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Restoration

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All Music Guide (englisch)

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Restoration
Kevin Bowe And The Okemah Prophets
Restoration, Orchard, 1999
Kevin Bowe Guitar, Vocal, Banjo, Harp
John Haga Drums, Percussion
Marv Gohman Mandolin, Vocal, Fiddel, 12 String Guitar
John Wright Bass, Vocal
Andy Dee Guitar, Vocal, Lap Steel, Sitar, 6 String Bass, Percussion
Produziert von: Brain Hanna, Kevin Bowe, Andy Dee Länge: 56 Min 43 Sek Medium: CD
1. Sault Ste. Marie9. Dead Letters
2. The Horrible Truth About Anne10. Jefferson Davis Parish
3. Sweeter World11. Which Way The Wind Blows
4. Leaving To Stay12. Living Proof
5. Sadly Mistaken13. Rest Of The World
6. The Heart Of Everything14. Goodbye Annabella
7. Lonesome Angel15. "Bonus Track"
8. Little Miss Rain

CDNOW und All Music Guide ordnen dieses Album unter "Rock" und "Rock/Pop" ein. Ich frage mich, ob das wirklich das Gelbe vom Ei ist. Es ist sehr ärgerlich für alle, die gerne melodiösen, rockigen Folk/Folkrock hören. Denn die o.g. Klassifikation weckt dann kein Interesse.
Der schwammige Begriff Gitarrenrock passt genauso wenig. Was ist denn Gitarrenrock? Wenn zwei Gitarren spielen? Sorry, aber was da mancher Rezensent der Presse, so manchmal in Ermangelung besserer Bezeichnungen oder wegen Faulheit oder mangels Sachverstand in die Welt setzt, ist schon schlimm. Einmal ist es eine britische Pubband, deren Gitarristen vier Akkorde spielen (können) und deren Auftritt mehr in Richtung Circus geht, mal ist es knalliger (Hard-)Rock, der dann auch so bezeichnet werden sollte. Das Verhängnisvolle ist, dass somit eine »Definition« verwendet wird, die eigentlich nichts spezifiziert, da jeder das darunter versteht, was er will. Ich lese das Wort immer wieder und kein einziges Mal hat es mir das Verständnis eines Artikels erleichtert. Im Gegenteil: Ich werde sofort misstrauisch und denke mir, ja ist dem nichts genaueres eingefallen?
Andererseits wäre diese CD nicht bei mir gelandet, wenn der ursprüngliche Käufer nicht durch die Beschreibung »Gitarrenrock« eine falsche Vorstellung bekommen hätte. Insofern muss ich beinahe dankbar sein, denn vielleicht hätte ich diese CD nie gehört und das würde mir schon leid tun.

Sault Ste. Marie, das Eröffnungslied, wird von Akustik und Mundharmonika eingeleitet, Drums kommen dazu, eine stählern-klingende und saubere E-Gitarre spielt eine kurze Melodie (mit etwas Vibrator), die Lap Steel ist dabei und die Stimme ist verhalten rau - das Ganze verhältnismäß schnell. Rock?? Pop?? Rock, wenn ich nur drei Stücke werte und Instrumente wie Lap Steel und Mandoline einfach ignoriere, hingegen Folkrock wenn ich genau und öfters hinhöre.
Und was für einer. Die Jungs wissen ganz genau, welche Rhythmen sie spielen müssen, damit die Hörer auf ihre Kosten kommen. Kompositorisch sehr ausgereift, hat jedes Lied seine Ideen, nicht zu viel, aber, bis auf einmal, nie zu wenig. Die Instrumente sind so abgemischt, dass immer nur das genau zu hören ist, was an dieser Stelle wichtig ist. Die anderen bilden einen differenzierten Klangteppich, der es manchmal nicht leicht macht, die Instrumente zu unterscheiden. Was aber nicht bedeutet, dass die Produktion nicht gut sei, im Gegenteil: Sauber und klar mit Power. Die Gitarren erinnern öfters an Tom Petty, welcher ja wiederum durch seine Rickenbacker immer wieder David Crosby und den Byrds ähnelt. Aber das hat für mich nichts mit kopieren zu tun. Dann wären sämtliche Instrumente tabu, weil alles schon mal da war. Fast. Also die Vergleiche bitte immer positiv sehen, sie dienen ja nur dazu, um Euch eine Idee meiner Eindrücke zu geben.

Kommen wir zur Nummer Zwei: Durch den Klang der begleitenden E-Gitarre (zeitweise auch verzerrt mit Sustain), abwechselnd die Akkorde angeschlagen, dann die Saiten einzeln gezupft, gibt es Ähnlichkeiten zu Tom Petty (und damit den Byrds). The Horrible Truth About Anne groovt rockig dahin, ist für diese Formation so nahe am Rock wie möglich.

Damit der Hörer nicht überlastet wird, schaltet die Band bei Sweeter World einen Gang zurück. Erst beim Nachhören fällt mir auf, dass eine E-Gitarre abgedämpft mitschrubbt - immer nur in der zweiten Hälfte der Strophe. Von der Lap Steel hören wir ein melodiöses Solo, beim Refrain wird durch einen angetäuschten und dann ungewohnten Akkordwechsel "Verwirrung gestiftet", wer selbst Musik macht, versteht sofort, was ich meine (beim Hören natürlich).

