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| Rocka Rolla & Sad Wings Of Destiny, Repertoire Records, 2012 (1974 & 1976) |
| Kenneth K.K. Downing | Guitars |
| Glenn Tipton | Guitars, Synthesizers, Vocals |
| Ian Hill | Bass |
| Rob Halford | Vocals, Harmonica |
| John Hinch, Alan Moore | Drums |
| Produziert von: Roger Bain ("Rocka Rolla"); Jeffrey Calvert, Max West, Judas Priest ("Sad Wings...") |
Länge: 42 Min 02 Sek & 39 Min 12 Sek |
Medium: CD |
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| "Rocka Rolla": | |
| 01. One For The Road | 07. Never Satisfied |
| 02. Rocka Rolla | 08. Run Of The Mill |
| 03. Winter | 09. Dying To Meet You |
| 04. Deep Freeze | 10. Caviar And Meths |
| 05. Winter Retreat | Bonus Track: |
| 06. Cheater | 11. Diamonds And Rust |
| "Sad Wings Of Destiny": | |
| 01. Victim Of Changes | 06. Tyrant |
| 02. The Ripper | 07. Genocide |
| 03. Dreamer Deceiver | 08. Epitaph |
| 04. Deceiver | 09. Island Of Domination |
| 05. Prelude | |
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Ich war und bin zugegebenermaßen kein Freund der neuen Welle des britischen Heavy Metal, obgleich man an der Ikone des NWoBHM, IRON MAIDEN, lange nichts aussetzen konnte - die machten einfach clevere Musik.
Anders die Herrschaften, um die es hier geht, die von allen Postillen einschließlich der unseren als eine der Bands, wenn nicht sogar die Gründer der Wave gehandelt werden. Schon erstaunlich, wie man da Leder, Nieten und Motorräder mit musikalischer Mittelmäßigkeit verknüpft hat, und Millionen Platten verkauft - nein, das ist nicht ironisch gemeint (naja, höchstens ein bisschen) - die Leistung gilt es anzuerkennen. Trotzdem, selbst die in der hohen Zeit des NWoBHM entstandenen PRIEST CDs -also etwa "British Steel", "Screaming For Vengeance" und "Painkiller" - sind eigentlich letztlich kaum etwas anderes als technisch aufgeblasener Standard-Rock, der verzweifelt die Bluesbasis zu verleugnen sucht und nicht ein Jota innovativ ist. Gut, muss er auch nicht - AC/DC sind's ja auch nicht - aber er ist eben auch nicht einfallsreich. Und das sollte er doch sein, war er angetreten, die mittlerweile müden Altvorderen kräftig in den Hintern zu treten.
Gut, lassen wir das, es geht ja hier um die beiden ersten Platten, "Rocka Rolla" - witziger Titel, tolles Cover; und das grafisch dann schon eher in den sich fürderhin entwickelnden Stil der Band passende "Sad Wings Of Destiny". Kann mir mal einer erklären, was die traurigen Flügel des Schicksals oder (für unsere Ohren noch schlimmer) der Vorsehung sind? Der Engel auf dem Cover, der bei genauem Hinsehen ein eher älterer Mann ist, der gerade aus seinem Tiefschlaf aufwacht und sich räkelt, hat zwei solche, schön gestylt und geschwungen, und ist dann folglich die Vorsehung? Tatsächlich - so sieht die aus? Hätte das denn nicht jemand dem Adolf sagen können, dann hätte er sich doch vielleicht von alleine aus dem Staub gemacht? Naja, die Teufelsgabel um den Hals, damit er immer was zu essen dabei hat, deutet ja auch auf eine gespaltene Persönlichkeit hin (Engel und Teufel zugleich?).
Schon gut - ist ja nur ein Cover. Aber wer es bis hier hin nicht gemerkt hat: der ideale Reviewer aus dem HoR-Team nahm sich also dieser beiden CDs, wiederveröffentlicht in gewohnt gutem Remastering, mit Klappcover und gutem Booklet des seine Rente aufbessernden Chris Welch an.
