal, mit der Doppel-DVD "Live From The Royal Albert Hall" feiert der 1977 geborene Wundergitarrist seinen persönlichen Karriereolymp - und dreht hoffentlich nicht vollends durch angesichts seiner Göttlichkeit. Seine eigene Garderobe in den Katakomben des fast 140 Jahre alten Kuppelbaus hat er schon mal bekommen, das könnte einem ausgewiesenen Gitarrenegomanen doch durchaus schmecken…
Joe Bonamassa stellt mit seinem Auftreten keine Nähe zum Publikum her, er ist dezidiert darauf erpicht als Künstler, nicht als Unterhalter gesehen zu werden, und das ist das Problem. Die teilweise unfassbaren Gitarrensoli verpuffen und erfüllen schnell nur noch den Zweck der Selbstdarstellung. Selbst Just Got Paid von ZZ TOP wird mit einem endlosen Solo aus dem anfangs bestechenden Groove gerissen. Und ja, man kann genau hören, wem Joe neben Billy Gibbons huldigt, aber für eine Page-Orgie ist in Just Got Paid einfach kein Platz. Die spannenden Momente des Konzerts beschränken sich auf wenige, dann aber grandiose Momente, beispielsweise die episch-dramatischen The Ballad Of John Henry und Story Of A Quarryman und das akustische High Water Everywhere von Charlie Patton, wo einfach der Song stärker als der Hauptdarsteller ist.
Wer Party und Rock & Roll will ist falsch. Joe Bonamassa lässt nur seinen eigenen Überschwang zu, und lebt ihn wie gewohnt ausgiebig aus. Unwillkürlich könnte es passieren, dass man ihm irgendwann nicht mehr zuhört, sondern die Aufmerksamkeit auf seine grandiose Band richtet. Here we go:
Allen voran trommeln sich der Veteran Anton Fig und der wesentlich jüngere Bogie Bowles ins Ohr des Zuhörers. Schlagzeug-Doppelbesetzungen waren schon immer spektakulär, die beiden Kandidaten hier reihen sich nahtlos in die geschichtsträchtige Reihe ein. Immer wenn Fig und Bowles gemeinsam über die Toms jagen, ist die Leadgitarre abgemeldet, ansonsten wechseln die zwei sich perfekt bei der Rhythmus- und Percussionsarbeit ab. Carmine Rojas am Bass steht den Schlagwerkern technisch natürlich nicht nach, er ist bekanntlich seit gut 35 Jahren ein höchst gefragter Studio- und Tour-Sideman. Optisch gibt sein Auftritt nichts her, weniger als routiniert auf der Bühne herumstehen geht nicht, sein Spiel ist allerdings allerhöchstes Niveau. Man erlebt es nicht so oft, dass ein Bassist und zwei zwangsläufig unbewegliche Drummer dem Chef mit nichts als ihrer Spielkunst die Schau stehlen. Rick Melick könnte das mit seinen Keyboards grundsätzlich auch, dimmt sein künstlerisches Licht aber leider zu oft herunter. Die anderen sind ebenfalls Teamplayer und drängen sich keineswegs in den Vordergrund, wie sollten das Schlagzeuger auch tun, aber vom ausgewiesenen Hammond-Virtuosen Melick würde man gerne mehr hören.
Am Ende bleibt es bei einer One-Man-Show von Joe, die perfekt abgefilmt ist und einen hervorragenden Gig dokumentiert. Allerdings auch gnadenlos die Schwächen Bonamassas offenbart, nämlich den Mangel an zündenden Songs für mehr als 60 Minuten, die Blues-Verbissenheit des eigentlich zu viel mehr befähigten Supertalents (Mountain Time als erste Zugabe ist eine Offenbarung), und den für Puristen manisch erscheinenden Zwang, auch noch die letzte spielbare Note aus der Gitarre zu quetschen. Es ist ein wenig schade, denn Bonamassa wäre mit einem Jota mehr Selbstbeschränkung zusammen mit dieser Band ein Naturereignis, so bleibt er der ewige Wunderknabe und Zirkusartist.
Die Nebengeräusche: Das Bläser-Trio, angeführt von Lee Thornburg (TOWER OF POWER, LITTLE FEAT und unzählige andere haben schon auf ihn zurückgegriffen), gibt in seinen zu wenigen Momenten alles. Zu einem kurzen Gastspiel wird der längst zum Grandsigneur gewordene Paul Jones auf die Bühne gebeten und bläst weisungsgemäß in seine Mundharmonika. Er tut das natürlich längst nicht mehr mit der heute beinahe kindlich wirkenden Rhythm & Blues-Vollgasattitüde der BLUES BAND aus dem Jahr 1979, der Mann ist immerhin inzwischen 67, aber man sieht ihn immer noch gerne.
Und dann noch das Publikum. In der bestuhlten Arena mit den wunderschönen Rängen müsste schon ein musikalisches Erdbeben passieren, um wirkliche Raserei zu erzeugen. Man kann sich kaum eine heute noch lebende Rockband vorstellen, die die Royal Albert Hall anzünden könnte. Dafür bräuchte es allerdings auch jüngeres Publikum als es Joe Bonamassa mobilisieren kann. Es ist kein Altersrassismus, wenn man sagt, dass 95% der Anwesenden auch den EAGLES, LYNYRD SKYNYRD oder FLEETWOOD MAC einen bösartig hohen Obolus gezahlt hätten. Junge Menschen sind weder bei denen noch bei Bonamassa zu entdecken (was übrigens bei den normalen Konzerten des 32-Jährigen quer durch Europa genauso ist).
"Live From The Royal Albert Hall" ist eine gute DVD, die grundsätzliche Fragen aufwirft. 1. Gitarrenhelden. Wenn ja, warum? 2. Ist Blues innovierbar? 3. Wie wird Joe Bonamassa zum echten Volkshelden, der er qua Können längst sein könnte.
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