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| Diamonds Are Forever, AOR Heaven, 2005 |
| John Levesque |
Vocals |
| Michael Prince |
Keyboards & Rhythm Guitar |
| Adam Kury |
Bass |
| Roger Romeo |
Guitars |
| Jeff Poole |
Drums |
| Produziert von: Michael Prince |
Länge: 63 Min 24 Sek |
Medium: CD |
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| 1. Don't Turn Away | 8. Will You Remember |
| 2. Time Will Never Change | 9. Rain Down |
| 3. Good Time | 10. Loneliness |
| 4. King Of Speed | 11. Get You Home |
| 5. Trouble | Bonus Tracks: |
| 6. This Time Around | 12. Change |
| 7. Let It Go | 13. For All We Know |
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Tststs. Wo sie nur immer wieder herkommen, die Untoten und Bonsai-Klassiker. Jeder Sammler kennt die Situation, wenn er bei Plattenbörsen oder im Gebrauchttonträgerladen in den Kisten grabbelt und der Händler plötzlich hinter vorgehaltener Hand höchst konspirative Dinge wie "kennste die... absoluter Klassiker... suuuperrar... von '77" raunt, dann seufzt er in Angedenken an diese goldenen Zeiten und offeriert das leicht abgegriffene Wunderwerk für lächerliche 86 Euro, unter Freunden sogar für nur 80.
Die triste Wahrheit sieht so aus, dass es sich um eine Band von vor George Washington handelt, die anno Tobak in irgendwelchen Zeitungen (vorwiegend britische natürlich) für ihr fürchterlich ambitioniertes Erstlingswerk abgefeiert wurde, in hiesigen Läden aber nicht oder nur über unbezahlbare Importwege erhältlich war und demzufolge vom DJ der örtlichen Rockdisco jahrelang immer wieder zum Luftgitarrenwettbewerb aufgelegt wurde. Viel mehr als diesen einen Song brauchte man in der Regel auch nicht kennen, meistens war der Rest einfach nur Durchschnittsware. Album Nummer 2 und 3 nahm damals gar keiner mehr zur Kenntnis und die betroffenen Bands ruinierten sich ihren kärglichen Ruf in den von Synthesizern verseuchten Achtzigern vollends, bis sie sich irgendwann in aller Heimlichkeit auflösten um alle paar Jahre einen lauwarmen Comebackversuch zu starten. Bei Interviews sagen diese Bands dann immer "wir sind jetzt wieder völlig back to the roots gegangen und die neue Scheibe ist wirklich die beste aller Zeiten und mit der neuen Plattenfirma haben wir endlich einen vernünftigen Partner und außerdem ist unser neuer Rhythmusgitarrist unglaublich talentiert". Gähn...
LEGS DIAMOND sind so ein Fall von Semi-Klassiker. Die gibt's tatsächlich schon dreißig Jahre, aber bis auf ihre ersten beiden LPs dürften die wenigsten Menschen jemals von ihnen gehört haben. Wobei das Debut von 1977 durchaus ganz ordentlicher Melodic-Hardrock war, der Zweitling der typische nachgeschobene Schnellschuss wurde und die Zuckungen danach unter "Überflüssig" abgelegt werden durften. Nichtsdestotrotz lebt die Band seit über 10 Jahren wenigstens partiell wieder und hat nun nach den genreüblichen Resteverwertungen aus besseren Zeiten (in diesem Fall eine Compilation, ein Livealbum und eine Zusammenstellung obskurer alter Tracks) ihr erstes Studiowerk seit 1993 eingespielt. Dass sie dabei zu drei Fünfteln in Originalbesetzung am Start sind, macht die Sache eigentlich sympathisch, der unfassbar originelle Albumtitel "Diamonds Are Forever" lässt hingegen Zweifel aufkommen.
Dem Gourmet wird die ganze Platte quer im Magen liegen. Irgendwie klingt das Ding, als ob jemand Linseneintopf kocht und dann behauptet, er hätte sowohl die Linse als auch den Eintopf höchstselbst erfunden. Aber der Currywurstfan wird an "Diamonds Are Forever" Spaß haben, schließlich wurden bestens bekannte Glutamate und Farbstoffe verwendet.
LEGS DIAMOND sind heute sozusagen eine Coverband mit eigenen Songs. Ungefähr 98 von 100 Töne erkennt man sofort und beim Rest hat man einen Verdacht. Sänger Levesque ist hauptberuflich vermutlich Stimmimitator und die Songwriter der Band sollten einen anständigen Anwalt für Plagiatsfragen engagieren. In manchen Fällen ist es regelrecht dreist, wie die Band sich durch den (Hard) Rock der letzten Dekaden klaut. FOREIGNER, DEEP PURPLE/RAINBOW, AC/DC, SAGA oder kurz "Amerikanisches Classic Rock Radio" heißen die Bestohlenen. Ein klares Täterprofil ist nicht zu erkennen, dafür werden zu viele Masken verwendet und Haken geschlagen, festzuhalten bleibt aber, dass LEGS DIAMOND nicht den "Rosaroten Panther" [Dat is 'n Diamant und kein Plüschtier, Ihr Unwissenden!] geklaut haben, sondern es sich eher um nette Beschaffungsdiebe handelt, die sich ein Brot aus der Speisekammer krallen und die Brösel direkt wegwischen, damit dem Opfer kein Ungemach entsteht.
Der Fritz von der Wurstbude wird die CD also mögen. Und seien wir doch mal ehrlich, Currywurst mit Pommes ist lecker, wenn sie ordentliche Qualität hat (als Münchner kann man leider von guter Currywurst nur träumen, aber ich könnte da einen Stehimbiss in Düsseldorf empfehlen, da fällt dem Proletenfeinschmecker nix mehr ein).
Zusammengefasst kann man feststellen: LEGS DIAMOND haben ein Kreativproblem, reproduzieren aber ihre eingesammelten Versatzstücke durchaus überzeugend und sind eigentlich eine angenehme Kapelle. Ob man straffrei Nummern wie Good Time bei AC/DC, King Of Speed und Trouble bei... - also wer da nicht beim bloßen Anblick drauf kommt... - klauen darf, na ja, nicht die feine Art, aber in der Not und wenn's anständig und ohne Blutvergießen gemacht wird...
Urteil: Mildernde Umstände, Haftverschonung. Aber der Boden wird gewischt, und zwar ordentlich, das eklige Fett der beiden Balladen hat sich schon richtig festgefressen. Dafür haben sie mit Let It Go einen Bewährungshelfer, über den in 30 Jahren die Händler vielleicht sagen "kennste die... absoluter Klassiker... suuuperrar... von 2005...".
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