HoR Logo kl CD-Review:

Joe Bonamassa

The Ballad Of John Henry

Logo Home-of-Rock
Startseite > Alle Bands von A-Z > Joe Bonamassa > The Ballad Of John Henry

The Ballad Of John Henry
The Ballad Of John Henry, Provogue Records, 2009
Joe Bonamassa Guitars & Vocals
Anton Fig & Bogie Bowles Drums
Carmine Rojas Bass
Rick Melick Keyboards & Backing Vocals
Blondie Chaplin Rhythm Guitar
Lee Thornburg Brass & Arrangements
David Woodford Saxes
Produziert von: Kevi Shirley Länge: 64 Min 30 Sek Medium: CD
1. The Ballad Of John Henry7. Happier Times
2. Stop!8. Feelin' Good
3. Last Kiss9. Funkier Than A Mosquito's Tweeter
4. Jockey Full Of Bourbon10. The Great Flood
5. Story Of A Quarryman11. From The Valley
6. Lonesome Road Blues12. As The Crow Flies

Bonamassa ist einer, der an einem unleidlichen Tag selbst härteste Gitarrenfreaks aus einer Konzerthalle vertreiben kann, weil er sein Publikum schier zu Tode gniedelt. Allerdings ist er auch einer, der begabt wie nur eine handvoll andere Musiker ist und in Momenten höchster Kreativität live und auf CD vorbehaltlos überzeugen kann - und das nicht nur technisch als Gitarrist, sondern auch kompositorisch respektive als Interpret von Fremdtiteln. Insofern ist jede neue Platte und Tour des immer noch jungen "Wunderknaben" eine spannende Angelegenheit, auch wenn er manchmal die Grenzen der Egozentrik sehr großzügig zu seinen Gunsten auslegt, was sich auch im Umgang mit seinen wechselnden Tourbegleitern niederschlägt.
"Sloe Gin" war zuletzt so eine zwiespältige Angelegenheit, Atmosphäre und Feeling haben gestimmt, nur war die Sammlung der eher ruhigen Nummern insgesamt ungeeignet für Anhänger härterer Töne. Mal gucken, was die programmatisch betitelte CD "The Ballad Of John Henry" zu bieten hat.

Zuerst fällt der Sound auf. Wieder produziert von Kevin Shirley, deutlich auf "Vintage" getrimmt, nicht besonders transparent, dafür aber druckvoll und mit Tiefgang. Es würde nicht besonders überraschen, wenn eines Tages Warren Haynes für GOV'T MULE auf Shirley zurückgreift.
Sieben Bonamassa-Songs und fünf mehr oder weniger bekannte Coverversionen von u. a. Tony Joe White und Tom Waits, was sicher nicht an mangelndem Vertrauen gegenüber seinen eigenen Kompositionen liegt, J.B. platzt ja geradezu vor Hybris, sondern sich offensichtlich im Findungsprozess der CD einfach ergeben hat.
Galoppierende Rocker finden sich auf "The Ballad Of John Henry" nicht, nervtötende Fudelorgien glücklicherweise aber auch kaum, dafür ein paar neue Einflüsse - in Funkier Than A Mosquito's Tweeter beispielsweise schneiden sich messerscharfe Bläser sehr geil durchs Funk-Gehölz. Die von Tina Turners Schwester Aillene Bullock für Ike und Tina geschriebene Nummer ist der feurige Höhepunkt auf "The Ballad Of Joe Henry" (welcher übrigens ein in den USA legendärer Arbeiterheld war).
Ebenfalls schön nach vorne geht T.J. Whites As The Crow Flies, das in dieser frischen Interpretation deutlich über den handelsüblichen Adaptionen steht. Verblüffend selbstlos überlässt Bonamassa hier dem grandiosen Blondie Chaplin die Rhythmusparts. So einen Sideman gönnen sich also nicht nur die STONES, BYRDS, BEACH BOYS und THE BAND, auch unser Held traut sich. Respekt.
Dafür ist Stop! meilenweit von Sam Browns Intensität und Wunderstimme entfernt. Eine Gary Moore-Gedächtnisgitarre reicht für diesen Song hinten und vorne nicht. Es gibt eben gelungene und unnötige Coversongs. Bis auf den unnachahmlichen Gesang von Tom Waits ist dessen Jockey Full Of Bourbon bestens gelungen, die Gitarre sägt und das Piano klimpert wie in einem ganz fiesen Saloon.

Das qualitative Auf und Ab setzt sich fort, Feelin' Good, das vor drei Jahren durch Michael Bublé zu neuen zweifelhaften Hitparadenehren kam, ist völlig überflüssig, und auch in den eigenen Titeln hat sich die eine und andere Unerheblichkeit eingeschlichen. Ausdrücklich davon ausgenommen sind der höchst spannende Titelsong und der köstlich fließende Lonesome Road Blues, ein laut Bonamassas Worten alter Song, von einem DAT-Band gerettet. Wirklich schön ist auch das auf einer historischen Steel Guitar gespielte From The Valley. Die verbleibenden Nummern liegen dem Meister wohl persönlich sehr am Herzen, den Hardcore-Bluesern sicher auch, für die anstehenden Grillpartys sind sie nicht geeignet, aber das kennt und weiß man bei Frickel-Joe natürlich.
Anders ausgedrückt gilt für "The Ballad Of Joe Henry" was für alle Bonamassa-Platten gilt: Der devote Bewunderer wird es lieben, der Blueser nur zum Teil, der Rocker zum anderen Teil, der unparteiische Beobachter ist hin und her gerissen. Zur Beruhigung aller sei gesagt, dass ihm die Ideen allem Anschein nach noch lange nicht ausgehen werden.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 02.04.2009

Startseite > Alle Bands von A-Z > Joe Bonamassa > The Ballad Of John Henry

 
© Home of Rock 2001 & ff., Impressum & Kontakt