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Laidlaw

Laidlaw &
The Foam Box Sessions

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Laidlaw
The Foam Box Sessions
Laidlaw & The Foam Box Sessions, Yessir Records, 2003 & 2006
"Laidlaw":
Joey Pantera Vocals
Craig DeFalco Guitars & Vocals
Buzzy James Slide Guitar & Vocals
Garry Nutt Bass
Darrell Millar Drums
Gäste:  
Carol Chase Lead & Background Vocals (Never Been Any Reason & Ode To Ronnie)
Steve Sturm Steel Guitar (Everything's Gonna Be Alright & This Must Be Love)
Brian Joseph Dobbs Percussion
Michael Anthony Background Vocals (Never Been Any Reason & This Must Be Love)
Stephanie Rose Background Vocals (Ode To Ronnie)
Produziert von: Brian Joseph Dobbs, Craig DeFalco & Buzzy James Länge: 45 Min 02 Sek Medium: CD
"The Foam Box Sessions":
Robbie Locke Vocals
Craig DeFalco Guitar, Bass & Vocals
Briann Huffman Lead Guitar, Harmonica & Vocals
Eric Jarvis Bass, Guitar, B-3 Organ & Vocals
Greg Hokanson Drums & Vocals
Produziert von: Joe Hardy & Craig DeFalco Länge: 45 Min 02 Sek Medium: CD
"Laidlaw":
1. Intro7. Bag Full Of Pills
2. Are You Living Your Dream8. Fly Away
3. 5 Knuckle Shuffle9. Ode To Ronnie (Lynyrd Skynyrd Tribute)
4. Everything's Gonna Be Alright10. Brings My Baby Down
5. Something To Say11. This Must Be Love
6. Never Been Any Reason
"The Foam Box Sessions":
1. Intro7. Sunshine Woman
2. Revolution Is Coming8. Austin City Wendy
3. Let Your Love Light Shine9. Nascar Superstar
4. Open Up Your Mind10. Are You Living Your Dream
5. Swan Song (Tribute To Led Zeppelin)11. Down So Long
6. War Machine12. A Little Time

LAIDLAW waren bisher nicht die personifizierte Verlässlichkeit. Dem wunderbar entspannt rockenden und von uns hochgelobten Debut von 1998 folgte erst 2003 der, gelinde gesagt, überraschende Nachfolger, mit einer für Rocker eher durchwachsenen (New) Country-Southern-Melange, die geradezu nach massiver innerbetrieblicher Misslaune roch und nach dem von MÖTLEY CRÜEs Nikki Sixx produzierten Knacke-Erstling zu einem kommerziellen Desaster führen musste. To rock for country, to bored for rock. So falsch wie dieser Satz klang auch das Zweitwerk "Laidlaw".
Danach war Schluss. Die Band wurde komplett umbesetzt, lag auf Eis, bis Gitarrist Craig DeFalco, der sich entgegen anderslautenden Meinungen als Chef herausgestellt hatte, mit komplett neuer Besetzung irgendwann im letzten Jahr neu startete und 12 Songs einspielte. Das Ergebnis liegt seit einiger Zeit als "The Foam Box Sessions" vor. Schaut man heute auf die Homepage der Band, kann man keine News entdecken, dafür den aufschlussreichen Satz "Band currently is not touring". Ein Muster an Konstanz...
Beide CDs, also "Laidlaw" von 2003 und die aktuelle "The Foam Box Sessions", sind nun in Deutschland nochmals bei Just For Kicks Music erhältlich. "The First Big Picnic" nicht - da hat Mr. DeFalco entweder Gedächtnisschwund oder keinen Bock mehr drauf. Schade. Beschäftigen wir uns also mit den beiden "neuen" Elaboraten.