Und war sehr erstaunt (der Reviewer, nicht Welch). Denn was die Jungs hier ablieferten ist noch sehr bluesiger, sehr gut gemachter, sehr einfallsreicher (!) Hard Rock im Stil der Zeit. Übrigens, die erste CD, produziert von Roger Bain, fand damals auch ob ihres Mixes keinen Anklang; es heißt, die traurigen Flügel wären dann schon eher so, wie die Band es wollte. Nun, die Gitarren stehen mehr im Vordergrund und sind deutlicher und gewollt 'roher', und Halfords Performance ist akzentuierter - ein Erfolg des Remastering? Mit 'kein goßer Unterschied' sei angedeutet, dass hier noch immer Frühsiebziger-Sounds zu hören sind; noch kein Stadiongegröhl, Halldrums und Gitarrenwände. Allerdings tut das der Platte gut.
Wie auch immer, beide CDs beginnen mir mehr oder weniger interessanten Tracks, rocken gut vor sich hin; auf "Sad Wings" lassen sie allgemein Sänger Halford mehr von der Leine und er darf das eine oder andere Mal quiek…, screamen. Bei beiden Platten sind die Überraschungen in der Mitte versteckt.
Auf "Rocka Rolla" bietet die Band ein Triptychon zum Thema Winter an - Winter, Deep Freeze, Winter Retreat, das sogar im dritten Teil mit einer an CHICAGOs Terry Kath' Track Free From Guitar erinnert, ansonsten an BLACK SABBATH angelehnt ist und ein Soundgemälde malt, das einen frieren lässt. Erstaunlich. Run Of The Mill, das Highlight auf der Platte, hat was von Nuges Stranglehold in seinem Aufbau, Halford singt einen so klagenden Vocal, dass man unwillkürlich an ZAGER $ EVANS In the Year 2525 denken muss. Never Satisfied entwickelt sich schön monoton zum Klimax hin. Wirklich sehr gut, stimmungsvoll, gut gesungen - man traut es ihnen nicht zu. Und Dying To Meet ist gar eine wirklich schöne Ballade - man ist etwas an PINK FLOYD erinnert, ob man es glaubt oder nicht. Das war rückblickend ein wirklich guter Start, hatte viel vom US-amerikanischen Heavy Rock der Zeit (Terry Knights Zweitgewächs BLOODROCK klingt ebenfalls deutlich an) - schade, dass die Platte nicht den gewünschten Erfolg hatte.
Und auch auf "Sad Wings" ist dann gutes, erstaunlich starkes Songwriting angesagt. Schön, The Ripper ist natürlich textlich mit seinem Hohelied auf den berühmten Serienkiller mehr als albern, aber ein massiver Rocker, und bekommt als solcher schon ein Gütesiegel. Und da ist sie wieder - die Ballade: Dream Deceiver - erstaunlich; kalkuliert zwischen Emotion und Kälte, spannend und drohend.
Folgt ein zweites Triptychon (ja, ich weiß, der Begriff bezeichnet normalerweise etwas anderes) - Prelude, Tyrant und das purple-riffige Genocide. Zu einer Zeit, wo PURPLE mit "Come Taste The Band" in den Funk abgewandert war, ist das wohl ok. ZEPPELIN schwächelte nach "Presence" mit dem "The Song Remains The Same"-Aufguss, WHITESNAKE gab es noch nicht - ja, da kam so etwas sicher gerade richtig. Und sie trauen sich sogar, danach wieder eine warme Ballade einzustreuen, mit QUEEN-Chören und Pianobegleitung. Die "Night At The Opera" hatte die Königin '75 veröffentlicht, und "Day At The Races" eben in '76 - da kam auch ein Priester nicht an einigen Anleihen vorbei. Die Intro-Riffs auf Island Of Domination kommen dann auch von "Queen II" - der Marsch der schwarzen Königin lässt grüßen. Trotzdem - alles gut, denn sie intonieren ganz böse Riffs in der Mitte des Songs, so böse wie die Königin nie war.
Hats off to PRIEST muss man hier sagen - da war etwas in Kommen, ohne Zweifel. Dass mir das dann nicht gefiel, dafür kann der Priester nix, ist halt nicht meine Religion. Die beiden Messen hier, die kann man aber jederzeit besuchen. Amen.
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