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| Nostradamus, Columbia/Sony BMG, 2008 |
| Rob Halford |
Vocals |
| Glenn Tipton |
Guitars & Synthesized Guitars |
| K.K. Downing |
Guitars & Synthesized Guitars |
| Ian Hill |
Bass |
| Scott Travis |
Drums |
| Gäste: |
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| Don Airey |
Keyboards |
| Pete Whitfield |
Strings |
| Produziert von: Glenn Tipton & K.K. Downing |
Länge: 102 Min 50 Sek |
Medium: Do-CD |
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| CD 1: | |
| 1. Dawn Of Creation | 8. Pestilence And Plague |
| 2. Prophecy | 9. Death |
| 3. Awakening | 10. Peace |
| 4. Revelations | 11. Conquest |
| 5. The Four Horsemen | 12. Lost Love |
| 6. War | 13. Persecution |
| 7. Sands Of Time | |
| CD 2: | |
| 1. Solitude | 6. Hope |
| 2. Exiled | 7. New Beginnings |
| 3. Alone | 8. Calm Before The Storm |
| 4. Shadows In The Flame | 9. Nostradamus |
| 5. Visions | 10. Future Of Mankind |
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Und wenn ich nicht mehr weiter weiß, bild ich einen Arbeitskreis. Was bei den großen Konzernen nicht funktioniert, haben JUDAS PRIEST mindestens so gründlich versemmelt wie all die kleingeistigen Manager es tagtäglich in ihren Chefetagen tun. Und das bei dem so interessanten wie abgelutschten Thema Ressourcenbündelung, ach was, Nostradamus und seine Prophezeiungen natürlich. Tipton, Downing und Halford haben keine Kosten und Mühen gescheut, sogar noch zusätzliche Arbeitsplätze an Keyboard (mit Don Airey hat man zwar nicht grade einen Langzeitarbeitslosen von der Straße geholt, aber immerhin) und Geigen geschaffen, doch das Ergebnis der Restrukturierungsmaßnahme ist so unübersichtlich und wirr wie der Organisationsplan eines beliebigen Wirtschaftsunternehmens - welches JUDAS PRIEST letztlich (nur noch) ist. Schade, sehr schade.
Michel de Nostredame starb 1566 und hätte er wirklich seherische Fähigkeiten gehabt, gäbe es in einer seiner Schriften einen warnenden Hinweis auf dieses Debakel der einstigen Metal Götter. Weiß der Geier, warum sich PRIEST auf dieses Wagnis eingelassen haben, ein schmissiges Album mit 12 flotten Songs alter Prägung hätte es durchaus auch getan, doch herausgekommen ist in "Nostradamus" eine Oper geradezu apokalyptischen Ausmaßes. Ohne Not begeben sich die Priester in Gefilde, die andere Bands deutlich besser beherrschen. Sei es das Genre Konzeptalbum, das man nach QUEENSRŸCHE hätte begraben können, oder die Abteilung Epic-Metal, die sowieso mehr als ausreichend besetzt ist. Mehr oder minder alberne Theatraliker wie MANOWAR braucht auch kein Mensch im Doppelpack und wenn schon Elfengesang, dann bitte von NIGHTWISH. Apropos Elfen. Von den aufgeblasenen Plastik-Symphonien all dieser Trolle und Trollinchen sind PRIEST glücklicherweise noch ein Stück entfernt, was aber hauptsächlich an der handfesten Produktion und dem einfach nicht zu tötenden Erfahrungsschatz aus 40 Jahren Musikerleben liegt, kompositorisch und darstellerisch bewegen sich Tipton/Halford/Downing allerdings auf dem wackligen Grat zwischen Bombast und Musical. Entsetzliche Vorstellung, nicht? Nach "Nostradamus" braucht man in der Tat eine Einheit "Unleashed In The East", um den matschigen Geschmack wieder aus der Birne zu bekommen.
JUDAS PRIEST sind also hell bent for plush und wenn es tatsächlich endlich mal nach vorne losgeht, schreckt man aus dem Halbschlaf auf, um sogleich festzustellen, dass die Chose nichts weniger als authentisch klingt. Das sind nicht JUDAS PRIEST!