"Laidlaw" ist keine schlechte CD. Unserer damaligen Aussage "Alles in allem ein Werk, bei dem sich eine Perle an die andere reiht und das bei glasklarem und knackigem Sound" ist allerdings aus Rocker- und heutiger Sicht heftig zu widersprechen. Ein 5 Knuckle Shuffle (unbestritten ein mächtiges Südstaatenkrokodil) macht noch keine Perlenkette. Zu offensichtlich sind Pedal-Steel und viele Vocals - Sorry an Joey Pantera, ansonsten ein großartiger Sänger - an ein bestimmtes Publikum gerichtet: Stockkonservatives Redneckvolk, das seinen Arsch im Saloon zu Garth Brooks & Co. Polka tanzen lässt. Und noch einer hat die Platte verhunzt. Brian Joseph Dobbs, der Produzent und Engineer so vieler Mega-Acts, verpasste der ROCK-Band LAIDLAW einen matschig-muffigen Mainstreamsound, der keine Explosionen am Schlagzeug, keine Höhen oder Tiefen an sämtlichen Instrumenten und vor allem keine Rock & Roll-Sauereien erlaubte. Eine Peinlichkeit wie Ode To Ronnie könnte ein autarker Produzent ganz anders präsentieren.
Natürlich liefert Buzzy James mit Brings My Baby Down ein Slide-rockendes Meisterwerk ab und Carol Chase schmettert zu Never Been Any Reason ein formidables zweites Stimmchen. Natürlich sind auch einige der Country-Kommerzschmonzetten durchaus melodiebeseelt, aber LAIDLAW stürzen auf dem schmalen Grat zwischen Groove und Nashville zu oft auf die falsche Seite ab, um der CD echten Wiedererkennungswert zu verpassen.
So ist "Laidlaw" ein kommerziell ganz und künstlerisch halb missglückter und offensichtlich verzweifelter Versuch geworden, der seit 1990 bestehenden Band doch noch den entscheidenden Karrieresprung zu ermöglichen. Für Southernrocker und Countrypopper gilt allerdings: Nehmt die Schnittmenge aus diesen Zeilen und denen von 2003, dann sollte die Kaufentscheidung hoffentlich schwer fallen. Hähähä.

Wie oben gesagt, Craig DeFalco ist der Boss und er hat sich eine neue Band geholt und die ironisch als "Foam Box Sessions" betitelte neue CD eingespielt. Kehrtwendung und Abmarsch! Und zwar im wörtlichen Sinn, denn Revolution Is Coming propagiert gleich zu Beginn den wundervollen Chorus "I can hear the marching, revolution is coming". In Verbindung mit einer deutlich nach oben gezogenen Heavy-Gitarre und einem Shuffle zum Schluss ist das dann doch der echte Stoff. Yes, Sir, da wir wieder geschoben und gedrückt, gerockt und gerollt.
Der neue Sänger Robbie Locke ist stark, unterscheidet sich zwar prinzipiell nicht sonderlich vom alten, wird aber von der Leine gelassen und kann Soul (und Affinität zu Steven Tyler) zeigen - und gegen Ende der CD echte Klasse. Und vor allem gilt, dass der diesmalige Produzent auf harsche Töne steht. Joe Hardy hat neben unzähligen anderen Bands auch schon die grässliche "XXX" von ZZ TOP produziert und im Sinne der Band belassen - und damit wohl die wenigsten seiner sonstigen Meriten eingefahren. Aber er schraubt nicht künstlich am Sound einer Band. Bonuspunkt!
DeFalco hat offensichtlich einen Hang zu Tributes an seine Lieblingsbands. Diesmal sind LED ZEPPELIN dran, jedoch ist das Ergebnis deutlich angenehmer als das Geheule für LYNYRD SKYNYRD auf dem Vorgänger. Dem Text sollte man tunlichst keine Beachtung schenken...

Stringent ist das Schaffen der Band LAIDLAW und ihrer jeweiligen Protagonisten keinesfalls. Da wird mit Sunshine Woman zwischendurch den frühen BLACK CROWES gehuldigt, vorher dem "alternativen NuRock" ein Ständchen bei War Machine gesungen, danach ein böse dräuender Harp-Boogie für die Austin Cindy Wendy gebollert und gerne mal auch mittels Nascar Superstar für das amerikanische Rennfahrerspektakel geworben. Dann gibt's zum Schluss den extrem scharfen Funky-Stomper A Little Time, der irgendwo zwischen den CROWES und Sammy Hagar angesiedelt ist. Sehr geil ist das alles, vor allem wenn bei Let Your Love Light Shine ein echter Southern-Boogie mit ganz hervorragender Gitarre aus dem Busch hervorbricht.

So. Jetzt stehen wir mit der nassen Hose da und gucken blöd. Craig DeFalco kann mörderisch gute Musik machen. Er kann aber auch anders. Im Grunde kann er alles. Doch was ist nun authentisch? Was ist LAIDLAW wirklich? Die Band, die currently not tours und seit 9 Monaten keine News zu vermelden hat?
Soll sich Mr. DeFalco bitte äußern. Bis dato bekommt er an dieser Stelle einen Award für Wandlungsfähigkeit und ein tolles drittes Album. Der für Glaubwürdigkeit ist weit entfernt.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 24.08.2006

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