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| Number One, Mausoleum Records, San Juan Music/Music Avenue, 2005 |
| Carmine Appice |
Drums, Percussion, Background Vocals |
| David Michael-Philips |
Lead & Rhythm Guitar, Bass, Background Vocals, Synthesizer |
| Johnny Edwards |
Lead Vocals |
| Jeff Northrup |
Lead & Rhythm Guitar, Background Vocals |
| Mark Free |
Lead & Background Vocals |
| Lonnie Vincent |
Bass, Background Vocals |
| Mick Sweda |
Lead & Rhythm Guitar, Background Vocals, Synthesizer |
| Marq Torien |
Lead & Background Vocals |
| Earl Slick |
Guitars |
| Johnny Rod |
Bass |
| Produziert von: Carmine Appice |
Länge: 63 Min 01 Sek |
Medium: CD |
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| 1. Mean Street Machine | 7. Lonely Nights |
| 2. Fool In The Rain | 8. Redline |
| 3. Young Hearts Survive | 9. Perfect Crime |
| 4. Your Love's A Sin | 10. Overnite Love Affair |
| 5. Number One | 11. Poor Boy (You Are My Life) |
| 6. Walls Of Silence | |
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Ihre Mißachtung in Downtown Munich hatten sich Bands wie KING KOBRA in den 80er Jahren ausschließlich selbst zu verdanken. Jeans, T-Shirt und Turnschuhe bzw. Cowboystiefel waren Dresscode in ordentlichen Rockerkreisen, doch plötzlich kamen haufenweise Pussys mit blondierten Explosionsfrisuren und schaurigen Spandexhosen, vorwiegend aus L.A., und die meisten von ihnen waren auch noch geschminkt. Die damals aktuellen Musikzeitungen barsten geradezu vor lauter posenden Typen, von denen man oftmals nicht wußte, ob sie die Worte Rock & Roll und Gitarre überhaupt kannten. Aber Plattenverträge haben sie alle gekriegt und die besten Produzenten haben ihnen aufgeblasene Sounds auf die Platten gepreßt, irgendwelche Songwriter schrieben eine Ballade, bei der die - selbstredend blondierten - Mädels ihre Miniröcke zurechtlüpften und in den Videos kamen auf jeden "Musiker" mindestens drei zum Äußersten bereite Topmodels. Ne, das war nix für uns, wir hatten zum Glück unsere ehrlichen Rockschweine wie AC/DC und Co. und waren außerdem immer noch auf Entdeckungsreise in den Siebzigern, denn es gab noch so viele rare LPs von den Urvätern der lauten Unterhaltungsmusik zu entdecken, das für solchen Schnickschnack wirklich keine Zeit war. Überdies kam Rory Gallagher fast jedes Jahr auf Tour und der hätte sich lieber ein Bein abgeschnitten, als sich so lächerlich zu verkleiden.
Eine meiner Lieblingsbands war damals (und bis heute) CACTUS. Haha, möge der den Finger heben, der nicht beim Bad Mother Boogie headbangend durchs Zimmer rennt. Deren Schlagzeuger war Carmine Appice, dem ich im letzten Jahr mit den reformierten VANILLA FUDGE die Hand schütteln durfte (und sie danach fast tagelang nicht gewaschen habe). CACTUS waren in den Achtzigern natürlich längst Geschichte, doch ausgerechnet dieser integere Herr Appice reüssierte 1983 mit einer Bande der oben angesprochenen Fashiondeppen als KING KOBRA. In jeder Zeitung war Monat für Monat die neueste Umbesetzung zu lesen, unendliche Wundertaten wurden angekündigt, Tourneen im Vorprogramm von etlichen Hardrock-Superstars passierten in Amerika, doch bei uns kam etwa 1985 nur ein relativ lauwarmes Plättchen namens "Ready To Strike" an, das alle Vorbehalte gegen diese Art von Glammetal bestätigte. Ab diesem Moment waren KING KOBRA durch und nur noch irgendwo im Hinterkopf als vernachlässigenswerte Randerscheinung präsent.
Mehr als zwanzig Jahre später kommt nun diese Compilation daher und man bekommt nicht nur vier verschiedene Line-Ups der Band geboten, sondern auch einen Eindruck dessen, was Carmine Appice damals eigentlich wirklich machte, außer sich ständig um neue Musiker für seine Kapelle zu bemühen - etliche reichlich ordentliche Songs schreiben nämlich.
