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Kickhunter

All In

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AFM Records
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All Music Guide (englisch)

Unser Disclaimer
All In
All In, AFM Records, 2010
Jörg "JC" Wesenberg Vocals
Melanie Black & Ela Vocals
Stefan Aurel Guitar
Rollie Feldmann Guitar
Ansas Strehlow Hammond
Markus Großkopf Bass
Karsten Kreppert Drums
Gäste:
Axel Mackenrott Keyboards
Jan S. Eckert Bass
Herman Frank Guitar (Check's In The Mail)
Pascal Kravetz Hammond B3, Piano
Produziert von: Dennis Ward & Stefan Aurel Länge: 54 Min 13 Sek Medium: CD
1. Mine All Mine7. Check's In The Mail
2. Revolution8. Boogie Town
3. Another Tear9. Deep In My Heart
4. Feels Like Home10. Call Me
5. All In11. Ocean
6. Shy Shy Shy

Jetzt aber. Mit der dritten CD sollte sich bei KICKHUNTER endlich was tun, sonst wird die Sache entweder versanden oder die Hamburger werden auf Dauer nur ein Gaudiprojekt mit diesem Namen nebenher laufen lassen. Für beides, Hopp oder Flop, gibt es Argumente. Zum Beispiel: Kann man heutzutage Hard Rock und Boogie so erfolgreich betreiben, dass mehr als der dafür fällige Spaß für die Musiker und ein paar Fans herausspringt? Oder: Haben diese Typen überhaupt Zeit für mehr als ein paar Zwischendurch-Gigs und ab und an eine Platte? Andererseits führen die Nachbarn aus St. Pauli, OHRENFEINDT, seit Jahren vor, dass kernigster Rock & Roll bestens funktioniert. Sogar in deutscher Sprache; da wäre KICKHUNTER deutlich internationaler aufgestellt. Und: Mit der dritten Plattenfirma bei der dritten CD wäre nun endlich eine halbwegs bekannte Marke am Start. Prompt wird bereits jetzt eine Tour durch Amerika und eine neue CD für 2011 annonciert, die bei SKYNYRDs Rick Medlocke aufgenommen werden soll. Wusste jemand, dass der ein Studio betreibt?
Das beste Argument pro Durchstarten dürfte aber sein, dass KICKHUNTER eine so gute Truppe ist, dass jedes weitere Verharren auf dem Status quo der Nebenbeiband vergeudetes Talent bedeuten würde.
Männer, nehmt "All In" als Anlass, endlich amtlich durch die Gegend zu rocken - und zwar lieber in Germany als irgendwo in U.S.-Saloons, denn so richtig nach der ganz großen weiten Welt werdet Ihr nie klingen.
Nebenbei bemerkt klang und klingt HELLOWEEN auch nicht nach Tokio oder Castle Donington, eher nach einer durch Zufall zu Weltruhm gekommenen teutonischen Version von SPINAL TAP. Aber das geht nun schon seit mehr als 25 Jahren ganz gut, warum also sollten KICKHUNTER mitsamt dem Großbassisten Markus Grosskopf nicht auch ein wenig herumprotzen und den dicken Rocker mimen?

Was hat sich auf "All In" im Vergleich zu "Hearts & Bones" (2003) oder "Little Monsters" von 2007 getan?
Grundsätzlich nicht besonders viel, es ist immer noch Goodtime-Hardrock'n'Roll für ein eigentlich völlig überaltertes Publikum. Bis auf die Quotenballaden Deep In My Heart und Ocean sowie das sinnfrei auf modern getrimmte Another Tear ist das neue Material die perfekte Ergänzung des bisherigen Repertoires. Was stünde nun noch den zweistündigen Vollgas-Shows in den hiesigen Clubs im Wege?
Auf keinen Fall eine lässig eingestreute Version von BLONDIEs Call Me, das von Melanie Black extrem schön gesungen und von der Band perfekt gespielt wird. Auch nicht das VICTORY-Cover Check's In The Mail, ebenfalls von Melanie Black gesungen und von Herman Frank an der Gitarre unterstützt (übrigens im typischen Frank-Overdrive-Stil, der dem von HATCHETs Bobby Ingram nicht unähnlich ist). Beides also Kandidaten für die Liveshows.

Es wird negative Stimmen zu "All In" geben, das ist klar. Die Metal-Fraktion wird fehlende Härte reklamieren, die Dauernörgler werden auf die ach so bedeutungslosen Deppen von QUO verweisen (Shy, Shy, Shy, wahrlich ein vollfetter Boogie), die ganz steifhüftigen Kollegen werden die Hammond-Orgeleien und die Funk-Parts hassen. Nichts davon, nun ja, beinahe nichts davon ist ernst zu nehmen, denn bis auf ein paar allzu gefällige Passagen ist "All In" ein Album, dem man den Bock auf Rock in jedem Moment anhört.
Provinziell? Mag sein. Aber ein Basssolo wie am Ortsschild zur Boogie Town soll mal einer der Nörgler auf einem anderen Album finden. Und die Double-Leads und die Hammond danach dann bitteschön auch. Das hier ist breitbeiniger Bratz-Rock'n'Roll von der Sorte wie ihn auch heute noch viele Leute lieben (oder lieben würden, bekämen sie ihn live zu sehen). Für die Revolution wird es natürlich nicht reichen, aber die selbstironische Auflösung dazu kann man sich als Video bei MySpace ansehen. Zur Double-Bass gibt es ein herrliches Scharmützel zwischen Orgel (das muss Kravetz Jr. sein) und Gitarren. So muss das sein.

KICKHUNTER ist und bleibt eine Zielgruppenband ohne Aussicht auf grenzüberschreitenden Erfolg. Es ist aber eine überaus treue Zielgruppe, wenn sie erstmal erobert ist. Wer seit 30 und mehr Jahren AC/DC, HUMBLE PIE, PURPLE und all die anderen Hardrocker hört, wird erstens nicht mehr umschwenken und zweitens "All In" mögen.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 18.07.2010


 
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