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King Kobra

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Frontiers Records
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King Kobra
King Kobra, Frontiers Records, 2011
Paul Shortino Vocals
David Michael-Philips Guitar
Mick Sweda Guitar
Johnny Rod Bass
Carmine Appice Drums
Länge: 51 Min 53 Sek Medium: CD
1. Rock This House7. We Got A Fever
2. Turn Up The Good Times8. Top Of The World
3. Live Forever9. You Make It Easy
4. Tear Down The Walls10. Crying Turns To Rain
5. This Is How We Roll11. Screamin' For More
6. Midnight Woman12. Fade Away

Warum Carmine Appice neben all seinen anderen Geschichten nun ausgerechnet KING KOBRA wiederbelebt, bitte, es sei ihm überlassen. Vielleicht fühlt er sich seinen früheren Kollegen verpflichtet und möchte ihnen ein wenig Kleingeld zukommen lassen, denn wie man in alten Interviews lesen kann, verdiente außer dem Chef in den schwer von Haarspraydämpfen verseuchten 80ern kein Mitmusiker mehr als $150 die Woche. Wie auch, die Verkaufszahlen waren nicht ausreichend für die Billboard-Charts und die Bühnenkarriere beschränkte sich auf Opening-Slots für die wirklich großen Metal-Poser - da half auch das an und für sich gute Debut "Ready To Strike" nichts, KING KOBRA war eine Totgeburt, RATT, POISON, GREAT WHITE oder wie sie alle hießen hatten einfach die besseren Argumente sprich Songs am Start und vor allem keinen von einem seriösen Lebenslauf als Schlagzeuger von CACTUS, VANILLA FUDGE oder Rod Stewart vorbelasteten Bandleader. Der Mann ging 1985 stramm auf die 40 zu und sah als Glam-Pudel einfach doof aus.
Schlimm genug, dass man sich als Modekapelle verdingte, aber nach dem ersten Flop beugte sich Appice dem Druck der Plattenfirma und spielte mit "Thrill Of A Lifetime" ein nachgerade scheußliches AOR-Mainstream-Machwerk ein, das so pappsüß wie FOREIGNER und STARSHIP zusammen in den schlimmsten Momenten war. Ein Kalauer der Rockhistorie ist, dass auf dem dritten und für lange Zeit letzten Album von KING KOBRA ein gewisser Johnny Edwards sang. Drei Jahre später, 1991, reüssierte der bei eben jenen FOREIGNER auf dem guten aber untergegangenen Album "Unusual Heat". Nur nebenbei erwähnt: "King Kobra III" war für 1988 richtig gut.
Mark Free, der ursprüngliche Sänger, ist längst zur Frau evolviert und hat kürzlich mit UNRULY CHILD ein weiteres gut anhörbares Album veröffentlicht, Johnny Edwards betätigt sich als Umwelt- und Friedensaktivist, Kelly Keeling vom teilweise bizarr auf WHITESNAKE polierten aber ansonsten ganz netten Kurzeit-Comeback "Hollywood Trash" (2001) hat wichtigere Dinge zu tun (unter anderem sammelt er Geld für autistische Kinder), also blieb Appice nur der neuerliche Griff in die Sänger-Schublade. Heraus kam, welch Überraschung, Paul Shortino. Der hatte nicht nur seinen Auftritt als Duke Fame in "This Is Spinal Tap", er war auch irgendwie immer so eine halbberühmte Nummer im Worldwide-Metal-Circus. Alle Welt bezeichnet ihn seit 30 Jahren als herausragenden Sänger, bloß seine Scheiben mit ROUGH CUTT wollte kein Aas kaufen. Jetzt ist Shortino auch schon 57 und hat sich sicher über Carmines Anruf gefreut. Aber muss man sich als Konsument über ein weiteres KING-KOBRA-Album freuen?

Es ist anzunehmen, dass viele Kritiker dem Schema "King Kobra = Carmine Appice = Hairmetal = 80er = Schwanzrock = so'n bisschen legendär = auf jeden Fall Kult" folgen werden. Fakt ist, dass K.K. weder Legende noch kultig ist, die Band war halt einfach irgendwann ungefragt da und hatte ansonsten keinen tieferen Sinn und Einfluss. Wenn man bedenkt, welche Songs Carmine Appice im Laufe seines Musikerlebens geschrieben hat, bleiben die von KING KOBRA allenfalls eine Fußnote. Da gab es Let Me Swim für und mit CACTUS, Da Ya Think I'm Sexy und Young Turks für Rod Stewart, Good Good Livin' mit FUDGE und säckeweise weitere Rock & Roll-Höhepunkte. Nur KING KOBRA und später BLUE MURDER, die Band von John Sykes, blieben seltsam unbeleckt vom Songwritingtalent des Powerhouse-Showdrummer.
Manchmal im Verlauf von "King Kobra" meint man, dass der frühere schlechte Eindruck zu revidieren wäre, doch dann kommen so vollkommen überflüssige Schmachtfetzen wie Live Forever, die Shortino ähnlich routiniert wie Kollege Soto einfach mal so wegsingt. Gnadenlos langweilige Stampfer wie Midnight Woman veredelt Paule zwar durchaus, aber außer seiner angenehmen Stimme bleibt nur ein aufdringlicher Chorus im Ohr hängen. Und ein Sound, der verblüffend muffig nach 1985 klingt. Da hat jemand so lange Daten komprimiert, bis alles in die kleine MP3-Schachtel gepasst hat. Dabei hätten Nummern wie We Got A Fever eine bessere Behandlung verdient, hier groovt und schiebt die Sache nämlich erheblich. Na ja, wenigstens bis zum genudelten Solo in der Mitte. Apropos Nudelsolo, David Michael-Philips aka David Henzerling beweist ein paar Mal zu oft, wie gut er es kann.
Einigen Songs kann man einen gewissen Hit-Appeal nicht absprechen, zum Beispiel Top Of The World wäre auf der ersten LP sicher eine potentielle Single gewesen. Simpel gestrickt, aber wirkungsvoll. Noch simpler sind Balladen wie Crying Turns To Rain. Junge, Junge, bei solchen Schmachtfetzen droht sintflutartiger Tränenregen. Allerdings kräht Shorti beinahe so bewegend wie einst Dan McCafferty von NAZARETH.
Einen Treter wie Screamin' For More kann man bedenkenlos durchwinken, hier funktioniert die Riffmaschine in Verbindung mit Appices Dauerfeuer prima, auch Rock This House vermittelt die korrekte Botschaft und Turn Up The Good Times krawummt altmodisch aber passabel daher.

Mit besserem Sound und ein paar mehr guten Songs wäre "King Kobra" ein (Achtung!) besseres Album geworden. Aber richtig schlecht ist es auch wieder nicht. Die Zielgruppe für 80ies-Schmonzetten wie Live Forever und gefakte Liveaufnahmen wie This Is How We Roll dürfte nur inzwischen ziemlich schmal sein. Dabei rollt die Kobra zwischendurch astrein.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 07.04.2011


 
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