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| This Old Road, New West Records/Blue Rose Records, 2006 |
| Kris Kristofferson |
Vocal, Guitar, Harmonica |
| Stephen Bruton |
Guitar, Mandolin, Harmony Vocals |
| Jim Keltner |
Drums |
| Don Was |
Acoustic Bass, Piano |
| Produziert von: Don Was |
Länge: 37 Min 23 Sek |
Medium: CD |
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| 1. This Old Road | 7. Chase The Feeling |
| 2. Pilgrim's Progress | 8. Holy Creation |
| 3. The Last Thing To Go | 9. The Show Goes On |
| 4. Wild American | 10. Thank You For A Life |
| 5. In The News | 11. Final Attraction |
| 6. The Burden Of Freedom | |
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Musik braucht Helden. Amerika auch. Und unglücklicherweise Deutschland ebenso. Die besten Helden sind tot oder wenigstens kurz davor, haben ein atemberaubend spannendes Leben gehabt oder eine Affäre mit Marilyn Monroe. Exzesse, Skandale und Tragödien sind ein zwingendes Muss, die Wandlung vom Saulus zur Mutter Theresa geht einher mit medialer Zustimmung und dem Segen eines geachteten Spitzenpolitikers (der sich bei der Gelegenheit als Haschischraucher des Jahres 1969 outet - und zutiefst bereut) und nach dem hoffentlich baldigen Ableben der Ikone werden geheuchelte Nachrufe zu geheuchelten Büchern und Filmen zusammengefasst und die den Nachlass verwaltende Firma macht die nächsten Jahrzehnte mehr Cash als zu Lebzeiten des sperrigen Superstars.
Talking about Cash. Gleichnamiger Johnny ist so ein amerikanischer, ach was, globaler Held. Aber er ist nicht alleine. Neben ihm gibt es Waylon Jennings, Willie Nelson und Kris Kristofferson. So ein Zufall, dass genau diese vier als THE HIGHWAYMEN für ein paar Jahre gemeinsam Musik machten. Johnny Cash hatte danach seine späte Wiedergeburt unter der Führung von Rick Rubin, die anderen blieben was sie waren - Kämpfer. Waylon verabschiedete sich 2002, Willie erklärte im gleichen Jahr in einem Interview auf die Frage was denn Outlaw-Gerechtigkeit sei: "Eine Art von Kommunismus... du bedienst dich bei anderen Menschen. Im Gegenzug besitzt du nichts, das du nicht herzugeben bereit wärst". Kris Kristofferson schwieg über ein Jahrzehnt und machte ein paar Filme. Jetzt spricht er wieder und fragt "Am I young enough to believe in revolution" und man möchte brüllen JA, verdammt noch mal, ICH glaube dran und bin jung und alt genug, aber wer von Euch Schlappschwänzen macht mit?
Bitte, wer Kris Kristofferson nicht kennt, mag sich gefälligst selbst schlau machen. Jedes einschlägige Lexikon bietet Stoff genug, für den Einstieg seien das All Music Guide und das All Movie Guide empfohlen. Wer ihn als Rubber Duck in "Convoy" und als Billy the Kid in "Pat Garrett and Billy the Kid" nicht unfassbar cool fand (und Ali MacGraw nicht unfassbar schön), wer Me And Bobby McGee nicht in seinen All-Time-Hits stehen hat, wer hinter den teilweise himmelschreiend seichten Seventies-Popsongs nicht den augenzwinkernden Saukerl entdeckt, der wird mit dem siebzigjährigen K.K. auch nichts mehr anfangen können. Schade drum, möglicherweise lief in der Jugend was schief...
"This Old Road" heißt die Platte von Kris Kristofferson und sie ist natürlich kein "American Recording", eher ein "Living Room Recording". Kristoffersons Rubin heißt Don Was (auch hier: lest selbst nach, der Mann ist seine eigene Legende) und der hat es geschafft, die CD in jeder Sekunde nach "dreh dich nicht um, hinter dir steht Kristofferson" klingen zu lassen. Nicht ein halbes Bit zu viel Studiotechnik, nicht eine Viertelnote zu viel Begleitung, nur das körperliche Gefühl, neben sich eine Bandmaschine arbeiten zu sehen, und im Kontrollraum, hinter den Glasscheiben, einen vor Glück weinenden Produzenten. Nicht vielen Menschen dürfte es vergönnt sein, bei der Aufnahme solcher Lieder zugegen zu sein.
"We used to talk about the Rock and the Roll", Stephen Bruton und Kristofferson rocken um die Wette und entfachen einen akustischen Heavy Metal Lagerfeuerbrand, dass jede Pose sämtlicher Gitarristen der letzten 40 Jahre arm wirkt. Jim Keltner klopft ab und an ein wenig Schlagzeug, das aber so intensiv, dass man für den Rest der CD seinen Groove imaginär hört, Don Was selbst tupft das Piano und einen leisen Bass, Kristofferson erzählt dazu seine Geschichten und macht ein paar ungelenke Fehler auf seiner Gitarre. Ja und? Er nennt die Namen SEINER Helden, sagt SEINE Wahrheiten, bedankt sich und zeigt mit dem Finger auf die Sachen die ihn stören. Und er hat, trotz aller Ernsthaftigkeit, ohne Zweifel Spaß.
Es ist ein schlimmes Wort, wenn im Zusammenhang mit dieser CD von Altersweisheit gesprochen wird. Das klingt nach angehendem Heldentum und Nachrufen. Es hat auch nichts mit Altersweisheit zu tun, wenn Kris skandiert "Watch your back, boy, they'll kill you if they can" und die letzten der Spezies Wild American besingt. Es ist die elende Wahrheit.
"This Old Road" ist ein unabsichtlicher Geniestreich und wird für immer in meine kurze Liste der besten nichtelektrischen Schallplatten eingehen. Dieses Mal stimme ich ausnahmsweise mit dem amerikanischen Rolling Stone überein, nur haben die nicht erfasst, dass Kris Kristofferson schon immer großartig war. Am Schluss rufen solche Zeitungen jetzt noch einen riesigen Hype aus...
Was für ein cooler Mann. Und er lebt! Wird wohl noch nix mit der großen Kohle für die Verweser.
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