Zugegeben, ich stand immer auf die Synthesizer-Gitarren auf "Turbo" und Nachfahren, aber hier passt gar nix zusammen. Immerhin klingt Halford richtig angenehm seitdem er die hohen Töne nicht mehr singen kann.
Das Konzept beschränkt sich auf scheinbar wahllos zusammengewürfelte Ouvertüren, Intermezzi und Hörspielereien, unterbrochen von düsteren (was sonst) Arien und bedeutungsschwangeren Versen. Das klappt im eröffnenden Prophecy im Grunde ganz annehmbar, man glaubt noch an eine Rock-Oper, aber im weiteren Verlauf versülzt "Nostradamus" zusehends.
Revelations ist zwar wagnerianisch angehaucht, dafür aber auch elend langweilig und die Akustikgitarre in der Mitte ist… nun ja. Selbst Drittligisten wie ICED EARTH klingen zuweilen spannender als War mitsamt seinem von Halford gemurmelten Rezitativteil.
Den Vogel schießt der ehemalige Leder-Robert in Pestilence And Plague ab. Da intoniert er den Refrain doch tatsächlich italienisch und klingt immer noch wie der Birminghamer der er nun mal ist. Zur Strafe läuten gleich anschließend in Death die Totenglocken. Ein zäher und peinvoller Tod, der sich über volle siebeneinhalb Minuten hinzieht. Im Booklet reitet auf der entsprechenden Textseite der Sensenmann auf einem Dinosaurier seines Weges. Tja, Mark Wilkinsons Kunstwerke waren schon immer Geschmackssache, die einen lieben Fishs Cover, für die Wilkinson fast durchgängig verantwortlich ist, die anderen finden seinen Nostradamus kindisch.
Es ist ein Trauerspiel, auf der gesamten ersten CD findet sich kein einziger Song mit einer Hookline, es gibt nichts woran man sich festhalten könnte, alles schwurbelt rechts rein und sogleich gegenüber wieder hinaus, weniger PRIEST waren PRIEST nie zuvor. Wenigstens im Schlussstück Persecution geht die Post ab und es bleibt die Hoffnung auf die zweite CD.
… über die es eigentlich nicht lohnt zu sprechen. Andrew Lloyd Webber findet sicher Gefallen an so viel Schwulst (New Beginnings zitiert zum allgemeinen Entsetzen aus dem "Phantom der Oper"), unsereinem zwirbelt es den letzten Aufnäher von der Jeansjacke. Don Airey ist völlig außer Kontrolle geraten und kleistert schlimmer denn je das an die späten QUEEN erinnernde Exiled zu, die Gitarren beschränken sich auf Wanderklampfe und zögerliche Mainstream-Soli, sogar Travis' Drumming ploppt nur wirkungslos.
Rob Halford versprach vollmundig das "unglaublichste und spektakulärste" Werk aller Zeiten - unglaublich ist es wohl, wenn Calm Before The Storm auch von den SCORPIONS stammen könnte, das Spektakel muss irgendwo verlegt worden sein.
Man muss kein Hellseher sein, um JUDAS PRIEST den baldigen Untergang vorherzusagen. An "Nostradamus" wird die Band entweder zerbrechen oder bei der Kurskorrektur auf der (vielleicht) in drei Jahren erscheinenden Nachfolge-CD endgültig jede Glaubwürdigkeit verlieren. Die wird dann nämlich härter als seinerzeit "Painkiller" daherwalzen und die Herren Musiker werden "Nostradamus" als einmalige künstlerische Erfahrung abhaken und "Painkiller 2" als beste und spektakulärste Scheibe aller Zeiten anpreisen. [Anm. Jogi: Was ich ehrlich gesagt auch nicht glaube, denn schon die letzte Veröffentlichung mit dem Titel "Angel Of Retribution" verursachte bei mir eine Art Morbus Crohn, und da kann man
bekanntlich nur die Symptome lindern]
Ist klar, die Faltencreme von Uschi Glas macht schließlich auch schön…
Halt! Ganz kurz vor Schluss gibt es mit dem Titeltrack dieses Machwerks und dem finalen Future Of Mankind beinahe noch zwei richtige PRIEST-Hämmer. Aber auch die werden weich geklopft.
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