Leider muß man sich relativ mühsam die Entstehungsjahre der einzelnen Songs aus dem Booklettext herausrecherchieren, hier wären ein paar mehr erläuternde Daten hilfreich gewesen, genau wie eine chronologische Playlist. Ansonsten ist der Klappentext, wie bei Mausoleum Records gewohnt, von Chef Alfie Falckenbach recht informativ zusammengestellt.
"Number One" ist vor einigen Jahren bereits unter dem Namen "The Lost Years" erschienen, dürfte aber kaum für Aufsehen gesorgt haben. Insofern macht der neuerliche Release bei Mausoleum Sinn. Speziell, weil zu allem Überfluß auch noch die Musik fast durchgehend richtig geil ist. Abbitte an dieser Stelle an alle regelmäßigen Besucher des Gard Haarstudios: Einige von Euch sind echte Rocker!
Die erste Inkarnation 1983 dürfte die mit Kult- und Dauerverlierer Earl Slick gewesen sein. Drei Demos davon sind enthalten und es handelt sich um puren Seventies-Hardrock'n'Roll mit typischen Slick-Gitarren, speziell bei Overnite Love Affair um puren und gelungenen Diebstahl bei anderen Heroen, und um einen Sänger namens Mark Free, der den Spagat zwischen Paul Rodgers und Dan McCafferty perfekt beherrschte. Tolle Musik, aber leider bereits 1983 völlig retro und deswegen kommerziell zum Scheitern verurteilt.
Weiterhin mit Mark Free am Mikro, aber mit zwei Gitarristen als Ersatz für Slick und einem neuen Basser für den zu W.A.S.P. abgewanderten Johnny Rod, entstanden nach den beiden offiziellen LPs "Ready To Strike" und "Thrill Of A Lifetime" zwei Demos namens Young Heart's Survive und Lonely Nights. Der Majordeal fürs erste Album und der Zeitgeist hatten Spuren hinterlassen, es kam nur warme Luft dabei heraus und Free haute danach in den Sack und ging. Sein kurzzeitiger Nachfolger war Marq Torien, der hier nur mit dem Mainstream-Heavyrocker Your Love's A Sin vertreten ist. Torien nahm Gitarrist Mick Sweda und Bassist Lonnie Vincent kurz danach mit zur halbwegs erfolgreichen Poserband BULLETBOYS.
Übrig blieben Appice und Gitarrist David Michael-Philips, die sich die Reste der Möchtegern-Superstars NORTHRUP, nämlich Namensgeber Jeff Northrup als zweiten Gitarristen, Larry Hart am Bass und Johnny Edwards als Sänger schnappten und einen Schritt zurück zum traditionellen Hardrock machten. Es muß etwa 1987 gewesen sein und die Zeit war noch nicht ganz reif für die Wiederkehr dieser Musik. Und gegen die gerade in Mode gekommenen GUNS N' ROSES hatten so altbackene Kerle wie Appice ohnehin keine Chance.
Die auf "Number One" vertretenen fünf Songs mit Johnny Edwards als Sänger sind allesamt ordentlicher Hardrock, natürlich geprägt von den Achtzigern, aber nicht versaubeutelt durch zeitgeistige Produktionsattacken mit Synthesizern und sonstigen damals üblichen Dummheiten. In dieser Besetzung entstand auch das dritte und letzte Album der Band und ging völlig im Strudel des wahnwitzigen Veröffentlichungsoverkills im Sog der Gunners unter.
Johnny Edwards war 1991 als Nachfolger von Lou Gramm bei FOREIGNER auf der guten Platte "Unusual Heat" zu hören, fast alle anderen ehemaligen KING KOBRA Mitglieder tauchten in irgendwelchen Bands auf und Carmine Appice hat sich bis heute zurecht seinen Status als Superdrummer erhalten. Er ist ist natürlich ein Haudrauf, kann aber - wie wenige andere Schlagzeuger - Songs kreieren und lieferte 2004 neben seiner Tour mit VANILLA FUDGE auch das astreine Album "It Takes A Lot Of Balls" mit Pat Travers ab.
"Number One" ist eine gute Compilation.
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