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Liquid Groove Mojo

Acoustically Challenged

Live & Unplugged
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Acoustically Challenged - Live & Unplugged
Acoustically Challenged - Live & Unplugged, Miracle Records, 2006
Joe Pitts Guitars & Vocals
Darrell Davis Guitars & Vocals
Al Hagood Bass
Bryan Blankenship Drums
Länge: 68 Min 02 Sek Medium: CD
1. Long Walk6. Time Is Running Out
2. High Price7. Sunshine
3. Hello Goodbye8. Back To Memphis
4. Cradle To The Grave9. If Heartaches Were Nickels
5. Storm Warning10. Aces High/Deuces Low

Im durchaus ernstzunehmenden Diskussionsforum der deutschsprachigen Southern Rocker äußerste sich dieser Tage ein durchaus ernstzunehmender Bassist einer (hoffentlich bald wieder ernstzunehmenden) Hamburger Band über die famose Live-CD unserer italienischen Freunde W.I.N.D. mit den Worten "Solide Live-CD, keine Frage. Dust my broom" ist für mich überflüssig...". Yo, dann möchten wir doch bitteschön die Meinung des hanseatischen Viersaiters über die Live-CD der vielbesprochenen und -gelobten Band LIQUID GROOVE MOJO aus Arkansas hören. Die ist nämlich unplugged und zu einem Gutteil gefüllt mit Coversongs.

Die Diskussion über gecoverte Bluessongs ist nur etwa 14 Tage jünger als der Blues selbst. Dem einem gefällt dies, dem anderen gefällt jenes, aber die Qualität nachgespielter Lieder lässt sich schon seit Jahrzehnten nicht mehr über die Werktreue des jeweiligen Interpreten definieren, ganz im Gegenteil, heute darf es durchaus mehr sein als nur die notengenaue Wiedergabe des Originals, eventuell noch in technisch hochwertigerer Verpackung als es der Urheber jemals geschafft hätte. Wie viele Ersatz-Hendrixe gab es schon, die deutlich fingerfertiger als Jimi himself waren/sind? Juckt es jemanden? Popa Chubbys "Electric Chubbyland" hat ein Zeichen gesetzt, Dust My Broom auf "Live In The Land Of Milk And Honey" von W.I.N.D. eben auch. Es zählen einzig die Faktoren Power, Seele, Arrangement, Frische und Begeisterung von Publikum und Band. Da schneiden LIQUID GROOVE MOJO auf den ersten Blick schlecht ab. Vor allem, wenn gleich zu Anfang eine zweifelhafte Version von DEADs Franklin's Tower mitsamt etlichen furios schrägen Tönen ertönt. Garcia wird's goutieren, schließlich war er selbst kein Notenfetischist, manches Ohr dürfte sich allerdings eher fragend kräuseln.

"Dass wir es mit erfahrenen Musikern zu tun haben, ist unschwer zu erkennen - ich möchte wetten, dass aus der Vergangenheit auch die eine oder andere reine Coverband im Lebenslauf der Musiker steht." Schrieb Fred Schmidtlein am 25.06.2005 in der Besprechung des Studiodebüts "Cradle To The Grave". Man verzeihe bitte die Klugscheißerei, aber wer über viele Jahre Musik (kritisch) hört, sollte hungrige Jungwölfe von Alpha- und Omega-Wölfen unterscheiden können. Letztgenannte sind die im Rudel untergeordneten Tiere - und dazu darf man, ohne despektierlich zu sein, LIQUID GROOVE MOJO zählen. Auch die sind für den Fortbestand der Population enorm wichtig.
Wenn sich allerdings auf dieser CD zwischen die zweifellos vorhandenen Akustik-Perlen dann doch auch gepflegte Routine-Langeweile oder gar Samstagabend-Bierseligkeitsblues mischt, darf der Aufstieg der bisherigen Omega-Jamrocker in die Führungsetage bezweifelt werden. So klingt Hendrix' Little Wing leider nach Pflichterfüllung und, nomen est omen, The Thrill Is Gone ist schlicht öde. Dagegen stehen natürlich so wunderbar daherrollende Songs wie Sunshine oder Cradle To The Grave, die nicht nur mit Intensität und Groove, sondern auch mit Herzblut überzeugen. Da sind zwei Gitarren mit Ambitionen am Werk und Joe Pitts bzw. Darrell Davis beeindrucken auch gesanglich. In diesen Momenten fühlt man sich an etliche Unplugged-Referenzwerke der Vergangenheit erinnert.

Noch einmal zurück zum Thema "xxx ist überflüssig" anhand des Beispiels (Got My) Mojo Workin'. Im Grunde hat Muddy Waters bereits vor Urzeiten alles zum Thema gesagt, dennoch steht man in Habachtstellung bei den hier zu hörenden außergewöhnlichen Soli von LIQUID GROOVE MOJO. Warum dann aber eine alberne Animations-Gesangseinlage folgen muss, die den überaus positiven Eindruck dieser Fassung flugs zunichte macht? Vielleicht doch ein Auftritt bei einem amerikanischen Straßenfest/County Fair zuviel? Dann doch lieber Dust My Broom in einer seriösen und so noch nie gehörten, packend boogieesken Neubearbeitung von einem italienischen Trio.

"Acoustically Challenged" erscheint in einer exklusiven Kleinauflage und ist in Deutschland nur bei Just For Kicks Music erhältlich. Das ist ein kluger Schachzug, denn interessierte Hörer sollten einigermaßen zügig bei der Bestellung sein. Auch wenn das bisher gesagte nicht so klingt, als Bereicherung für die hauseigene Sammlung stromloser Musik ist die CD allemal den Erwerb wert. Ein überzeugendes Statement für die Zukunft ist sie nicht. Da muss die angekündigte zweite Studio-CD ein paar Schippen in Punkto Eigenständigkeit und Songwriting drauflegen.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 29.12.2006

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