Einen Hauch Keith Richards höre ich in Leaving To Stay, im Rhythmus kommt es Angie nahe, um den Faden noch ein Stückchen weiterzuspinnen. Aber dann enden die Ähnlichkeiten, denn das Solo ist typisch melodisch für die Okemah Prophets. In der Begleitung hat die Lap Steel das Tremolo eingeschaltet, im Solo dann nicht mehr. So entstehen ein paar sehr schöne Effekte. Eine elektrische Lead kommt während der letzten Takte auch zum Einsatz.

Wieder so eine Tom Petty Einleitung höre ich bei Sadly Mistaken, im Refrain darf die Gitarre mal "hart" werden - schrubbt sauber los und führt zum harten Leadsolo. Sehr schön. Kommt da der Ärger durch, weil er schon wieder missverstanden worden ist?

Erst nickt der Kopf, dann kommt der linke, dann der rechte Fuß dazu, nach zwanzig Sekunden wippt der ganze Körper, vor allem bei den Breaks im Refrain. So lasse ich mir The Heart Of Everything gefallen. In der dritten Strophe schleicht sich die Mandoline ein, darf dann auch ein Solo spielen. Apropos wippen, eigentlich müsste ich von den Stellen schreiben, wenn sich bei mir nichts rührt. Aber die sind so selten, dass damit kein Artikel zustande käme.

Nur nicht übertreiben, sagte sich Kevin und setzte Lonesome Angel nach die schnellen Lieder. Eine Ballade begleitet von der Akustik, der Lap Steel und der Mandoline, mit rauer Stimme gesungen. Ob er damit den einsamen Engel davon überzeugen kann, zu ihm zu kommen? Naja, etwas hypnotisch kommt das Lied schon daher. Und wenn die Akustik ganz sanft unter dem Steel-Solo schrubbt, mag das so einige Engel überzeugen.

Little Miss Rain, ist mittelschnell, ist nicht ganz so gut, fällt leicht ab. Die kleinen, brillanten Arrangement-Einfälle der anderen Songs sind hier nicht ganz so gelungen. Der Klang der E-Gitarre gleicht dem der alten Vox des seeligen Rory.
Und es bleibt dabei: Unter all den Klassesongs, ist nur dieser etwas zurück, ist aber beileibe nicht schlecht. Von Ausfall zu sprechen, wäre übertrieben, aber er ist nicht so überzeugend.

Und wieder erinnern die Gitarren an die Byrds. Es beginnt die hohe Zeit der Fiddle, die ab Dead Letters" (sent to myself) mehr die Soloparts übernimmt.
Gitarre, Banjo und Drums (auf 1) leiten Jefferson Davis Parish ein: Harmoniegesang, Fiddle im ersten Solo und Steel Guitar im zweiten. Da ist er wieder, dieser relaxte, swingende Groove, der voll in die Beine geht. Aber nie langweilig, weil die Breakpassage jede Strophe einleitet. Während des Fiddlesolos gibt es abwechlungsreiche Akkordwechsel (für die Grammatik einen zu viel :o), die Steel übernimmt das Hinausspielen.

Die Akustik begleitet Kevin Bowes Stimme bei Which Way The Wind Blows, die Fiddle füllt die Pausen zwischen den Strophen. Ein Ohrwurm-Refrain ist "I know which way the wind blows", lässt mich sofort mitsummen und -singen. Eine einfache, schöne Ballade.

Wir kehren zur schnelleren Abteilung zurück. Living Proof entwickelt sich zum Mitwipplied, wobei der Rhythmus immer wieder unterbrochen wird, bevor der Swing dann zurückkommt.
Rockig wird es bei Rest Of The World (eine echte Rock'n'Roll-Gitarre), ein leicht verzerrtes Solo und rauerer Gesang. Ein echter Fetzer.
Die Ballade Goodbye Annabella beendet die offzielle CD. Sie beginnt mit einer warmen E-Gitarre im Blues-Begleit-Stil. Die sehr schöne Melodie wird von der Steel umspielt. Dies ist ein würdiger Abschluss eines überdurchschnittlichen Albums.
Es bleibt die Frage offen, ob die Musik auch über längere Zeit ihre Faszination behalten wird. Nun, only time will tell.
Der sogenannte Bonus Track, der nicht aufgeführt ist, läßt uns beim Üben Mäuschen spielen. Muss ich nicht jedes Mal hören, eigentlich gar nicht mehr.

Der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt, bei welchen Songs Kevin Bowe beteiligt ist:
Peter Case - Flying Saucer Blues
Deborah Coleman - Soft Place to Fall
Shannon Curfman - Loud Guitars Big Suspicions
Gathering Field - Reliance
Jonny Lang - Lie to Me / Wander This World
The Revelators - Blackie Ford's Revenge
Kenny Wayne Shepherd - Ledbetter Heights
Quelle: All Music Guide

Werner Saumweber, (Impressum, Artikelliste), 11.03.2001

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